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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-16 · Heft 2092 (16.12.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2092 (16.12.1924)
Date
1924-12-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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' Nr. MS Wie«, DieuSlsg!f; - ' —....... ■■ —..v... . .1tzhamberlai« über die BöllerbunL-1 1am«e. D!e Beratungen mit Herriot und Mussolini. iEiqendienst der „Wiener Modenzeitung".) London, 15. Dezember. Das Unteraus hat heute ftachrnittags die Debatte über die Tai-Dadresse cm>f die Thronrede fortgesetzt. Der frühere Unterrichts-Minister Trovelran hat einen sozialbstischen'Aufatzantrag eingereicht) worin die Pol'tik der konservativen Reglern n g in A e g ypten und gegerEer Rußland bedauert w'rd. Der Antragsteller fuhrt in Motivierung seines Antrages uu'-er anderem aus, daß die Regierung in ibwm Bestreben, dm Kom- M'UmSmrl 8 in England zu bekämpfen, fas z ist ische Methoden auwenden wolle, wie sie nicht einmal in Italien unter Mussolini Mich seien. Er ersucht den Außenminister, die Türen zu einer Intervention des Völkerbundes im britisch-ägyptischen Konflikt nicht zu versch'ießeu. Unter starkem Beifall der Kon^rvat'ven ergre'^t Auisten Chamberlain das Wort. Er erklärt zunächst^ daß seine Beteiligung an den Arbe'ten des Böllerbundrates in Rom ibn voll befriedigt habe. Er, Cihamderlain. sei aus Rom mit der Uebe.rzeug u n g zumckgekehrt, daß ' der B ö l k e r b u n >d eiuo nützliche Institution sei, dw eine große Z"ku«ist bevorstehe. Seiner Ansicht nach s-ll in Zukunft der jelweilige enalische. Auüenminister der .Ne rtreter Englands im Völkerbund sein. Die Ermordung des Sirdar sei eine Folae der sanatischen Poilitiik Zaghlul Paschas und seiner An^äugw gewesen. Eine solche Situation konnte nicht länger geduldet werden. Ueiber sein« Beratungen mit Herriol umd Mussolini könne er nur so viel sagen, daß d'e'e das gegenseitige Vertrauen zwischen den Außenminist-ern Frankreichs. Em-lands und Italiens zu stärken zum Ziele hatten. Die Frage der interalliierten Schulden habe er (EharEerwi-n) nicht erörtert. Ueber die Affäre des Sinowjew-Briefes er- Ilärte Chambevlain, die cege-niwärtige Regierung fobe von verschrobenen voneinander unabhäng'grn Quellen u ntviderlegliche Beweise von der Echtheit des Brieses erlangt. Las easW-Savplische Heftetekakomme«. Der Euba» soll Mandatsgebiet Werden- London, 15. Dezember. (Tel.«Komp.) In diplomall- .schen Kreisen wird erklärt, -aß der enqlisch-agyptische Konflikl zwar vor seiner Losung st^e, die Vorhand l n n g e y jed -ch' kaum vor den a l l g e m e U >nen Wahlen in Aegypten im Monat Februar wieder oihgenommen werden dürften.' Neber die wesentlichen Punkte des mit Aegypten ab- Wichtießen'den Uebe re inkomme ns äußert man sich dahin, daß die Einigung auif fügende vier Pwnkte erfolgen dürfte: ' 1. Werde England nur aus dem Schutze seiner SchiffahrtSwege bestehen. Die britischen Truppen wiitden Ka i r o r 5 umen und den S u ezkanal, vielleicht auch die Sinaihalbinsel, besetzt halten. 2. Wird England den Schutz der englischen Interessen fordern, d:r nicht nur von britischen Truppen» sondern auch von einer internationalen Gendarmerie aus-geübt werden wird. 3. Erhält Aegypten die Zusicherung englischen Schützes für den Fall, daß es von eirr?r f emden Macht angegriffen werden feilte. Wahrscheinlich wird ein Vertrag zur gegenfektigen Hilfeleistung abgeschlossen werten. 4. Ten Sudan wird England als Mandatsmacht des Völkerbundes verwalten. Sie vrnmrdunq de» Sirdarr. Ein Komplott in Jaffa? Die Ilntersnchuing in der ägyptischen Mordassäre hat ein höchst . erstaunliches Resultat gezeitigt. Nach Meldungen ans privater -Quelle, die zum Teile durch Reuter bestätigt erscheinen, erstreckt sich das Komplott, dem General Lee Stack erlegen ist, auch ans außerägypbische -Gebiete, I« 3°ss» sind bei zwei Zollbea-mten und einem Angestellten der dortigen Filiale der Banca die Roma Hans durch s u ch u n« gen vorgenommen worden, die zur Saiflerung verschiedener Papiere An«iaß gaben. Zugleich sind in Aegypten selbst sechs Verhaftete als cm Mord beteiligt identifiziert worden. Drei Abgeordnete der n-ationa-Mschen Partei sind aus freien Fuß gesetzt worden. Es befinden sich noch drei Abgeordnete in Hast, nämlich Fahmi - Hassa n, Bassin und Ma k r a m A l i x. Letzterer ist ontf Besohl des neuen I n n e n- Ministers S i d k i Pasch a verhaftet worden, weil er in einer Rede am 13. November zu Ehren Zag hlul Paschas Hur Revolution ausstachelte. In der Untersuchung über die Mordangelegrnheit sollen bis jetzt Fortschritte er)iei''t worden sein. Unter den zwanzig gestern aus der Hast Entlassenen befinden sich in der hMptsache Studenten und sudanesische Offiziere., Zwarr- ^ig Personen bleiben weiter m Hast, Mener Modgenzeitunft '16. Dezember IM Gelte« Anklinlt in Wien am 1. Sänner. Wie wir bervits berichten konnten, wird der PrÄsident der Zionistischen Meltorgan-isation, Tr. Cha-im .W e i zma nn, im An'chlusie am somen Besuch des Wiesbadener: Dolegiertentages der roichsÄc-utschrtrZi-onlsten,auch Wien beluche-n. Nach den u.ns soeben zugekommenen Mitteilungen, trifft der Präsident über GÄadung des Zionistischen Laudes-komstees? für Oesterreich Am 1. I ä-n n e r 19 2 5 i n Wie n ein. Hevr Dr. We-izmann wird Samstag d e n 3. Jänne r m einem - Am r. FSnner Maffenmeetiag. Masienmeeting im Großen Konzerthaussaa? über zionistische Problem-e sprechen. Infolge dek zu erwartenden Massenandranges zu diesem Meeting müssen angesichts des beschränkten zur Verfügung stehenden Raumes Karten ans gegeben werden. Diese sind ab Donnerstag den 18. d. im Bureau des Zionistischen La-ndeskonrilees, 1. Bez., Kärntnerstraße 28 (Telephon' 77-4-85, 77-4-86), erhältlich. Wettbewerb Jeder Käufer eines " (65.000 Kronen) hat die Möglichkeit, oder einen der 112 anderen wertvollen Preise su erwerben, wenn er eine der beiden folgenden Aufgaben gut löst: 1. Mitteilung einer originellen Idee für irgend ein beliebiges oder bewegliches Objekt, das die Ingjnins-Gesellschaft ansfiihren soll; 2. Mitteilung einer originellen Idee, was er ale Erwerber des ersten Preises mit den 100 Millionen anfangen würde N&bores in den Warenhäusern Gerngross 8tala, Göc etc. und in den einschlägigen Geschäften. „INGENIUS“ Technische und Handelsgesellschaft m b tt. Wen, I., Sch«lierolatz 4 TclAphoa 78.35 480 6!n Semofrat in Miskolkj gewühlt. Budapest, 15. Dezember. Be4 den Nachwahlen: in Miskolc; wurde trotz der starken Agitation^ der Gömbos-Partei der Kandidat der Demokraten Wilhelm H u s k a. gewählt. Er erhielt 3036, sein rassenschützlerischer Gegen« Lhmdidait 2333 Stimmen. Als gestern abends die Wahl HMas seststand, entstand in der Stadt eine unbeschreibliche Ausr g mg, so daß ein« Militärkompagnie konstgmert wurde. Tr tzdem kam es gestern zu Ausschreitungen. Mehrere jüdische Kaufteute Wurden v n Rassenisckützlern verprüg kt, der Ko>hlenlhäudler Spitz wurde in der SzechenyPraße überfallen umd nrit Messer st ich e n schwer verletzt,. # Die RHenischützsser haben in ^iest^m Wahlkampf mit einem selbst von ihnen noch bisher nicht erreichten Terror gearbeitet. Alle ihre Waihliplakate trugen die Ueberschrlst: „4000 Chviisten stehen 2000 Juden gegenüberl" Es galt, Miskolcz, die alte, liberal gesinnte Stadt, zu erobern. Aber immerhin wäre die Niederlage , der Raffenschützler keine so große gewesen, denn die MWolczer. Wahlbchövde arbeitete. zu. ihren Gunsten, wenn G ö m b ö s wicht die obstmse^ Idee gehabt hätte, den get^iuiften Juden Samuel Ausländer zu seinem Hauplagität-or fü-r die Miskole-er Wahlen zu erheben. Dieser Samuel AuMnder, der . noch vor nicht langer Zeit, Besitzer des Cafe Pannonia in Miskolc; war, Keß sich daun taufen und wurde, nachde-m , ev.- sejar Ka>fseehaus gut veMvust hatt«, einer der würdigsten Antisemltenführer und rnagyarWer Rasseuschützler von Miskolc;. Den getauften Samuel Ausländer als Beschützer der christlrch-m.'gyarischen Rasse wollten sich auch diestnigen Christennicht bieten , lassen, die be-i der ersten Wahl sich noch von den Rassenschützlern hatten einfangen lassen. MeMlsche Jeklaratlo« im polnischen Seim- Warschau, 15. Dezember.^ (J. T. A.) In der letztLu Sitzung des polnischen, Sesm verlas der Deputiert« Schreiber im Namen des I ü d i s ch e n K l u b s eine feierliche Erklärung, in der es nnter anderem heißt: „Das. ganze System der Reg.lerurg''Politlk s wie ms- 'bvfeudere die Verwaltungsmethoden gegenüber den Juden, die auf den w irtschaftlichen Ru in der j ü d i s ch e n M a f s e n in Pclen hiuausgehen, 'haben schon lange uU'ter der jüdischen Bevölkerung Zen Wauiben an eine Bessevumg der Laae unter der jetzigen Regierung U'NtevZralEen. Das jetzige Shstcm läßt auch ein Minimum an gutem Willen, die Gleichberechtigung der - tüdifcheu Bürger zu wahren, vermissen. Die jetzige Reg'erung Hai nicht nur nicht die aus der Zaren; e i t stammenden Iude^beschrLntöMgen nicht ab^eschafft, sie hat. auch d^e Machen naticualen Rechte, die in der Versassuug s:wie in den internationalen Verträgen vevankert sind, uupwwivNcht gelassen. Auch die mimmale Selbstverwaltung, die die Juden mnechalb ihrer national-rekig äsen Gemeinschaft von früher her hatten, hat sie abge-' schafft. Sie hindert die jüdischen s Gemeinden, sich zu konstituieren. Die Regierung ignoriert und erst'ckt die Bedüchn-isse der iüdi'chen BevöSevung aus dem Gebiet der- Bildung, sie läßt die Vernichtung des jüdischen Schuld- Wesens zu. Auf dem Gebiet des. höheren Sch ulwes e n s duldet die Regierung die verfassungswidrigen Beschränkungen gegen.^ die Juden. Aus wirtschaftlichem Gebiet geht die Regierung darauf aus, durch ein grausames Steuersystem gerade den Mischen MittMand und d'e breite jüdische Masse an den Bettelstab zu bringen., Die Verzweigung unter der jüdischen Bevölkerung ist deshaG groß. In Regiermrgsinstitutionen sowie Rearernngsbetrieben werden. 'Juden. nicht ausgenommen. Aus den Betrieben, die die Rea evung ' iw ihr Monopol übernimmt, werden die j.ädls.chen-- Arbeiter hinausgeworfen. Um auch, den Mfcheu : Handel in-den Uemepen Orten^zu ruinieren,, hat die Regierung in zahlreichen Orten die Wochen markte auf den Sabbattag verlegt. Nunmehr.hat die Regierung ein Projekt aukgearbeitet, die Konzessio.nen für den Verkauf von Monopolartikeln den Wischen Isthadern zu entr-ie-ben. In den Randlandern werden die jüdischen Massen durch d'e BobSrden in einer unerhörten Weise unterdrückt. Der ^Jüdische Rarlamentsklub . kann darum zu der jetzigen Regierung kein Bertran-en haben und wird gegen das Budgct ftimmcn." Sns dlplvmntische Korps beim Aundes« Mstdeute». Gestern vormittags erschienen, wie amtlich mitgk.. teilt wird, die Chefs sämtlicher in Oesterreich beglaubigten diplcmadifchm Missionen in Begleitung ihres Personals beim Bundesprostdenten Dr. Michael Harnisch, um ihm ihre G l ü ck wünsche aniiätzlich seiner Wiederwahl darznbringen. Ms Sprecher fungierte der a. p o st o l i s ch Nunzius. Sie SbftrnMo». ' Im Parlament geht es noch.immer nicht. Da der Streit um die Perbekommisstonen der Wehrmacht noch wicht ausgetragen ist, dauert die Obstruktion der Sozialdemokraten im Budgetausschuß an und die Beratung des Bundesvoranschl:ges ist über das Kapitel „Justiz" noch nicht hmausge-dleben. Herr^ V a u g o i rr verhandÄt. zwar mit Dr. Deutsch, aber ein Ueberoinkommen in der Heeressrage wird von Tag^ zu Tag un- >warsche:.n>licher und. sohin auch die Möglichkeit, die Parlamentsimaschine überhaupt in richtigen' Gang bringen zw können, in weite Ferne gerückt. Ohne eine parlameutariscl^ Bewilligung ihrer Einnahmenu>nd AuZ-gabenwirtschrft Dann die Reg.ievu.ng nicht bleiberr, desbalb werden die Majoritätsparwien, weil das Budget vor Jahresende auch beim Willen von Mebcheit und Opposition nicht mehr -rechtreidig fertig-gestellt.werden kann, morgen im Bu-dgeta-usschuß durch den Abgeordneten H-ernl ein kurzfristiges Budgetprovis-ovimn beantragen lassen. Aber auch das Provisorium k'>nn der Opposition nicht abgetrotzt werden, aus welchenr Grunde Abgeordneter Fink, der gewiegteste UnitevhäMer der ChvisÄi-chsozialen, mit Bürgevmoisten Seitz Verhandlungen begonnen hat. Im Budgerausschuß^ sprach gestern zum Kapitel tis" Knau. r e » n d l i «h Ä'iv die des 8 IM

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