Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2097 (21.12.1924)
- Date
- 1924-12-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kt. mt '"wen jrwwwr'^ Men, Sonntag Wienee MovstenzerfunA. Ä. Dezewber WZ4 SertsS Set nette Reichstag. Zusammentritt ary -.tz. Jänner. ' BerU», 20. Dez-Mer. Mölffi). Wie die ,Mossische Zeitung" erfahrt, Istdi« et ft c Sitzung des Re i'chstageS a wf Montag den 5.1ä. nner, 3 Uhr nachmittags, «nberamnt worden. Die Kölner Zone. Berlin, 20. Dezember. (Wolfs.)' Das Reichskabinett Lst-heute nachmittags zu einer Besprechung der a u ße npolitischen Lage zusammengetreten. . . H Wie im informierten Kreisen verlautet, hängt diese Besprechung mit her Frage der Räumung der Kolm er Zone zusammen. Gemäß hier ei »getroffenen Rachrichten aus.Pari's ist angeblich in der Frage der Räumung der Kölner Zone, die bekanntlich am 10. Jänner erfolgen sollte, zwischen England und, Frankreich ein Kompro miß zustande gekommen, wonach England den Aufenthalt seiner Truppen in der Kölner Zone um etwa drei Monate verlängert und Frankreich die Räumung der Ruhr um ebenfalls drei Monate vorverlegt, so daß die Räumung beider Zonen, gemeinsam Ende April erfolgen könnte. Die deutsche Regierung ist nicht abgeneigt, sich mit diesem Kompromiß, abzuftüden. Der neue deutsche Botschafter in Washington. Berlin, 20. Dezember. (Wolfs.) Der. Staatssekretär im Auswärtigen Amt Freiherr v. Maltzähn ist zur Disposition gestellt und gleichzeitig zum Botschafter in Wa sh i ngt on ernannt worden. Zum Staatssekretär im Auswärtigen Amt ist der bisherige Leiter der Abteilung 3 (England, Amerika) Ministerialdirektor v. Schubert ernannt worden, der bereits die Geschäfte des Staatssekretärs übernommen hat. . . Mlkerbundkurse an polnischen Hochschulen. Genf, 20. Dezember. (Schweiz. Dep.-Ag.) Die polnische Kegierung hat dem Generalsekretär des Völkerbundes mitgeteilt, daß sie gemäß einem von der Völkerbündversammlung geäußerten Wunsch an mehreren höheren Lehranstalten Polens rm.Verlaufdes gegenwärtigen Schuljahres Kurse über"' d e n B ö lk e r b un d e-mgeifühvt habe. Solche Kurse bilden einen Teil des Lehrprogramms an den turistrschen Fakultaten. ’ Sie Konferenz der Nachfolgestaaten. . Rom,, 19. Dezember. (Agenzia Stefam.) Die Konferenz der Nachfolgestaaten der ehemaligen österreich isch -ungäri sch e n Mo na rchi e, die.ihre Arbeiten atn'1. Dezember unter dem Vorsitz des Marquis Negrotto Camb.iäso begonnen hat. hat zwei AqSschiisse eingesetzt^ mit dem Auftrag, die Fragen zu prüfen und die Vorschläge zu forumlieren, über die sich die Konferenz endgültig aüsgüsprechen haben wird. Der erste Ausschuß hat die Fragen betreffend die Anweydung der,. ] Artikel' 266 uyd 273 des MerWge's von' S äsi n t - G et--' m ä i n und dör zweite-Äüsschuß die Frag« der Oester-' reich i s ch e n P o st spa r ka fs-e g e Pr ü f t. Beide Aus- . schüsse hielten zahlreiche Sitzungen ab, in denen sie die erste Prüfung des ihnen vorgelegten Materials 'beend! gte n. Infolge dep bevorstcheivden Feiertage cha-ben sie ihre Arbeiten bis zum 12.' I ä n'n e r v e r lägt. ^Das BucTderZeIt’"1 Literaturbeilage der „Wiener Aforgenzeftung“ erscheint im gewohnten Umfange von zwei Seiten, mit reichhaltigem Inhalt ah Buchbesprechungen, Ankündigungen der Neuerscheinungen auf dem Bücher-, Zeitschriften- und Kunstmarkt DIENSTAG DEN 23. DEZEMBER. HBHHHnRnBnBnBHHBBaHHaBHBBiMBBi Parlamentsferien. Die Aenderung des Nationalbankstatuts. In der gestrigen Nationalratesitzung, der letzten in diesem Jahre, wurden das dreimonatige Büdgetprovisorium und das handelspolitische Ermächtigungsgesetz in/ dritter Lesung angenommen, desgleichen das Schillingrechnu ngsgesetz. Das Gesetz betreffend die A u f h e b u-n g der P o r t o fr e ii heit wurde nach kurzer Te-batte in Zweiter und dritter Lesung-beschlossen. Dr. Odehnal referierte dann über die Statutenänderung der National b a n k und begründete sie unter anderem mit der Notwendigkeit, bei der im Paragraphen 86 der Satzungen vorgesehenen bankmäß'gen Deckung des Notenumlaufes eine Erweiterung eintreten zu lassen. Es sollen in Zukunft für di e b'ankmäß - ge Deckung auch BaluteN'»und Devis.en, die nicht in den Barschatz eingerechnet werden. heranaez-oaen werden, ebenso im Inland zahlbare Wechsel, welche auf ausländische Währungen lauten. Die bankmäßige Deckung soll auch durch die Scheidemünzen aus Silber, die mit dem Edelmetallwert in den Barschatz verrechnet werden, erfolgen können. Eine weitere Aenderung des Statuts wird im vorliegenden Gesetz durch die in G e n f. verlangte Einsetzung eines eigenen Exekutivkomitees eingeführt, welche den Ziveck hat, dringende Angelegenheiten ohne den Generalrat zu erledigen.- Vor allem hat das Exekutivkomitee den Zweck, sich mit der jeweiligen Festsechung der Bankrate zu befassen. Der Präsident der Nationalbank hat.ferner die Zusicherung. gegeben, daß in: Hinkunft die. Betriebsräte der. Beamten und. Arbeiter bei. den. Verhandlungen des . Genevalrates über Personalangelegenheiten stimmberechtigt sein werden! Abg. All:na bezeichnete es als notwendig, daß dis Natio-nalba-nk wiederum zu jenen Grundsätzen bei Erteh lung von.»! Krediten zuvückkehre, . die frü^r maßgebend waren. Es dürfe nicht geschehen, daß. wie letzthin,-ein iis die Milliarden gehendes Darlehen der National! bank zu persönlichen Zwecken gewisses Verwalt u n gsräte verwendet wird. Das - Gffest wurde hierauf in zweiter und dritter Lesung unverändert zum Beschluß erhoben. Schließlich nahm das Haus auch die StrafprozeßNovelle betreffend die Verlängerung des vereinfachten Verfahrens in beiden Lesungen mit einem vom Berichterstatter beantragten Zu« satz an wonach einem Beschuldigten, der das achtzehnte Lebensjahr zuvückaelegt hat, von AMts wegen ke i n,B orte rd i g e r beizustellen ist, wenn er die Bestellung ans« drücklich ablehnt. Nächste Sitzung Donnerstag den 8. Jänner 1925, 3 Uhr nachmittags. - WMerrdors. Der Karr. Herwei -wird von ltzeruftner Seite vev sichert, die vielfach'verbreitete Meinung, daß durch den mit dem Hauptinteressenten der Wöllersdorfer Werke, Herrq Sk-larz, getroffenen Ausgleich die strasaerichtsichS Ber, folgung aller in der Wöllersdorfer Affäre beschuldigten Personen eingestellt werde, entspreche nicht den Tatsachen. Die Staatsanwaltschaft und die Wirtschaftspolizei uub weiterhin mit der Aufklärung dieser derzeit allerdings noch nicht ganz durchsichtigen Affäre beschäftiat. Der Gang der Untersuchung werde-durch den Ausgleich in keiner Werft beeinflußt. _ Sott Der schweizerischen Gesandtschaft. Der Nachfolger Dr. Bourcarts. Bern, 20. Dezember. Nach Pressemeldungen ist als Nachfolger Dr. Bourearts Leaatiousrat Dr. Maz Jäger, derzeit Generalkonsul in Italien, in Aussicbt genommen. __ Keine krhichung der Arbeitssosenunterstiitzung. Eine Regierungserklärung. ' Die Zahl der Arbeitslosen ist in der ersten Hälfte des Monats Dezember von 115.000 auf 130.000 gestiegen- Wenn auch die.Arbeitslosen durch die Arbeitslosem Versicherung im Rahmen de's Möglichen vor dem Schlimmsten geschützt sind, ist doch das Elend groß, und so ist es zu verstehen, daß gerade in diesen Tagen der wachsenden Arbeitslosigkeit, in denen der Winter das Los der Armen noch verschlimmert, die zum Feiern Gezwungenen immer, wieder zu Demonstrationen veranlaßt werden. Sie haben in den letzten Tagen Forderungen ausge-! stellt, und insbesondere die Schaffung von ArbeitsprLrkse '/,8 Vdr abends Karten im Bureau des Ziowistisehen Landeskomitees, I. Bez., Kärnlnerstrasse 28 sis Wiener am Licht." Von Otto Abeles. Zu guter Stunde las ich wieder Theodor Herzls berühmten Aufsatz „Die Menorah", jenen -bewegten Bericht vom erneuten.Entfachen des Chanukkahleuchters'für seine Kinder (auch für Hans), „damit.sie auf. den rechten Weg kämen". Heller und feierlicher im Fortschreiien. wird diese . Parabel Herzls, wie der Leuchter heller u-n-d feierlicher an jedem Tage, der Makkabäer-Woche strahlt, bis schließlich.die . ganze Reihe, der. Kerzen entfacht ist, und man erinnert sich, daß dieses wunderschöne, edel geformte Feuilleton des Meisters in das Gleichnis von der Entflammung der Nation ausklingt: , . . •, „Erst eine Kerze, da ist es noch dunkel, und das einsame Licht sieht-noch traurig aus. Dann findet es -einen lGesährden, noch einen, noch mehr, die - Finsternis muß weichen. Bei den'Jungen, Armen-leuchtet -es zuerst, auf, dann schließen die anderen an, die das Recht, die Wahrheit, die Freiheit, den Fortschritt, die Menschlichkeit, die Schönheit lieben. Wenn alle -Kerzen -brennen, dann muß man staunen und sich freuen über dais-getane Wert. Und kein Amt ist beglückender als das eines Dieners am Licht." , Diener am Licht — nehmt das Wort.nicht anders, als es beim'Änblick der'Ehanukkahlamipe gedacht ist. Nicht der bahnbrechende Geist kann gemeint'sein, der Helle macht in den Köpfen, nicht der'Heros, der Ueberragende, Einmalige, der die Masse aus Dumpfheit und Enge in die -Sonne führt. Wäre, dem so, 'dann blieben' wir alle, so ziemlich alle, vom Amte des Dienens am Licht 'befreit, und es käme, fürchte ich, große' Freude über-Israel,-denn manhätte ja einen-vortrefflichen Titel, das^ Illuminieren der Herzen -m»d Köpfe Achad Haam/ und Bialik, Weizmann und Usfischlln und etwa noch einem Dutzend Berufener zu -überlassen, . ' Diener am Lichts— das ist der nennte Arm der Me- . novah, dessen' Docht auch erst'entfacht werden mußte, bevor man ihn. zu den. anderen Armen des Leuchters hinführt, daß er mit täglich wachsender Geduld und Mi-He die richtigen Menorahlichter austecke. Diener am Licht — das ist einfach der Schamwes, der kleine Lichtanzünder, der Türklypfer, der /Botengänger. , - «t* , . . Es sind, jetzt die Jahre gekommen, da sich eine täglich größere Zahl ärer,-denen es wirklich ernst ist um die . Rettung und Erneuerung des Ju-denkrms, di-ese-m kleinen, Lraveu, ach mühsamen, ach peinlichen Amt wird widmen müssen. And so - bescheiden. -das Werk auch ist, zu anderen ein Licht zu tragen^ -das man dir in die Hand gab —' du wirst ihm. ganz auf dich selbst gestellt, nicht gerecht werden können. Ein dunkler Hcklser, ein bitterer Akahner muß sich - dir gesellen: die Sorge. Die Sorge um die Scholle und -um die ersten,' die, weiß Gott, um diese Scholle ringen müssen; die Sorge, daß mit der zeitlich wachsenden Entfernung von der gepriesenen Stunde, da die -geordnete, und berechtigte Arbeit in Erez Israel begann, das Verantwortungsgefühl, der Opserwille der Juden in aller Welt für diese erlösende Tal abnimmt, die -Mutlosigkeit der. sich verlassen - fMendeu Pi-oui-ere hingegen steigt; die Sorge, daß.jüdische Menschen, denen mörderische Trägheit und Apathie. die Tei-lnahme. an. dieses beglückenden Gegenwart vorenthäbt» das 'entscheidendes Geschehen, der kommenden Jahve — ein lähmender, ein , furchtbarer Ballast! — mit unüberwindlichem Gegendruck' hemmt; -die Sorge, daß die Umwelt, in deren Mitte ein - großer, für alle Fälle der gpößere. Teil der Judenheit -weiterhin un-d in alle Zukunft leben-wird — daß di-e'Natio-nen der z.ivilisierten Erde, die uns „wohlwollend" scharf- ' äugig zuschauen, das Unbe'teiligtsein der Saturierten, Gesicherten an dieser jetzt endlich gegebenen herrlichen Mög- ' lichkeit, sich auf jüdischer Erde zn verwurzeln, nicht unbeachtet lassen und ans das Schuldkonto unseres Volkes' buchen, freudig doppelt, dreifach buchen und sich in ihrem Judenhaß festigen werden; die Sorge um den Nachschub an Menschen und Mitteln, die Sorge vor der Rückwirkung von Wirtschaftskrisen, von politischen Schlappen; die Sorge vor den dräuenden Folgen dummer, böser Gerüchte. Ja, dieser. q>uälend mahnende, deine Nächte störende', dein Haar bleichende und wahrscheinlich deine Tage kürzende Gast muß sich frei dir häuslich niedergelassen -haben, sollst du zum Amte eines Dieners am Licht fähig sein. Begeisterung verfliegt, Liebe verraucht, Treue erlahmt, nur die harte, unerbittlich Sorge wacht. Sie ^'besiegt den Alltag, jagt dich immer wieder auf, gibt dir die Kraft, unausgesetzt bei den anderen erinnernd, beschwörenanzuklopfen. * - Diener am Licht. — Du weißt doch, daß auch richtig brennende Lichter bald ermatten und plötzlich betrüblich flackernd zusammen sinken, daß sie rechtzeitig geputzt werden müssen. Nur die Sorge befähigt dich zum Schammesdienst, das .schmerzhafte Geschäft des Lichterschneuze ns zu betrei-; bsn, bis die Haut an den versengten Fingern verdickt und ' unempfindlich wird. Ein Heer aufgescheuchter, von der Sorge gezeichneter Menschen muß in der Judenheit Europas und Amerikas umherhaisten, in ewiger Bewegung durch die Judengassen, Judenstuben eilen. Zu den niemals Erreichten, und zu den langst' Gewonnenen, zu den zornigen Absagern und zu denen,, die häufig und laut zustimmen — zu diesen letzteren erst recht. Und lange, lange Zeit darf überall, wo immer .Juden wohnen, keinen Tag, keine Stunde dieses Lichterzünden, Lichtevputzen ausfetzen. . Ob die genügende Zahl mit Sorge Beladener - unterwegs ist?. - Jawohl, darauf kommt es an. Aber daes Käuze gibt im Judentum, die vom Dämon Sorge befallen sind, kann es nicht fehlen, -aß ihr« Schar .wächst. Denn nichts teilt sich den Menschen verläßlicher mit — nicht Freude, nicht Trauer,-nicht Gleichmut, nicht Liebe — nichts wird rascher akquiriert als. die scharfe, .beizende Sorge. Und Diener am . Ächt zu sein, i-st jetzt letzten Endes die Aufgabe, den Bazillus „Sorge -nm Erez.Israel" unter -die Irden #it tragen 23534853235353234853534848484853232353238953485323482353232323234823532348484853234823485391234823532353484823232353535390232348