Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2090 (14.12.1924)
- Date
- 1924-12-14
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2981173--21364-3008666- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6etfe 6 _"~r Wien. Sonntag Nuance ist hier für Len Kenner maßgebend. Diese Kennti wisse sind gewiß ein sehr seriöses Studium. Und die Manipulation, die aus dem rohen Fell das dekorativ.', Verlaufs« bereite Stück herstcllt, ein Handwerk, das sich beinahe zur Kunst erhebt. Denn der Wert hangt ja nicht von der zoologischen Absta.mmu.ng, sondern sehr wejentl'ch vom Farben und Münzen ab Hier gibt es ganz besond rs Spezialisten: Die Gebrüder Theptal in Paris sind solche Kunst- »er der Behandlung der Otterselle. Nur sie erzielen jene schwarzen Töne und Schattierungen, um derentwillen man die Felle aus der gangen Welt zu ihnen sendet. An die Stelle deS plumpen Betruges, der Murmeltiere für Zobel ausgibt, ist eine russin'crie, tauschende Mechanik getreten. Durch eine Erfindung Mn der rote Fuchs in seinen kostspieligeren Bruder, den Schwwrzfuchs. verwandelt werden. DaS sind die reinsten Zaubereien. Deutsck>e, russische und französische Marder verwandeln sich 'urch die Kunst der Färberei Scholz in Zobel. Düchshaarr mit iveißcn Spitzen erzeugen den Silberfuchs. Ter Pelz hat seine große Gemeinde, seine Händler, feine Liebhaber. Es gibt Leute, die Pe*ze sammeln, damit spekulieren, wie andere in Antiquitätenläden Md AuttiouSlokalen nach seltenen Bildern bei OKHonkpreisen herum» kriechen. Man will einen echten Daldmuller und einen echten Zobel, das Original in der Imitation entdecken, die Imitation zu einem Original herauspräparieren. ES gibt Prlzköiüg« wie eS Perlen- und Diamantenkoniae gibt... In Deutschland etwa Uhlmann. Landig, Blum, Königswarther, Thover. Somer... Thorer, der Astrachankönig, . hatte etwa 900 Ballen Felle zu je 170 Stück, Königswarther Zobeln auf Lager. Uhlmann handelt nvit ameri» lanischen Pelzen, besitzt in Minnesota eine Station und edle Million Otterselle in seinem Speicher. Pelze... Mr finden sie, aus Abfällen ousgelelen, in den Filzen der Minder — und Sommerhute. Diese Kle'narbest, die Industrie der Abfälle, ist ein Gewerbe für sich: Sie 'werden an Pinselsabriken, an griechische Handle vcrfchickt, nach Mazedonien, wo sie schlaue Bauern wieder aus tausenden MosaWückchen zu einem ganzen großen Pelzfnttevmuster zusammen-fassen... Wir. finden Pelzfrasmenie in den Schwänzen und Mahnen der kleinen Pferdchen, auf denen die Kinder ihre Puppen reiten lassen, in den Monturen der SMwarenmenagerie... Aber wir erkennen in diesem Aufputz billiger Konfektion koium die Verwandtheit mit dem Prachtexemplar, das d'e Tänzerin Pawlowna um ihre Schultern legt, oder mit jenem, das< König Leopold, der Belgier, der Cleo de Merode verehrte. „$<t habt'r mein letzter ÄtonU" Armes Armrtscherkl! Jetzt. erst tragen sie dich offiziell htS Krematorium, wo du doch schon lauge erledigt M..Kem«n Hund konnte man mehr um den theoretischen Ge^ntviirt für dich hinter dem Ofen hervor, ocken. und'wenn man dichals hundertfache Währungseinheit einem blinden Bettler in den Hut warf, zog man sich von manch einem wutonve Blick« zu.' Pur durch rnasienhaftes Borkommen konntest du dich bemerkbar machen, und wenn man dich scharenwus« auitMen ließ, durfte man hoffen« ein unoübiMcheS Ehaufssurhech chne Nachsicht der Laxe zu rühren. A!S du in den Neunzsteijahren dos Acht der Welt er-, klicktest, schien dir eine glänzend; Laufbahnju winken. CS. war die herrliche Zeit der Gemütlichkeit und: alles durch das Volk und für die Dynast e war die schönste Devise. Zuletzt hieß sie mir: null, null, null, usiv. Damals aber konnte man mit dir klingend aufhauh'n und die Welt übovströrnte von Gulaschsast «nv Segenswünschen der bodenständigen Trinkge-ldn-chmer. Die Justiz führte damals ein kümmerliches Scheindasein, von der Wirtschaftspolizei ganz zu schweigen, denn gleich nüch der Bolkshymne lebte das poetische „Wir wer'« kan Richter brauch'n" be- und vertont tn der Psyche der Bevölkerung dieser alten Musikstadt. Aber als den diversen Rennstallbesitzern, die wo die hohe Politik lenkten, das serbische Reisflaisch gewissermaßen ein Dorn im Auge war, meinten sie, daß die Armee sozusagen nicht verdorren dürfe. Worauf an allen Mauern wnd Wände», wo man sonst mx „Saujud" Hinmalen durfte, plakatiert wurde, daß eS um „Krone" und „Reich" gehe. Nun, das „Reich" ist hin, ein jeder ist arm geworden und die Krone ist zuerst hinauf und hinunter gefallen wie amf einer Rutschbahn. In der letzten Zeit freilich immer nur hinunter, daher der Name „Börse". Die ehemaligen Autobesitzer haben erst jüngst durch Straßendemonstrationen die vorzeitige Oeffnung der Wärmestuben durchgesetzt. Wer noch ein kleine- Friedens-Sparkassabuch besitzt, holt sich das Geld nicht, weil er die Tramwayspesen scheut, denn, du unglückliche kleine Friedenskroue: dich hat der schwarze Schumpeter ganz gefresien. Einst warst du dieses Daseins Wonne und Lust, Gift und Mitgift, jetzt aber liegst du schon lange auf der Erde und es bückt sich niemand nach dir, indem nämlich dabei ein Hosenknopf reißen könnte. Und wenn es nun ans Abschiednehmen geht, dann rufe ich fröhlich das fällige: „Da h-vbt'S mein letztes Kraul!" aus, und die Erde sei unS allen leichter, die wir bangen Herzens ausschauen nach dem neuen Wechselbalg, dem Schillingda k l eS. Ali. Ae MWhek Ltzeodor Somverz'. Herr Dr. & Diesendruck schreibt uns: „In der -Wiener Movgenzoitung" vom 13. d. wurde die Meldung der J..T. A. veröffentlicht, daß dt« Bibliothek des.verstorbene Philosophen Professors Th. Gomperz für di« Rattonalbibllothek in Jerusalem erworben worden sei. Die Nachricht m dieser Form ist durchaus verfrüht. Die Unterhandlungen mrt dem Verkäufer, die ich seit mehreren Wochen führe, sind noch nicht abgeschlossen, auch hat Herr Dr. Magnet seine für dies;» Zweck in Aussicht gestellte Zuwendung an Bedingungen grrnÄpst. die noch nicht erfüllt sind. Im Interesse der Sache bitte ich um Veröffentlichung der Anschrift.", Wiener HEINRICH Ges. w.d. H. L öpernring 3 8 Pelz-Jacken . ' . von K 1,500.000 Kanin-Mäntel von K 1,950.000 8 eal - Electric-Mäntel ' von . LM000 Nerz-Murmel-Mäntel von K 1500.000 Persianer-Mantel von ' K 31,000.000 Verbrämungsfelle f0tt K50.0G0 sowie reichhaltigste Auswahl von Mänteln und . Jacken, Chinchilla, Bre tschwani, Zobofeh, Nutria, Astrachan, Kolinsky, Seal« bi$am,Foh en,fernerWöife, Füchse, Stolen etc, zu tief reduzierten Preisen Sämtliche Jacken und Mäntel sind durchwegs aus bestem Material in feinster Ausarbeitung fr 1h.ii.iA*-.. _U. DeM^rr 1924 Mt »90 Sie Boikoper gespent. Geskvn abends sollte in der Voksoper „Dst Götter« dämu.erl!N'g" «Mr Aufführung gela-ngon. Infolge der Er» KävU'Ng der Orchestermitglieder, den Dienst n i ch t a u f z u n e h m e n, mußte die Vorstellung e n tfallen. Um 6 Uhr nachmittags wurden am Theatergebäu'de Plakate ange'chlagen, welche lauteten: „Inföttze Dienster-nstellwng des Orchesters bleibt die Volksoper bis aus weiteres g e f ch l o s s e n. TaS Geld für die bereits gelösten Karten wird an -den Tageskassen zurückerstaltet. Die Direktion." Die Vorgeschichte, die zur vorläufigen Sperrung des Institutes führte, ist teilweise bekannt. Das Unternehmen, das schon seit längerer Zeit infolge Ungunst der allgemeinen Verhältnisse mit finanziellen Schwierigkeit < n zu kämpfen hatte, kvwnie in den letzten Monaten, da die Ausgaben die Einnahmen erheblich überschritten, trotz fortgesetzter Zuwendungen der Denvaldiingsräte, die Gagen an stme Angestellten rmr mit Dcrzögertrugen be- 'zahlen. Das Orchester hat nun nach Ablauf von drei Tagen, unter Demfwng auf das Theatergesetz, den.mit der Volksoper-BetriebS-A.--Ä. besteheniden Vertraggekündigt und seinen A u S t r i t t erklärt. W machte die weitere Mitwirkung von der jedesmaligen Auszahlung einer Tagec'aage abhängig u>nd verlangte ftrner bis zum 10. d. die Abschließung eines neuen Vertrages. Bis zum 10. d. spielten die OrchestevnMglieder gegen Auszahlung ihrer biLherigeu Tagesgage svon 98.000 K., inklusive Spwlhouorar). Als am 11. d. der neue.Vertrag nicht gefchlosien war, forderten' st« für die Dienstleistung am nächsten Tage (den 12. d.) eilte Erhöhung auf 143.0000 K. Di« BoWoper-Be-- tvielbs-A.-A. richtete ein Schreiben an den Betriebsrat-des Orchesters, in dem dies« Forderung abgelehn-ti und 'däß Orchester M-fgefordert wurde, unter den alter: Bedttitzungen den Dienst a-ufm^nebmen. wobei die Direkten die Versicherung gab, den Rest der rückständ'gen Nodeni>bergägirl föfort zur AuS/rhlung zu bringen. Kurz vor 6 Uhr abends ersch'enen di« Betriebsräte des Orchesters mit der Erklärung. daß sie den Brief nicht zur Keuntms nehmen. Die Frage des Direktors MarkowSky, ob sie tm Sinne öieseS Schreibens zu den a<lten Bedi-nguingen den Dienst aufnehmen wollten.- w-rde verneint. Daraufhin mußte d:e offizielle Absage der Vorstellung erfolgen. S^mit dürfte die BolkSoPer nach gegenwärt'iger Sackiläge bis auf wetteres geschlosien bleiben. Lk Wien« valSftinap'on^rk. . Mur Aktion für die noch Palästina fahrende Kwnzah Awodoch. Wir haben bereits berichtet, daß di« erste Gruppe d.er- . W i e n.e-r Pa l ä st Ina p \ o n i e r e, / di«/f KwuM Äwodah, mit der H a k o a h am 25. d. nach. Erez Israel reist. DK Kwuzah, welche aus elf jungen Männern und vier Mdchen bcheht, ist für die Pionierarbestausgrzvichnet an8gobildst. Nur cm den erforderlichen Aus rüstu ngSgxg.enständen (Werkzeug, Meldung, Wasche) fehlt es noch zum Teil. Zu unserer Gemgtmdng wird uns mitgetM, daß -sie Nachricht von der bevorste.hen'den Uebersiedlung dieser Gründer einer Wiener Kolonie in Erez Israel eine Aktion für die Ausrüstung dieser Jünglinge und Mädchen zur Foige hatte. Die Leitung dieser Aktion hat die Ziontsti'schr Sektion für dl« Bezirke 6 bis 8 übernommen. Alle Freunde und Förderer jüdische« Arbeit in Erez Israel werden hieMit ersucht, sich mit Frau Derla B or ger, 8. Bez., Jvsefstädtersjrasw 9, ln Verbindung zu sehen. An Hst genannte Adresse, sind alle dieser Kwuzah znge-dachstn Spenden zu senden. Benötigt werben. namenvlich Schlofserwerkjd, ferner Dachdecker-, Tischler-. Schuster- und GärvnerwerkzeÜM. Zu dem besonderen Bedarf dieser Gruppe gehören auch öM NäHmaschine und Kücheneinrichlun^s-gegenstände. , ' ' ES ist zu eyvanten, daß sich insbesondere' jüdi,che Kaufleute an der Beistellung' dieser "ÄuSrüsttmgögegenstäN'de für die Arbeit in Erez Israel "beteilign morden. Da der Abreisttermin bereits feststeht (25. Dezomber. d. I.) wird ersucht, die -ec Kwuzah zügedachten Geld- Naturalspenven unverzüglich ihrer Bestimmung führen. Sine SchiffrlragSdie durch Brand. Am 3. b. verließ der französische Frachdampser „Clgal" Port-Louis auf Saint-Maurice mit der Böstiiwmu-ng nach Reunic-n. Das Schiff führ!e gr ße Men-> gen von P e t r o l e u m mit sich, das bald nach Berlüssen de- Hafens in Bmnd perlet. Ein chrnesiscl.cr Passz-ier iel in die brennende Masse und verbrannte. Unter den Reifenden .spielten sich fürchterliche Szenen ab. Eine Frau starb vor Ausvegung. Ein Teil der Man ns Lasten und der Passagiere bemäckitigte sich der beiden Rettui gsboote und verließ das Schiff, ohne auf die Bitten der Zurückgebliebenen zu hören. Der Kapitän und d'e Offiziere bemühten sich heldenmütig, das wü'ende E.'em-mt zu bekämpfen. Das Schiff hatte ater so schweren Schaden gelitten, daß e8 langsam zu sinken begann. . Überdies explodierten auch noch die Kessel. Tie be'den Ret'ungSboote erreichten Reunion, von wo scfort. ein Hifsschiss aus-geschickt wurde. ES konnte aber nur noch . einen ,Matrosen und Linön Geistlichen retten. Gin iapanlscheZ Kriegsschiff, pestvan^et. ' Tokio, 13. Dezember. (Tel.-Komp.) D^s Kriegsschiff :,Muto" ist auf der Höhe -van Kiusin gestrandet. Bott den 16V Mann der Besatzung kennten biSser nut .30 gerettet.werden. Zlvei Kreuzer haben sich M. di« UnglückSstätt« begaben, doch ist er wegen deS chv^en Se<- ganges nicht gelungen, an das gestrandete Schiff heran- -ukommen mW der Besatzung Hilfe zu bringen.