Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2088 (12.12.1924)
- Date
- 1924-12-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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V( -4 •— ••' " ' ••«"***’ ^B<H» I ~_~ BSti», gwffag ~~ Haamaun vor Gericht. Dl« Mitschuld des Grans. Hannover, 11. De^-mber. Zu Beginn dcS heutigen ^sechsten) Berhandlungsta-gss forderte der Vertoidiger -des Angeklagten Grams Haormann auf, endlich doch alles auszusagen, was GranS belasten würde. Die Vernäh muwg des iifoip8fty, bei welcher Haarmann, tv« er früher gedroht hatte. alle-S sagen würde, sei vorüber und Haarmann ha-b« seine Drohung nicht wahr gemacht. Kuch der Borsitzende forderte Haarmann auf, seine belastenden Aussagen zu machen. Haarnran-n erRärt sodann sebr pathetisch: „Ich .bitte OranS darüber zu befragen, ob er mir jemals einen jungen Monn zu ge führt hat." Grans antwortet ausweichend. — Vorsitzende: ,^Haben Sie rrie gewußt, daß Haarmann fun-ae Leute umgöbracht hat?" GranS: .Flein." — Haarmann: „Er hat doch gesehe«, wie «ine Leiche in «einem Bette lag. Jr mch ich haben die Leiche »»gepackt und in den S ch r a n k g< l e g t." — Vorsitzender: „War Grans an der Tötung beteiligt?" — Haarmann: „Nein. er hat bloß Lei der Unterbringming der Leiche in den Schrank geholfen." GranS erklärt, daß Haarmann ihn ans Haß beschuldige und Wahrheit und Dichtung vermische. — fxicrm-oTtn:' „GranS paßte immer genau auf me'ne nervösen Zu- Äände auf. Wenn er wußte, daß sie bei mir auftraten, brachte er mir die IungenS «nd dann ist immer der Mord geschehen." Grans erklärt abermals entschieden, er habe von der Lötung der Burschen nichts gewußt und keinen Vorteil davon gcha-bt, denn er habe Haarmann für alle Anzüge, die er chm gab, bezahlen müssen. Auf eine Frage des Vorsitzenden gibt er zu. daß er die Anzüge bei Haarmann diel billiger bekam als anderwärts. Es wird sodann ein medizinischer Sachverständiger vernommen, um sich darüber zu äußern, ob es für einen einzelnen Menschen möglich ist, eine Leiche in einen Schrank zu verpacken. Er erklärt, dies fei schwierig. Auf Vorhalte des Vorsitzenden mutz dann GranS zngeben, daß er foi dem bereits von einigen Zeugen erwähnten Falle, wo zwei Frauen im Bette Haarmanns einen jungen Mann liegen sahen, gleichfalls im Zimmer war; er behauptet ober, auch er fei der Meinung «wesen, der Itutfie Mann schlafe. Sodann wird di« Vernehmung der Zeugen fortgesetzt, di« mit Haarmann im Verkehr standen; es sind meist Personen aus VerbrecherLreisen, die vielfach aus der Haft vorgeführt werden. Rach dtt Mittagspause begann die Vernehmung der Grngelzougen zu Ken 27 Mordtaten Haarmanns. Ergreifend wirkt eS, wenn di« in den Saal gerufenen Zeugen beim AnEÄick der Kleidumgtistücke ihrer von Haarmann geschlachteten Angehörigen in Tränen auSbrechen und die Verhandlung unterbrochen werden muß, bis die Unglücklichen sich wieder zu faffen vermögen. Besonders tragisch wirkte der Fall des im Jahre 1918 ermordeten Friedel Rothe. Als dessen Vater zu einem vierzehntägigen Urlaub aus dem Felde heinrkehrie, wurde fein Sohn schon zwei Tage vermißt. Er war Mch einer Züchtigung durch feine Mutter vom Hause fortgelaufen und blieb seither vermißt. Auf der Suche nach siinem Sohn hatte der Vater auch die Wohnung d«S Haarmann lange beobachtet, als er wieder fort mußte, «men bsikannten Kriminalbeamten beauftragt, .die Beobachtungen fortzufetzen. Doch wurde damals nichts ermittelt. Da Haarmann den Mord an Rothe zugibt, wird auf Vernehmung der Frau Rothe verzichtet. kl« neuer Maffraraord. Hamburg. 11. Dezember. (Wolfs.) Gestern abends wuche h«r der 40jährige aus Smyrna gebürtige Kaufmann Fritz W e st s e ld verhaftet. WcstsÄd hatte «int« Frau iuwnan§ Heinemann, ihre 2ljächrige Tochter Harriet und ihren 14jähri'ge.n Sohn durch Revolver s chüsse schwer verletzt. Die Tochter ist bereits ihren Verletzungen erlegen, während der Zustand von Mutter und Sohn besorgniSerr egend ist. Der Täter erklärte den Pblizei beamten, daß er seine Pflicht (!) getan Hobe. In seiner Wohnung liege ein gewisser Daliska, dom er den Schädel eingeschlagen' Hab«. Die Kriminalbeamten fanden im Hinterzimmer der Wohnung den 87jährigen, in Terres geborenen Thomas Daliska ermordet auf. WestfeD hatte Daliska, den Bräutigam der evmortzsten Harriet, augoblich weil er von ihm geschäftlich übervorteilt wachen war, am Vormittag ermordet. Der Mörder sprach seine Befriedigung darüber aus, daß ihm die Rache gÄtltvgen sei. < ■ V ' ' Wiener Morgenzesiung. Revifioa der Monovottonzeffioven in Pole«. aine Gefahr für die Mch« GrMirwrlt. Mts Warschau meldet I. T. A.: In der letzten Sitzung der Sejmsommission für osfantliche Koittrelle teilte der M-rmoPoldirektor .Herr Glowaeki nA, daß im Ministerium ein neues Gesehprofekt eingebracht worden ist, welches den Staatspräsidenten bevollmächtigt, im Verlauf zweier Jahre, vom 1. Jauner 1925 an.gerechnet, sämtliche bisherigen Konzessionen für den Handel mit Tabak. Spirituosen, Salz und anderen Monopo'sortükelm zu revidieren, beziehungsweise sie den bisherigen Inhaberin zu entz-ieben und sie -dann Kriegsinvaliden, gewesenen Offizieren, Veteranen sowie Witwen und Waisen nach Staats- und KommnnaBeamten zu ' Übergaben. Nur in Ausnabmefällen (insofern sie auf besondere öffentliche Verdienste bm-weisen können), düvsen bisherige Konzessionäre berücksichtigt werden. Im ganzen sind bis jetzt 38.400 Konzessionen für Ta<bakhan.del,- 35 408 Konzessionen für Spiritu^en^andel und mehrere tausend Konzessionen für die anderen Monopolart-ikel vorhanden, deren Inhaber zum weitaugrößten Teil Juden sind. 7980 Konzessionen sind schon bisher früheren jüdischen Besitzern entzogen mch Kriegsrnvoliden übergeben worden. Bei Durchführung drS neuen Gesetzprofekte's würden wlodevum Zehntausend« Juden brotlos werden. Die jüdischen Abgeordneten brachten nium «ine Resolution ein. in der die Regierung aufgefordert wird, dl« Inhaber der Konzessionen mit einer Steuer z ug 'u n st e n derJn validen zu belegen, a«ber ihnen di« Konzessionen z>u belasten. Diese Resolution wurde von der Mehrheit der Kommission abgelehnt. Eine Abordnung des jüdischen VarlamentslssiuIbS. bestehend aus dem Herren Dr. Reich, Dr. Thon. Wi s chlitzki, Dr. Schipper und Schreiber erschien be! dem Vizepremier Thngutt umd machte ihn auf d'« schwere wirtschaftliche Lage der jüdischen Bevö-Levung aufmerksam. die im Falle der Verwirklichung des voroeschlagenen Mono Polgesetzes, wodurch zehntaw'ende jüdischer Familien brotlos würden, ein« katastrophale werden könnt«. Die Delegation erschien auch bei dem Handels- Minister. Beide Minister versprachen, die Angelegenheit ln einem den Inden günstigen Sinne zu erledige«. Aaswanderer nad FlSchtNnge. (Eigendienst der „Wiener Movgenzeitung*.) Genf/ 11. Dezember. Die VMevbundkommission für FlLchtling 8 ang «leg « nhelten - wird in kürzester Zeit die Vorarbeiten für die Einberufung einer Konferenz zur Regelung der Auswandererfvagen in den europäischen Ha>fenfba.dten beenden. An dieser Konferenz werden all« an der Frage interessierten Staaten durch Delegierte vertreten fein. Auf der Tagesordnung der Beratungen wird auch eine Reihe von Angelegenheiten stehen, die sich aus der überhondnehmenden Auswanderung der Jude» aus Rußland ergeben. Km verwegener Raubübrrsall ill Hietzing. Die 48jährige Katharina L o re n z,, 13. Dez., Elßlergasse 1, die seit längerer Zeit m Meidling eine Konditorei betreibt, wurde Mttwoch ohenvS gegen 10 Uhr auf dem Heim« woge von einem unbekannten Mann in der Nähe ihres Wohnhauses überfallen. Der Unbekannt« versetzt« ihr mit einem Rohrstock mehrere wuchtige Schläge gegen den Kopf, daß sie ziemlich benommen wurde. Die setzte sich trotz der erlittenen Verletzungen zur Wehr, und eS entspann sich ein Ringen zwischen den beiden, bis es dem Räuber gelang, ihr eine Tasche zu entreißen und zu flüchten. Der im gleichen Hause wohnende Dr. Tadler, der sich schon zu Bette begeben halt«,- hatte Lärm vor dem HauStör gehört. Als er zum Fenster hinabsah, entdeckte er Iran Lorenz, die scheinbar leblos am Boden lag. Er verständigte telephonisch das Polizeikonimissaviat Hietzing, daS sofort Wach« und Kriminalbeamte entsandte. Die Verletzte wurde in das Rochusspital überführt. Ihre Verletzungen sind schwer, doch nicht lebensgefährlich. Ein Passant, der sah, wie die Frau Überfällen wurde, jedoch aus Furcht nicht wagte, zu Hillfe zu eilen, gab an. daß nach dem Vorfall zwei Männer we-ggvlaufen seien. Bocher soll ein Mann mit einem Hund in der Nähr der Stelle gestanden sein. D!« germbte Mtentüische enlbielt 100 Dollar, 20 Millionen Kronen in Banknoten zu 100.000 K. sowie ein Postisparkasseubuch der Ersten osterreichilschen Sparkasse am Gräben, lautend auf „Katharina Lorenz", mit einer Einlage von 20 Millionen Kronen. Am Tatorte wurde eine DportZappe sowie ein spanisches Rohr mit einer Dleikugeil am Ende gesunden. Eine Frauenleiche neben den Schienen. Gestern früh wurde in Floridsdorf an der Alten Donau nächst dom Bahnkörper die gräßlich zugerichtete Leiche einer junaen Frauensperson aufstchunden. Die Tote wurde als die 17jähriqe HcmSgchilfin Anna Somon erkannt. Man nimmt an, daß sie von einem Eiseubahuzng überfahren wurde. * 12. Dezomker 1921_ Rr. AM Bon Lhassa nach London. . Tibetanische Lamas in England. Wl« bereits gemeldet, Habs» sieben tibetanische LamaS ihr Kloster in Lhassa verlassen, um als erste ihrer Art Europa einen Beisuch abzustatten Die sieben feilten«« Gäste sind jetzt in London» der ersten Station ihrer Reise, eingetroffen, und haben ihren Einzreg in die Stadt in drei Autogehalten, aus denen sie mit erstaunten Aligen auf daS fremde Bild sahen. Einer der Lamas schwang wahrend der Fahrt i/m Auto beständig ein brennendes Weihrauchfaß über dom Kopf, um sich und seine Gsnossen gegen die Myriaden von b ö s e n G e i st e r n zu schützen; denn die LamaS find der festen Ueberzmgung, daß in dieser lärmevfüllten. unherligen Stadt die Dämonen mit basvndervm Eifer dabei ifnd, ihr unheimlicl>eS Wefen zu treiben. Ein anderer der Lamas hielt chrfürchtig eine sitberpe Tovkamre auf dem Schoß, von deren Deckel lange Pfauenfedern herabhingen, noch Ansicht der tibetanischen Priester ein unfehlbares Mittel, um lauerndes Unheil abzuwenden. Die Lamawerden von einem dunketlhäutigen stämmige» Mann bereitet, dessen tenipevoMentvolle Bewe.xnlnge>n nicht minder wie seine offensichtliche Muskelkraft ins Auge fallen. Sein Name ist Shakpa Tsering. Er spielte bei der letzten fchlgoschlägenen englischen M-ount-Everch^xpedition eine bedouLsalme Rolle. War er es , doch, der in der Rekordhöhe von rund 6000 Metern ein Lager erbau«, und er war auch einer der letzten, die Mallory Und Irving noch lebend schon, bevor f%c ihren verhängnisvollen Marsch mch dem Gipfel antvaten, ' Die Lamas haben ihre abergläubische Furcht vor der unbekannten WÄt' außerhalb ihres Klosters tapfer überwunden. Es ist das erste Mal, daß sie ihre Bevgeinsamkeit verlassen. Sie laben dort in vollständiger Wvltabgoschi-cdenheit und sind mit so fanatischem Eifer bestrebt, alle fleischliche Lust zu unterdrücken, daß sie am Tage nicht mehr als eine Ha-nvvoll Gersten-- gvcmpen und einen Topf Wasser brauchen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Der Oberlama der in London eingelrafsenen Gchellschasl ist eine wunderliche, in rote rmd tabakfarbene Gewänder gekleidete Gestalt. Auf dem Kopf trägt er einen dreieckig gefarmten gelben Hut, und die Lippen schnrückcn ein paar Härchen, die wie die Skizze eines Schnurrbarts anmuten. Beim AM.ick der unerhörten Dinge, die sich chm in London entrollen, gibt er hin und wieder srnen gutturalen Ton von sich, der feinem Erstaunen Ausdruck geben soll. Im allgemeinen aber betrachtet er schweigsam das fremde Stvaßenbild mit einem Sph'mMck, der nicht erkennen läßt, welchen Eindmck diofe- Bild auf ihn macht. Die chm im Rang unterstellten LamaS sind ähnlich, aber nicht so prunkvoll wie chr Oberhaupt geLaidet. Ihr Amt ist eS, über die Garderobe des OberlamaS zu wachen, die Wechrauchfässer zu schwingen, die Psauensedern sorgsam zu behüten und zu chre-n DevWöttern zu beten, «es daß Wen in du fündigen Stadt kein Schaden geschehe. . Ei» Berichterstatter VeS „DoÄY Expreß", der die fremden Gäste in chrem Hotel besuchte, traf sie, als sie oben von einer Bofichkigung der Londoner DöüS zuvückgetchrt waren. Sie waren von dem, was sie gesehen hatten, noch zu verwirrt, um chve Eindrücke in Worte zu fassen^ Dagegen erzählten sie durch die Bermittt-ung de8 Dolmetschers, vielt von «hvom eigenen, gehermniSvollen Hand, inSbefondere von den bösen Geistern, von Vene« sie Tag und Nacht bedroht sind, und sie ergingen sich in ehrfürchtigen SchWerungen der Schneeberge, die ihrem Glauben wach von den Göttern bewohnt sind. Gelegentlich der Vorführung deS Mount-Evercft-Hilms werden sie vor dem Londoner PrMkum chve symbMchm religiösen Tanze mtfführen uvd ein« Probe chrer TompeL-nvuisA geben. Di«' Jnstrument«, die die Lamas zrr dieser MufN borvützen, sind durchaus dazu angetan, Furcht und Verwunderung zu weckvn. Die hcrben beiispielSwelfe Trompeten, die dn Durchmesser fünf Meter' messen, und. einige der kleineren Trommeln, von denen sie eine große Angahll verwenden, find aus Menschenhai' gefertigt. ■ * W k e n.. 13. Dezember. * DaS Weiter, Der Morgenfrost bat sich etwas verschärft ES blieb.gchern auch tagsüber kalt. Vvvcvusjags: Herrschender Wettercharakter andauernd. * Gesteigerte Fleischlmporte a«S Polen. Die Floischiinporte «tS Polen verfolgen konstanl die ausstei'wnpe Nichtnug. Gestern sind in der Gvoßinarkrhalle 86 WagponS im Gewichte von 167 Tonnen, darunter 28 Waggons aus Polen, etnaelaug:, Da außerdom mittels Achse große Mengen auf den Mark: kamen, dürften sich gewisse F.ekschsorttn iin Preise billiger stellen. Bei Kalbfleisch ist eine namhafte Preiserbühung zu erwarten, da KäVber auf dem gestrigen Markt tu St. Marx sprunolhaft im Preise gcsti'gen sind. Die rmmhafte Berteuevung ist darauf zurückzufüi-ren, daß Händler und Produzenten infolge der empfindlichen Verlust« während der vergangenen Woche um 1100 Kaliber weniger gbbvacht haben. Tx'r Naschmarkt tot in bezug aus alle G-em-üsesorten eme ziemlich reiche'Auswahl. Die Preis« zeigen auf den meisten Gebieten steigende Tendenz. Namentlich Qualitötsge-müse verlouer^ sich Tag für Ta-z. Auf Vieren Mävttm waren KEeier von 1800 K. und irische von 2200 bis 2700 K. pro Stück erhältlich. Butter war über Bedarf Vorrätig.. . . . * V^rkaufsstunben für die Feiertagswoche. Wie bereits gemeldet, wurden die Derlaufsstunveu am ZI. d. für dm 'lischtr-ebenSmllbelkiesnhaudel von 8 bis 12 Uhr und von 5 bis 6 Uhr, für den Ärtbensmrttelkleirdhatvdel von 7 b>s 11 Uhr und von. 8 biS K Uk>r festgesebt. Fernrr gilt am 19., 20., 22., L3-. 34. «itö 81. b. statt der 6-U-hr-LadensPierve alLgoptein die 7-Uhr-Ladcnsperve.