Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2101 (25.12.1924)
- Date
- 1924-12-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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iPolen 2Qgroszsrl Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) nionatl. K 40.000 Straaaenverkauf in Wien durch die Kolporteure der .Firma Goldschmied, 1. Bez., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien u Oesterr. monatl. K 40.00' Tschecho-Slowakei- Mon.K 20. Jugoslawien^ Mon. Dinar60. P o I e n: Mon. 3*/t Zlotv, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k rH Belgien: Mon. Frcs. 15 MT N«eh*»hi unten "W> bei Pr*i«*rtinht'n<reii . Vorbehalte» Rr. 2101 Wiener . , > * [Prplc K 1400! England: Mon,4Schilling] Italien: Monatl. 15 > i»e, Rumänien Mon.ISOl «i, Bu Igarien Mon, £0 I ewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frei* 4« ^Mflktioo u. Administration Wien. II., Taborstr. 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, AhfiUbr abds. 21-102,25-282 IX. Universitätsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oeaterreichisches Postspar* kanspn * Konto NTr. 140.49$ ffitot. gonnerstng, 25. Sezember 1924 8. HahrnonR Die nächste Nummev bet „Wiener Morgenzeitung" erscheint am Samstag den 27. d. zur gewöhnlichen Stunde. Las Urteil gegen die Juden- LasCreMael- 'vordem MKrbundrat. Sie Resolutionen. — Es liegt nunmehr in einem Bericht der I. T. A. ass Rom der Wortlaut der vom Völkerbundrat am 10. d. gefaßten Beschlüsse in bezug auf das Erez-Jsrael- Mandat vor.' Darnach besagt die nach dem Referat des schwedischen Ministers - Unden angenommene Resolution: . „Nachdem der Völkerbundrat Kenntnis genommen hat von dem Bericht der permanenten Mandatskommission über die Arbeit der fünften außerordentlichen Tagung, jer» ner von den Beobachtungen anerkannter Vertreter der Mandatsmächte, sowie endlich von dem Bericht, der von dem schwedischen Vertreter vorgelegt wurde, drückt er leine Zufriedenheit darüber aus, daß die Mandatsgebiete im allgemeinen in Uebereinstimmung mit dem G e i st und dem W o r t l a u t des Artikels 22 des Vertrages und mit den. Bestimmungen des Mandats Verwalter worden sind. „Er drückt der permanenten Mandatskommission seinen aufrichtigen Dank aus für die großes Leistung und .den Eifer, den sie in der Ausführung ihrer Mission gezeigt, hat, und beschließt: . a) die Bemerkungen der Kommission den Regierun- - gen der betreffenden Mandatsmächte zuzustellen mit dem Ersuchen, die notwendigen Schritte zu unternehmen; . . b) den Beschlüssen der Kommission in bezug auf die Petition des Exekutivkomitees des pal äst inen sisch-- arabischen Kongresses zuzustimmen und, den Generalsekretär zll instrüieren^ ' daß. - er dieselben der. Ui> hebewr -yer Petition sowie der Mandatsmacht zur Kenntnis bringt." Diese letzterwähnten Beschlüsse gehen dahin, daß die Kommission auf Grund des vorgelegten Materials keinen Anlaß zu einer Stellungnahme findet, daß sie aber die Beschwerdeführer einladet, ihre Klagen nochmals vorzutragen. Dieser Beschluß steht im Gegensatz zu der Antwort des Oberkommissärs, der in dem arabischen Memorandum nicht weniger als 13 bewußte Unwahrheiten festgestellt hatte. Nach der Annahme der Resolution (was als wichtiges Detail festzuhalten ist) ergriff Minister Chamberlain das Wort und sagte: Die Mandatskommission und der Berichterstatter haben anerkannt, daß die Verwaltung Palästinas infolge der Bestimmungen des Mandats eine sehr schwere Arbeit darstellt. Er (Chamberlain) weiß nicht recht, ob die Kommiflion auch wirklich alle die Anstrengungen in Betracht gezogen hat, die von der Verwaltung in P ilästina gemacht worden sind, um der schweren Pflicht gerecht zu werden. Die bloße Mitteilung, daß den meisten Einwanderern jede landwirtschaftliche Ausbildung fehlt, steht kaum mit den Ergebnissen in Einklang, die während der letzten Jahre von der jüdischen Einwande- - rung gezeigt worden sind. Der Minister ist mit dem OLerkommissär in Verbindung getreten, dem eine Abschrift des Berichtes durch das Sekretariat des Völkerbundes zugegungen ist. Der Oberkommissär hatte gesagt, daß eine gewisse Zahl Einwanderer schon eine genügende Erfahrung in der Landwirtschaft mitgebracht hätte,. und daß viele andere sich durchaus fähig gezeigt hatten, den Bodingungen der Landwirtschaft zu genügen Die schnelle Entkhamberlains Rede. Wicklung und erfolgreiche Einrichtung verschiedener neuer jüdischer Siedlungen, insbesondere in Galiläa, bringe hierfür den Beweis. Besonders befriedigend sind die Erfolge jüdischer Arbeit in der Tabakpflanzung, die bisher' von jüdischen Farmern nicht gelernt worden war. In letzter Zeit ist das Element der Einwanderer ein etwas anderes geworden. Es kamen mehr bemittelte Leute, die in kleinerem und größerem Maßstab Industrien gründeten. . . . Nach Chamberlaim sprach der Vorsitzende der permanenten Mandatskommission, Marquis Theodolr. Er sagte, er habe dem Bericht der Mandatskommission nichts hiu-'uzufügen. Er wolle nur sagen, daß die Kommission nicht beabsichtigt habe, an ‘ der Verwaltung der Mandatsmacht oder des Oberkommissärs Kritik zn üben, sondern sie hätte es als ihre Pflicht empfunden, die Aufmerksamkeit des Rates auf die Schwierigkeiten der Arbeit des'Oberkommissärs zu - lenken. Ms Vorsitzender der Mandatskommission stimmt er mit dem britischen Vertreter voll überein, daß die Aufgabe des Oberkommissärs eine äußerst schwierige'sei. Aber zweifellos wird er durch allmähliche Erfahrung befähigt sein, mit gewissen Schwierigkeiten, die. aüfsteigen ° mögen, erfolgreich fertig zu werden sowie 'Gesetze und- Richtlinien einzuführen, die ein de fr re di ge «des E in w andern n g s s y st e m für dip Juden in. Palästina zur Folge haben mögen. - ' n vglmda and zts«. Aeutzerungen Balfoirrs. Lord Balfour empfing -am 18. d. in Leeds erm Deputation repräsentativer Zionisten Nord-Englands, die wünschten, ihm ihre Dankbarkeit für sein Wirten im Interesse der zionistischen Bewegung, dys. sich insbesondere in der Balfour-Erklärung ausdrückt, auszusprechen. Dr. S. Brodetskh war der Sprecher der Abordnung. Lord Balfour sagte in seiner Antwortrede, er sei seit langer Zeit Zionist. Er bekam zum ersten Male Interesse an der Bewegung, als zu Anfang dieses Jahrhunderts — während er in Dienst war — ein Vorschlag gemacht wurde, gewisse Teile des afrikanischen Gebietes, die , relativ unbewohnt waren — ganz unbewohnt von -einer zivilisierten Masse —, den Inden zuzuweisen. Cr unterstützte diese Idee, die ursprünglich die des Herrn Joe Chamberlain war, daß man ein Stück Land zur Verfügung stellen sollte, auf dem die Juden, die zu jener Zeit unter einer grausamen und brutalen Verfolgung in vielen Teilen Europas zu leiden hatten, eine Zuflucht finden und unter der Aegide Großbritanniens ihre eigenen Ideen einer Regierungsreform verwirklichen könnten. „Das erschien nur zu jener Zeit gut ausführbar", . setzte Lord Balfour fort, „aber ich wurde nach einer Unterredung mit meinem allen —7. W t c u, 25. Dezember. Das Magdeburger Schöffengericht hat den Beleidiger Eberts verurteilt und den klagesührenden Reichspräsidenten diffamiert. Rothart hat ihn einen Landesverräter genannt und muß dafür drei Monate sitzen. Aber Ebert ist, wie die Begründung des Urteils ausspricht, tatsächlich ein Landesverräter. Dieser Spruch des deutschnationalen Gerichtes ist erfolgt, obzwar Eben einwandfrei und unter Vorlage schriftlicher Anerkennungen der höchsten Autoritäten, wie Hindenbnrg, seinen Patriotismus Nachweisen konnte.. Die Magdeburger Schöffen haben sich aber nicht abhatten lassen, zwei Fliegen mit. einem Schlage zu treffen. Durch seine Beweisführung ist Ebert in den Kreisen der ehrlichen. Demokratie erledigt, durch die Urteilsbegründung wird die wildeste Agitation der Baterländler sanktioniert. Das witrde den Richtern erleichtert durch Herrn Ebert selbst, der die Zustimmung zu diesem Prozesse gab und alles Gewicht darauf legte, von den rechtsgerichteten Kriegshetzern als einer der ihrigen begrüßt zu werden.: Zur Vorbereitung hatte er den Kapp-Putschisten Traugott Jagow amnestiert, der als Polizeipräsident unter Wilhelm den Berliner Arbeitern mir seinem „Ich warne Neugierige!" gedroht hatte. Es half alles Herrn Ebert E)t>und weder'die einstimmige ' Bertrauenskundgebung des MsiWMinetts, noch die Erklärungen her Stresemannsichen „Zeit" können ihm Trost bringen. . . - $ Die Magdeburger Schöffen hatten das Ziel, nicht -so sehr den Politiker Ebert, als vielmehr die Republik in ihrem höchsten Repräsentanten, zu schmähen und zu beschimpfen. Ihr Urteil ist eine neue Etappe in dem Kampf der republikanischen Idee gegen die aktive monarchistisch-reaktionäre Agitation, die den im Jahre 1910 geschaffenen Staat als Judenrepublik zu diffamieren bestrebt ist. Der herrschende deutsche Geist hat eine scharfe Grenzlinie gezogen. Was nicht seiner Meinung ist. was demokratisch und freiheitlich denkt, das ist jüdisch, alles andere deutsch. Diese Grenzlinie geht von falschen Voraussetzungen aus und. kommt zu falschen Schlüssen. Aber das ist ihren Bekennern bewußt. Sie haben sich von den Franzosen den Begriff der Rasse abgcborgt und konstruieren aus ihm eine arisch-germanische Nasse als den' Inbegriff sämtlicher in Sprachgebrauch und williger Vorstellung vorsindlichen Tugenden. Ihr wird der Kontrastwirkung wegen eine unmoralische, hassenswerte, und auszutilgende semitischjüdische Nasse gegenübergestellt, die alles Böse verkörpert- Das ist in. wissenschaftlich schillernder Theorie . niedergelcgt und hat seine politischen Ausstrahlungen, die über die Grenzen Deutschlands hinansgehen. Das international organisierte, nationalistisch sich gebärdende antisemitische Lmupeugesindel aller Staaten kann sich stets ans die einschlägige deutsche Literatur berufen, wie ja Deutschland zu allen Zeiten die geistige Heimat aller Reaktion, aller Hetzereien gewesen ist. * An dem von Deutschland gekommenen Schlagwort von der Judcnrepttblik haben sich alle berauscht, die nur eine sozusagen geistige Unterlage für ihren Krieg gegen das Judentum suchten. Es ist deshalb begreiflich, daß ans jüdischer Seite die Vorgänge in Deutschland mit dem stärksten Interesse beobachtet werden, aus der Erfabrnug heraus, daß alles, was in Deutschland politisch geschieht oder unterbleibt, in irgend einer Weise ans das jüdische Leben auch außerhalb des schwarz-weißroten Herenleflels reflektieren muß. Weniger begreiflich ist eS, daß man aus jüdischer Seite trotz aller Erfahrungen den optimistischen Glauben an eine demokratische Entwicklung Deutschlands nicht aufgeben will. Daß die von Juden geschriebene große Presse des deutschen SvrachkretieS diesen Jrrw^bn nährt. ist aus der Psychologie der Assimilation, aus ihrer Gehirn- Verkalkung und rückgratlosen Feigheit mühelos zu erklären. Aber es kann nicht ernst genug davor gewarnt werden, dieses Spiel mitzuma hm. Das Judentum außerhalb Deutschlands, das den geistigen Einfluß der Hurrahschnle, die übergroße Anziehungskraft der Parolen der gepanzerten Faust feinten und werten gelernt haben sollte, läßt sich dtlrch die Zupsgeigenlicdcr der deutsch und kreu schreibenden Gilde leicht dazu ver- U C I ITC FILM UND KINO leiten, auch auf eine schlagkräftige, kampffreudi-e deutsche Demokratie zu hoffen, die dem Gelüge von der rassischen Minderwertigkeit der semitischen Beduinen^ Horde ein Ende machen Wird. Wie auf ein Signal Hai die Asiimilantenjourna» listik nach den letzten Wahlen von einem Vormarsch des demokratischen Gedankens in Dentschkaud geschrieben, gesagt und gesungen.. Das Magdeburger Urteil, das bett Prcisidcnien der Judcnrepublik trotz aller Kriecherei, trotz seiner flüglichen Beteuerung stramm vaterländischer Gesinnung, aus Messet liefert» ist das stärkste Dementi dieser Lieder. nnd das Judentum hat alle Ursache, sich wchisvan einetn llbebben der antisemitischen Sumpfslm vormachen zn lassen. ..am i 'iiiiiiM iiiiig>i»^riiiiiiaiwiiniiiniii>iiwM VIEL GELD ersparen Sie beim Einkauf von Stoffen für Herbst und Winter, Damen- und Herrenwäsche, Leinenwaren, Strick* und Wirkwaren, Teppichen, Vorhängen usw. zM- Im Warenhaus [ Schiff mann II. Taborstraße 48 TeifliiHon 4?*!»78 k» gro« tndatale 73