Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2100 (24.12.1924)
- Date
- 1924-12-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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OM S _Wien, Mittwoch_ dev üMvikanischen Politik beleidigt, sich trotz ihrer stSMsettlM Abneigung miteinander zu dem Zweck zusummen finden, dem hochmütigen Riesen eines am Zeug zu flicken. „Daily Telegraph" skizziert den Inhalt des Vertrages: Japan verachtet auf die in dem Portsniouther Frieden von Witte unter Roosevelts Patronanz zugestandenen Neckte in Nordfackalin, erhält aber dafür langfristige Konzession für die JuMutUNg dortigen Oelfelder. Nun ist düS Del Mckft Kohle Und Ersen das l-eiligste Element der WelfpMik, die Von Abrüstungsidealismus trieft Wd blanker, engstirniger EhaUvuüÄMls bleibt. Für das Dtzl von Mossut. für die Kohlen in Mitteleuropa sind im Melüriog und auch nachher ganze.Armeen gestorben und eben jetzt weinen die ^sPanMen Mütter wegen des Eisens im Atlastzeöirge. Die Sachalinschen Oelfelder sind für Japan wegen seiner Kriegsflotte wichtig, die Kriegsflotte braucht es gegen Amerika, das durch die stete Gesabr an der freien Beweglichkeit gehindert ist. Dies kann Rußland wieder in seiner asiatischen urrd euroväischen Kam» pagne ausnnhen, da ihm Ja.van Len Rücken deckt. Das gemeinsame BoMhen der Weltftaaien ist somit an der entlegenen Omentstonk durckoeochen und es toi'tb sich darauf deduzieren, daß in Paris und in London einige Polizisten unter dem Prätext der Kommunistengefahr auf armselige Einwanderer losgelassen werden, die aus Rußland geflüchtet sind und, da sie doch nun einmal Bolschewiken sind, auch in Amerika nicht eingelassen werden. Die Politik aller Staaten führt immer wieder auf die chauvinistische Pest als die Ursache aller Nebel zurück. Die Orientvölker übernehmen den Nationalismus von Euwpa und üben ihn, so wie sie ihn gelernt haben. Amerika bekennt sich zu der von Madrson Grant zurechtgrstutzten Chamberlainschen Lahre von der Ueberwertigkeit der nordischen Rasse und sperrt alle anderen aus, womit es den tödlichen Haß Japans erringt und sich für ein halbes Jahrhundert den Rassenkämpfen ausliefert. Das imperialistische Japan steckt sein Geld in Armee und Marine, das imperialistische Rußlack) laßt sein Volk verhungern und die europäischen Staaten gehen an ihrem Wafsenwahnsinn zugrunde. Das ist der Ruck nach rechts, den die Bald- Wm-Wahlen ernleiteten. Ne zionistische KülünisaüorlspMik in tzrer Fsruel. I e r u s n l e m. Mitte Decker. DaS Mitgilich des Finanz- und Wirtschastsrates der AbuMschen Orga-msat'eott, S. Kaplans ky. hat nach dem Beschluß, d'« FinM^onirolle der palästinensischen Tätigkeit von London «ach Jerusalem zu verlegen, seine TÜtigkert in Eveß Israel «Memmmem In einer Unterredung mit einem Vertreter der Palastina-Korrefpondenz zollte Kaplansky warme AnerkemMg der Tätigkeit seines Vorgängers Herrn E t t i n g 11, dessen Erfahrung und Hingebung zur Schaffung der Keren Hajessod-Siedlangen wahrend der letzten vier Jahre viel beigetragen haben, und äußerte sich sodann über die Kolonisationsaufgaben wie folgt: ,Jch finde in Eveg Israel eine Fülle von Ersichrnng Arbeit vor, die uns die Möglichkeit gibt, alle gesunden und für d.ö Dauer wevtvollen Grundlagen des früheren Kolonisation ssystems ausMÜtzen. Unsere erste Aufgabe muß sein, den zukünftigen Bauernstand üuS den Reihen der landwirtschaftlichen Arve iter, die ihre Fähigkeit in jahrelanger Ausdauer uckd Aufopferung erwiesen ha'ben. a u S z u w ä h l e n. Wir müssen «ns bemühen, mehr Pan und Methode in nn'ere lanÄvirtschaftliche Arbeit hinemzM'mgen 'und bei den Siedlern seW ein gewisses V e r a n t w o r t u n g 8gefühl gegen die Zionistische Organisation als le! onisierende Körperschaft und de« Ke reu Hajessod, ihrem Hauptsinanzlttstrument, zu erwecken." > I« bezug auf die Iminigranten der sogenannten Mittelklasse, die sich, auf dem Skrbe ausiedeln tvolleu, meint Herr KaPlansch, daß ihnen.Hilfe gewährt werden muß. „Diese Elemente, die mit ewigen Mitteln versehe« sind, kommen jetzt in wachsendem Masse vr« Osteuropa nach Erez Israel. Sie sollten für «nsere landwi-rtMftliche Kolonisation benützt werden. Ich bin der Meinung, daß Garantien ersorderl-'ch find, daß diese Gtemenw sich auch wirklich für die Landwirts-Haft eignen und daß Fehler, die — vom nationalen Slandpunkie — von derartigen Siedlevn begangen wurden, für die Folge vermieden werden. Der Keren Hajessod muß Mittel finden, um diese Elemente in feinem landwivtschaftlichsn Budget zu berücksichtigen, und dem Keren Kajemeth werden'sie sehr willkommen sein. Immerhin, wen« außer den Ehalnzim, die sich für die Landwirtschaft vorbere'tet halbe.«, einige hundert derartiger Familien kolonisiert werden sollen, müßte für deren Ansiedlung und die Sicherung der bestehenden Siedlungen, da s landwirtschaftliche Budget meiner Schätzung «ach mindestens verdoppelt werden." Herr Kaplansky führt aus. daß seine Ansichten, i« bezug auf die verschiedenen Siedlungstype«. ihm reichend bekannt find. Cr fügte hinzu, daß er mit der größte« Unparteilichkeit sowohl die genossenschaftlich« Siedlung als auch die kleinbäuerliche Eiwzellsiedlung unterstützen werde. Beide Typen werden bei der Lösung des fun-damentalen Problems der zionistischen Landwirtschaft in Erez _ wiener Mar^enzettunft. Israel nach ihren Erfolgen beurteilt werde«. Dieses Problem besteht W dör' Fwge der WWmg de.r Produktivität >der SieÄwr. Di^e müssen es' dahin bringen, ihre Wirtschaften ohne Zuschüsse zu führen, die Aufnahmsäbigkrit der Siedler zu vergrößern,' mn für die zuitvönwN'den JnnnigrMlen Ra>wM zu gewinnen Md zugleich die Kostet! der KolMisat'M auf ei« Min'llMM tyi redu» ltlvren,' 6k anderes Problem» das KaMnskh uud seine MitaMitcr beschäftigt. ist die O r g a n i s a t i ö « v o lt Absatzgebieten für d'e^ Produkte unserer Siedlungen mW die Gntwicklu'ng der landwirtschastüchrn Industrie. Zu seiner Freude konnte Kaplansky festste ssen, >>aß die von der landwirtschastlicken BersiichZstät'on der ZionistisüM Organisation anaestcllten Versuche der Bereitemg von Rübe n r, u rf« r u«d A l ko h o l aus Durrha befviediMd an ^'fallen sind. Es ast zu hoffen, daß diese Versuche zur Schaffung cntsprech«üder Jndustrirtt mit Prlvatkapiml führen wevden. Rah«« Cotolo« In Blltareft. kEiixndisM der „Wiener Morgenzeitnug".) Bukarest» 23. Dezember. Aahum S o k o l o w, hi hier zü den BeratunM betz rumSnischen ZioniüentagrS einqetrofftn ist, wurde gestern vom Köniy in Audienz empfangen und dm Dejeueur zugezogen. Außenminister D u e a gab zu Ghtktt G-kplowS ein Diner. Mas'm. * Belgrad, 83. Dezember. D!« Meldungen Über die Vorgänge in Albanien sind größteiMls widersprechend. Angeblich sollen die Äusständischon Kr Um wieder ^urückevobttt haden. Rach einer andrreu Version seien bk Regieru.ngStmppen Beivattr Zurs siegreich und marchi.ren auf Kitkus. Nach den letzten Berichten haben die unter Führung Achmed Zogus stehenden Truppen der A u ft ä n b ische n Tirana von Norden «nd Westen. e i n-- geschlossen. Nach einer Meldung aus Debar haben heute mittags die Aufständischen den Angriff gegen Tirana begonnen. Im südlichen Albanien hat sich die Stellung! der Negierung Fan Nolis gebessert. Sie verfügt über 12.000 Mann, die dem MobAisievungsbefehl der Regierung Folge Meistet haben. Der englische Md griechische (Gesandte erschienen heute beim Minister des Aeußern N i n c i k und besprachen Mit ihm die Ereignisse in Albanien« Gin Protest Jugoslawiens im Foreign Ossiee London» 22« Dezember. (Reuter.) Der jugoslawische Gesandte-Hat den: Foreign Office eine Note überreicht, wo- Än gegen di eiAngaben oer awanesischen Negierung p r o t &» stiert wird, wonach der gegenwärtig« Aufstattd von scrbischen Banden organisiert werde. In der'Not« wird die Verantwortung für den Auisstand den Bolschewiken zugeschrieben. Las Verfahren geoen Mlhüidt eingestellt! Berlin, 23. Dezember. Das Hochverrats- und Meineidsversahren gegen den skirnerzeit aus der Untersuchungshaft geflüchteten Führer der Ehrhardt-Brigade, Kapitäuler.tnant Ehrhardt, wurde Vorläufig eingestellt. Es soll wieder aufgenom'men werden, sobald Ehrhardt wieder verhaftet ist. (Wozu zu hemerkey ist, daß Ehrhardts Aufenthaltsort seit langem allgemein bekannt ist, daß also die „vorläufige Einstellung" des Verfahrens nur eine neue Nuance in der Komödie bedentcl, welch« die deutsche Hochverrate rische Justiz im Falle Ehrhardt üusfüyrt. Die Red.). tzbert» Patriotismus brftiitigt. Rothart verurteilt. Im Magdeburger Prozeß hat Ebert gesiegt. Der Deutschn-ationale Rotbart, der ihm Mangelnden Sinn für die Durchhaltepolltik vorgeworftn hatte, ist zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden« Der Wahrheitsbeweis ist nicht erbracht worden. Ebert konnte nachweisen, daß er in die Leitung des große« Munit'wnsarbeitevstreiks im Jänner 1918 nur zu dem Zweck deS ang,^vandie.n VatviotismuS eingetreten war. Gr konnte auch Briefe illustrer PersMichkeiten, vor allem Hin.denbur-gs, vorlegen, die ihm sein« Lohalitä-t und vaterländische Gesinnung bestätigten. Es ist Nunmehr gericht'svrdnungsmäßig festgestellt, daß Herr Ebert sich keinen Vomurf machen kann, vor vier Jahren an dem Kampf gegen das grcße Morden teilgenommen zu haben und daß ihn an nationaler.Zuverlässigkeit niemand übertrefsen kann. Er ist nicht schuld, daß Wilhelm den Thron.verloren hat und er gehört n'cht zu den Novemberverbrechern. Er hat Anspruch auf Ludendorsss Freundschaft. Ae standhaften StreftWSuarr. Berlin, 83. Dezember. Di« NatwnMbevake Korreispondenz teilt mit, daß die Bemühungen gkivisser Kreise, die Stellung der deutschen V o l k S v a r t e i zur Regierungskrise zu verdunkelst und ihre eigenen Zwecke dadurch zu fördern, fortgesetzt werden. So meldet neuerdlngS eine Nachrichtenstelle, daß in bestimmter Form Gerüchte austreten, wonach die deutsche Volkspartet in eine N e g i e r u » g d e r M t t t e eintreteu werde, tu die sie neben Tr. S t r e s e m a n n drei weitere Mitglieder entsenden werde. Die Kolnbinalion ist v 3 l l i g a u s d r r L u f t gegriffen. ' 24. Dezember 1924 M. SlkV - ---—-MKmwafci—*1Uiwiiini rill .nBH.Hi ww«, EMwchl ins Lntethaus. Das Mandat I. C. MottlS. Dnnvee. 23. Dezmbek? (Neutsr.'i Bdt der GMwstz für den verstötbenen Deputittten M o r k l' tsi düs Mitglied det Arbeiterpartei, I ö h N st o tt, gewählt worden. Die Züchter des GsuvrrrrMs. Panis, 88. Dezember. (M-Komp.) I>, der Kammer küst rS heute während der Debatte über die Durchführung der Wühle? in Guadeloupe zu anfsekieNerretz-Udtv Szenen. Eine Reibe von Rednern schilderte, bou dem Ko» ^onieuminister wiederholt durch Zwischenrufe unterbrochen, in ah» fälliger Weise die Berhältnisse in den ftünzöstschen KöidNitN. Als einer der Redner den Gouverneur B o t 8 n e U f persönlich üu« tzAsi, miichie M T d ch t r r brsGouverneurß», die zu dieser 8i'ammerdebatte eioens nach Pari st gekoMme» war. von der Tribüne aus in die Verhaudlungkn der Kammer, indem sie den llirdner durch laute Zwischenrufe wiedtvholt unterbrach, bis sie durch Ordner aus dem S a ü l» e- U t s e r n t würde. Ler Wechsel in der Wiener mstischen EesaadUchast. Witztt, öst. Dezember. Der scheidende Gefa'nidt'e der Union der Sozialistischen Sowietrepublrken, Wladimir Christiauowitsch A u f k e m, ist gesiem mittags beim Bundespräsidenten Doktor Hainlsch erschirnm. MN ihm sein Nbberustmgsschreiben zü überretchstt. Sodann erschien in BeglUtuntz detz diplomM'chen Personals der Gesandtschaft der neu ernannte Gesandte der Untou der Sozialistische« Sowjetrepubliken Ädolf Abramowttsch Joffe und überreichte dein BundesprästdeuteN sei« BeglaubigUngSschreiben. Sie «asarlsch'Sstrmichlschm Wirtschaftsverhaadwngev. Bor bet Wiederaufnahme. Budapest, 23. Dezember. Wie „Az Est" von infor» imeMr Seiite erführt, Mt die Wlederanfnahm« der -ulMrii'chösterveichiifchetr WivtschaftsverhaMnnge« nnmittelbar bevor. Die Regieru-ng entsendet zstdlÄsem Zlveck in den nächstett Tagen den Ministerialrat Dr. Ferenczy zur Aufna.hme der Vowerhandlungen nach Wien. Höchsttvahrscheinbich koimnt eS Zn AbändeMugett deS Warenköntmgentvertrages, wobei den bstetreichischtz« Wünschen nngavifcherseits i« weitgehender Weise Rechnung »Stragen.werden.soll. Sar Budget der Gemrinde Wien aageaomme«. Der Bürgermeister droht mit einer Aendewng der Gemeindöstatute«. Der Wiener Gemeinderat hielt gestern seine letzte Sitzung vvr den Ferien üb.^Die restlichen Posten des Gemolttdebudgets wurden angenommen und somit das gesamte Budget der Gemeinde samt Bedeckung zum Beschlüsse erhoben. Bei der Budgetpost „Förderung von Kunst und Sport", für welche eine Milliarde vorgesehen sst, erklärte Gemeinderat Beißer, die Gemeindeverwaltung stehe auf dem Standpunkte, notleidende Theater nur dann zu unterstützen, wenn sie einen Einfluß auf ihre Leitung bekomme. Deshalb fördere die Gemeinde lieber die Organisationen' der Theaterbesucher. Knapp vor Torschluß gab es noch eine erregte Auseinandersetzung zwischen Majorität und Opposition mit politischen Pikanterien. Bei der Behandlung eines Geschäftsstücktzs Über einen Stadtbahnbau in der Hietzinger Allee entspann sich eine politische Debatte zwischen Swbtrat Kunschak und dem Bürgermeister. Stadtrat Kunschak warf dem amtsführenden Stadtrat Emmerling vor, daß er seine Anordnungen eigenmächtig mit Ausschaltung des Gemeinderaies treffe und daß der Bürgermeister dieses Vorgehen decke. Stadtrat Emmerling berichtigte,.daß diese Post schon einmal dem Gemeinderat zur Beschlußfassung Vorgelegen sei, und Bürgermeister Seih erklärte namens seiner Partei, daß er das Vorgehen der amtsführenden Stadträte durchaus billige und nicht der Ansicht sei, daß man sich gerade bei einem Bau sklavenartig an die Gemeitrdestatuten Hallen müsse. In diesem Falle würde gerade das Gegenteil einer demokratischen Verwaltung erzielt und die Verfassung der'Gemeinde ad absurdum geführt werden. Wenn aber die Opposition dennoch auf der genauen, Auslegung der Verfassung beharre, so erinnere er sie an dos B o r g e h e n der Mehrheit i m P a r l a m e n t,' die willkürlich über die Köpfe der Opposition hin-, weg, was ihr beliebe, beschließe. Dieses Vorgehen werde die Rathausmajorität veranlassen, eine gründlich^ Aenderung der Gemeinde ft atuten .durchzuführen. (Ruse bei der Opposition: Wir lassen uns nicht bedrohen!) Er für seine Person wünsche aber ein Einvernehmen der beiden Parteien sowohl im Parlament als auch im Gemeinderat. Vor der Nachmittagssitzüng des Gemeinderates fand eine kurze Sitzung des Wiener Landtages statt» in der die bereits angekündigte Erhöhung der Hundesteuer auf 100.000 K.» das Doppelte de8 bisherigen^ ' Beirages, b e s ch l o s s e n wurde. Außerdem wurde' eine Neuregelung der G r u n d st e u e r und der Pension?bon>e sür Lehrer genehmig t.