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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-09 · Heft 2085 (9.12.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2085 (9.12.1924)
Date
1924-12-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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- —• 'W •' Mene« Mo«arWeNM§. S De^Er^ Vk. 2005 Bühne und Kunst. vm T_MM. Men'SDg Friedhof eines Ortes nicht nach meinem Wunsch, schaue ich, daß ich rasch in die nächste Gemeinde komme . . Und so zieht die Hundortsechszigjährige von Ort zu Ort, Ährt überall Hren Gralüste'm mit sich und in jeder Gemeinde begivmvt sie von n«-u«m: „Gibt es bei euch einen würdigen, reichen Friedhof?" Wo wird sie den richtigen Friedhof, sinden? Jas Rotvrfchiff. Eiu jüdischer Vorläufer Dr. Flettuers. Der Erfinder des segellosen Sch Ws, Dr. Flettner, hat -in seinen in wissonschaftlichon Kreisen gehaltenen Vorträgen daraus hingewiasen, daß er seine Erfindung ans Entdeckungen Lusgeibaut hat, die der Physiker Dr. Heinrich Magnus vor dielen Jahrzehnten gemacht hat. Dr. Magnus war Jude, er starb 1870. Dr. Magnus hatte mehrere Experimente unternommen, um die Wirkung des Windes aus rotierende Gegen» stände zu prüifen. Er konstruierte aufrecht stehend« Zylinder, die durch ein Rad gedroht und mittels eines Blasebalgs, der den „Wind" gab, weiter getrieben wurden. Dr. Fl-ettners Windschiss ist aus diesem Pnmzöp aufgebcmt. - Pros. Magnus hat auch wichtige Entdeckungen aus dem Gebiet« des Magnetismus, der T h e r m a l - E l e f i x izität, der Hydraulik rchw. gemacht. Cr ist der Entdecker des Präparats, das als das Magrmsschr „Grmre Salz" bekannt ist. Er war im Jahre 1845 zum Professor der Phystik und Technik an ber Anivechtät zu Berlin ernannt worden. Der ferttgeAnzug. In Wien hat man em alteingewurzeltes Vorurteil gegen die Konfektioiisavbeii. Man licht in ihr etwas Minderwertiges, Schablonenhaftes und vergißt, daß auch das ftrii-ge Kleid.' ob Anzug oder UeLerKeid. elegant nud passend sein kann Den besten Beweis hierfür liefert das größte Mariahilfer Kleiderhaus Frlipp und Eduard König in der MartahAerstrahe 179. Alle Artikel der Bekleidung Kr den Herrn, den Kuobm und das Kind find in reichster und mustevcMtiigster Auswaiyl vorhanden: Anzüge, Raglans, Ulster, Wiuterröcke und PelzsaÄos. Dieses große, komplette Lager hat den Vorzug' in den eigenen Werkstätten des Hauses hergestellt zu sein. Dadurch wird ein indivndueller Schnitt erzielt'und tatsächlich auch ein vollständiger Ersatz für Maßarbeit geboten. Die Inhaber.sind gelernte. Schneider, die nicht enre automatische Konfektionsarbeit leisten, sondern Kr jede Figur das Passendste und Cxau älteste Herstellen. Die enorme Auswahl und die billigen Preise haben das KleidechauS Frlipp und Gmard König populär gemacht, -das Kr den angebrochenen Winter mit besonders Preiswerter Wintevbekleödmrg ausiwarten kann. Wie«, S. Dezember. * Kommerzialrat Alexander Jirner gestorben. Gestern verstarb im 62. Lebensjahre Kommerzialrat Alexander Zirner^ Ches des Wiener Modenhauses Ludwig Zwmmck u. Bruder. Das Ableben dieses ausgezeichneten Mannes bedeutet einen schweren Verlust für Oesterreichs Industrie und Handel, denn Zrrner war es, der, als er im Jahre 1906 nach dem Tode des .Begründers die Firma Ludwig Zwieback ü. Brüder Wernohm, durch seinen kaufmännischen Weitblick und seine organisatorische Fähigkeit Jxt§ Unternehmen der Firma zu jener Bedeutung brachte, die es heute hat, wo die Firma Zwieback aus dom ganzen Kontinent, ersten Rang einnimmt. Diese führende StMung und die spezifische, Kr die Modebranche geradezu vorbildliche Geschmacksuote hat die Firma dem Verblichenen zu verdanken. Kommerzialrat Zirner genoß aber nicht nur in Beruf skr eisen allgomeine Wertschätzung, sondern alle GesMchastslschichten brachten diesem Manne, der das beste Patriziertnm verkörperte, Achtung und 2te6t entgegen. Hervovgchaben sei, daß seine Arbeiter und Angestellten, denen er stets liebevolle Fürsorge entgsgenlbrachte und deren Wohlfahrtsfonds er noch anläßlich seines 60. Geb-urtstäges mit Zuwendungen von mehreren hundert Millionen bedachte, mit besonderer Liehe an ihm hingen. DaS Ableben Zirners bedeutet aber nicht nur für das von ihm stets sorglich betraute Personal seiner Firma,, sondern auch Kr die ziebbewußte produktive Wirtschaft Oesterreichs einen schweren Verlust. Ueberdies aber verliert die stille, unaufdringliche WohltätiMit und Fürsorge einen stets hilfsbereiten Menschen. - , * Todesfälle. Gestern starb im 34- Lebensjahre Frau Doktor Adele Wiener, Assistentin an der Wiener biologischen Versuchsanstalt. Die so früh dachmgecMvgene Frau war eine ausgezeichnete Naturwissenschaftlerin und arbertete in ihrem Fache mit hingebungSvolleim - Fleiß. Die arusgezeichneten, populär gehaltenen Artikel, die sie m der >,Wiener M-orgenzeitung" über naturwissenschaftliche Themen veröffent-lichte, zeugten stets von gedic-gener Sachkenntnis. Die Einäscherung findet Donnerstag den '11. d. um haiüb 3 Uhr nachmittags im Krematorium des Wiener Zentralfriedhofes statt. — Sonntag den 7. Dezember ist hier das Vorstandsmitglied der Israelitischen Kultusgomeinde Herr Israel Schwarz vm 67. Lebensjahre verschieden. Ae Bestattung findet Mittwoch den 10. d. um 11 Uhr vormittags auf dem neuen israelitischen Friedhof in dem von der IsrMrtischen Kultusgemeinde gewidmeten Ghrengrabe statt. * Trauerfeier. Morgen Mittwoch um halb 7 Uhr albends findet im Döblinger Tempel eine vom Mischen Frcmenwohltätigkeitsverem für den 19. Bezirk und vom Blindenimstittit Hohe Warne veranstaltete Trauerfeier für Frau Sildonie Kahn s. A. statt. , * Die Milch wird um 200 R. billiger. Der Milchpreis wrr,d ab 10. d. um 900 K. pro Liter herabgesetzt. * Die eutsührte Frieda Fuchs. Die vor einigen Wochen von, dem Memeurer Pollan-ves-Pollacsk, der sich als. argentinischer GenerMonsul ausgab, entführte 17jährioe Gmundner Hoteliersrochier Frieda Fuchs wurde von der "Polizei in Paris angöhalten. * Die Lebensmüden. Der 64jährige Beamte Jrtlius K h et a ib l wurde am 7. i>. vormittags in der mit Leuchtgas erfüllten Küche seiner Wohnung tot ausgesunden. Dm Erhebungen zufolge liegt Selbstmord vor. — In der Galvanisierungsanstalt Groß in der Wesibahnstraße hat sich gestern vormittags die dort bedienstete. 21jährige Hilfsarbeiterin Marie Nowak aus unhiLanntec' Ursache vermutlich durch Genuß von Zyankali vergiftet. * Schüsse auf die Gattin und die Schwiegermutter. Samstag abends yegen 10 Nhr hat der im Haufe Volkertplatz 5 wchnhaste Josef De ring er seine 32jährige Gattin Anna purch drei R e v o l v e r s ch ü s se, welche sie an beiden Armen Mitteilungen aus dem Publikum. ijLirvkimeumkr» . Schlosser a n z ü g e, Overall-Anzüge, Wind» |[||H9 jacken, Kellnersakkos, Fleischhauerjackeu' u. s. w. ||r«‘mossünm11 lll VII. »«rggaffe M 81 - Tel. 34-0-28 Md dem Banck)« versetzten, «ngeischossen. Hieraufrichtete er die Waffe gogen seine Schwiegermutter, 'die 59 jährige Hebamme Simatvvies. und verletzt« sie durch Men Schutz in die linke Schulter ebenfalls schwer. Der Attentäter stellte sich beim Kommissariat in der LeöpoldstM. Die bsilden schwer verletzten Frauen würben von der Rettung sgefellschast ins Franz-Joi'efS» Spital überfi'chrt. . . .. t * Don einem Auto getötet. Geister» vormittags gegen 11 Uhr wuchs am Heumavkt der 88jährige Rechtsanwalt Dr. Paul D'n n j etz k y von einem Auto^iberfahren. Er starb nn Spital. - ,, * Wahlen in die jüdische Gemeinde Frankfurt <m Main. Aus Frankfurt am Main berichtet I. T. A.: Die Neuwahl der Gvmcinbevertret'unig würbe obpe Bornalpna einer -Wahlhanbllmg durch ein Kompromiß unter den Parteien erledigt. Don den 36 Wvahlten Gemeinbchertrelern gehören 19 der liberalen Richtmng und 17 der konservativen Richtung an-; unter letzteren befinden sich je drei Vertreter der Zionisten und der Ostjuden. Auch das Mische Hand» wetzk ist sowohl in der liberalen wie in der loniserv-Mven Gruppe vertreten. Unter den Gemeindebertretern befanden sich fünf Frauen, davon, vier liberale. * Ein berühmter jüdischer. Zeitungsmann ln Washington gestorben. Mr. Gus. Karger, der Berichterstatter der Cmomwati-'Zeirung „Tmves Star", ist dieser Tage»rgestorberu Er war ein persönlicher Freund des Juftizchefs Taft, dessen persönlicher Pressechef er bei der. Wahlkampagne 1908 aewesen ist. Karger war mit allen letzten Präfiden-ten -der Bereinigten Staören befreundet, so' insbes-ondere mit dom verstorbenen Präsidenten Havding. Bei seiner Beea'diprlna waren Präsident Coolidge, Jiustizchef Ta-ft und viele hochstehende Personen anwesend. (I. T. A. ) * Die jüdische Gemeinde Breslau. renoviert das Grab Lassalles. Wie I. T. A. aus Breslau meldet, hat die dortige Synagogenaenl-oiinide beschlossen, aus Anlaß des auf den 11. April 1925 fallenden 100. Geburtstages des Schöpfers der doutischen' soziallde>mo!ratisck)en Bc-ivegung, ,Fevdma-nh Lassalle, sein Gva»b auf dem Breslauer jüdischen Fviedhof auf eigene Kosten insianldMsetzen. * Zunahme der jüdischen Einwanderung in Mexiko. AUS Nsw-Iork wird uns gemeldetDie Mische Emiwanderuiug nach Mexiko nimmst monatlich zu. Während im vergcmgenen Monat.äm güiwzen IVO Müsche Einwanderer eiMvaifen. D die Zahl der im 'November oe-bandeten Jmmngramen voreftS auf W gestiegen. Jedes Schiff bringt ourchfchn'M'ich 80 Mische Siedler mehr als das frühere. Dre jüdischen Giniwamdever, di« sich pamernd in M-eyLy "niedeÄassen woüeu, lommeuMs Rutzland,.Polen, Ruimönien, Dsutischl-and uÄd Oesterreich. * Eine. Kolonie von Hebraisten iu Argentmjchi In Argentmien steht,' Wie .die '.^Mische Weilt - m Buenos Aires berichtet, -dste BerwiMchug eines iM-evessainteu, 'Planes nimmtteilbar bevor. Eine ansehnliche Gruppe, hebräisch .sprechender Einwanderer ist entschlossen, :sich zu ebner landwirtschaftlichen Kolonie zu vereinigen und steht wegen Erwepbung.des erforderlichen Bodens -mit den maMbenden Faktoren rat Verhandlung. Die Mitglieder der neuen Kolonie bezwecken mit diesem Unternehmen eine Umschichtung von JntellrgenHbevuf auf den lcmdwirtschafMchen, gleichzeitig aber auch, äuf diese hebräischen Umtzamassprache in Avgeudimen eine PslaMtätte «u errichten. Die VechanLckln-gen wegen Gvündmtg der neuen Kolonie sind schmi sehr weit Miehen. * Oberrabbiner Akiba Glasner -ei Sir Herbert Samuel. Der Oberlommissär von Palästina, Sir Heribert Samuel, empfing am 30. November im RegievungsgMäude den Oberrabbiner von Klansenburg, A? i b a Glasner. OberyoÄbmer Glasner berichtete Sir Herbert Samuel Wer das ^elben^der transsylpMischen Juden Md überbrachte ihm deren Grüße. Oberrabbiner M8ba Glasner ist der Sohn des ftzühervn Klansenbuvger Oberrabbiners M. S. Glasner, des vor einigen Wochen in PaWina. verstorbenen Misvachi-Führers. Austritte aus dem Judentum. R e t ch. Friedrich, geb. 27. November 1882, Krcckau, Kaufmann, 4. Bez., Margaretenstraße 98. Dr. Fische r Medrich, geb. 15. November 1875, Wien, Weinhändler. 4. Bez., Frankenvergggsse 3. Fischer Leonie geb. Bleier, aeh. 25. April 1880, Privat, 4. Bez.. Frankenberggasse 8. A l s ch e ch Kamilla, ' geb. 5. Dezember 1897/ Wien, 19. Bez., Billrothsttaße 6». Schi n bl e.r Gertrud, geb. 23. November 1900, Zwittau, Private, 4. Bez., Preßgaffe 14. Schindler Ignaz, geb. 15. September 1882, Trübau, 13. Bez., Malfattigasse 39. G o l d st e i n Klara, geb. 13. Dezember 1894, Wien, Privatbeamtin, 1. Bez., Seilerstatte 16. Z i l z e r Ernst, 18.. Jän. 1893. Wien, 9. Bez., Müllnergasse 6. Schindler Gerta geb. Pollak, geb. 21. Febnrar 1894, Wien, 12. Bez., Malfattigasse 80. Manheim Ernst, ge. 23. September 1900, Wien, 8, Bez., Radetzkystraße 25. K i ß Jenö (Engen), geb. 22. Marz 1899, Debreczin, Bankbeamter, 1. Bez., Marc-Aurel-Straße 2! Herz Hans, geb. 19. Oktober 1899, Wien, Privatbeamter, 7. Bez., Westbahnstraße 38. K a tz Irma geb. Tanssig, geb. 18. Juni 1886, Wien, 8. Bez., Freiheitsplatz 10. Bereine, Bortrstge uud Versammlungen. Zionistische Sektion 6. bis 8. Bezirk. Heute, iprazife 8 Uhr albends, 8. Bez., Be-nnopl-ah 1. erster Bortryig rm Zyklus „Die Inden in der Kunst". Urivl Birnbaum: „Die Künste und die Religion." Anschließend Frl. Berkl Hammer'. Vorlegung aus Uriel Birnbaums Dichtungen. -- Z io n i» stis.che Fraueno.rpanisation Döbling und Zionistische Bezirkssektfon Döbling. Heute um 8Uhr abends im Cafe DMng,echlsf, 19. Bez., Billrotystvaße 49, Bor» lra-g Dr. Josef Löwen he rz: „Die zkonistiischen Probleme der Gegenwart-." Gäste willkommen. *- I ü dische I u >g « n dv e r s a m m l u u -g, Heute um 7 Uhr abends kn großen Sänke des Nwderösterreichrischm Pe-wepbevereines, 1. Bez., Eschenbach- Msse 11. Rardioprogramm firv heut«: 11 bis 1 Ilhr: Künstlerkapelle DrDng. 4 Uhr 10 M»in. bis 5 Uhr: Märchennachmittag für Kinder. h bis 7 Uhr; Ernst-heiterer Nachmittag der Künstlevkapelle Silving. — 8 Uhr: Dr'.-: Kan'n'.ersyn'phonien von Josef Haydn. 9M. Eine unbekannte Oper von Weber, — PfiHners neue- Violinkonzert. Als Beethoven die Partitur von Webers „Freischütz" kennen lernte, soll er sich zu seinen Freunden geäußert haben: „DaS sonst weiche Männel, ich hätt's ihm nimmermehr zugetraut! ... Der Caspar, das Untier, steht da wie ein HauS. Ueberall, wo der Teufel die Tatzen reinstreckt, da fühlt man sie auch!" Nach der Vollendung des >,Freischütz" begann Weber die Skizzen zu feiner kölnischen Oper „Die drei PintoS", kam jedoch über einige Nummern nicht hinaus. Er mochte wohl selbst - fühlen, daß die Musik nicht „wie ein Haus dastünde", und gab im November 18L1 nach 'der Vertonung des ersten Finale die Arbeit aus. So blieben die Skizzen bis irr die Achtzigerjahre liegen: Da hörte WeberL Enkel, der sächsische Hauprmann Karl Weber, im Leipziger Opernhaus den «Freischütz" unter Gustav Mahlers Leitung und war über die Aufführung derart begeistert, daß er ihm die Skizzen zu den „Drei PintoS" übergab, nachdem schon viel früher Meherbeer deren Vollendung abgelehnt hatte. In kürzester Zeit harte Mahler die zwei ersten Akte ergänzt und den Schlutzcckt unter Benützung von Liedern, Cantaten und anderen nachgelassenen Melodien Webers hinzugefügt, und bald ging dasMerk in Leipzig, Prag und schließlich auch in Wim in Szene. Dann fiel eS — mit Ausnahme der im Konzertsaale immer wieder gesungenen Baßarielta „Ein Mädchen verloren" — wieder der.Vergessenheit anheim, der e3 nun der junge, strebsame Kapellmeister Dr. Gottfried K a s s owitz zum zweiten Male entriß: An der Spitze von Dilettanten — der neue Wiener O r ch e st e rverein — und strebsamer Sänger, von denen kaum einige wenige — Odo und Mela R u e p p, Anny K a l a b und Erika Frau sch er — da8 Mittelmaß erreichten, brachte er da's Werk i>m Konzertsaal ohne (Szene heraus. So mußte der Dialog wegfallen und damit blieb auch die lustige Handlung nach dem Textbuche von Th. Hell — von der Braut, die dem alten Liebhaber vorn jüngeren weggefischt wird, völlig unverständlich. Erstaunlich, wie sich Mahler hier in die Tonwelt Webers einzufühlen vermag! Altes, romantisches Land und naive altvaterisch- Heiterkeit werden wieder lebendig, alle Herrlichkeiten von Agathe und Aennchen, von Adolar und Euryanthe klingen an, und gerade der dritte Akt, den Mahler völlig neu. gestaltet hat, wirkt fast am echtesten. Gleich im kurzen Vorspiel vernimmt man Anklänge an die Wolssschluchi und bald darauf — ein ganz wunderbares Spiel des Zufalls in dieser Arbeit aus dem Jahre 1887 ~ Vorahnungen von Mahlers „Achter", wie ja auch sonst mitunter — etwa in der starken Verwendung der Bläser oder im Vorspiel zum zweiten Mt — Weber von Mahler übertönt wird. In seiner bunten Mischung von helleren Duetten und Terzetten, Romanzen, Arien und Chören bietet das reizende Werkchen nicht nur eine Fundgrube Weberscher Wielodien, sondern auch einen wertvollen Beitrag zum Jugendschöffen Gustav MohlerS, und darum sollten unsere Opernhäuser bei der Jahrhundertfeier Webers im Jahre 1926 keinesfalls an ihm achtlos vorübergehen. Die Philharmoiker haben für die laufende Spielzeit PfitznerS neues Violinkonzert angekündigt, jedoch mit der Aufführung so lange gezögert, bis ihnen der tüchtige Krefelder Generalmusikdirektor Dr. S i e g l mit der Erstaufführung zuvorkam. Erst im Borjahre hörte man in Wien -PfitznerS Klavierkonzert, das, von eitel Romantik erfüllt, m einzelne, lose Teile auseinanderfiel. Im Violinkonzert ist die Form straffer gespannt, der Sonatenfatz mit der Dariationsform geschickt kombiniert, eine kurze Zeitspanne mll 'reichem, wechselndem Inhalt erfüllt. Wieder breiten sich PfitznerS LieblingSinstrumente -~ Horn, Oboe, Trompete — mächtig auS, allerlei subtile Klänge künden seinen Farbensinn, Anlage und Durchführung das meisterhafte fiönuen des SpätroHantikers. Die konzertierende Gerge. ist vor neue, nicht durchwegs dankbare Aufgaben gestellt: Doppelgriffe, Quartenmelodik, ans Unmögliche grenzende Schwierigkeiten! Und doch, bleibt der echte geigenmäßige Effekt oft genug aus, und man vernimmt nicht Gergenbrillanz, sondern Schrerbtischkünste, die nicht recht Klang werden. Pfitzners bekannte Siheu vor billigen Effekten, seine Gehemmtheit gegeniibM einem sinnlichen Drausivsmusizieren ist auch diesem edlen Werke abträglich, das m seiner sittlichen Idee stärker ist als in feiner virtuosen Wirkung, Daran vermochte auch!die ausgezeichnete Wiedergahe durch Max R o s t h a l nicht viel zu ändern. Dr. Erwin Felder. Sine Wische AlMinnWithnr. „Die Mene Pawe." - Man gcht inS Theater, um mit dm Sinnen, nicht mit dem Gchim anfzunchmen. Das Gchirn, ist durch des Tages -Arbeit abgestumpft, nun wollen Auge und Ohr in Emotion versetzt werden. Komponiervt. sichtbare mit hörbaren Elemeuten und ihr habt starkes, lebendiges Theater! Denn ihr erregt die Empfindungen des Zuschauers und haltet ihn fest. Darum ivar alles bisher Irrtum die naturalistische Dekoration, die literarische Imitation des Lebens, das Spiel des einzel- MN,' .die Petommg d« gsdaMichen Handlung. DK Aussen räumten hier auf: sie brachten Spiel und Bill» in einen ongen Zusammetthang mit dem Wort. Und sie brauchten kein abendfüllendes Stück, um aus den optischen und akustischen Gesetzen die letzten Wirkungen (neben dem Inhalts hcworzn-

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