Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2090 (14.12.1924)
- Date
- 1924-12-14
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 209Ö Wien, Sonntag Die.EMvung des Kallers hat auf den Jünfund- Kwanzigerausschüß konsternierend gewirkt, dies um so mehr, als zu'gleicher Zeit mch den Organisationen der Entwurf M einer Novelle -es AbVaugesetzeS, daL mit Jahresende abläuft, zuge-mittelt worden ist. Mit" dieser Novelle soll, das Mbauaesetz trotz des Etnsipruches der Beamten organisationen dis Ende 1925 erstreckt worden. Der Entwurf bestimmt ferner, daß B-undesangestellte mi>t weniger als zehn Dien'stjchren im stalle der Dienstun-- fähigkeit mit einmaligerAbfertigung aus dem Dienst aiiSgeschieden worden. Die Abfertigunasbeträge würden sich, auf vier bis neun Monatsbe.zi'ige belaufen. Bundesangestellte mit mebr als zsbnfä^rvgem Dienst Wunen Pensioniert oder mit 10 bis 15 Monatsgehältern aibgefertigt lwecken. Ja» Serem^erkadset. D-si,!t SI MMard-n. Die österreichische Regierung hat d^m Generalkommisiar des Vö^kerb'ndes. wie die Pol. Korr, erfährt, Ae Ansätze des Monatsvoranschlages für Dezember 1924 nach der Gliederung des Resorm^la"gs wie fckgt Lekanntdoben: Ausgaben 614 8 Milliarden Popievkvonen '(44 8 Millionen Goldkronen), Eimrohmen 607.9 (42,2). Abgang 36,9 (2,6). dam außerhalb des Pvealables Mehraufwand für Edvifizievuna 15 (1). Abgang 51.9 Milliarden Papierkronen (36 Mi^io an Goldkronen). Die Verringerung der Einnahmen erklärt sich daraus, daß die österreichische Regievuna, eu'fprechond den, Genfer M rd. im Monat Dezember sowie im Vormonat die gegen.Wechsel gestundeten Einnahmen (einzelne Arten den Steuer-, Zoll- und Sa^Mchse') m den Einnahmenvorschlag nicht einbez^gen hat. Der Geaentvert dieser Wechsel, die in dem Ein nahm env oran'chlag für Dezember nicht enthalten sind, beträgt 82 Milliarden. Ile SftcrreichMe Sele-atklin reist kevte ab. Rom, 13. Dezember. Minister a. D. Dr. Grnn- Lerger und SektionSchef Dr. Schüller haben gestern dem deutschen Botschafter dem Quirinal Baron Neurath einen Besuch abgestattet nud hatten beute m'r dom Generalsekretär im Ministerium des Aenßrrn Senator Contarini eine längere Besprechung. Die bo'den österreichischen Delegierten werden morgen Rom verlassen. Ler antisemitische Bubenstreich eine» Wer» reichischen Richters. Wrr haben am 10. d. die Begründung besprochen, mit der Bezirksrichter Dr. Ne »deck in einem konkreten Fall eine besondere jüdische Art frechen Verhaltens festzustellen bemüht war. Unsere Kritik an dieser Urteilsbegründung ist, wie wir aus einer Unmenge von Zuschriften ersehen können, von der jüdischen Oofsentlichkeit geteilt worden, die einmütig und ausrdcchmslos sich Mit uns einverstanden erklärt. Eine Ausnahme, gibt es aber doch, nämlich und natürlich die „Neue Freies Presse^, die dem Dr. Neudeck zu Hilfe eilt, und zwar in der felgenden Notiz, die,sie von „mfavmterter Seite" Wer mag das wohl sein?) erhält: Der Richter würdigte die wiederholte Erklärung der Angeklagten, daß in ihrem Hause Juden verkehren, daß ihre Familie mit denselben durch Freundschaft verbunden und ihr daher eine Abneigung gegen Juden fremd ch. Hiewon ausgehend^ gelangte das Gericht, welches der Ausdruck „Frechheit" für das Benehmen des Klägers gerechtfertigt -fand, zur Ueberzeugung. daß in der Beifügung deL Wortes „jüdische" keinerlei bele'digende Absicht gegen den Kläger a's.Juden gelogen sei. Der Nachdruck liegt auf dem Wort „Frechheil", ohne waches das Wort „jüdische" — wie der Richter hervores geprägt ist, oder durch den Historisch denkwürdigen Augenblick, in dem es gesprochen wurde. Zur ersten Gruppe gehören alle schönen Dichterworte, die allgemein bekannt und allgemein angewandt Wecken; zur anderen gehören die histor'lschen Zitate, die sprichwörtlich geworden sind. Cs gibt aber auch gebügelte Worte, die beides in sich vereinigen: die geistreiche Form und die Reminiszenz an den historisch de-nkwücki-M Augenblick. So zum Beispiel das Wort Napoleons vor der Schlacht bei den Pyramiden in Aegypten: „Du haut de oes pyvcmlides 40 s'mles nous eontvrnplent" („Don den Gipfeln dieser Pyramiden blicken vierzig Jahrhunderte auf uns herab"), oder das Wort: Du snblimie au ridiaule il n'y a qu'un Pos" („Vom Echpl'enen zum Lächevlichen ist nur ein Schritts, das Napoleon auf seiner Flucht aus Niuflland mchnnals wiederheilte. Historische Mate, die oincn schönen Gedanken in schöner Form ü-usdrücken, sind nicht sonderlich zahlreich. Als Beispiele dieser seltenen Gattung konnte man den für seinen Urheber recht" charakteristischen Ausspruch Talleyrands: „Da Parole a ctc donnee a l'homme pour dWliftr sa Pensee" („Die Sprache ist dom Menschen gegeben, um seine Gedanken zu verbergen"), oder Ferdinand v. Schills treffliches Wort: „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende" anifühven. Im großen und ganzen aber stammen die geWoelten Worte ans dein Gedanken arsenal hervorragender Dichter und Schriftsteller und sirck nichts anderes als Kerrrfprüche in poetischer Gewandung. Unsere Zeit ist der Entstehung von geflügelten Wort-err nicht sonderlich günstig. Fast kam einziges Wort, lief gedacht und fein geschlissen, verrnag houtzutage aus des Zusammen- Hanges flülM-cchmen Zustan«dv heranSzukommen. Es ist verwunderlich, daß cr»S jodvm kleinsten Werkchen der Klassiker unzählig Mügolte Worte vm C^mchstabwi'ch sind, wogegen a>ns den Gesamtwerken d«c zeitgenössischen großen Schriftsteller und Dichter fast kein einziges Wort sich losgelöst hat, nm rm Zeichen der Anführung seinen Eigenwert in der lebendigen Sprache zu be-haupten. Und wenn in vereinzelten Fällen irgend ein Ausdruck oder irgend eine Wendung aus der zeitgenössischen Literatur als Schlcugwort, Flugspruch oder Zitat gebraucht wird, so ist es zumeist nur ein Buchtitel; in den Wer- Wiener Mor^enirellrmq. gehoben hat — keinen Sinn bätte. Der Kläger hat cs unter- Lassen, innerhalb der gesetzlichen Frist die Bevuisung anzu-- melden. , Daraus ergibt sich, Laß die betressende Dame den Ausdruck ^„Mische Frechheit" nicht aufrecht halten will, daß ihn aber der Richter, auinahm.'Was zu beweisen war. Wo der Ton liegt, ist nebensächlich. Ein Gerichtssaal ist kein Konzertraum. Uud daß das Wort „jüdische" ohne „Frechheit" keinen Sinn har, daraus kann nur die informierte Seite kommen. War vielleicht von einem jüdischen Regenschirm die Rede? Es ist bedauerlich, daß der Kläger keine Berufung anmeldete, zumal er ja durch das Urteil noch schwerer beleidigt worden ist; angemerkt aber muß es wecken, daß s i ch d i e „N e u e Freie Presse" unterfängt, eine aufgelegte Hakenkrauzlerei zu verteidigen. I. Rotenturiinstrasse 20 WIEN I. Fleischmarkt 1 Laufteppichreste Strapazresr» mv4-80 lang . . . „ breit, m f-20 lang Herkulesrest, m 500 lana „ breit, m 510 lang Luxuarest, m 6-10 lang . . . * breit, m 5 00 lang . per Rest K \ ' K Ä 50.000 «50.000 K 050.000 h IJS50.<»00 iT 14rtOnoo L 1800.000 Teppiche: Skrspaztepnicb, m 1-65X230 ....... L 490000 SerkuleS epptch, m 1*70X2-40 .. L 850.000 Persertnteppich. m 1-00X2-50 ...... .Al' 00000 SIrapaz e-plch, m 180X2-50 ....... L S75.000 Arrkuie^reppich, m i'90X2'S5 ... . . . .J?10*>0.000 EffeKttevVich. m 2-00X2-80 .TT »200.0001 Perfrrintevvtch, m 2’OOXB-OO , . . . . . . K»’ ÖOOOO St ayazleppick, m 2'60XK'50 . . . . . . ,K 490.000 S«rk«test vpich, m 2-40X3-45.Jt'»KOOOOO Effertteoyi n. m 250X3 50 .E3300.000 Perserrntepvich. m 2 50X3-50 .J? 3900.000 Bettvorleger.o-zirapa-m066x130 .per StückK. 73000 ' $.*rht'<«Vm 0-65 '135 „ „ K „ jm l%m0 60X1-90. „ . Ä „ ,.Perfe-i«".m0-70Xl'40 „ „ R Wa«dl eppich „Effekt" m 0 80 ^1-85 . per Stück K „ ..Rer «rin", m 0 W 1'80 . \ R Diwan Überwurf „Gv b el e ta" „ „Per erin" . . „Tammt" .. Diwanpolstev „Fanrafta" . . „ ,«SoLe!e»ia" . „ ^Luxus" . . . Sttavierüeeke „Nanrafia" . . . / Lurua"' . Ttschöeche ^Perserin" . . „ „«tobeleni»" . „ ^Fantasia" . 4 Bettbeche „^crfcrin" . , _ „Gobetenla" . „ „Fantasia" . . FlaneUdecke „??tatie->ne" . . „GSlnmn" . . „ „KaweihM'fn" Steppdecke „P"-e^.o" . „ „Luxnr" . . . KünlUervorhaug „Gffrk." . . . „Luxus" . . . Lambteqnins „Hottina" . . „ -WM* ■ ► ' -Lnxns" . . . 250000 325.000 450.010 370.000 750.000 550.000 ßJ' 0.000 . per Stück K . . „ l X1200 "00 . . per Stück R 150.000 . . „ „ K 90.000 . . I „ R *50.000 . . p?r Stück L 800.000 L15"'0000 .-.per Stücks 355.000 „‘v „ R 270.000 .• . " - l & 240000 . . per Stück L 475.000 . . .. „ R 300.000 . . ' „ R. 3»n.ooo . . per Stück R 209.000 . . K 3 >0.000 . . „ K 480.000 . . per Stück K 290.000 . . .. „ L 480.000 . . " „ R1 *£00.000 . . komplett R 400.000 . . „ R 580.000 . per Stück R 235.000 .. . „ „ R 15^.000 . " » K 600000 ken solbst aber ruhen die Maximen, Aphorismen und Aperous wie unter strongonr Verschluß, stehendem Kapital gleich, das nicht in Umlauf gebracht wick. Aus sämtlichen Werken Ibsens hat einzig der Buchtitelt „Die Stützen der Gchellschast" den Wert eines geslügeAen Wortes erlangt, und aus sämtlichen Werken Gerhart Hauptmanns ist nicht einmal ein schöner Buchtitel zum geflügelten Wort aufgestii.-gen. Es ist merkwürdig genug, daß aus dem ganzen, vielfältigen, überreichen Paradoxenschatz Oskar Wildes kein eintziger BluHatz zur Spruchreife gekommen ist; selbst sein packend schönes Wort, die Frauen seien ,/Sphinxe ohne Rätsel", fand ich noch nirgends zitierte Auch von dem geistblitzenideu Oskar Wilde, in manche verwandten Bernack Shaw ist kein geflügelter AuNdimck bekannt. Dagegen sind aus den zahlreichen Werken von Hevmann Sud ermann „Das GNck vm Winkel", ans den nicht minder zahlreichen Werken von Otto Ernst „Die Jugend von heute", aus dem Gesaintwerk Artur Schnitzlers „Liebelei" zu 'geflügelten Warten geworden. Daß auch hier keine besonderen Geist.'Zblitze, sondern schlichte, gut getvählte Buchtitel zu geflügelten Worten avancierten, ist eine Tatsache, die wohl Beachtung verdient und womöglich auch nicht ganz ohne Bchvutung ist. Bi-Äen anderen gelang es nicht eimnal, ihre Buchtiticil in Flughöhe zu heben. Es will mir scheinen, daß mit einigen kräftigen Anssprüchen Nietzsches, die letzten echten Mflügelten Worte in die Welt hinausgelflattert sind. Und das ist das Auffallende: Auch di>e geflügelten Nietzsche-Worte sind mvistensteils nur Titel seiner Werke. „Der Wille zur Macht", „Menschliches, Allzumenschliches"^ „Jenseits von Gut und Böse", „Also sprach Zarathustra", lauter Buchtitel. Aber immerhin, diese Buchtitel sind gewaltige Worte von tiefstem Sinn. ^Sei'lt Ni>.'tzsche hat das Wort seine SchimmKraft emMützt. DaL..DichterSvort verklingt ohne Nachhall und das historisch deniktvürdige Ereign's geht vorüber, ohne ein Wortzeichen zu hintevlassen. Ein neuer Büchrrmarm würde heute schweckich eine neue Folge von geflügelten Worten Herausgaben kämen. Unsere mit Ereignissen überlastete und an Kraftworten überreiche Zeit vernräg kelNe Worte zu prälgeu, die beschwingt wären. 14. Dezember 1924 Ssitr. 5 4, Von Egon Dletrichstem. Den Aufschwung der Luxustonj-unktnr feierte vor allem der Pelz mit. Er hatte gute, vorzügliche Zeiten. Del Reichtum aufstrebender Kriegsgewinne, der segensreich heräoströmte, befruchtete das Gedeihen der Pelzipre-ife. KelN'Krtegsvevdien-er, der mit schäbigem Ueberzieh-er, im besten Falle mit einem Wintermantel, durch dessen Löcher das Futter defekt herauskroch. die ersten Geschäftsgänge seiner Karriere evledigte, «wollte ihn entbehren. Es waren Regiespejen. Er vepväientierte Vornehmheit und Noblesse, Industrie und Bankkonto. Mein Gott, Kleider nrachen Leute und Leute rnachen Geschäfte. Lieferanten und Gouverneure, die Mächtigen, die bloß zwei Worte mit einer Füllfeder auf eine reichbedruckte Visitlarte hinzukritzeln brauchen, um einen kleinen Konjunkturjäger zu einem rasch verdimten Vermögen zu verhelfen, die Mächtigsten, die bloß ausnahmsweise und schwer empfangen, empfangen eben leichter, wenn ma>n im Stadtpelz und Zil'mder erscheint. Portiers uud Kammerdiener verneigen sich itwtl* geldwitternd vor der Hoheit des souverän ausgestellten Pelzkragens uud verstehen es, den Eintritt in den Köü» fttvenzsalon zu einem Tagestermin durchzusetzen, an dem dey Herr Präsident saust nicht da Iväre. Der Pelz hat den Vortritt mit Nachsicht der Wartezeit. Darüber kann man sich, wenn man will und Luft dazu hat, ävgevn. Oder auch philosophisch über die Ungerechtigkeit der Welt klagen, bie rach nach dem äußeren Augenschein gualbifiziert. Wbev praktischer ist es, sich nicht zu ärgern und n'cht zu philosophieren, sondern wenn einem noch die entsprechenden Vermögensreste geb-lieben sind — einen Pelz zu kaufen. Früher war das Automobil das Vevkehrsmittal mit dem .finanziellen Salon und den Gesellschaften, wo mau die Verbindungen kennen'lernte. Der Pelz ist jetzt wirksamer. Es ist mit ihm -ähnlich wie mit einem Reitpferd, nicht nur, was seinen Preis betrifft, sondern auch die Sorgen und den PftsZeapparat, den man ihm lebenslänglich widmen muß. Er gehört nämlich zu den Objekten, die man konserviert, jedes Frühjahr in die Aufbewahrungsanstalt schickt, ein. kampfern, versichern und appretieren läßt . . . Ein Pelz ist eine ü.vige Sorge. Oder auch ein Spekulationspapier: er steigt in her Han sie, er fällt in der Ba isse. Suchen wir seiwen Markt auf: die Pelzbörse m Leipzig. Der Brühl. Hohe, verräucherte Häuser mit labyriuchi. schen Höfen, Felle und wieder Felle in den Auslagen, Griechen, Armenier lungern herum. Händler, die hier eine besondere Okkasim erwischen, eine besondere^ Äon* juntrur auswützen wollen, die von der Groß* fftma auf diese -oder jene Spezialität gehetzt werden, die sich sin Kunde zur Vervollständigung seiner Garnitur eigensinnig m den Kopf gesetzt hat. Im Gvunde dieselben vom AugeMicksgewinn Lebenden, die wir äuf den Stufen zu den anderen WÄkbörsensälen begegnen, auf der Larrer nach einem Zufallsgeiwinn, nach Chancen, Konjunkturen, Kursen, Aussahende. Ecnige Zahlen aus Fviedenszeiten. Leipzig hatte 185 Pelzfirmen, 35 Kommissionäre und Sensale. Mit dem Gerben, Färben und GlänM der Fette beschäftigten sich 7600 Menschen. 2000 arbeiteten zu Hause» 1500 in Wlesenfeld, wo G-rauwerk gegerbt und Pelzsutter verfertigt wird. Im Frieden kaufte Leipzig direkt aus Amerika und Ruß* lano auf den Versteigerungen, die dreimal im Jahre ut London abgehalten wurden. Den Londoner Markt beherrschte Sampson. Er verkaufte die Waren, die ihm äüs der ga-uzen Welt gesendet werden, die Hudson'bai-Könchagüie ließ ihre Waren durch Londoner Seüsale nach, den Statu* teil der Gesellschaft auf Auktionen veräußern. Sampson verkaufte 3,500.000 Felle in 7000 Partien im Werte von 20,298.323 Schilling, die Hudfionbai-Kompagnie 1,381.700 Felle in 2200 Partien im Werte von 5,221.700 Schilling. Der Pelchandetl ist eine komplizierte Technik mit Zwischenhändlern, Kniffen, Börsentrieben, Konjunkturen, die von der Mode und. den Temperaturschwankungen a!bhängen. Mit verzwickten Usanoen, die bloß der Fachmann kennt: in London, Moskau, New-Pork muß bar bezahlt werden, Leipzig gewährt Kredit, die Ware wird verpfändet und 70 Prozent des Kanfbetrages gegen sechsprozentige Verzinsulng darauf entliehen. Die Ware kann bai den Pfandleihern gekauft werden, der noch zwei Prozent Lagergebühren berechnet. Diese Darlehmsgeschäft« haben dem Leipziger Peitzhandel.nicht zuletzt zur Blüte verholfen. In den Pelzhäusern des Brühls, wo die Balge in riesigen Ballen übereinandergehüuft liegen oder von den Decken hängen. Ueber die Holzstiegen zu den Stockwerken, Da sind die Felle von amerikanischen Ratten, die van den Trappern in Löcher gelockt. Da sind gelbe Biberfelle, stinkende Skunks, austraulische Opposums, die zu Ctzauffeurmäuteln verwendet werden. Da sind Murmeltiere zu Millionen aus dem Ural und der Mongolei, sibirische Eichhörnchen. deren Schwänze von dem Besatz herabhangeir. Lammfelle aus Buchara. ZBelPeisze, Weichflaumige Hermeline mit kurzen, schweren Schwänzen, sommerlich hellgrau uud winterlich weiß. Silberfüchse, Blaufüchse aus Alaska, mit Schrot geschossen, seltene Chenilles auS Peru, Bolivia und Argentinien. Otterfelle aus Kamtschatka und Seeotwrn... Die Kenntnis der Pelze ist e'ne Wisimschasi, der Kenner sieht den Pe z urd weiß alle biographischen Daten, warm und wo das Tier lobte, wann es getötet wurde. Ein Sk -uK'ba'''g mit weißer Haut ist im W-in'ter, einer mit grüner -im Sommer erbeutet -worben. Ein S.kunks aus -dem Gebiete Nsw-Aorks muß seidiges, ans Minnesotta gv^les Haar haben. Die Feinheit und Länge der Haare — jed^