Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2094 (18.12.1924)
- Date
- 1924-12-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Veil» 4 Wien. DonnerSkag Lagesbericht. Welzmnnns Besuch In Wien. Zionistisches Massenmeeting am 3. Jänner. Der Präsident der Aionistlischen Wattovganffatwn, Doktor Ghaim Weizmann, trifft, wie schon berichtet, am 1. Jänner zu dreitägigem Aufenthalt in Wien ein. Di« Zlonistiische LondeKovganffation Oesterreichs wird den Gast durch ein« Abordnung an der Staatsgrenze einholen und ihn in Wien feierlich om«pfangen. Ant 3. Jänner m halh H Uhr abends findet im Großen Kon-erchaussE ein Massen- Meeting statt, bei welchem Präsident Weizmann über di« aktuellen Fvagen de- Zionismus und über Erez JsvaÄ sprechen wird. Zu dieser Bersamm^mg werden Karten auSgsgetbvn, di« i» Zionistischen Buvscm (1. Bez-, Kärntnechraß« 28) zu behoben sind. die suveiireinen Berge. Wer ist van der Psordten? Bei den Münchner Vecha Mengen beS Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins hat auch ein Herr v o n der Psordten sich als bedeutender Rufer im Streite hervorgetan. Er hat im Namen der Wiener Hcckmkpeuzler den Ausschlußantrag gegen die Sektion Donaulaud unterstützt. Wir möchten seinen Au.ftroggebern ans Her; legen, in Hinkunst sich die Personen ihrer Delogierten genau #u besehen. Für einen waschechten Antisemiten ist eS eine blutige Provokation, wenn sich g^gen eimn Arier der Von- Wurf semitischer Abstammung erheben läßt. Der Herr von der Psordten ist nicht ganz zimmervein, den Beleg hierfür finden die haken-kveuzl-eriischen StammbarmÄetwrer m einem Büchlein, das im Jahve 1891 im Verlage ,^KYffhauser" in Salzburg in zweiter Auflage erschienen ist und den Titel führt: „Geadelte jüdische Familien". Dort wird unter Nr. 354 über die Familie von der Psordten folgendes mitgeilt: „Der am 11. September 1811 M Schn des königlich bayrischen Landrichters Heinrich Ludwig von der Psordten und der Crescentia, geh. Eder, geboren» Dr. Ludwig Karl Heinrich von der Psordten, königlich bayrischer Staatsminister a. D.. hat am 11. August 1854 den bayrischen Fveiherrnstanb erhalten und starb 18. August 1880. Er erhielt auch zugleich Erneuerung des angeblich alten Ge-schlechtsadels. Er behauptete, von der alten sächsischen Familie von der Pforte abzustammen, deren Wappen ihm auch verliehen wurde. In Wahrheit entstammte er der jüdischen, in Hamburg noch bestehenden, jüdischen Fannlle von der Porten." Tz ist uns unbekannt, ob der Scmigocha von dieser t,mmerhin bemerkenswerten Abstammung Kenntnis hat. Aus welchem jüdischen Stamm die Familie sich herle'tet, ist uns ebenfalls unbekannt, und es ist mächich, daß der Semiigocha, der m dieser Frage vorzüglich Bescheid weiß, di» Herkunft aus dem Stamme Sebulon odef Naftali feststellen wird. Für alle Falle sti«n BartolS. Fritsch Md Haubenberger, di« drei Koryphäen auf diesem Gebiete, auf die Sache aufmerksam gemacht. .. Übertritte zum Judentum In Polen. Ukrainische Pogromisten. Laut einem Bericht des Warschauer R a b b i n a t s sind in seinem Sprengel seit Jänner dieses Jahre- 43 Personen anderer Konfessionen zum Judentum übergetreten. Bei 32 der Prosclyten handelt es sich um Rücktritte ehemaliger Juden oder Judenstänlmlinge. die übrigen elf Personen sind zumeist Russen, die als Grund ihres Ucbcrlrittes angcbcn, daß sie wegen ihrer aktiven Teilnahme an den Judenpogromen in der Ukraine ihr Gewissen so schwer belastet fühlen, daß sie. von Reue erfüllt, den Rest ihres Lebens dem Gott der Inden und seinem Volke, gegen welche sie sich so schwer versündigt haben, treu dienen wollen. Das,Nabbinal war bemüht, unter anderem auch unter Berufung auf die jüdische Tradition, leiste Prosclyten zu machen, die Ueberirittswerbcr von thront Vorhaben abzubringen, ohne aber mit diesem Bestreben Erfolg zu haben. zamrnhoss ErMem. Tie erste Esperanlo-Grabfchrist auf einem jüdischen, Friedhof. Aus Warschau wird uns berichtet: Die hiesige WcrcinLc.geserischaft erhielt aus London die Mitteilung, daß das für den verstorbenen Erfinder der Esperantosprache, Dr. Ludwig Zamenhof, in London cmgesärtigte Grabmal bereits fertiggestellt und anfangs Februar 1925 nach Warschau expediert werden wird. Tie Inschrift des Grabsteines ist durchaus in Esperanto gehalten. Die Enthüllung des Grabdenkmals, wird im' April, am Todestag Zamenhofs, auf dem jüdischen Friedhof von Warschau unter großen Feierlichkeiten stattstnden. Es ist dieS d"er erste Grabstein mit Efperantolnschnft auf einem jüdischen Friedhof. Wie schon berichtet, ist dieser Tage kn Warschau auch die Witwe des Erfinders, Frau' Klara Z a m e n h o f, gestorben. Wiener Mor§enzeltunK. V M WM ' *W,; m ti(nd Dr. HOFFBAVjERS ENTFETTUNGSTABIETTEN von bester Wirkung, angenehmem Geschmack, vollständig ««• schädlich* Die Tahletten stellen eine sch anke, graziöse Figur her, ohne Diätzwanjr oder Aenderung der Leb nsweise, nrompte Gewichtsabnahmen. Keine Scliild*lrllseJ n«p«n Kein Abfli’irmHM! Apotheke NUGO BAYER, Wien, I. Wollxeiie 13/13 Sichere Malariaheilung? New.Aork, 17. DeAetniber. Ein «ms Moskau stammender Arzt namens Ho'oper will ein absolut sicheres Mittel gegen b»S SumWckber entdeckt haben. ES handelt sich um vi« Emspnitzu-ng einer. neuen OuneMübc-r-Erom-Wsung. Kranke, die jshrelemg an Sumpfsleber Me-n. und für di« auch Chsttin nicht wirkte, sollen.binnen 49 Stunden gchM worden sein. Haarmann vor Gericht. Die Sachverstöndigengutachtenr Haarman« ist nicht geister, krank. Hannover, 17. Dezember. Heute wurde mit der Ver» »chmuing einiger nv'bensächlichor Zeugen das Bewsisverfahren geschlossen und eS -mmn di« Sachverständigen zum Dort, deren Gutachten für das Urteil des Gerichtes van Vedsut-ung ist, da durch sie -die Anwendung des bekannten § 51 dsdeutschen Stmsgesetzbuchcs ermöglicht wird, der Straflosigkeit »der Huiminideist zu billigende mildernde Umstande für solche Bevbrecher Vorsicht, bei denen M Zeit der VeMbuwg der Tat die freie WittenSmeinung nicht vorhanden war. Der erst« Sachverständige, Professor. S ch u l h e, Leiter der psychiatrischen Klinik an der Untzveosität Göttingen, stellt fest, daß em Beweis erblicher Belastung vovliege. Dm« Amvendung des § 51 auf Haarmann könne aber nicht stattfinden. Wann H-ocrvmann vielleicht auch bei den ersten Mordtaten seiner Sinne nicht.ganz mächtig war, so ist er sich doch -bei noch folgenden Mordtaten genau bewußt gewesen, wooivm es sich handelt«. Aus diesem GmachHn ergeben sich einige rnteressaint« Züge für HaarmannS hysterffchen Jnsantibisimls. Menschlich stand Haavmaem aus bie-fster Stufe. Er leb!« nm für sich und di« Bcifri>edi.gnng seiner sinnlichen Triebe, des Geschlechts- Diebes und des HnngetS. Wenn er Kaffee,, Harter Käs« und ein« gute Zigarre hat, ist er zuisvieden. Ein hervorstechender Zug Haavmanns ist, seine Eitelkeit. Zu dem Sachverständigen sagte er: ,^Jch werde doch nun ein berühmter Mann. M-cmn ich nicht so viel« uimge'bvacht hatte, wäre ich doch nicht so bevLhmt." Cr freut sich wie ein Kind über sein« Bernhmtheiit. Dom Sachverständigen schkvg er vor, dieser möge einen Roman Wer „HaarmannS Leben" schreiben. Ban dem Gewinn möge Grans die Hülste und die ander« Hä-tfte der Sachvevstandig« bolom-m«n. Aus seiinem Grabe wünscht HaarmEN ein Denkmal mit der Jnischrift: ier ru ht ber Massenmörder Haarmann". Am jedem 85. Oktober, dom Geberrtsloge Haarnvanns, möge dann Gna-nS a.u.f dsm Grab« ein?n Kranz Niederlagen. Er stellt sich vor, daß von seiner Hinvichtu-ng eine Klnoausnahmc tzcm<cht wird und daß man damn m der Welit Übsrall von HaaMnamr fprechrn wird, ou-ch noch nach tausend Jahren. Auch der zweit« Oachvevständige, der G:rich!savzt Doktor Schackwitz, erklärt«, daß Haavmann wchl gvüst-ig minderwertig, aber nicht geisteskrank , fei. Ccm starker Gcschlcchistricib, der sich mit weiblichen Zügen m-nd hysterischem Charakler verbinde, h.rbe chn bei glrichgeschsrchlllichen Persl0>w:n zu sadistischen Ausschreitungen und schließlich pc Tötung her GeschlochtKobjekt« geführt. Aber seine momlnsch« Minderwcrtigke-it lasse die Möglichkeit offen, das; er aqlch ohne sexuell« Errogunig Tälungrn Vovnahm, lediglich >«on di« Kleider seiner Opfer zu ergangen. Der Gefängntsavzt Dr. Brand, welcher Haarmann wivhecholt bchanidelt hat, gelangt iai seinem Gutachten auch zu dem Schluß, daß Haarmann trotz einer gewissen Eichen Belastung nicht Äs gs'steskr-a,nL gu betrach!-?» sei. Nach dem Sachvepftändigrugutachten hiebt der Sia»!8anwcelt Dr. Wilde sein Plädoyer. Gr beantragt« Mter Frei« sprechung im Falle Hmni-NAs in 2« Fällrn die Perurteilung ^aarmanns zum Tode und außerdem zur dauernden AbertmiWng der bmgörlrchen Ehrenrechte. Sie Berschiebung der BrWttabrM. Gestern vormittags fand nach amerikanlischsm System die angekünd-tgte Verschiebung der Brigittabrücke statt. Eine große Me-nschenmenge hatte sich'zu dieser t-echnffchen Sensation ei-ngefunden. Dtenliag nachts um 11 Uhr wurde der Straßenbahn-. verkehr über di« Brücke au.sgcschattet, woraus die letzten Vorbereitungen zu tarn Werke vovgenomimsn wurden. Die Brücke 19. Dezemher MS4 Nr. 8084 wurde mittels Wr-mtlffcher Pressen um 4Ü Zentimeter gehoben und awf eisern« Wägelchen gestellt, die aus einer mrter jedem Brückenkopf befindlichen Berschuibbahn liefen. Die Verschiebung selbst fand gestern zwffchen 8 und 11 lbhr vormittags statt. Windwcrke, deren Zugwirklmg durch Ftaschvnzüge verstärkt wurde, setzten die Verschwdwagen und die ans ihnen liegende Brücke in Bewegung. Der ganze Vorgang wurde ohne Zwischenfall deN>eMelligt. An der Herstellung der Straßen-, .Gleis-, und Gchwoganschlüsse wird nunmehr gearbeitet. Nach Vollendung dieser Arbeiten, di« spätestens um J0. d. nachts zu erwarten ist» wird SamStag den 80. d. früh der mchchinderte Verkchr über di-. Brücke geleitet werden: die Anglo-gevIUi Mocilltlon unv die Mi»- (eit ber In der Versammlung der Anglo-Jewish Asiociatton, dis am 7. d. stattfand, erstattete Mr. Ö? d'Avigwr Goldsmid einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit der Jca. Aus demselben ging hervor: In Argentlnieo wurden di« auß Osteuropa eingewanderten jüdischen Ackevban* familien auf kleine« Wirtschaften mit Inventar angesiedelt. In Brasilien sind die Folgen der politischen Unruhen des Jahres 1923 bereits überwnndenj die Kolonisten sind wieder ganz bei der Arheit. In Rio de Janeiro, Eampinas, Passo Fundo, Santa Maria,' Sao Paulo »sw. ist e»n regelmäßiger Religionsunterricht eingerichtet worden. Gleichzeitig entwickeln sich mit Unterstützung der Jca jüdische kooperative GeseUichaflen und Davidhenskassen. In Phffippsvn bezahlten di« Kolonisten ihr« Schulden noch vor der Fälligkeit und wurden Eigentümer des Bodens. In Kanada werden große Anstrengungen gemacht, um die KolonisatlonSarbeit auszudehnen, indem die neu Eingewanderten auf dar Land geschickt und die bereits Angesied^' ten zu Eigentümern des Landes gemacht werden. Der Bericht behandelt dann die Fva-g« de« jüdischen kooperativen Darlehenskassen i« Polen, die von der Jca in Gemeinschaft des Joint ins Leben gerufen worden sind. Diese Kassen zählen gegenwärtig 70-()(H) Mitglieder. Die Darlehen hohen die Höhe von 830.000 Dollar erreicht. 235 Darlehen wurden für landwirtschaftliche Zwecke gegeben. Die Jca hat auch die jüdische Landwrrtschast in Ruß. land durch 28 landwirtschaftliche kooperatwe Gesellschaften, die zusammen 9000 Mitglieder zählen, gestützt. Auch in Bcßarabien wurden die jüdischen Kolonisten durch Errichtung von Darlehenskassen gestützt. Laut dem rumänischen Gesetz über Landvertellur^ wurden auch einige tausend jüdisch« Faimvlien mit Land zu mäßigen Preisen versehen. '' Der Jca-Bericht über Palästina teklt mit, daß die „Getreideernte dm Jahpe 1924 wicht ganz Lefrichlgend war. Das trefft besonders auf die Kolonien d«8 Unteren und Oberen GälULa -u, wo das Ergebnis hinter dem des Vorjahres zurückblveb. Die T-abakevnte hingegen war sehr erträglich. Die Produktion der Weinbauern war 25 Prozent geringer als im vorigen Jahr. Andererseits hatte sich die BerkawMbglUchkeit gegenüber dom voriigen Jahr verlbessert. Wie Achlit Salz Company, di« 1922 gsmeinsE mit denn WirWdftSrat für Palästina gegründet wurde, macht Fortschritte. 8000 Tonnen Salz wurden ln diesem Jahre gefördert. Nach der Analyse ist die Qualität zusriedenstellenb. Tie ganze Jahresproduktion wird zum Berhronch »m eigenen Lande verwendet werden. Die Getreidemühlen in Huika arbeiten schon mit Stutzen. Die Aussichten für die Oraugenernte sind günstig, man erwartet dasselbe gute Ergebnis wie im vergangenen Jahr . Die ersten Sendungen nach London haben zufriedenstellende Preise erzielt. Die E»rtwasierungSarbeiten in dem Sumvsland bei Kovarra wurden im August begonnen, nachdem ,nan sich mit den Bed-wllnen, welche gewisse Veiderecht« «ms da- Sumvklend hotten, geeinigt halte. Die Beduinen erhielten Laudentschädlgungen bei Choumorie und Tontoura, wofür sie ans olle ihr« Rechte auf Kabarra verzichteten.-Die Ärveiten gehen normal vovwärtS, eS werden einige hundert Arbeiter beschäftigt. Dan-k den getroffenen Vorsichtsmaßregeln ist der Ges,lndyeitszuskunL der Arbeiter befriedigend. ES sind nur wenig Fälle von Malaria vorgekommen. ES gelang, ans verschiedenen Gewächsen Parfüms herzuslellen und in den Handel zu bringen. Es wird beabsichtigt. diese Industrie zu entwickeln und große e Anpslanzungen vorzunehmen. In der Frage der Einwanderung der indischen Flüchtlinge aus dsm Osten Europas ist daS Folgende veranlaßt worden. Ende April 102N hat die Jra mit Unterstützung des Kriegsopferkomitees und der Alliance Jsraelite in Rumänien eine Organisation zur Evakuierung rnssisch-jüdischer Flüchtlinge aus Rumänien gcfchaf^ feit. Damals waren es ungefähr 11.500 Flüchtlinge. Während der letzten 18 Monate waren 10-000 von ihnen in der Lage, daS Land zu verlassen; 7600 derselben, durch die Htlke der Jca. 3003 wurden von der Jca nach Kauads geschickt, IM8 bezahlten die Reisekosten selbst, 1056 erhielten von der Jca 50 bis 75 Prozent der Fahrjpefen und 1104 wurden auf Kosten der Jea befördert. Es blichen noch 1500 Flüchtlinge Übrig, welche in zwei Kategorien zerfallen: solche, oie ihre Repatriierung nach Rußland - wünschen und solche, die sich in Rumänien ansässig machen wollen. Infolge deö Johnsou-GesetzeS in den Bereinigten Staaten und oer daranS sich ergebenden ungeheueren Verminderüng der rustischeu EinwoudemngSqnote wurden 7000 AnÄvanderer, di« alle mit Arnerikavismn versehen waren, in europäischen Häsen fesrgehalten. Im Mai d. I. machte Mr. H e n n i n g. der amerikanische Delegierte der Jca, gelegentlich des Internationalen Kongresses ifür Einwa-ndevnn.g, in Rom BorftellnuM hierüber,