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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-14 · Heft 2090 (14.12.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2090 (14.12.1924)
Date
1924-12-14
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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*;'U, J rrrr Nr. SVSÜ Wien, SonntvA ZK Mische Familien i» schwerer Gefahr. ' AuS Warschau meldet unterm 11. d. I. T. A-:!Der jüdische.Nationalrät für Polen erhielt vou- .toer Mischen GentÄnde in Jnowlodz ein Schreiben, in. welchem darauf Angewiesen wich, daß SO Mische Familien im benachbarten Dar sc Szeczice in Gefahr sind, durch die .christliche Be-vöMvung aus-g-erottet zu werden. Die christlichen Gnindstückb.sitzer, bei welchen die jüdischen Familien wohnen, oder Ms deren Grund die Inden pachtweise HLuser errichteten, bemühen sich feit langem, ihre Mieter los M werden. Ms alle Schikanen nichts halsen, wurde an die Häuser eirtzelner jüdischer Familien Feuer g-elegt. Der Bauer Antini Stemtniak wurde vechaiftet und es konnte ihm nachgewicsen werden, daß er das Haus, in welchem eine jüdische Familie wohnte, angezündet hat, Welches auch dis ans den Grund ab'bvanntie. Steminiak Wierde aber bald aus der Hast entlassen. Dadurch evlmtigt, drohen die Bauern öffentlich, sämtliche jüdischen Häuser abznibrennen und di-e Juden au szu rotten, wenn sie'nicht bald den Dort verlassen. Der jüdische Nationalrat sandte Kopien des Brieses an den Justiziuinister /und an den Direktor des Sichecheits-- 'depariements «mit der Bitte, die notwendigen Maßregeln zum Schutze der «bedrohten Juden zu.ergreifen. Akgiya WeWal »eftorben. Eine, jüdische Historikerin. In Warschau starb dieser Tage die' Historikerin Regina Lilie nt hall Die- Verstorbene war eine 'Urenkelin des berühmten Rabbi M'ba.Eger, auch Ei-ger genannt. Regina Libicntha'l gehörte zu den' bekanntesten Forschern aus dom Gebiete der jüdischen Geschichte des Mittelalters. Sie galt auch als vürgügliche/ Kennerin des Talmud nn Original und des Älthebräischen. Ihre Arbeiten schrieb die Verstorbe-lte in polnischer Sprache, aber , auch in französischer und'deutscher Sprache sind dyn ihr wertvolle Publikationen erschienen. Ihr großes Werk über die jüdischen Festtage wurde von der Krakauer Akademie der Wissenschaften heransgogeben und gilt als wichtige Quelle für die Erforschung der primitiven Volkskunst unter' den Juden des Altertums und des Mittelalters. ■■ Regina Lilienthal blieb bis zu ihrem Tode Jüdin, was Weshalb hervorgchcdcn zu werden verdient, weil ein großer Teil der Nachkommen des. Rabbi Akiba Eiger dom Judentum abtrünnig geworden find: Unter ihnen gibt es auch polnische Dichter und Schriftsteller, die der katholischMerrkalen Richtung angehören. Moderne Mumie«. Die von den alten Äegyptern angewandte Methode zur Herstellung menschlicher: Mumien, die bekanntlich Tausende von Jahren überdauert haben, war folgende: Zunächst wurden die >Elnige>wmdo durch eine Ovfsnung im Unterleib herausgchvlt; das Gchirn würde nvit Helfe eines besonderen Instrumentes durch die Nase ' entfernt. Nachdem der ' Körper dann noch 40 Tage lang in einer Lösung von N-atrmmfuilifat, Natriumkarbonat und Kochsalz gelegen hatte, wurde das Innere des Körpers mit Erdpech, Gewürzen, Gummi und Natron ausgefüllt; dann war er fertig zum Eiwbalsamieren und zur EinwiÄnng. ' Ter amerikanische Physiker Hugo Gerns-back schlägt in „Science and Invention" eine neuzeitliche Methode vor, die gleichfalls Tausende von Jahren überdauern soll: er will den ganzen Kövp-er, aus gal v -a n i s ch e in Wage mit einer M etallschicht Überziehern Um sich von der Brauchbarkeit seines Gedankens zu. überzeugen, hat er die Mechcde zunächst an einem größereu Fisch versucht. Das Innere des Fisches wurde auL'genommelf, dann wurde die Eingeweidchahle mit Wachs gefüllt', der Fisch getrocknet-und schließlich mit Graphit bestrichen, um ihn elektrisch leitend zu machen. Davcms wurde er in einem Bad Verkupfert, und zwar derart, daß jede Schuppe und Flosse deutlich echa-lttn blieb. Kein« Einzocheit ging verloren. Nachträglich wurde dann der Knpferfisch noch versilbert. Jeder Mchusch, den: es sin peinlicher Gedanke ist, daß fom. Leichnam zerfallen wird, und der es lieber sehen würde, wenn. dieser in einem Mausoleum ans Jahrtausende ausbewahrt würde, kann .seinen Körper, nach sv'mem Tode nach derselben Methode verknpsevu lassen.' Der Preis für die Verkupferung eines mmschlichen Körpers dürste bei einer dünnen Schicht etwa 300 bis 400 Dollar betragen. Das Verfahren wäre etwa das folget: Nachdem der Körper gründlich gereinigt, getrocknet mo daun' zum Schutz gegen die Einwirkung der Luft desmsiziert worden ist, wird er mit einer dünnen Schicht Paraffin oder Wachs überzogen. Dieses Wachs wird dann mit Graphit bestrichen. Durch dieses Der» fahren werden, di-e. Ilmrisse des Körpers, die Gesichtszüge und sogar die Haare der Nachwelt aufbewahrt. Dann' kommt -der Körper in das Knpfevbad. Da der Körper völlig mit einer Metallschicht überM-det ist, kann die Lust nicht in das Innere eindringen, und die Erhaltung wich nahezu vollkommen sein. Die 'Düpftrpfe-vung. ist lediglich wegen Hrer BMMt-gewählt worden. Natürlich können sich reiche Leute v e r g o l d e n,. v e rp'lättnieren, oder ihren verkupferten Körper mit einem Goldüberzug versehen lassen. Wiener Morgenzeituna. 14. Dezember 1924 SM 7?' BEVOR SIE IH EU EINKAUF von Teppitnen Vorhängen, 0'cl(ea,Uebir etc. BESICHTIGEN SIE UNSERE 32 SCHAUFENSTER!! Preise riük jedem' Stück; epsichlllcli. Alle Ausladen an Wo i-heeitageo bis 7 Uhr, S an Sonntagen v. 4—7. IJtor beleuchtet , Hannover, 13. Dezember, Die -weitere' BehMdltmg der einzelnen Mövdsälle. mit der sich das Gericht auch heute beschäftigtA-Mntzt imnver neue gvaßliiche Details zutage. Heuile 'wurde 'besonders ansfühMch die EvmovdUM -des stvngen Zömmevmanines ' R > Hamiapel , ■’ bohaiwveift, einer jener Fälle, des denen Grans dev Anstiftung^ zum -Mord angeklagt ist. Die Mew des' Getöteten erkennen die W Haarmamn vorgefmudeneN K l e i d u n gß st ü ck e als Eigentum ihres Sohnes. Einä merliwürdigc Figur taucht in der Person des als Zeuge: vernommenen - - -l Kriminalbeamten Kmiita aus, der.zu den Detektivs der Bcvhnhofwache von Hannover gehörte. Dieser Kmitta gibt an, daß er von Haarmann, der oft auf -dem Bahnhof war Und auch der Polizei Nachrichten zubrachte, einen Hut erhalten habe, der spater als Eigen in,m des getöteten Hannapel fest-gestellt wurde. Es ist mm bemerkenswert, daß dieser famose Kriminabbeamte, als die, Mordaffäre Haarmann bekannt wurde, den Hut bei der Polizei mit "einem Zettel abgegeben hat-, aüf^-em vermerkt war, der.Hut'sei ihm vo-n einem unbekannten Manne übewellen worden. Es ist aber sestZestellt, daß der saubere Patron den Haarmann sehrgut kannte. Gegen Kmitta schwebt ein Verfahre n. ll.Weitere Zeugen -beLupden, daß .sie von Haavmann Wäschestück gekauft halben^ die sich dann als'Eigentum des Hannapel herauelstcllten. Charakteristisch ist die Angabe eines Zeugen,, daß Haavmann chm erklärt habe, er könne eine Woche später einen neuen Anzug lhä'ben. Ein Zeuges der Friseur Seidel, hat gesehen, wie ein Junge, der eine Kiste bei sich führte,-von-Grans mi-tgenoimmen wurde; er erkennt die vor dam 'Gerrchtstisch stehende die dem ermordeten Hannapet-gehörte, als diejenig: wieder, die er damals gesehen hatte.- Ts wird dann eine ganze Reihe von Zeugen vernomimen, die von Haa-vmawn Sachen des - ermordeten Hannapel gekauft haben, als letzter der 21jährige SHu der Zbmimevwirtin Haarmanns. Dieserlbskundet wie-derum, daß Haar-mann sehrviell - R . verdächtiges Fleisch verkauft habe. Der StaatsämMt führt Hei . dieser Gelegenheit aus, es 'bestehe ein allgemeines Interesse an der Feststellung, welchen Weg die' Leichenteile genommen haben und ob. .... in Hannover Menschenfleisch gegessen wurde. ,^Jch habe hier ein Schreiben erhalten, in dem eine Zeugin genannt wird, die in dieser Hinsicht wertvolle An-, gaben machen kann." Die Dornahche dieser^Zeugin wird beschlossen. Damit. ist die Beweisaufnahme im Falle. Hannavel erledigt. i Ms «darauf in die BeweiZmchiahni'e des ermordeten . Hennies eiNgeireten werden soll, erklärt Haavmann ga«nz vergnügt und umnter, daß ihn dieser Fall zu sehr anftrengen -würde -und daß er dcs>ha«lb um eine längere Pa>u5e bitte. Nach der Pause wird, der Fall Hen-nies behandelt. Ha a r m a n n bela fte t durch seine Aussagen Grans und Witkowsky schiver.' Er schildert^ wie er eines Morgens in seinem Zimmer, in dellr sich Witkvwsky nnd Grans aufgehalten hätten, eine Leiche gefunden , habe. Er «könne nur sa^en,.daß er in jenem Fall die T ö t -u n g . n ich t v -0 r g e n 0 m m e n habe. Ob Grans . und Witkowskh den Anzug, die Wäsche und Schuhe mitgenoilmmn haben, wisse er nicht. Es fei ein Mantels rückgMieben. den er Frau Engel geschenkt und den später Grans mitgenommen habe. Dieser Mantel wurde von der Mu'tter de's Henwies als ihrem Sohn gehörig erkannt, WiÄcwsky bestrei'tet bei feiner Vernehmung - a^e diese Angaben und erklärt, die Aussage Haam'mins sei nur ein Racheakt. Auf. Vorhalten des Vorsitzenden bleibt Haarmann bei feiner Aussage. Stafetten als Metttas. Die Ausdeckung eines Verbrechens ist m Paris mit Hilfe von winzig kleinen Insekten gelungen, die «nur durch das Mikroskop si-chkbar -wainn. Diese Jn>sekten,die an der Leiche eines vor sechs Monaten Ermordeten gesunden wu-rden, bildeten 'das fchlende Glied in -der Kette der Beweise, die nun zurVerhaftung des wahrscheinlichen Mörders gsführt' .haben. Der Tote war ein Angestellter uanrens Charles B 0 <u «l a y, «dessen Leich«e, rn einen Sack gestopft, , am 8. Juili in Bois du B-oulogne gefunden wurde. Der Mord war durch einen Schlag auf den Kopf mit einem stumpfen Werkzeug -ausgeführt. Zu-irächst konnte -man an der Kleidung des Getöteten nur einige Spuren von Kohlensta«u!b -und Sägespänen feststellen. Als dann, aber die Leiche mikroskopisch «untersucht wurde, fand «man «ine Anz-chl winziger Insekten,- sogenannte Myriapoden, die nu-r cm Orten loben, wo kein Tageslicht hinkommt, all«so in Kellern oder Höhlen. Diese. Entdeckung führte zu der Vermutung, daß der Mord in einem Kohlenke-ller auSgeführt müßte, oder daß wenigstens die Leiche omige Zeit in einem' solchen Keller, gelegen hat, «bevor sie nach, dem Dickicht im Bois de BouiloMe gebracht wurde. Der Tobe hatte viel «bei Rennen gewatet und seine Geschäftemit einem Manme Msammrn gemacht, der in. einem Kohlerckeller «tätig war. In-dem Keller wuri^n mm verdächtige Schriftstücke ge-ftmden,- die. dieses. Mmm «belasten, «und so konnte zu seiner-Verhaftung geschMeu werden.. LWerksche KurioWten. Es ist merkwürdig, daß die Dichter seit je gegen «gewlsft Buchstaben dcs Alphabets eine Aversion haben und diese auch in ihren Dichbungen durch Weglaffung der von chnen m Acht und Bann getanenen Buchstaben zmn Ausdmck bringen, Seit dem grauen Altertum ist die Spieilerei gang und gäbe. Dichtungen unter Vermeidung gewiss er Buchst« Len zu verfassen. So hat «im sechsten Jcchchundert vor der heute. üblichen Zeitrechmmg der Dithywrnben-Dlchter Lasos eiue griechische Hymne gedichtet, in der der Buchstabe S nicht, vorq kam. Das größte spvacharkistische KünstsEÄ leistete in dieser Hinsicht Nestor v. Laranda, ein griechischer Äichter deß driften nachchristlichen. Jahrhunderts, der eine Ilias schrieb, in deren 24 Geangen jeweils ein Buchstabe des griechischen Alphabets vermieden ist. Dem italienischen Mönch Cardone.gmg es wider den Strich, ein i^ios auf die Macht der Liebe zu schreiben, in welchem ein hartes R vorkäme «md so hat er diesen Wchstaben in seinckn mchrere tachenb Berse wmsajsondm Poem s-orgfälftgst vermieden.! Die Abne-kguNg gegen das . Kk ist besonders bei dew' deutschen Dichtern M finden, welche sich immer bemühen^ durch Wegilassung vom Worten mit. dem Buchstaben R zu beweisen, daß. die. deutsche Sprache nicht so hart sei, wie ihr all-, gemäht wachgesagt werde. Es ist daher wicht zu verwundern, daß es. vechAtnismäßig viele Dichtungen «und sonstige schriftstellerische Erzengwisse in deutscher Sprache gilbt, welche das Ri gänzlich umgehen. So wurden Predigten ohne R gedruckt, erhalten sind zwei 1592 zu Ingolstadt edierte von dem Pastor Georg Mülle r, und einige Jahrzehnte später, zu Anfang des 17. Jahrhunderts, eiate Weihnachtspvedigt des. Magisters und Rektors Uhse. Der Hamburger Dichter Berthold Heinrich. Brock es hat in einem Gedichte die aattf ein Gewitter folgende Stille onmMtopoetisch durch Verse ohne R dargestellt und dieser Versuch wurde von Wieland mit dem Hinweis darauf, daß die deutsche Sprache doch über reichkich weiche, milde unsanfte Worte verfüge, schr belobt. Im Jahve 1788 ließ Gott< lob WMhelln Burmann einen Band „Gedichte ohne den Buchstaben R" erscheinen, welche acht.Jahre später bereits die zweite Auflage erlebten. Auch hier war die Absicht, die deutsche Sprache in e'm-em ganz weichen Dialekt kenwenyu-lernen. Auf dem Gebiet der Prosa fand Burmaun Nachahmung in dem Privatgelehrten Dr. Franz Rittler, welcher zwei Erzählungen ohne den Buchstaben R schrieb. Beide fanden viell. Beifall,, die. zweite ErzäMtwg wurde im Jchre 1815, zwei Jahre nach Hvem Erscheinen, neu aufgelegt und erlebte im Jahre 1820 eine dritte, um eine Fortsetzung verm-chvte Auslage.' Auch Rück er t, der bekanntlich einer der größten Sprachkünstler des Deutschen war, kannte sich dos MspiÄ - mik dem R, 'bkizichu-nigsweise ohne das R, wicht sntge-hen lassen. In seiner 'Ilebers-etzu-ng' der „Makamen des Hariri" gibt es Äbewfalls ein.- Glicht ohne R. In unserer Zeit sind diese: wann, so von Paul v; Schönthan, gelegenklich Pierbaum, wieder anfgenom-men worden. Daß eilte solche Künstelei auch ihre literarischen Gegtter hat, ist sÄIhstverstäitÄlich. So läßt der schwäbische Gpiigvamilmtiker HaiUgh dem Dichter a«ws seine.Worte:. „Ich dichte nun, mein Herr, V \ 7? seit zwanM Wochen täglich 7« zwei- Strophen ohne R. Das ist uneiMch schwer" entMtten: MM „Ich-wollt', es war'- unmöglich^- , Woanit er nicht ganz unrecht hat. Gross« Auswahl ll.Praterstrassef in Persianer-, Breitschwanz-, Zobelfeh-, Zobelmurmel-,, Ner^murmel, russ. Naturbisam- und Fohlen-Mänteln- - zu tief reduzierten Preisen; y. ’v; v Spcirtjackeri, 'Verbrämungsfeile und alle Arten Füchse - M 44 02230123235353235353482353534823482348235348232301020248532353235323 2348484823534823894823485348234823480053534823535353234853532353532348485323

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