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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-09 · Heft 2085 (9.12.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2085 (9.12.1924)
Date
1924-12-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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i; 1 j } "!! I 1 1 s 41 GM % ... Wim, MemSkrg i DemokWten 250.000, das Zentmm 160.000, >W« bayrische I VoilkSpartei 160.000; die Mrtfchastspartsi und der bayrische! Bauernbund zusammen vund 300.000. Verloren, haben die Konmmn-isten m:d die NasiomÄsoKia'listen je 1,1 Millionen Stimmen. Der Landbund, dessen Abgeordnete vm letzten Reichstag mit den Dmtschnatio-rnrlen zulsammev'gingen und eS auch diesmal Am werden, verlor 200.000 Stinrmen, die deutsch-hannoversche Partei 59.000 Stimmen. Die preußischen Landtagswahlen. Berlin, 8. Dezember. (Wolfs.) Das Endergebnis der preußischen LandtaySwcchleu stellt sich wie folgt: Einschließlich der auf die Landeslüste entfallenden Mandate dürften ans di« Sozialdemokraten 116 Sitze entfallen (bisher 136), darunter 28 Unabhängige, cntf btf Deutsch« «vtionale« 111 (77), das Zentrum 79 (»aMrändert), die K o m m >u n i st e n 47 (27), die Deutsche BolkSpartei 50 (67), bve Nat ionalsoziaIIi st e » IS (bisher nicht vertreten), die D e m o k r a t e n 26 (unverändert),-die Wirtschafts Part ei 10 (4). Dagu kommen ö Deutsch-Hannoveraner (bisher 3) und 1 P-oi!e. Der Landtag von Hessen. Dannstadt, 8. Dezember. <W0lsf.) In den hessischen Landtag wurden gewählt: 26 Sozialdemokraten, 6 Deutschnattonale, 11 Mitgliederdes Zentrums 4 Kommunist en, 9 Mi'tgjl'ieder der Deutsche« BolkSpartei, em Nationalsozialist, 6 Demokraten und .9 Mtgibieder des hessische« vauer«bu«des und der chemchoffischen La-nidliist«. Bor der llnterhausfeffion. (Go« unserem Londoner F.-Berichtersiatter.) L o n d o n, S. Dezember. Der Sieg der Labour Party nach den englischen Wahlen im Dezember 1923 galt allgemein als das Zeichen des Anstieges der Welle des Sozialismus. Die über-' wiegende Majorität, über die das konservative Ministerium in England nach den Wahlen vom 29. Oktober 1924 verfügen wird, wird in manchen Kreisen als der Beginn des Endes der sozialistischen Unruhe nach dem Weltkrieg begrüßt. Beide Urteile beruhen auf allzu leichter Verallgemeinerung. Vor elf Monaten konnte die Labour Party nur infolge der eigentümlichen englischen parlamentarischen Verhältnisse das Ministerium übernehmen. Sie repräsentierte damals nur '192 von 616 Abgeordneten und im Lande selbst waren nur 4,346.000 Stimmen für sie abgegeben worden, mehr als eine Million weniger als für die konservative Partei und nur um ein verschwindendes Mehr als für die liberale Partei. Es war voreilig, daraufhin von einem sozialistischen Siege zu sprechen, eS war dies nur in einem relativen Sinne möglich, im Vergleich mit der Vergangenheit und mit Rücksicht auf die feit 20 Jahren ständig cmfchwellende Zahl von sozialistischen Wählern. Bei den letzte» Wahle» erhielten die Sozialisten 5,476.000 Stimmen, haben also die Zahl ihrer Wähler beträchtlich vermehrt. Der Fortschritt ist bedeutend größer als der Fortschritt von der Wahl im Jahre 1922 zu der „siegreichen" von 1923, wo er kaum 200.000 Stimmen betragen hat. Die Zahl der Abgeordneten ist freilich geringer als nach den Wahlen von 1923, aber noch immer höher als nach den Wahlen von 1922 und natürlich unvergleichlich größer als in den früheren Jahren. Die Stärke der konservativen Majorität ist zwar in dem neuen Parlament so gewaltig, wie sie in diesem Umfange schon seit Jahrzehnten keine Regierung gekannt hat. Die konservativen Stimmen im Lande find um 8,000.000 angewachsen, dies aber nicht auf Kosten der Labour Party, sondern der liberalen Partei. Der große Gegensatz zwischen der Stärke der Parteien in dem gegenwärtigen und in dem vorhergehenden Parlamente ist daher eher ein technischer als etwa die Folge eines plötzlichen Wechsels in der Gesinnung der britischen Nation. Trotz dieser Ueberlegungen ist die Bedeutung der überwältigenden Majorität der konservativen Partei im neuen Parlament außerordentlich groß, unddies nicht nur für die Folgen in der äußeren und in der inneren Politik Englands während der nächsten fünf Jahre, sondern auch als ein Symptom. Obwohl die Zahl der sozialistischen Wähler nicht nur sich nicht verringert hat, sondern um ein sehr Beträchtliches ' angewachsen ist, kan» man doch nicht verkennen, daß Ramsay Mac Donalds Regierung in den letzten Monaten, sehr an Einfluß und Achtung eingebüßt hat. Wären die Wahlen im August gekommen, hätten sie ein völlig anderes Gesicht getragen, und nicht nur die Labour Party, sondern wahrscheinlich auch die Liberalen wären gestärkt aus ihnen hervorgegangen. Ein progressiver Block hätte die Folge sein können, und Englands wie auch wahrscheinlich Europas und der anderen Weltteile Geschick wäre ein anderes ge-, worden. Es waren weniger prinzipielle Gegensätze als taktische Erwägungen, die Ramsay Mac Donald sich dagegen entscheiden ließen. Man nahm eine konservative Mehrheit für diele Jahre in Kauf, um so die liberale Partei zu zertrümmern und eine um fo sicherere Majorität später für die Labour Party zu gewinnen. Diese Rechnung auf lange Dauer mag' richtig sein; aber während dieser fünf Jahre kann sich manches ereignen oder eS kann dafür gesorgt werden, daß es sich ereignet, das den keimenden Geist internationaler Solidarität zer-' stört und den Nationalismus in den einzelnen Ländern wieder sehr kräftigt. Die Folgen dieses Apolitischen Spieles wurden aber noch außerordentlich verschärft dadurch, daß Wiener Morgenzetturis. der sozialistische Premier im Spetember und im Oktober jenes Maß von. Ueberlegtznheit verloren-, hatte, das zur Beherrschung dev Lage , notwendig gewesen wäre. In ^seinen Aeußernngen zeigte Mae Donald eine Unklarheit, ^ein Schwanken, eine Gereiztheit und Empfindlichkeit, die weit unter dem Niveau bliebe», das man in England von weit unbegabteren Ministern gewohnt war. Der Fehler, der schon am Beginn seiner Regierung (in seinem- .berühmten Brief nach Indien im Jänner d. I., in der ' Berufung -des * reaktionären Lord ChelmSford als Minister für'Indien, in der Angelegenheit der fünf Kreuzer) enttäuschte, nämlich der Mangel an klaren Prinzipien und das Liebäugeln mit der Gunst der anderen, trat nirgendwo so deutlich zutage wie in Mac Donalds Behandlung der Campbell-Affäre und des Sinowjeffs« Briefes. Seine maßlosen Ausfälle gegen die Liberalen, feine Beschuldigungen einer Komplottes' gegen fein Ministerium haben ihm mehr, geschadet als seinen Gegnern. Ramsay Mac Donald hatte versucht, das Vertrauen der Wählerschaft durch die Preisgabe seiner Prinzipien zu gewinnen. Es . ist Ihm nicht gelungen, er. selbst ist daran zerbrochen. Aber die Wahlen haben bewiesen, daß das sozialistische Bewußtsein weite Massen, vor allem in den Industriestädten, ersaßt hat. Die kommenden Jahre werden einer inneren Konsolidierung der sozialistischen Partei gewidmet sein. Sie wird gestärkt aus ihnen hervorgehen. Die Monate ihrer ersten Amts- Periode werden ihr eine Lehr« gewesen sein. „Wir haben das Amt verloren. Wir haben das Recht wiedergewonnen,' wir selbst zu fein", schreibt 5. N. Brailsford. War die große Maste der Wähler bewogen hat, konservativ zu wählen und von der liberalen Partei abzugehen, war der Wunsch nach einer Stabilität der Regierung. Während der letzten Monate war eS unmöglich gewesen, vorauszusagen, wie lange die Regierung noch bleiben, wer ihr folgen, was die Grundzüge der Politik sein werden. Die überwiegende Majorität der konservativen Partei verheißt dem Lande eine stabile Regierung für die nächsten Jahre. Das Programm, auf das die neue Regierung gewählt würde, verheißt Stabilität und $ulje. Sonst enthält es keine. Ideen und keinen Ansatz zu irgendwelcher Initiative. Dieser Stillstand allein wäre noch keine Gefahr^ Aber die Lage im britischen Weltreiche selbst, in Irland, Indien und Aegypten, birgt die Gefahr in sich, daß die Konservativen ihren auf dem Gebiete der inneren Politik bewiesenen Mangel an Initiative auch in der Reichspolitik zeigen werden. Dies wird früher oder später die Erneuerung der irischen Zustände von 1920 in allen diesen Ländern bedeuten. Die wahrscheinliche Jnitiaiive der konservativen Regierung auf dem Gebiete der äußeren Politik, in der Errichtung der FlottenbasiS in Singapore und in dem Ausbau der See- und Luftstreitkräfte, wird ihre verhängnisvolle Wirkung wohl nicht so bald direkt äußern: ES bleibt abzuwarten, ob nach einigen Jahren ein neues Ministerium der Labour Party den Willen und die Macht habe» wird, dem Unhell die Spitze abzubrechen. 9. Dezember '1924 Är. 2085 BEk Schahei mit eingebautem „Berson“-Gummi-Ab8atz Aegdvte«. . SLnbentendemonftvationen. Kairo, 7. Dezember. (Reuter.) Infolge von Kundgebungen der Studierenden des Lchrsrfsmimws hat die Regievuing die ägyptischen Professoren von ihren Stellen enthoben. Die Studierenden, die seit dieser Entscheidung umzwfvieden waren, pfiffen di« engllischen Pvofefloven aus, welche die Klaffen verließen und der Regierung mitteMen, sie würden die VmLvfuNgen nur unter der Bedingung' fortsetzen, wenn di« Anstifter verhaftet und sich entschädigen würden. Fünfzig Studenten wunden sofort ausgeschlossen. Die Poilizei ist auf der Suche nach dem Führer der Studenten, Jbvcchiw Millligui, der seit der Evmordung des Sirdairs aus Kairo v e r f ch w u n d e n ist. Auf seine Festnahme wurde eine große Belohnung aufgesetzt. Di« zag-hlulisbische Preste fordert, daß Mlligui sich freiwillig -bei der PM-zei stelle, da sein Verschwinden den Verdacht auif die ZaghluLiisten werfe, die Flucht Milligu-i -begünstigt zu haben. Di-e Vevschwönung gegen die britischen Minister — ein Gerücht. London, 8. Dezember. (Havas.),MornmgPost" ntdDbet aus Karro, Oberko-mmissär A-llenbh habe nach London -telegraphiert, daß die ägyptische Verschwörung gegen britische Minister bloß «in u n b e stü t i g t e S Gerücht sei. Zer Äberkommissör von Palästina. London, 6. Dezember. Wie Ihrem Korrespondenten von authentischer Seite mitgeMt wird, müssen die ver> schichmen Gerüchte über die Nachfolge Herbert Samuels — unter anderen wird der konservative Abgeordnete Sir Philspp S a s so o n genannt — als verfrüht bezeichnet werden. Da Samnes erst im IM seinen Posten verlassen soll, dürft« die En-tsch eidu-ng über die Wahl seines Nachfolgers erst nach einiger Zeit getroffen w-evden. Bestätigung der jüdischen Gemeindeordnung durch das Colonial Office. Laut „Jewish D>Hi«S" 'hat der «ngilifch« Kblomalmiirisier Am ery Sit Herbert Samuel verständigt, daß das Colon ia t O f ßi e«. bereit sei, die von Samuel unterbreitete Verordnungüber die jüdischen Gemeinden in PalLftina zu ratifizieren, falls er einigen Uein-we« Uendevu-ngen zustimmt. Eine dieser AeN-devungen bastsht darin, «daß den Anhängern der Agu-daS JHrool chne besondere Schechita-Orga-nisatio« zugeibilligt wird. , OberraMner Knk bei Kolonialminister Amery. Der pMstimnsi-sche ObervabbiNer K-uk, der auf der RÄckreist von Amerika in London eingetvoffen ist, hatte unter anderem Gefprechavngen «mit Lovd Balfo-ur und Kolonla-lmm-ister Amery. Amerh stellte auch eine Reihe dorr Fragen beztig-lich der Reise Obena-Mner KuM nach Amerika -und über di« Verhältnisse in Palästina. D-ie UnterredWg Mg einen AbevcmS. herzlichen Charakier. m ist beteitS wieder nach Palästina Msrelst. Re Mio« gegen die SommMiften i;; Frankreich. Ausweisung der anAändstche» Kommunisten. Paris, 7. Dezember. (Havas.) Infolge der von der Polizei im Lause de'S gestrigen und heutigen Tages bmHgeführten Haussuchungen und Verhaftungen hat der Minister der Innern gegen sechzig ausländische Kommunisten, und zwar 43 Italiener, 6 Polen, 7 Belgier, 1 Serben, 1 Schweizer, 1 Schweden un-d 1 Deutschen, AuSw eisungSb esch'lüsfe erlassen. Alle. Organisatoren kommunistischer Hundertschaften oder Archä-nger der Len-in-Dchule, wurden unverzüglich an die Grenze gebracht. Di« Regierung beabsichtigt,, die Ueberwachung der ausländische» Agitatoren fortzusetzen und neuerliche Maßnahmen gegen diejenigen zu ergreifen, -welch« an der Borbeveitu>ngeiner revolutionären Bewegung teilnehmen -würden. Henie wurden weitere zehn ausländische kommunistische Arbeiter verhaftet. Haftbefehl gegen Henri Gnilbeaux. Die Polizei hat den Befehl erhalten, den im Jahre 1919 wegen Einverständniffes mit dem Feinde zum Tode verurteilten G-uilbeaux zu verhaften, der in die Dienste der Svwjetregiemng übergetreten war svnd, wie es heißt, jetzt di« Absicht haben soll, »ach Frankreich zurückzukehre». Re Studente«demonftratto«eu io gugöflawiea. Belgrad, 8. Dezember. (Tschech Preßbuveau.) Zu den «strmstäigigen Vorfällen an der Agramer Universität wird Zweiter gem-eldet: Seitens der Gendarmerie wurde eine «förnÄiche B-cklageruing des von den Studenten verbarrlladievten UniverfitätSgebäudeS durchgefAhrt. Nach gewaltsamer Sprengung des ToreS drang die Polizei in das Gebäude ein, verhaftete sämUche dort angetroffeuen 62 Studenten und überstellte sie wegen gewclltfamen Einbruches m fremdes unbewoAvcheS Eigentum dom Gericht.- Dem Protest der Studenten der Agramer, Belgrader und Lakbacher Universität haben sich auch die Studenten der juvidffche» Fabultät i» Gubotiea und der phlloso- Phöschen Fakultät in UeSküb angefchlosten. Sine liberale Mrserftoat ia Vndapeft. Für die bevorftchenden GemeinderatNoahlen in Budapest, dessen Gemeindevertvaltung bis zu der vor einige-n Monaten «vfdlgten Ernennung eines RegierungAommissärS von dem unter der Führung Karl WolfsS stehenden extremen Flügel der Rassenschützler stand, halben sich di« fünf Führer der lib eralen bürgerikichen Fraktionen zu einer Einheitsfront zusamckonigeiMosssn. Die Abgeordneten Stephan B a r e z y, Franz Heinrich (der der Ernheitspart-ei der Regierung angehört), Karl Rassah (der awläßlich des jüngsten Hin-uSwuvfeS der oppositionellen Abgeordneton aus dem Parlament eine sonderbar« Haltung emn-ahm), der Mische Abgeordnet« Paul Saubor (der sich gar keiner Partei anschloß) und Gabriel Agron (der stets nach einem Ministersitz schielt) erliieße« einen gemeinsamen Aufruf zur Schaffunig einer Einheitsfront gegen die Rassenschützler. Laut diesem Ru-frus wird dies« Bereinigung angestrebt, „um den zerrütteten gchellschaiftlichen und religiösen Frieden wieder herzustellen und Bndiapest seiner nationalen Senduing wiederzug-üben". Wie man sieht, tut die demokratische Partei unter Führung Wilhelm V a z s o n y i 8 in dieser Büvgerfront nicht mit, weil sie zu bie-sen liberal schillernden Politikern im Drenste Be-thlens kein Vertrauen hat und unsingestandenermaßen auch deshalb nicht, weil der dieser Konstellation der ehrgeizige Vazsonyi nicht jene führende Rolle spiele» kömt«, die Hm dar wichtigste ist. Re gusammukunst Sr. Ne«esch>V Die «ngMnbigte Husammenku-nst zwischen den beide» Autzemn-inPen» Dr. Bsn e-sch innd Dr. Mo sasa hat So-n ntag stattgefunde-n. Aus der eineinhalb>stün-dlgen genwinsanren Reise bis Gl-oggnitz wurd-e eine Reihe die be-iden Staaten bevülhrender, 'politischer Angelegenheiten eingehe-n-d «vörte-rt. Die Unl-erredung yevlief ebenso angeregt wie -herzlich. Di« beiden MinHey schieden V>M einander i» der sicheren UeberzeuMNg, baß die ausgezeich-nate» 'Beziehungen, wslche die beiden Staaten -bisher Vevbi^nden haben, n n v e x ’ n d e r t o n b a lt -c r m.

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