Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2101 (25.12.1924)
- Date
- 1924-12-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2981184--21473-3008786- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Gelte fi ” Wen, Donnerstag -- ---— - ■ ——■■ ■ Freund Dr. Weizmann schnell davon überzeugt, daß Kan die Ideale der Juden » Unmöglich in einem anderen als dem historischen Lande der Judenverwirklichen könne. Ich sagte mir, daß dieses Land so sehr mit ihrer Geschichte, ihrer Tradition, all ihren heiligsten Erinnerungen und ihren liebsten Hoffnungen verflochten sei, daß es ein sehr klägliches Experiment wäre, wenn man versuchen sollte, das auszuführen, woran ich und andere und, wie ich glaube, auch Juden inSüda m r r»k a, gedacht hatten. Ich denke daran, daß ern sehr reicher uud hervorragender Jude (Baron Moritz H i r s ch) den Gedanken einer großen Niederlassung in Argentinien hatte. Ich weiß nicht, wie ihm das geglückt ist. Ich bin aber seit dieser Unterredung mit Dr. Weizmann Zionist. Als dann der Krieg kam und die Resultate des Krieges änzuzeigen schienen, daß das Schicksal Palästinas in di« Hand« der Alliierten gelegt sein würde» da war es nur natürlich, daß ich nicht unter jeueu zurückstehen wollte, die dieses Land zu« Heim für die Juden erhoben sehen wollten. Die Balfour-Erklärung verkörpert, wenn auch unvollkommen, dieses Sehnen, ich Lin der Balfour- Erklärung — nicht weil sie nach mir benannt wurde, sondern weit wichtigerer Gründe wegen — immer treu geblieben. Ich glaube, daß keine ernste Partei, keine bedeutende Nation «ine Umstoßung dieser Politik zu sehe« wünscht, solange diese Politik bei allen Gelegenheiten zu zeigen vermag, daß sie für die Juden und für die Welt gute Früchte trägt. So weit ich beurteilen kann — es sind mir jetzt keine sehr genauen und vertrauenswürdigen Informationen zugänglich —, hat dieses sehr kühne und schwierige Experiment Erfolg. Diejenigen, die jetzt nach Palästina gehen — ich habe einige Hoffnung, daßauchich Gelegenheithaben werde, dieszutun—, berichten mir, daß zwar die Bewegung — wie alle Bewegungen bei ihrem Beginn — mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat, von denen einige erwartet, andere unerwartet sind, daß aber diese Schwierigkeiten nach und nach überwunden werden. und daß die Aussichten dieses großen und ungewöhnlichen Unternehmens allen denen wirkliche Hoffnung geben, die, wie lch, an den geleisteten Anstrengungen mit ihrem Innern beteiligt sind. Cs gibt Leute, die glauben, der Zionismus sei bloß dar Produkt einiger jüdischer Enthusiasten, die von einigen jüdischen Multimillionären unterstützt werden. Cs kann keine« größeren Irrt«« geben. Ich hoffe, daß es im jüdischen Volke Multimillionäre gibtich bin sogar sicher, daß es welche gibt —, die der Bewegung gewogen sind. Aber die wahre Unterstützung der Bewegung kommt nicht von den reichen, sondern von de« arme« Jude«. Sie ist ihr Ideal, sie ist ihre Hoffnung und sie tun aus ihren nicht reichen Quellen» was sie können, um die Bewegung zu unterstützen. Ich glaube, daß die Schwierig' leiten durch die Bereinigung der Anstrengenden, durch d'e jüdische Großzügigkeit und Freigebigkeit in weiten Landern Europas und Amerikas, endlich durch die Energie, Tüchtigkeit und Selbstaufopferung der Juden in PalälLstina selbst, überwunden werden. Wenn die Einigkeit zerbrechen sollte, wenn die Jude« in Palästina ihrer Aufgabe untren würden, wenn die Juden außerhalb Palästinas ihre Freigebigkeit derkümmern lasten würden, dann allenfalls müßte das Experiment mißglücken. Ich glaube, daß dies nicht zu befürchten sei. Ich halte rm Gegenteil an der Hoffnung fest, daß die Welt, soweit sie noch der Bewegung feindlich gegenübersteht» bekehrt werden wird und daß alle erkennen werden, daß das unzerretßvar« historische Band zwischen der Judenheit und Palästina wirklich vorhanden ist. Ich meine, daß vor allen Religionen der Well die christliche Religion diese Tatsache anerkennen sollte, daß sie mit warmer Sympathie das Wachsmm der Heimstätte, die Bereicherung der Heimstätte, welche die Nationen der Welt in Versailles Großbritannien als der Mandatarmacht andertraut haben, begrüßen sollte. Ich glaube, daß Sie alle hoffnungsvoll und mit Vertrauen — mit einem Vertrauen, daS um so wertvoller ist, als eS keine Vermessenheit ist — in die Zukunft deS großen Experiments blicken können." Ar Silbett filatzto« ««ch London adgerelst. Jerusalem, LS. Dezember. (I. T. A.) Der Hauptsekretär der palästinensischen Regierung, Sir Gilbert Clayton, trat am 18. d. die Reise nach London an. Seine Abreise hat hier zu verschiedenen Gerüchten Anlaß gegeben. Man will wissen, Sir Gilbert Clayton werde nicht mehr auf feinen Posten zurückkehren und Sir Ronald Storrs, der jetzt interimistisch dre Agenden des Obersekretariats leitet, werde definitiv auf diesem Posten bestätigt werden. Nach einer anderen Version will da» Londoner Kolonialamt Sir Gilbert Clayton dazu bewegen, noch längere Zeit in seinem bisherigen Amte zu verbleiben. Gleichzeitig wird mitgeteitt, baß sich der Oberstaatsanwalt Palästinas, Norman B e n t w i ch, von feinem Posten zurückzieht» um die Stelle eines KektorS der Philosophie an der Universität Cambridge w LbernebMM, Wiener Mor«rei,zeltimg. jr~~- _fe Bufol-KostSlnte reine Scha wolle, la Qualität K 490.000 Feinste Seideniior-Datnensirflnipfe frühei K 58.11-0 / jeist K 43.000 .Zdeststrumpk" nur L 7rattnerhof 2 f Gräben) Sotolow m Bukarest. Bukarest, 24. DeMnlber. (Tel. der „Wiener Morgen« zeitung.) Gestern wurde Nahum So ko low vom Kronprinzen empfangen. Die Unterredung, di« hauptsächlich die Fragen Palästinas betrag, dauerte zwei Strunden. Eine Echlavde Heniotr im Senat. In der Amneftiefrage. Paris, 24. Dezember. (Havas.) Der Senat hat entgegen dem Standpunkte >des Mriisters für öffentliche Arbeiten mit 153 gegen 143 Stimmen beschlossen, daß der Miederelwstellmtg der streikenden Eisenb a h n er als einer Folge des Amnestiegesetzes fakultativer Charakter Mom-ine. Ae M«er Io««. Frankreich «nd England einig. — Wieder versteckte Waffen in Deutschland. Paris, 24. Dezember. (Havas.) In dem heute aibgchaltemn Kabinetts rat brachte Ministerpräsident Herriol eine Note der britischen Regierung vom 22. d. betreffend die Auf recht er Haltung der Besetzung der Köln er Zone zur Kenntnis. Der Ministers genehmigte den WorÜcmt eines Memorandums, mit welchem di« französische Regievung feststellt, daß die aus Deutschland vorliegenden Informationen schon jetzt genügen, um aurf Grund des Versailler Vertrages die Unmöglichkeit der Räumung der Kölner Zone am 10. Jänner 1825 darzuttm. Die soiiiens der interalliierten Kommission neuerlich gemachten Entdeckungen von versteckten Waffen können übrigens die Beweggründe der Hallmtg der französischen Regierung nur verstärken. Die Berha-ndLmgen werden zwischen den Verbündeten im größtem Einvernehmen fortgesetzt. Im Mmstrrimn drs Aeußern wird gegenwärtig der Entlvuvf für die N o t e betreffend die Ratt'mung der Kölner Zone crusgea-ribeidet. Die Note wrÄ> Samstag der Botschafterkanferentz unterbreitet und nach deren Genehmigung der deutschen Roichsvegierung übermittelt werden. fraget IM Schuhei mit eingebautem y,B6/40fl“«Gummi-Absatz eine Bettrauenrlllndgebung (fit filiert. Berlin, 24. Dezember. (Wolfs.) In der gestrigen Sitzung des Reichst« binetts ist einstimmig ein« Kundgebung für den Reichspräsidenten E b e r t beschlossen worden. Um dieser Entschließung besonderen Nachdruck zu verleihen, begaben sich heute vormittags sämtliche in Berlin anwesenden RsichSmmisier zum Reichspräsidenten. dem BiMuzler Dr. I a r r e s (der Vertreter der Doutschnakionalen und der Regier Mg!) di« Entschließung des Kabinetts übermittelte. In der Kundgebung heißt es: Wir haben zum Teil in jahrelanger Zusammenarbeit mit Ihnen Ihr Wirken kennen und ihre Persönlichkeit politisch und menschlich schätzen gelernt., Auf Grund dieser Kenntnis iwünschen wir 'Ihnen zu sagen, daß wir einmütig, ohne Unterschied der Parteistellung, die Ueberzeugung haben, daß Ihre Tätigkeit stets dem Wohl des Vaterlandes gegolten hat. Der von Berlin abwesende Reichskanzler Dr. Marx hat den Vizekanzler beauftragt, dem Reichspräsidenten mitzuteilen, daß er die Empfindungen und Wünsche deS Kabinetts a u fr i ch t ig tei le. Di« preußische Regierung hat sich der Erklärung der Reichsregierung angefchlossen und den Reichspräsidenten der unveränderlichen .Hochschätzung und des Vertrauens versichert. fiin neuer politischer Mord ln Deutschland? Aus Köln wird berichtet. In dem um 11 Uhr in Köln eintreftenden Personenzug wurde ein Mord verübt, von dem cs noch zwei sei ha st ist, ob eS sich um einen Racheakt öder um einen neuen politischen Mord handelt. In einem Abteil zweiter Klasse - wurde der Major a. D. Korner mit e i n g e s, ch l a g ener Schädel decke tot aufgefunden. Da der Major noch in Deutz von dem Zugsführer lebend gesehen worden war, muß dev Mord kurzvorEintresfe» des Zuges in Köln verübt worden sein. Auffällig ist, daß zwar die Uhr des Ermordeten fehlt, dagegen ein größerer Geldbetrag bei der Leiche nn berührt \ vor-esunde» wurde 25. Dezember 1924 Nr. Sitz Ser Aufstand in Manie». Skntari und Alessio im Besitz der Aufständisch««, flfer marsch ans die Hauptstadt Tirana. Belgrad, 23. Te^mber. (Avala.) - BlättermMungen aus Albanien bestätigen den Fall von Skutari und Alessio nach mehrtägigen «mörderischen Kämpfen. Heftige Kämpfe seien bei E l b a s s a n, das von den Aufstün-dischsn angegriffen werde, im Gang, ferner rm Gebiet von B a l o n a und am Paß von Kiasa M a ri t, 15 Kilometer nördlich von Tirana. Achmed Zogu leite die Bewegungen zur Ei nschließung von Tirana. Die letzten Meldungen bestätig-en, daß die Aufständischen im Gebiet von Tirana weitere Erfolge erzielt hätten. Die Verbindung der Hauptstadt nrH Du razzo «ist feit zwar Tagen unterbrochen. Tirana gefallen? Belgrad, 24. Dezember. (Tel.-Kcmp.) Nach den letzten hier emgelaufenen Meldungen aus Albanien ist Tirana gefallen. A ch m d Zogu ist in der Stadt als Sieger eingezogen. Das Mitglied des albanischen Kabinetts Fan Noll, Hassan Beg Pristinac, ist nach Italien geflohen. Re AnMnng der Radlk>Partei. Die Parteileitung wird unter Anklage gestellt. Belgrad, 24. De'smiber. (Avala.) Die Neuerung hat beschlossen, unverzüglich mit der Auflösung der kroaiischtrepublikanische« Bauernpartei vorzugehen und die Parteileitung unter der Beschuldigung umstürzlerischer Tätigkeit sowie der Zugehörigkeit zur Dritten Internationale unter A nklage zu stellen. Nach privaten Meldungen sind bereits di« Haftbefehle gegen die Führer der kroatisch-republikanischen Bauernpartei erlassen-; o'vnitze sollen bereits verhaft^ fein. Me Renwahlea ia Aesypten. Am 24. Februar nach dem direkten Wahlrecht. Kairo, 23. Dezember. (Havvs.) Der König hat er« Dekret unterzeichnet, wonach das Parlament aurfgelöst wird und die Neuwahlen für den 24. Fbmar angesetzt werden. Die Wahlen werden nach dem alten Gesetze vorgenommen werden und nicht nach dem unter Zaghlrü angenommenen Gesetze, dasdasdirekteWahlrecht ein« fii'hrt. Die Wahlimänmrwochlen werden am 20. Jänner stattfinden, das neue Parlament soll am 6. März zusammentreten. Andenmlakster Sr. Matal« ertrankt. Dr. Mataja ist vor einigen Tagen an Di phtherd tis erkwinkt. Er befindet sich bereits auf dem Wege be* Besserung. Sie filettrtstrittnag der Auaderbahne«. Die Innsbrucker Nachrichten" veröffentlichen eine« Artikel deS Verkehrsministers Dr. S ch ü r f f über die Elektvifizlerung der Bundesbahnen. Minister Dr. Schürff schreibt unter anderem: Die bisherigen Resultate der Elek° trifizierungsaltton lassen zuversichtlich hoffen, daß trotz aller Schwierigkeiten früher cder später die Mittel und Wege gefunden werden, zunächst wemgstenS die wichtigsten und besonders geeigneten Bundesba-Hnstvecken für die elektrische Zugförderung ernzurichten. Cs ist zu evwarten, daß bereits zu Beginn des nächsten Jahres der elektrische Betrieb bis B-ludenz (ab Innsbruck) wird ausgenommen werden können; bis Ende 1826 dürfte die weitere Strecke bis- B r e g e n z und Buchs elektrifiziert werden, womit dann der Anschluß an die elektrischen Linien der schweizerischen Bundesbahnen hevgestellt fei» Wird. Die Bundes-bahnverwaltung beschäftigt sich zudem mit Studian für die Aufnahme äs elektrischen Betriebes auf der Strecke S a Iz b u rg—W ör g l—I n n S b r u ck uud der Semmering bahn, endlich auch auf de» Linien Kufftein—Wörgl und Innsbruck- Brenner. Für die Durchzugslinie Kusftoin—Brenner ist der Stro'M-de.zug aus dem ^a/enseewevk in Aussicht genommen. Leider mußte vorläufig die El-ektrisizierung der Tauernbahn zurückgestellt werden, weil der Verkehr ans dieser Strecke derzeit wesendlich abgeno-mmen hat, so daß die Wirtschaftlichkeit der Einführung des elektrischen Betriebes auf dieser Strecke in Frage gestellt ist Bei der letzten Vevkchrsikonferenz hielt der Salzburgs- Bürgermeister Preis ein Referat über die Elektrifizieruttg der Tauevubahn und die Beendigung des Mallnitz- und Stubachkraftwerkes. Minister Tr. Schürft erwiderte, daß die Gefahr bestand, daß mangvls an Geldmitteln jede Arbeit eingestellt werde. Die Generaldirektion der Bundesbahnen ist auch jetzt gezwungen, im Rahmen ihrer Mittel die GlektrifizierungSarLeiten fortzusetzen. Wenn das Spullerseekraftwerk fertig sei. werde die Generaldirekttion bestrebt sein, die Arbeiten der bereits begonnenen Merke in Angriff zu nehmen. Die Generaldirektivn hat sich in den letzten Monaten bemüht, b e i m G e n e r a lkommissär Dr. Zintmerman einen großen Betrag hiefür zu bekommen. Di« Zusichevungeu umfassen jedoch nicht einen so große» Betrag, daß man ein neues Werk an sangen könne. In der Generaldirektion ist jetzt die Meinung vorherrschend, daß ntan di« Arbeiten mög 'ühst weit fortsühren soll. Er sei der Ansicht, daß man di« Werke ausbanen soll/ sobald die Geldmittel hiefür vor- . Hände« sind.