Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2094 (18.12.1924)
- Date
- 1924-12-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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' Hr. 2uSJ4 Üoicii, Sie ZMer ltnIversM geschloffen. Cßiflcnbienft der „Wiener Morgenzeitung".) Jassy, 16. D-ezenrber. Infolge der fortgesetzten antijüdischen Exzesse der tumänischen Hakenkre«z* ler, hat der Senat der hiesigen Universität beschlossen, die Anstalt Ibis nach den Feiertagen zu schließen. Der Unterrichtsminister hat den Entschluß -gebilligt. Man l>osft, daß nach den Weihnachten die Vorlesungen wieder regelmäßig beginnen werden. Ter Rektor Dr. Slatineanu ist zur Berichterstattung nach Bukarest gefahren. In der Kammer interpellierte die Opposition wagen der antisemitischen Unruhen und forderte die exemplarische Bestrafung der moralischen Urheber, die die ganze Schuld an dieser unseligen Bewegung tragen. Im Namen der Regierung antworteten der Unterstaatssekretär für Inneres und der Unterrichtsminister, welche - die strengsten Maßnahmen versprachen. Die Regierung ist entschlossen, den Hochschulbetrieb für unbestimmte Zeit einzustellen, wenn die Unruhen fortgesetzt werden sollten. Ministerpräsident Brat rann erklärte, die Agitation antisemitischer Studenten fei ebenso wie die kommunistische Propaganda Elementenzuzuschreiben, die daran interessiert seien, dm Prozeß der nationalen Konsolid i e r u n g zu verzögern. Er fügte hinzu, feine Eigenschaft als Ministerpräsident biete die Sicherheit, daß die Regierung die Ordnung sichern und die Anarchie verhindern werde. Zu ähnlichen Unruhen wie in Jassys kam eS an den Univevsitätm Bukarest, Clus, Temesvar und Czernowitz. Sine Rumerus-üMas-Sebalte im Horthtz- Parlament. Budapest, 17. Dezember. (U. T.-K.-B.) Die Nationalversammlung verhandelte heute das Budgelprovisormm. Abg. Kallah (RegiernngÄpantei) kam während seiner Ausführungenauf die Judenfrage zu sprechen, wobei er erklärte, ein Teil der Jude ns chaft habe in den Revolutionen und während der Kommune eine für das Land verhängnisvolle Rolle übernommen. Redner trat schließlich für eine Revision des Gesetzes betreffend den Numerus clausus ein. Sodann sprach Abg. Rassah (liberal) über das Wahlrecht und nach ihm Wbg. Karl Wolfs (christlichnationale Wirtschastspartei), der betonte, alle Bestrebungen des Staates müßten darauf. gerichtet sein, die Existenz der erbgesessenen Bevölkerung des Landes zu sichern. Auch der N u m e r u s clausus sei eine Maßnahure zum Schutze der Existenz de's nationalen Elementes. Es sei der Beruf der ungarischen Nation, die christliche Kultur von Angriffen der Freimaurer und des Bolschewismus zu schützen. Nachdem der Finanzminister die Frage der Valorisierung erörtert hatte, nahm das Haus das Budget- Pvovisorium rm allgemeinen und in den Details an. Horthtz» „9tbnntig»gefefc\ Budapest, 17. Dezember. In der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung brachte Minister des Innern, Rakovszki, die neue Vorlage über das sogenannte Ordnungsgesetz an Stelle des zurückgezogenem ursprünglichen Gesetzentwurfes ein. Der neue Entwurf'sieht die Verhängung der S ch u tz h a ft in der Dauer von zwei bis vier Monaten über Politisch verdächtige Individuen vor. Bezüglich der Presse bestimmt -das Gesetz, daß der Ministerpräsident die Bewilligung zur Herausgabe einer neuen Zeitung zu erteilen hat. Dem Ministet des Innern wird das Recht zuerkannt, jede inländische Zeitung zu verbieten, wenn sie „die Staatsmteressen, die öffentliche Ordnung oder Sittlichkeit verletzt oder gefährdet". Las Ml der krzbergerMSrder. Nach einem Telegramm aus Athen sind die aus Budapest geflohenen Erzberger-Mörder in Athen eingetroffen. Si-e haben sofort die Weiterreise nach Konstantinopel angetreten, da sie schon vorher die EinreisebewillMug in die Türkei erlangt haben. Sie Hetze gegen den StantMntdrWenten Loeb Weimar, 17. Dezember. (Wolfs.) In der heutigen Sitzung des Untersuchungsausschusses in Angelegenheit des früheren Staatsbankpräsidenten Loeb wurde dieser vernommen. Loeb b e st r i t t sämtliche ihm zur Last gelegten Verfehlungen, vor allem. die Verfehlungen im Devisengeschäft, da er für diesen Teil der Geschäfte der Staatsbank überhaupt nicht verantwortl ich gewesen sek. Loeb äußerte sich dann noch über die anrgebliche Schmähschrift. Achitscherin droht Amerttli. Berlin, 17. Dezember. Die „Vossische Zeitung" meldet ans New-Jork: Die Regierung der Vereinigten Staaten echi-ellt gestern eine Note des russischen Außenministers Tschitscherin, worin aufs stärkste gegen das Eindringen amerik-aniischer KriagSsvhrzeuge in russische Territorialgewässer in Sibirien protestiert und erklärt wird, im - Wiederhoiklngsfalle würde ein solches Vorgehen aus das entschiedenste von der Sowjetregierung unterdrückt werden. Es wird erklärt, daß die amerikanische Regierung die russische Not« gar nicht beantworten werde. Wiener Mornenzeitung._ Weihnachts- Wettbewerb Jeder Käufer eines Ingenius-Baukastens (65.000 Kronen) hat die Möglichkeit, 10011m KroMi oder einen der 112 anderen wertvollen Preise zu erwerben, wenn er eine der beiden folgenden Aufgaben gut löst: 1. Mitteilung einer originellen Idee für irgend ein beliebiges oder bewegliches Objekt, das die Xnganius-Gesellschaft ausführen soll; 2. Mitteilung einer originellen Idee, was er als Erwerber des ersten Preises mit den 100 Millionen anfangen würde. Näheres in den Warenhäusern Gerngrosa, Stafa, Göc etc. und in den einschlägigen Geschäften. „INGENIUS“ Technische und Handelsgesellschaft m. b. H. Wien, l.v Schillerplatz 4 Telephon 75-35 «SO Amerila und Europa. j Henry Ford und Otto Kahn. Die Großfürstin Khrill von Rußland ist in Neiw- Zjorl als künftige Zarin von der russischen Kolonie empfangen worden. Sie weilt in Amerika, um in den dortigen Finanzkreifen Propaganda für ihren Gatten zu machen, der sich jüngst von Paris aus zum Zaren proklamiert hat. Der Schrittmacher hier Großfürstin ist der Protektor der Hakenkreuzler, Henry Ford. Er ist bestrebt, ihr Vorhaben zu unterstützen. Selbstverständlich nicht bloß der Ehre wegen, sondern weil ihm sehr bedeutende Konzessionen in den Lena-Goldfeldern und im Pctro'lenrngebiet versprochen worden sind. . * Das Wiener Organ der Bethlen-Regierung, die „Wiener Allgemeine Zeitung", teilte vorgestern eine Rede des New-Jvrker Horthy-Freundes Otto Kahn mit, die dieser in Ottawa (Kanada) gehalten haben soll. Er sagt darin, *bic Nachfolge- und Balkanstaaten, mit Ausnahme Oesterreichs und Ungarns, seien ein Unruheherd für Europa. Daß Kahn, der Freund der arischen Jeritza, die jüdischen Dinge nicht kennt, wußte man. Daß er aber sich nun auch in politicis blamiert und Ungarn als gutes Beispiel nennt, das ist neu und zeigt, daß ein großer Fmantz'maun durch schlechten Umgang auch seine jüdische Urteilskraft emribüßen kann. )\t Katorga für WMm. Riga, 15. Dezember. (I. T. A.) Neueste Meldmigen aus Rußland besagen, daß die G. P. U. (russische politische Polizei) dazu übergeht, die bisher in verschiedenen kleineren Städten der Ukraine internierten Zionisten nunmehr, in den Gefängnisse n zu konzentrieren, um sie von dort in weitere Berbannnngsorte zu schicken. Bekanntlich wurde einer Anzahl von Gefangenen freigeslellt, innerhalb einer bestimmten Frist nach Palästina anszuwandern/ widrigenfalls sie nach Sibirien, Kirgisien und Nurim verschickt würden. 30 Mitglieder der Zaire Zion (Hitachduth), die zn dieser Gruppe gehörten und nicht rechtzeitig abzureisen die Möglichkeit hatten, wurden anfangs Dezember nach Sibirien deportiert. Die Mitgieder der Zaire Zion in Rußland, AnatM Grn n se l d und M. B a s s e w i tz, wurden von den Sowjetb'chörden in die Gegend von Turuchan, der übelsten Gegend in ganz Sibirien, verschickt. Trotz des schweren Winters wurde ihnen nicht gestattet, warmes Zeug und Proviant mitzumhmen. Der linke Zeine Zionist Michalek aus Jelisawethgrad wurde zn drei Jahren Z wangsarbeit ans den Solowetzki-Jnseln verurteilt. •i-W* rt» .«(t/vv w 11 v O Ler Ausstand in Albanien Belgrad, 17. Dezember. (Ung, Del.-Korr.-Bnr.) AuS K u k u s, dem Hauptquartier der Aulsständischen in Albanien, wird gemeldet,, das Kraja von den. Aufständischen besetzt wurde. Nach Meldungen von seiten der Aufständischen seien die Regierungstruppen Ms -ganz Nordostalbauten vertrieben worden. Dajram Zur ziehe sich mit seinen Truppen nach Skubari zurück. Nach Meldungen von der Grenze habe Ministerpräsident Fan Noli die Mobilisierung von drei Jahrgängen angeordnet. Dev Völkerbund fordert die Entwaffnung der albanischen Banden. Rom, 17. Dezember. Die „Tribuna" meldet aus Bari, daß der englische Gesandte namens des Völkerbundes die jugo slawische Re gierüng aufgefordert habe, die Bauden der nach Jugoslawien geflüchteten Albanesen und der jugoslawischen Irregulären, welche nach Albanien einzufallen drohen, zuentwaffnen und aufzulösen. Landen nn der syrisch-palüstinenfischen Grenze. Jerusalem, 15. Dezember. (I. T. A.) Vorgestern sind hier Berichte über ein erneutes Aufflackern des Banditentums an der syrisch-palästinensischen Grenze eingrtvoffen. Ein Detachement franzö-, fisch er Infanterie wurde von Räubern in der' Nähe von Deren angegriffen. Ein französischer Soldat wurde verwundet. Aus aller Welt. Warschau, 17. Dezember. (P. T.-A.) Der Sejm hat die zwischen Polen und Oesterreich abgeschlossene Schiedsgerichtskonvention ratifiziert. Prag, 17. Dezember. Die Internationale Schlafwagengesellschaft bat dem tschecho-slowakischenEisenbahnministerium mitgeteilt. daß sie die Einstellung eines Schlafwagens dritter Klasse beabsichtigt. Rom» 17. Dezember. Der. Vizepräsident der Kammer, der Faszist G i u n t a, hat seine Entlassung als Dizepräsident eingereicht, weil der Staatsanwalt bet der Kammer um die Erlaubnis eingekommen ist, ihn als Auftraggeber des Ueberfalleauf den ehemaligen FaSzisten und jetzigen Abgeordneten Forni zu verfolgen. Kairo, 17. Dezember. (Tel.-Komp.) Der Aegyptolog Howard C a r t e r ist in Kairo eingetroffen. Er wird in den nächsten Tagen die A u S g r a b u n g.e n im Grabe Tu tank Hamens wieder aufnehmen. Haag» 17. Dezember. Aus Java kommen wettere Meldungen Wer Erdbeben, Rach einem Telegramm aus Batavia befindet sich einer der vulkanischen Krater im Ansbruch und speit Feuermassen und Steine aus. Die Bevölkerung befindet sich auf der F l u ch t. New-Bork» 17. Dezember. (Reuter.) 26 Personen find infolge Genusses alkoholischer Getränke, die aus Anlaß der herannahenden Weihnachtsfeiertage verkauft worden sind, g e st o r b e n. 11 a n d e r e Personen befinden' sich in hoffnungslosem Zu st and e. 20 Personen stehen in Gefahr, ihr A u g e n l i ch t zu verlieren. Rew-Borb» 17. Dezember. (Reuter.) Durch einen Bransd wurden mehrereHäuser zerstört. Hierbei wurden sieben Personen getötet und mehrere verletzt., Der. Schaden beträgt eine Million Dollar. tz WerbetMormentenfürdie tz ’ Wiener Morgenzeitung"' ♦ tt Inland. Vor der Brendignng der Sbstrnktion. In der iunerpolitischen Lage ist gestern eine überraschende Wendung eingetreten. Nachmittags fand im Parlament eine Parteibesprechung statt, an der auch BuildesEanFer Dr. R a m e l und der Heeresmiinifter Vaugoin teilnahmen. Zwischen den christlichsozialeu nutz sozialdemolvatiischen Führern kam hierbei eine Vereinbarung über die Art der Vornahme der Werbungen für das Bundesheer zustande, wodurch der Hauptgrund für die sozialdemokratische Obstruktion im Nationalrat in Wegfall kommt. Für die Aufnahme in die Wehrmacht wird nach der vereinbarten Formel in Hinkunft die Reihenfolge der Anmeldung der Rekruten ausschlaggebend sein. Der Nationalrat ist also wieder arbeitsfähig und wird noch vor Jahvesschluß ein Budgetprovisorium und ebne Reihe von Gesetzen verabschieden, die teils mit Jahresende terminiert sind, teils von der Regierung oder den Parteien gewünscht werden. Ueber dieses Arbeitsprogramm wird heute vormittags weiter verhandelt werden. Diese Wendung kam um so überraschender, als die Bormittagssitzung des BndgLtausschusses mit einer formalen Geischästsordnungsdebatte ansgeftillt war, in der die Parteien einander Illoyalität zum. Bovwurfe machten Die Sozialdemokraten glaubten nämlich, daß sie von den Christlichsozialen übertölpelt worden seien, da der Generalberichterstatter über das Budget H e i n l noch^ vor Eingang in die Tagesordnung ein v i e r m o n a t i g e s Budget Provisorium beantragt hatte. Da das Abkommen im Nationalrat erst heute vormittags ratifiziert wird, werden die Ehristlichsozialen im Wiener Stadtsenat ebenfalls erst heute ihre Obstruktion ein stellen, aus welkem Gvlmde auch die für heute angesetzte Gerneinderatssttzun-g aus morgen verschoben wurde.