Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2097 (21.12.1924)
- Date
- 1924-12-21
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Men, Sonntag Wiener Morgenzeitung. A. D-z-M-r 1W1 R«. 809^ TM TOMS OIE WELTMARKE fiJAOSCHf„ TPETORN REGlSTß WINDJACKEN ArbeitSmLntel, Overall-Anzüge, Schlosseranzüge, Kellnersakkos, Fleischhauersacken u. s. tv. ^Äf^GROSSBARD VII. Burggaff« Rr. 81 - Tel. 34-0-25 Unerhört billige Seidenstoffe! Wir brineen diese Woche unter anderem zum Verkauf; la. Crßpe de Chine* 100 ca breit ......... K 115. oeo Ilm. Crßpe de Ch|na .............. .K 75.ee» Crep Marocain, Impr. ..K 95.0oo Orlp. Japan. Pongls Io allen Farben ....... K 35.ooe la. Waschsamt, dopnetbreit N 50.000 Seidentrikot, 140 cm breit.. K 6O.000 ferner 1oo cm Coupons, Seidenstoffe, Silke, Samte zu halben Preisen 843 SEIDENHAUS KOMORNER I. 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Hiezu schreibt der jüdische Historiker Armin Bere-gi: „Diese Schlußfolgerung ist geeignet, über die MünZenpragunM der Juden eine durchaus falsche Auffassung zu verbreiten. Bekanntlich wurden di« ältesten nn8 erhaltenen jüdischen Geldmiinzen zur Zeit der Makkabäer geprägt. Die auf diesen Münzen sichtbaren Verzierungen und Embleme» Motive: Becher, L'vlienstengel, Palmenzweig, Füllhorn, LorbeerMi-g, Obivengsweig, sind sehr PräFs und nak-rgewe« und durchans wicht veryerrt dargestellt. Erweckt die eine oder andere dieser Gn«grav4evrml»n den Eindruck des, ..Prinüivcn", \o ist das darauf zurückzuführen, daß der Meister der Pränicht aus der Schule der hellenischen Kunstrichtung hvrist, sondern der ägY-plischchabyl-onr.'ckM Nichbvtg ange-horte, die bekanntlich, jedem Realismus aibhold, durch bswutzte Primitivität in die Volksnrassen eiiMdvinigen verstand. Es such nicht KönigMpfe oder Tiergestalten, sondern Symbole aus die jüdischen Münzen geprägt norden. Die auS den späteren Epochen, der Zeit der Pvokuvatvven (30 vor MS 70 nach unserer Zeitreck-nuinig), stammendm Kupfer- und BronzemnnM sind in sehr schlechtem Zustande erhallen, stnd aber herrliche Zeugnisse der vorgeschrittenen Kle'mplastik. Die kleinen Gebdnninzen aus der Zeit deS HerodeS Agrippa (37 bis 44 nach unserer Zeitrechming) weisen aus der «inen Seite ein Zeltdach und aus der anderen Weizenähren von' solch künstlerischer Vollkommenheit auf, die jedem Vergleich mit gleichartigen Werben hellenischer Kleinplastik standhält. Die zur Zeit deS Bcvr-Kochba-AufftandeS geprägten Scheidemünzen konnten ebensowenig künstlerisch vollkommen sein, wie ettva das ,,ungarische Gold" im Jahre 1848. Aber eines lassen, die meisten Kritivor außer acht. Ich weiß nicht, ob schon darauf hiivgeliviesen wurde, wie primitiv di« Inschriften auf den meisten, künstlerisch vollkommensten griechischen umd römischen Ge-ldmünzen, selbst aus dm Werken ihver Großplastik, und wie wenig harmonisch die Buchstaben und ihre Rechuwg vom Gesichtspunkte der Schriftkunst sind. Das kann vielleicht erst heute gang empfunden werden, wo die Kunst des Schriftschmuckes auf der höchsten Entwicklungsstufe stcht. Nun denn: Auf den jüdischen Münzen ist gerade die Schrift nicht primitiv. Sie ist vollkommen, man merkt ihr an. daß sie flüssig, mit künstlerischem ZiÄbewußtsoin gemacht wurde. Sie bewegt sich in der Richtung dn heutigen Methoden der Schristschmückung. Mr gchen vielleicht nicht fehl, wenn wir annehmen, daß manche der hellenischen Brldhaner Analphabeten waren, welche die Schrkftzvichen nach Vorlage mechanisch nachzeichneton, während der jüdische Gvldpväger auch in der Kunst deS Schreibens bewandert war. Ein noch völlig, unentschiedenes Problem der Nnmismatik bildet der UrspvnnH der „BakIrischen Geld, münzen". Diese Münzen von wundervoller Vollkommenheit, die in jenem entlegenen Reich Alexanders geprägt wurden, sind von dvn hellenischen grundverschieden, auch schon darin, daß sie aus der Rückseite „orientalische Schrift-eichen" ausweisen. Ein Blick aus sie genügt, um sich vom syrisch-jüdischbabhlonischen Ursprung dieser Schristzeichen zu überzeugen. Nehmen wir nach dazu in Betracht, daß der romtetre Teil der in babylonische Gefangenschaft geratenen Juden von hier noch, wärtS in das Sand der Parthen. wo das Reich Battrian entstand', verbannt wurde, so dürsten wir vielleicht eine Erklamng dafür, finden, wie und durch wen die so viel gerühmten, vuinstlerisch vollkommenen . cmenmHchm Schvös^eichMaus die Reversseite der baLtrischm Müngein kamen. 8»r Naturgeschichte des Schlagwortes. Mehr denn je beherrscht das Schla-gwort unsere Sprache, nnser« Ansichten, unser WM>bilI>d. Bsim Spvechvn wie beim 'Denken lnsttvandeLn wir zumeist in einer Allee von Schlag- Worten, di« unser Wesen weit stärker beherrsche^, als wir zu» gestehen wollen. Wkr l smd uns. Wmeisi gar wicht «ar darüber, 'wie sehr unser« Begriffe von.Schlagwortevn dürchtronkt find und kommen auch in den allermeisten Fällen in arge Verlegenheit, sollten wir den Ursprnng dieser oder jener fefdgeprägten Redesorm angeben. Es' gehört eben zum Wesen des Schlagwortes, daß es seilbswevständüch wird, daß wir güauWit, es sei stv „ewigen Zeiten* 4m Umlauf, sei im Geist der Sprache fest Vevankert. Da ist es dann ganz lehrreich und anregersd, ans einem. Keinen Le Mm für diese Wortgattung (Ladendouf, '^Historisches Schlagwörlerbuch^ zu erfahre«, welche Bswandt- «is eS mit dieser Uvewigkeit hat. Man wild z. B. darüber belehrt, daß, obwohl der Judenhaß sicherlich aus ein altehvwürdiges Alter zurückblickt, doch das Wort Antisemit erst 1879 von Wilhelm Marr erschaffen, wurde und von der deutschen seinen „Siegeszug" m sichere Sprachen angetreten hat. Auch „chrWichfogial" wurde erst 1878 von Hofpfarrer Stöcker als Pcwieibezeichmmg gewählt, wogegen sich „Rassenkamps" schon 1868 in Gobi- »eauS bekanntem Essay findet. Das Wort „Judc-nstaat" wurde zuerst vom Orientalisten Michaelis in abfälligem Ginn gebraucht. Der „beschrankte Untertanenvevstand" ist keine Erfindung unserer Zeit, sondern dem Schreiben eines Preußischen Ministers von 1838 entnommen und „Prinzipienreitereä" stellte man zum ersten Mal« in einem Erlaß des Fürsten Hsinrich deS Zwevundfiebsigsten zu Lobenstein fest. Die „breiteste demokratische Grundlage*' der Derfassmvg vechieß König Fricidrich Wilhelm nn Revoluilionsjahr, zur Zeit der „Heulmeier", wie die Reaktionäre von ihren Gegnern, den Demokraten oder „Wühlhwbern", benannt wurden. Schon Hoffmann v. Fallersleben kannte 1846 das 'Phänomen der „Gefimrirngst-üchligkeit", das uns so vertraut ist. Der „Puffch" (von einem Schweizer Diabektwovt abgeleitet) ist keine Erfindung unserer Zeit, wird vielenchr schon um 1840 genannt, und schon in der Mitte deS 18. Jahrhunderts war der' „Plnsmacher^ ein« bekannte Erscheinung. Die liberale Bewegung an den deaiischen Univerfitäton — bh Zeiten ändern sich — wurden als ./re-magogiische Umtvielbe" geibrandmaM, über „Terrorismus" Vlägt man seit den ZeitM' der großen fvanzösischm RevolmLon. Der .Fiadavergohorfam" ist einer Dovschrsft Ignaz v. LoyolaS für die OrdenNbriider entnommen, denen besrhlen wird, sich von ihren Oberen „wie ein Leichnam" überall hin tragen und in jeder beliebigen Woffe bchandeln M lassen, und „Entgleistmgen" ans geisti.gem-Gebiet werden schon von Nietzsche 1872 festgestellt. Das Liebl>mgSwort des geschmackvollen Wien von 1924, „erstklassig", wnrd« 1908 -um ersten Male in einem Berliner Prozeß mit „Mnschen" verbunden und 1348 wurde „passiver Widerstand" gepredigt, wenn auch noch wicht in die Praxis u-mgesetzt. MS „e u r o p amüde" erklärte sich zuerst Heine, und das SchlaMwt Von der ,Magenifrage" har' 8 a s s a 11 e geprägt. Schon 1803 oder ward int der „Zeitung für die elegante Welt" das — „schreibfckigr Fedevvich" getadelt. K. M. Wien, 21. Dezember. * Kommerzialrat Salomen Nosenzweig gestorben. Gesterli ist hier der Kommerzialrat Salomon Rosen-weig naa kurzem Leiden im 68. Lebensjahre gestorben. Herr Rrsem zweig, der seit mehreren Jahren die Ä rme'nanstalt bet Wiener Israelitischen Kultusflemeinde leitete, hat sich spe-ieß in der Kriegszeit und auch nachher große Verdienste um dij Fürsorge für Mische Flüchtlinge erworben. Er gehörte auch dem Kuratorium der Zentralstelle für jüdische Fürsorge an Durch seinen Tod verlieren viele Bedürftige ihren Beschützer Herr Nosenzweig war de? Vater der Frau Anitta Müller-Cohen und gehörte der Wiener Chewra Kadischaj in leitender Stellung an. Er war auch von der Stadt Leip, n i k, seiner Heimat, in Anerkennung seiner Verdienste urq das öffentliche Wohl zum Ehrenbürger ernannt worden. -* Die Beisetzung findet morgen Montag um. halb 11. Uhr vori mittags vom Zentralfriedhos (erstes Tor) aus statt. * Heute Sammeltag für die Armen Wiens. Die, Ge« meinde Wien veranstaltet heute den fünften offiziellen Sam. meltag für die Armen Wiens. Im vergangenen Jahr wurdeit anderthalb Milliarden, Kronen von der Bevöllerung {üi diesen Zweck aufgebracht. Die Sammlung wird.in den Hausern, mit Sammelbogen, auf den Straßen und in den Lokalei, mit den bekannten Sammelbehältern vorgenommen. Di? Samntelnden haben amtliche Legitimationen. * Erleichterungen im Postverkehr mit Ungarn. In dop letzten Tagen haben Verhandlungen zwischen der österreichi« scheu und der ungarischen Postverwauung stattgefunden, di< zum Abschlüsse eines Uebereinkommens yesührt haben, daß für das Pubttkum Begünstigungen und Erleichterungen brin? gen wird. Insbesondere / wird vie auf Grund der ueberein-, kommen von Portorose im Verkehre mit den melsten Nachfolgestaaten für Briefe bis zu 20 Gramm und für Postkarten geltende Ermäßigung der Weltpostvereinsgebüyr um 5V Prozent auch auf schwerere Briefe und auf alle anderen Arten von Briefsendungen ausgedehnt. Ferner wird die GcwichtsgebÜhr für Pakete bis ein Kilogramm von 60 auf 40 Zentimes nach deni geltenden Gegenwert, also von 8400 auf 5600 K. ermäßigt. Schließlich werden auch privat aufgelegte Postkarten auch nach Ungarn versendet werden können. Dieses Uebereinkomuiön soll am 1. Februar 1925 in Kraft treten. . ' * Die BctriebSzeit der städtischen Bäder in der letzten Dezemberwoche. Sämtliche städtischen Bäder werden Mittwoch den 24. und 31. d. vormittags ab 8 Uhr in Betrieb gehalten. Das städtische Thaliabad wird überdies auch Dienstag den 23. d. geöffnet fein. * Das Weiter. Der herrschende Wettercharakter wird, der. Voraussage zufolge, vorläufig noch andauern. * Die Lebensmittclmärkte. Die G r o tz ma r k t h o l l e hatte gesterif schwächere Kauferbeiciliguna zu verzeichnen. Die Feiertage, die große Ausgaben verursachen, veranlaßteu die meisten Haushaltnngen, sich Einschränkungett aufzucrlegen^ Gegenüber der Vorwoche blieben die Rindfleischpreise trcy der, Aufwärtsbewegnng auf dem Montagrindermarkt unverändert^ Kalbfleisch bat sich um 2000 K. pro Kilogramm im Preise verteuert. Der N a s ch m a r k t bot gestern in den meisten Gemüsesorten reichliche Auswahl. Kartoffeln und Kraut vor-, schiedener Herkunft langten in ausreichenden Mengen ein. Del einzelnen Gemüseforten wurden die Preise mäßig herabgesetzt^ Angesichts der unerschwinglichen Fleischpreise war die Nachfrage auf den Gemusemärrten eine lebhaftere. Auf deck Obstmärkten war der Verkehr schwacher. Für Wild und Geflügel,! die infolge der kalten Witterung länger aufbewahrt werden! können, herrschte bessere Kauflust. Auf den Fischmarkten hielt, sich der. Absatz vorläufig in bescheidenen Grenzen. Frische Eier, zu 2500 bis 2700 K. und Kalkeier zu 1800 vis 8200 K. pro .-Stück, wie auch'Butter zu 60.000 bis 90000 K. pro Kilogramm, je nach Qualität, begegneten reger Nachfrage. * Lebensmüde. Die 69jährige Eva Peclinavsiky wurde am IS. d., abends, vor ihrem Gatten, einem Post-! unterbeamten, erhängt aufgefunden. 0 Autounfalle. Gestern mittags wurde am SalzgricS der, achtjährige Karl Lazar von einem Auto niedergestoßen. Er> wurde verletzt in die elterliche Wohnung gebracht. — In der! Nußdorferftraße sprang gestern nachmittags ein zirka zwölf-! jähriger Knabe von einem fahrenden Straßenbahnzug ab. Er! wurde von einem eben vorbeifahrenden Auto erfaßt und über-! fahren. Der Knabe wurde in bewußtlosem Zustande aus die' Nnfallstation gebracht — Die 24jährige Beamtin Anna! Groß wurde gestern in der Nnßdorferstraße von einem Auto! niedergestoßen. Sie wurde verletzt auf die Unfallstation ge-- bracht. —- Gestern vormittags wurde an der Kreuzura der' Rotenturmstraße und Kohlmeffergaffe der 69jährige Perkäufer! Alberi Großmonn von einem Auw niedergestoßen. Erj wurde zur Rettungsgesellfchaft und dann in seine Wohnung! gebracht. > * Ein Fknghafe« in Innsbruck. In der letzten Sitzung des Innsbrucker Gemeinderates wurde über die Verhandlun-! genommen werden. . * Ein polnisch-jüdischer Veteran von 1863 gestorben. Dieser Tage starb in Warschau im Alter von 33 Jahren! Bernhard Kaptol, ein Veteran des polnischen Aufstandes' von 1863. Eine Abteilung polnischer Infanterie nahm an! dem Leichenbegängnisse teil und erwies dem Verstorbenen', militärische Ehren. * * Eine neue karaitische Zeitschrift. In Wilna erschien vor einigen Tagen die erste Nummer der „Myszl Karmmska" (Äaraitischer Gedanke) in polnischer Sprache. Die Zelrschrift ist illustriert und nennt sich „Gesellschaftlich-literarischer und wissenschaftlicher Almanach der Karaer". Das Heft enthält übrigens eine Reihe interessanter wissenschaftlicher und literarischer Originalarbeiten aus der Geschichte und dem Leben der Karäer, unter anderem auch eine Geschichte der Karäersiedlung in Wilna. * Wie Mehul sein Glück machte. In der Wiener Oper spllte eine Oper von Gluck gegeben werden. Ein jiiuger Mensch schlich sich in eine Loge, yörte die Generalprobe an und ließ sich dann im Theater einschlietzen. So konnte er, nachdem er 24 Stunden gewartet hätte, am nächsten Lag auch noch die Aufführung selbst anhören. Indessen wurde er von den Türschließern entdeckt und ergriffen. Er verlangte, vor den Komponisten geführt zu werden. Diesem erklärte er unter Tränen, daß er arm wie eine Kirchenmaus sei und eine bierundzwanzigstündige Fastenkur auf sich genommen habe, um das Werk des Meisters zu bören. Der junge Mensch war Etienne Nicolas Mehul, dessen Oper Josef in Aegypten" spater Wellrnhm erlangte. Er «.achte an die>em Tage Gluck/ Bekanntschaft und sein eigenes Glück. lDie nachstehenden Ankündigungen sind entgeltlich.) L« .prattisihe Miaus! All«! Schichten der Devöl-kerimg sind' unter den gegen-'' wärtigen schwierigen Wirt cha.ftsv«rM-tttissen zu äußerst: Sparsamkeit gezwungen Aber der Winter steht vor der Tür und die Anftl-a'j'mvg des Notwendi'ftst.'n au Bekleidung»- stücken Mt lick» ivickrt uiuLeüeu. £>iUla iuü axaJ-j jJJb