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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-14 · Heft 2090 (14.12.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2090 (14.12.1924)
Date
1924-12-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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'“iV’S*" Nr. MV _ Wien, Ssnstkag__Wiettev Mov-enzeltung/ _ DezembeL IM - Se'Le Ksfest mir «/ent* SS IM AUI.CN PREist.ß.fce.M 9 VW/ itm* m, *% /M ßeüvomger Sil 2Ö iH^achsiuch vgni ll Val!ens(elnsfrasselG VötKangeÄ1 LauuftoppichsÄ,/?9 DoppslbdldccKeS^d1 rstr. 1 hi - ■■ u Samuel Somperr. New-Iork, 13. Dezember. Nach einer Meldung .aus - S a ■« A n t o n i o (Texas) ist -er Gewerkslchastssührer Gompers gestorben. Samuel. G o m P e r s, der seiner schweren Krankheit, die eine verfrühte Dodesmeldung mit sich brachte und erlegen ist, ist im Fahre 1354 in London als Sohn eines holländisch-jüdischen Fabriksarbeiters geboren. Er war in seinen Jüngttngsjahren Zigarrenatzbeiter, wanderte isdoch mit 15 Jahren nach Amerika ans, wo er ursprünglich für den Anarchismus wirkte. Seine gr ße Rednergabe sicherte ihm bald dir Popularität bei den arbeitenden Massen, so daß die amerikanischen Großkapitalistm ihn am Liebsten ein für allemal'kalt gestellt hätten. Diese Gelegenheit sch in gekommen»-als man die Anklage gegen ihn erhob, er wäre mitschuldig an einem Dynamitatteutaer hatte sich, indirekt daran bete-il'igt, das Gebäude der ,»L o s Angeles Times" in Kalifornien in die Lust zu sprengen durch bedenkenose Agitation und einen wüsten VerleumdungsfeldM. Zweit rischeArbelter waren die ausfühvenden Organe gewesen. Schon triumphierten Äompers' Widersacher — er bekam gemeinsam mit anderen eine schwere Kerkerstrafe. Doch seiner ganz be- - sonderen) Geschicklichkeit und hin-reißenden Beredsamte.t gelang es, in,einer zweiten Verhandlung st'me Unschuld,-Hachzuweisen. Sam Gompers ging frei aus. Aus den stuumbewegt'vn Gebieten des Anarchismus steuerte Gompers, nachdem sein alles verzehrender Feuerckstr offenbar einen entsprechenden Dämpfer erhalten hatte, tn'das ruhigere Fahrwasser des Sozial i s m u s hinüber, und hier gelang es chm, noch viele Jahre vor dwr Krieg all? Anti Militär ist und Pazifist den Glauben an seine Sendung KU erwecken. Er wurde im Jahre 1887 zum S-nawr ernannt, lohnte diese Ernennung jedoch e'bens ab, wie im Jahre 1987 die Nominierung für den Kongreß. Er trotzte 1916 dem Präsidenten W i l s o n den Vom MMchen Humor.*) Bon Dr. M. Berkowiez. 3. Disputationen mit Judenchristen. ' Wettstreit, mit den Judenchrvften zeichnete, sich,!bmr iiM vorigen Artikel aN'gedeutet wurde, R. Josua C/Chananja aus, ein durch Klugheit und Mutterwitz ausgezeichneter Lehrer, bei dessen Tode Klagen laut wurden wie: „Es gibt keinen klugen Rat mehr!" und: „Was werden Iwir jetzt toirn den Leugnern auszuftchen haben!" Er^ lebte in einer sehr bewegten Zeit, da unter Domitian Mp Hadrian die Juden sich zu dem verzweifelten Vechrch voübeveiteten, durch den Bar-Kochba-Ausstaud das drückende römische Joch abzuschütteln. Diesen Anstrengungen gegenüber verhielten sich nicht nur die Samaritaner feindlich, sondern noch weit mehr die Jndenchriisten, die aus der Zerstörung des Staates und des Tempels mit seinem Opferkultus neue Argumentationen für ihre Lehre schöpften und den sehnsüchtigen Hoffnungen der Juden und ihren Vorbereitungen zur Wiedererlangung der Unabhängigkeit mit Hohn und Spott begegneten. R. Josua . gchvrte wohl zu den Gemäßigten und trat den revolutionären Vorbereitungen gegenüber beschwichtigend aus. Bekannt ist die Falb eil, die er in einer erregten Versammlung erzählte: „Vom Löwen, dem ein „ägyptischer Kore" (Nilreiher) einen Knochen ans dem Rachen zag und, als dieser seinen Lohn gefordert, ihm zurief: „Geh' hin und rühme dich, du seiest in den Rachen ein-s Löwen göslieg:n und unversehrt hevausgekommen! „Und so — schloß R. Josua — sollten auch wir Juden zufrieden sein, wenn «wir heil in den Rachen dieses Volkes (Roms) gelangt und ihm nur wieder heil entkommen sind! - Diese Fabel, die sich im Griechischen sowohl 'bckß * Baibrios. als auch in der prosaischen Sammlung äsopischer Fabeln findet und von „Wölf und Kranich" oder ,>Wolf *) Siche „ÄienLr Morgenzeitung" vom 30. Novsmber und 7. Dezember l. I Achtstundentag ab, aber Wilsön forderte eine Gegenleistung — der Arbeiterführer müsse sich mit allen seinen Kräften, in den Dienst des Krieges stellest. Und Samuel Gompers. hat feine Zusage treulich erfüllt. Der Anarchist, Sozialist, Pazifist und AntMilitarist hat sich zu einem Im per x alist e n gewandelü Noch bevor er 1891 zum Präsidenten der American Federation of Labour gewählt wurde, an deren Spitze er; bis zu seinem Tode nnnnterüvochen stand, hat e/ yahllveiche, die Arbeiterfrage behandelnde Werke veroffenÄicht. Die hedeutendstLn seiner. Arbeiten sind: „Der Achfftundenarbeitstäg", „Die organisierte Arbeit", ,Die Arböit in Europa und Amerika". Gompers zählte zu den heft'igstsn Gegner n der Ginwanderung nach Amerikan er hat Milderungen >des Jmwigrationsgefetzes stets den stärksten Widerstand entgegengesetzt, damit'die Löhne der letzten Jahre in dm Bereinigten Staaten gehalten werden kannten. Amerik-, läßt niifits nach. London, 13. Dezember. Das Reutersche Bureau' meldet aus Washrngton: Wie verlautet, Mt Präsi»- .dent Coolidge dem Plan, die Frage der Zuweisung der K r i e g 's a n s p r ü ch e g^g e rr .D e u k s M and nach^ dem Dawes-Plan dem W e l t g e r i ch t s Hof i m H a a g zu unterbrAten. a bl e h n e n o MeMbet.! Weiter heißt es, daß seine Haltung in der Frage -der Fn ndie ru ng der Kriegsschulden seitens Frankreichs und' anderer .Mächte an die Vereinigten Staaten eibenfalls «nv e r ä n.d e r t sei. Coolidge sei überzeugt, daß der amevi-. kanifche Standpunkt hinsichtlich der Einziehuing der Forderungen den fremden Regiemngen durchaus beilannt sei, und daß das R e ch t z u r Einziehung mMidervuslich durch die Verträge und Abkommen festgelegt' sÄ. ‘ ' und Reiher" daWbe erzählt, scheint. kemeSsalls eine Nacherzählung der griechischen Fabel zu sein, von der ja schm Grimm vermutete, sie sei morgeMändifchen Ursprunges. Es ist ja kaum aMmehmen. daß R. Josua gerade den Wolf als Bezeichnung für Rom» die im Talmud so heimisch ist, in einen Löwen abgeändert''hätte. *) Er wird sie vielmehr in Alexamdrien, wo er viel verkehrte, gehört haben und dort dürfte die Fabel aus der bekannten Säge (Hevodot 2, 68) von der Fveundschast des Krokodils zu dem Trochiilios (Stvandläuser), der 4m Blutegel aus dem Rachen herausziche, entstanden sein, ebenso wie die griechische Fabel dieser Sage nachgedvchiet -zu sein scheint.**) /Das frieEiche Verhalten R. Jvsngs der revolutionären Propaganda gegenüber mag ihn dem Kaiser Hadrian näher gebracht haben, mit dem er oft Unterredungen hatte. Hadriain selbst spricht in einem Briefe von der Bege-gnung mit dem jüdischen Lehrer, mit dem er manche scherzhafte Gespräche 'hatte. Das stimmt mit vielen Angaben des Talmuds überein, nach welchen R. Josua oft vor Hadrian Proben seiner Klugheit abgelegt. Auä den zahlreichen WeMmpfen sei hier einer angeführt, der auf Veranlassung ^Hadrians mit den „Weisen Athens" abgehalten wurde und ans diesem seien einige Fragen und Anlrovten herausgehoben, die, zu unserem Thema gehören: Der Kaiser — so erziäW eine mterefsante, mit vielen märchenhaften Zügen aukgestattete Sage — forderte R. Josua nach einem stattgehabten Gespräche auf, zu beweisen, daß er so weise sei, um die Weisen Athens zu besiegen (durch Rätselfragen) und zü ihm zu bringen^ Dem Rabbi wurde ein Schiff zur Verfügung gestellt und er begab sich an den Ort der Weisen. Das Haus, in dom sie sich versammelten (sie werden woU als geheimer Orden organisiert gedacht sein!), komie er nur durch ebne ge- '*) Vgl. Landsberger: . Die FcvbeNn des Sopthos, Posen im @. xxxi; **) Bergl. Gr i mm: 'Reiuhart'Fuchs, Berlin 1831» ©. CCLXXXL Dle Nosserenj der allHerten FInanzmiaiAer. Amerika durch Loga« vertreten. Paris, 13. Dezember. Die Konferenz der alliier ten F i n a n g m i n r st e r, deren Zusammentritt auf der Lmdoner Konferenz beschlossen wurde Md die sich mir der-Berteikung der deutschen Zahlungen beut Dawes-Plan sowie mit der Liquidation dev Ruhrbesetzung befassen soll, wird, wie. nunmehr endgültig festgesetzt wurde, am 6. Jänner i» Paris zusaimmentreten. Der Präsident der Bereinigten Staaten hat bestimmt, daß die Regierung aus dieser Konferenz durch den amer'ckmi schon Botschafter bei der RepamtlonÄommisiMn L o g a n vertreten werde. Re ensirsche Fremde»geketzgrd«»g. London, 12, Dezember. Das Unterhaus hat in driAer Lesung einen Gesetzentwurf angenommen, durch den. derschiedsue Ges atze,, deren Geltungsdauer mit Ende dieses Jahres Mausen, erstreckt werden, .darunter auch datz Gesetz über die Sommerzeit. ' l Sin Mitglied der Arbeiterpartei brachte einen Mt änderungsantMg ein, der die aus dem Jahre 1910 stammende Devorduung bszügkich Beschränkungenfür'. Fremde, 'beseitigen will. Der JMnemnvnffter Johnsen -. - H i g g s erklärte -hierzn, die Regierung lehne es nicht ab, Äusl'ändern die Einreise ins Land zugeftitten, wenn sie Arb eit suchen, obglleich England selbst über eine Million Arbeitslose habe. Die Rogiernrig werde auch' nicht gegen AMänder Vorgehen, die beveits seit Jahren'im Lande ansässig seM und Reisende seien ihr wiMmmen. Aus diese Erklärung hin wurde der AbandevumgScmtvatz abgeleihnt. (Wozu zu bemerken ist, daß in den ersten nenn ° Monaten des Jahres 1924 die Landung in England zirkgl JL7O0 Personen verweigert wurde.) lnngene Lisi erreichen und aus sehr abenteuerlichem Wege,- ■ gelang es ihm, zum Erstaunen der Weisen in dassekbe einziudringen. Nach einem Wechsel von Fmgen und Antworten, sagten die Weisen zu. R. Josua: „Trage uns etwas Erfundoms (Fabel, Märchen) vor!" Er erzählte: „Es .gab. einst ein Maultier, das ein Jmges gebar. Dieses hatte ein Schriftstück am Hals, worin geschrieben stand, daß es vom Vater 100.000 Guüden zu sordem hatte."- Die Weisen: „Kann denn ein Maultier gebären?" R. Josua: „Das sind eben närrische Evfmd-ungen!" Dararls fragten sie ihn: „Wenn das Sa-lz dumpf wird, womit salzt man es?" - R. Josua: „Mit der Nachgeburt eines Maultieres." Die Weisen: „Hat denn das Maultier eine Nachgeburt?" R. Jospa: ,Mmn denn Sc»lz dumpf werden?" . Den Zusammenhang zwischen diesen beiden Fragen und Antworten hat Güdemann*) in scharffinniger Weise festgestellt, indem er, angeregt durch eine Erklärung des in Polen zu Anfang des 17. .Jahrhunderts wirkenden Kommentators Samüe-l Edels (genannt: Meharscha), der wohl sicherlich von den Emmgelien keine Kenntnis hatte, nachgewiesen, daß es sich in diesem. Wettstreit nicht um Athener, ' sondern um Christen handelt. Diese sti chelten bekanntlich die Juden mit der Behauptung, Gott habe sich von ihnen abgewendet,, den ewigen „Salzbund" (Num. 18, 19; 2 Chr. 13, 5), den er mit ihnen einst geschloffen, gelöst und einen neuen Bund geschaffen. Daraus wäre nun die Stelle jm Matthäus (6, 13) za erklären, wo es heißt: ,^JHr seid das Srlz der Erde. Wenn -aber das Salz dunrpf wird, womit soll gesalzen werden?^ Es taugt zu nichts mchr als hinausgeworsen und von den' Leuten zertreten zu werden!" Auf diese Stichelei der Christen antwortete eben R. Josua im Anschluß an die vorhergegcmgene Frage, ob denn beim Maultiere die Voraussetzung, zur Geburt vorhanden sei. mit einer ebensolchen Stichelei auf die vielerörterte Möglichkeit jungfräulichen Gebarens, das schon die ersten Kirchenväter mit Hilfe eines . gleichen Motivs aus dem Phönix-Dchthos ^naturwissenschaftlich zu eMäven versuchten. ' *) „NeligionsgeschWüliche Studien", Leipzig 1876, S, 186. / ^16094

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