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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-11 · Heft 2087 (11.12.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2087 (11.12.1924)
Date
1924-12-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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■JTOf wp -eite 8 Wien, Donnerstag Tätigkeit der politische Zionismus oft aenufl zu spüren bekommen Ri. ES wäre falü'v hinter ftotm-ali* täten zu verkriechen und sich dun nt z-u begnügen, die Kompetenzfrage zu diskutieren. Es geht incht um die heiligen Stätten, die nur als Vorwand für eine Aktion herhalten müssen. Nichts steht ihrer Heiligung durch Exterritorialität im Wege und ihr Schutz ist durch eine von zionistischer Seite vorgeschlagene internationale Kommission gewährleistet. Es geht rnn das jüdische Recht auf Erez Israel. Dieses Recht muß das ganze jüdische Volk z-unl Schutze seiner heiliger! Stätte verteidigen und dafür sorgen, daß dieses Recht unter allen Umständen an allen politisch und moralisch entscheidenden Stellen sich Gehör schafft. Die Gefahr ist sehr groß und wir müssen ans der Hut sein. Eine Vertretung der Zionistischen Exekutive in Senk. Genf, 10. Dezember. (Tel. der ,Mr. 'Morgenzeitung".) Die Zionistische Exekutive hat, wie schon gemeldet, beschlossen, eine ständige Vertretung beim Völkerbund zu errichten. Zum Leiter dieser Vertretung wurde Herr Dr. Viktor Jakobsohn bestellt. Die Adreßdebatte i« llnlerhaur. (Eigendisnst der „Wiener Morgenzsitung".) London, 10. Dezember. Nach Lloyd George ergriff »roch gestern abends Premierminister Baldwin das Wort, der sich ausführlich mit der von den Oppositsonsrednevn aufgeroorfenen Frage der interalliierten Schulden 'befaßte und erklärte, es sei eine offene Erörterung dieser Frage im Nnt-erhause notwendig, au der auch Schatzkanzler Churchill teiluehmen werde. Ueber die Evrichtung einer Flottenbasis in Singapore erklärte der Premier, die Regierung habe noch keine Entscheidung getroffen, aus wie kränge sich die Arbeiten ersticken sollen. Sodann brachte T r e v e I y a n den. Abändermrgsamtrag zur Dhronrede ein, der die Politik der Regierung gegenüber Aegypten und Rußland bedauert. Ein ^.veiler von Wheatley eingebrachter Abamderuinysantrag richtet sich gegen die Wohnun gspolitik der Regierung. Nachdem der Konservative Wise davcmf Angewiesen hatte, daß die Stenern in Deutschland niedrrg er seien älls in England, was der Bestimmung de8 Bevsailler Vertrages, wonach die früher feindlichen Staaten höhere Steuern «inzu'ftihren haben als-die Alliierten, widerpreche, wurde die Sitzung gegen Mitternacht geschloffen. In der heutigen Sitzung des Unterhauses berichtete Schatzkanzler Churchill über die französischamerikanischen Finanzve rhandlungen und erklärte: Mr erachten es indes für wesentlich, daß jede. Zahlung, die von unseren Schuldnern in Europa an ihre Gläubiger in den Vereinigten Staaten geleistet wird, gleichzeitig von entsprechenden Zahlungen an Großbritannien begleitet sei. Sodann brachte Kolvnialsekretär Amery formell den engl i s ch -italienischen Veriwg über die ostasrikrnrschen Gebiete ein, woraus die erste Lesung des Vertrages vorgenommen wurde. In der weiteren Debatte über die Thronrede sprach El h n e s über den S i n o w j e w -Br ie f. Die Adresse im Oberhaus angenommen. London, 10. Dezember. (Reuter.) Das Oberhaus hat die Adresse in Beantworümg der Thronrede angenommen und sich sodann vertagt. Herriot leicht erkrankt. Paris, 10. Dezember. (Havas.) Ministerpräsident herriot muß wegen Grippe das Bett hüten. Die Unpäßlichkeit, ist aus Aeberbürdung zurückzusühren und hat keinerlei ernsten Charakter. Wegen der Unpäßlichkeit des Ministerpräsidenten ist die für morgen angesetzte Sitzung des Seuatsau'sschusses für a u 8 w ä r t ig e Angelegenheiten, in per sich der Ministerpräsident über die allgemeine politische Lage aussprechen wollte, bis auf weiteres vertagt worden. Berftktnmimg zwischen Spanien und Frankreich. Paris, 10. Dezember. (Havas.) Wie „Temps" aus Madrid meldet, hat Admiral Magaz an die Botschafter Spaniens eine Note gerichtet, in der diese aufgefordert werden, auf eine Milderung der gegen das Direktorium gerichteten Angriffe hinzuwirken und die in so energischem Tone abgefaßt ist, daß mehrere Botschafter es abgelehnt haben, sie weiterzuleiten. Durch den Takt des spanischen Botschafters in Paris Quinones de Leon wurde ein französisch-spanischer Zwischenfall vermieden. Einige Generale des Direktoriums haben die Haltung Quinoncs de Leons gebilligt. Die Demission des Adnrirals Magaz soll behorchen. Die Farzistenmittz. Mailand, 10. Dezember. (Tel.-Konrp.) Im Senat uni.'rzog der ehemalige Krieg'sminister General Zupelli die Miliz abermals einer scharfen Kritik. Im Gegensatz zu den Versicherungen Muffolinis, daß die Waffen in den Kasernen ausbewahrt würden, wisse er bestimmt, daß allein in einem Dorfe von 400 EirrwWenl .eine Wiener Morgenzeitung. 11. Dezember 1924 Nr. 8087 -1-.. .. Me Wendung im Prozeß Steiger. Ae AttentStrr gegen Wojciechowrki eruiert. Lemberg, 9.' Dezember. (I. T. A.) Der Verlauf der Untersuchung über das.mißlungene Bombenattentat gegen den Präsidenten der polnischen RepMik Wofciecho wSki -ivährend dessen Anwesenheit in Lemberg hat eine sensationelle Wendung genommen. Bis jetzt war nur -er jüdische Student Stanislaw Steiger unter 'dem Verdacht, die Bombe geschleudert zu haben, verhaftet. Es hatten sich aber keinerlei beweiskräftige Momente für seine Mittäterschaft ergeben. Nunmehr sind zwei den ukrainisch-kommunistischen Kreisen angehörende Personen verhaftet worden, gegen die sich die Verdachtsmomente zugefpitzt haben. Der Direktor des Privatdetektivbureaus, Herr Han Dworneeti, hat auf die Spur der wahren Schuldigen geführt. Die weitere Untersuchung hat ergeben, daß das Attentat gegen den Präsidenten durch eilt* Gruppe ukrainischer Kommunisten organisiert worden war. Die Bombe schleuderte «in gewisser Stephan Pantschischin, der Sohn eines Portiers in Lemberg, sein Helfer war der Schlosser F i d i?. Der erste wurde in Kalisch, der zweite in 2e.mberg verhaftet. Man halt es nun für zweifellos, daß Steiger, von deffen Unschuld alle Einsichtigen überzeugt sind, in kurzer Zeit aus der Haft entlassen werden wir'. Eine Abordnung der Warschauer Regierung sowie der. Inspektor des Obersten Polizeikommandos, Koffveeky, sind bereits in Lemberg eingetroffen. Die Lemberger Polizei soll wegen der schlechten Führung der Untersuchung arg kompromittiert sein. Die offiziellen Stellen bewähren über den Verlauf der Angelegenheit st r e n g st e s Stillschweigen. Die Gruppe, die das Attentat auf Wojeiechowski organisiert hat, ist auch in die Angelegen? heit des Attentats auf die Warschauer Zitadelle, die so viele Opfer forderte, verwickelt. vollständige rüstung.für eine ganze M a-> Bubi-Kostüme reine Schafwolle, la Qualität K 410.000 Feinste Seldenfior-Dnmenslrtimpfe Früher K 58.000 / Jets« K 45.000 nur L Ir&ttnerhof 2 (Graben) schinengeweh rab t e i l u n g im Hause eine- Hundertschaftsführers anfbÄvahrt würde. Sie sei a-uf Befehl des Militärkommandanten aus dem Mafseulager der Armee bezogen und dorchm gebracht worden. Solche Waffen seien -nicht dazu bestimmt, gegen einige wertige Demonstranten vewvendet zu werden, sondern sie 'dienen ganz anderen Zwecken.. . ein türkischer Angriff gegen dir spankolischr SDrofte. . r: I Aus Konstantinopel schreibt man uns: Im Zuge, der chauvinistischen: Nationalisierung der Türkei wird jetzt von den.Organen der Regierung einsystematischer Kampf gegen die spaniolische Sprache, der Volkssprache der aus Manien stammenden orientalischen Juden, geführt. So schreibt das türkischnationale Blatt „Ballt" in einem längeren Angriftsartikel, daß das Judäo- Spanische ein;Jargou sei, unwürdig, in der Türkei gesprochen zu «werden, um so mehr, als die Mehrzahl der spaniolischen Juden das Türkische vollikommen beherrscht und viele von ihnen auch vyMgbich türkisch schreiben. „Unser Kampf gegen das Spaniolische — schließt der Artikel — wird nichtdurchei ne An i m o si ta t gegen die Juden, die ein nützliches, wertvolles Element unseres Landes bilden, beeinflußt. Mr fordern bloß, daß die Juden ihren absurden Jargon aufgeben, nur türkisch sprechen, lesen und schreiben, damit sie fähig werden, sich vollkommen in de n Die n st der tü rkische n Zivilisation zu stellen und ein «wichtiger Faktor im Leben unseres Landes zu werden, wie das mit den Juden in den anderen Ländern.der Fall ist." Es ist nicht Ausgeschlossen, daß dieser Plötzlich emsetzende Kampf gegen das. Spaniolische mit der in jüngster Z«it von spanischer Seite intensiver betriebenen Propaganda für «ine Repatriierung der Spaniolen nach Spanien znsammenhängt. / Trotz« braucht ei» mild» Mima. Ein« Begründung für seine AbsSgrmg. Moskau, 9. Dezember. (Ruff. Tel.-Ag.) Die Zeitungen veröffentlichen ein« Mitteilung über den Gesundheitszustand T r o tz k i s, aus der ersichtlich ist, daß Trotzki -bereits seit vier Wochen an einer fieberhaften Erkrankung, die durch Grippe hervorgerufen -wurde, leidet. Di« von den Aerzten und dem Volkskommissar für Gesundheitswesen ausgegebene Mitteilung besagt,, daß die gegenwärtige Erkrankung als vMommen ait-alog der vorjährigen zu betrachten und daß die ständige Tempera tursteigermrg auf eine Reizung der -lymphatischen Bronchiendrüsen infolge des lallen und feuchten Klimas in Moskauznrückzuführen fei. Di- Aerzte halten die schleunigste Abreise Trotzkis-nach einem Kurort mit warmem und mildem Klima für notwendig. Bor der Freklaffullg Mer». Wie der Korr, tzerwei von nationalsozialistischer Seite mitgeteilt wird, äst - man in diesen Kreisen dahin informiert, daß jetzt nach den deutschen Wahlen die Freilassung Hitlers aus.-der Haft erfolgen, wird. Mit der Freilassung Hitlers wirdwiederdie Frage seiner Staatsbürgerschaft aktuell. Die bayrische Negierung soll sich mit der Absicht tragen, ihn auS Bayern auszuweisen, ihm jedoch die Möglichkeit zu verschaffen, sich in Nor dd e u t f ch l a n d anznsiedeln. BMschr Amtrhimdluagea. *ktltu, 9. Dezemb-r. (fflolff.) Wie die „Bchisch- Z-itung" aus Schwerin meldet, ist gegen den doutschvökkischen Präsidenten des Landtages, Gl es«, ein Disziplinarverfahren «ingeleitet worden, da dieser beschuldigt wird, sich an Frauen-, M denen er amtlich zu tun hatte, vergangen zu haben.In nichtoffeMicher Berhandku-ng wirrde Giese zur Diensten tlassung und zur Tragung der Kosten des Verfahrens verurteilt. Sie Pros« Hafenlrr«z4tv-r«te«. Eine anfgelöste Versammlung. Mgendivnst der ,Miener Morgengoitung*.) Aussig, S. Dezember. Am Sonntag fand hier eine Versa-uMbung des Lese- und Redsvereins der deutschen Hochschüler in Prag statt, -welche für die Verlegung der deutschen Hochschulen von Prag nach Aussig eintveten sollte. Dieser Verein, der in den Neunzigerjahren von Karl Hermann Wolf gegründet wurde, ist eine ausgesprochen« Habenkreuzorganisatian und hat im Vorjahr durch die von den zu Profefforen avancierten alten ^Herren arrangierte. Hetze gegen den jüdischen Rektor S t e i n herz und durch' eine NnmeruS-elausns-Agitation, von sich reden gemacht. Di« Verlegung der Hochschulen in di« deutsche Provinz bst fachlich nicht zu rechtfertigen, weil für solche Institute nur die Großstadt Prag mit ihren Zentralbehörden und ihrer Organisation de's klinischen und juristischen Ma-teriaiS in Frage kommen Sann. Trotzdenc wird die Verlegung verlangt, weil die Hakenkpoutzgesellschaft ungestört durch die Kontrolle der Regierung ihre raffenschutzlerischen Instinkte auSlebe» und nebenbei auch die Störung jedes ftiodlichen VerhAtniffes zwischen Deutschen Md Tschechen betreiben will. In der Versammlung wurde mitgetevlt, daß sich die Senate der Prager Hochschule« für di« Verlegung nach Aussig ausgesprochen hatten. Als der Vertreter der B e rlinerHakenkr«uzler(des HochschulringeS deutscher Art) über diese Frage sprach, schritt der Regievungskommiffar ein und löste die Versammlung auf. Di« Studenten bildeten einen Demonstrationszug, der jedoch von Gendarmerie aufgelöst wurde. Bar tschecho-flowakffche Budget. Die Opposition bleibt auch im Senat de« Beratung^ fern. Prag, 10. Dezember. (Tschech. Preß-Dur.) Heute begann im Senat dir Beratung über das. Budget mb da8 Finanzgchetz für 1928. Rach dem Referat des Berichterstatters Horacek, der WSführte, daß die Staatsschulden von 30 Milliarden durch ein« AuÄandSanlvche konisoilidiert werden sollen, gaben die Vertreter der Slowaken und der deutschen Parteien Erklärungen ad, welche die Gründe für die Abfentierung dieser Parteien von der Budgetberatung darlegten. Wahrend der Siede des Ssnators Dr. Kovalik G-owatkSsche VolkSpartei) kam es M Lärmszenen, welche eine kurze Unterbrechnn-g der Sitzung nötig machten. Unruhen in Manien? Gegen die Regierung Fa« Raki. Belgrad, 10. Dezember. (T«l.-Komp.) Rach hier ein» getroffenen Meldungen sind in Albanien ernste Unruhen ausgebrochen. Ueber S l u t a x i wurde der Belagerungszustand verhängt. Diese Vorgänge werden mit den bevorstehenden Wahlen in Albanien in Zusammenhang gebracht, da bereits am 2Ö. b. die Wahl der Wahlmanüer und am 20, Jänner die Wahlen in das albanische Parlament stattfinden. . Außerdem spielt die Unzufriedenheit der nördlichen Gebiete mit der Agrarreform eine wesentliche Rolle. Die Aufständischen, die gut bewaffnet sind, gehen gegen Tirana vor, um die Regierung zu stürzen.

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