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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-07 · Heft 2084 (7.12.1924) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2084 (7.12.1924)
Date
1924-12-07
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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■» ■ ■ «YTR 19 «not, Dvmnag Mener Morgenzettung. 7. Dezember 1924 Nr. 2084. die letzte religiöse Bewegung, die der Weiften ergebt«. Ein aus dem Osten gekommenes Voll wird nA einem auf fremden Boden, von den Schauern rvliglöser Verzückung ergriffen, aus dem Aot eines elenden Lebens emporgevissen zu den Hi-nMe-ln höchster Wstose und schasst aus sich heraus, aus dom uralt Ererbten, stz« neue LeberrSetnstellung, die die Ekfftafis mr täglichen Leben znm Fundament seines Seins macht. Die gr-oßer: Eingeweihten -der Vergangenhevt scheinen auserstanden »u sein: dom führerlosen Volk erwägen Führer, nicht Führer der Aiacht, sondern Führer des Wortes und der Herren, kraft eines Charismas, einer unendlichen Gnade. Nie seit den großen Zeiten des Irtzdentlums griffen Rufer und Warner so tief amswüblend in di« Seele des Volles ein wie diese Zaddiki-m des Chassidismus und aus ihrem Sein blühte in der Legende, die das Voll mn sie wo), immer neu die Wirkung ihres Wortes und ihrer Tat aus. Rum K die große Bowsgnng erstarrt, versandet,, ihre Führer sind kleiner geavorden, aber die Legende geht im Voll weiter von Mund zu Mund, und was sie berichtet, ist univdffch gwß gedlieben. Martin Buber, der in immer neuen Publikationen diese Legenden dom deutschen Loser nahezubrmgen weiß, vollendet mit diesem neuen'Buch die sich gesetzte Ausaabe. Gr weiß «8, daß die lebendig. erzählte Anekdote einen Menschen und sein Werk farbiger darstellt,'dem.Herzen näher bringt als die gÄehvte Abhandlung:'Bubet hat hier zehnteilige Biographien,. Monographien des chassMchen Geistes geschaffen die in ihrer präzisen Knappheit, ergreifender und überzeugender als das Er-!übn^ der Tat wirken. Die Sprache Buibers ist edel und — trotz einigen Unverantwortlichen, denen die primitiven Begriffe nicht nm der deutschen Sprache, sondern auch der Bescheidenheit schien — meisterhaft. , Hoefilich. Bühne und Kunst. „Ler Herr keiner Herzens." Theater in der Josesstadt. Ern Weib, zwei Männer. Wie wird des Autors Witz (oder seine technische Gerissenheit) die drei Figuren bewege»? Fügen sie sich in.ein bewußtes oder verlogenes Dreieck? Reitet die zwei Männer der Werbsteuftl und geht einer von beiden (es ist ein Schauspiel) beim Kamps um die Geliebte kaput? Wählt sie einen und ist just dieser (es ist ein Pariser Stück), der Betrogene? Wird im dritten Akt einer von beiden ms Herz getroffen fein und räumt er (es sind hochkultivierte Menschen) dem andern m:i elegantem Lächeln das Fells? ' . . Nein. Der Autor, Paul Rahnal, ist ein Dichter/Er kombiniert nicht. Er gestaltet, was ihm aufgetragen ist. Auf-getragen ist ihm, das Lied des edelsün Gefühls zu singen, unserer. Jugend nur wehr aus' Jndiamrbücheln besannt, in dieser hochzivilisierten, entseelten Welt seltener geworden, als Diamanten von der Größe und dem Schliff des Kohinoor: Freundschaft. Man muß nicht hiuz-usügcn, daß es Mänuerfreundschaft ist-, denn Frauen haben das' Glück, die Kraft, -die Reinheit dieses Gefühls niemals genosien. Henri und Simon sind einander nicht „sympathisch", sie bindet nicht „Geistesgememschaft" oder das Gegenspiel: „ergänzende Wesensverschiedenheit", sie verstehen nicht, „gut miteinander auszukommen" oder wie sonst die auch . Heute noch möglichen lockewn Beziehungen in der Gesellschaft heißen mögen. Diese beiden grundverschiedenen jungen Leute — der eure schwärmerische Werther-Natur, der andere selbstherrlicher Geist — umschlingt wahrhaftig Freundschaft. Das Weib sieht neidvoll /diese Beziehung, glaubt nicht an sie und tritt, vom weWchen Siegeswillen gelockt, zwischen die beiden. Werthers Schwarm schmeichelt ihr, die kraftvolle Ruhe des andern entflammt sie. Henri weiß, baß Aline für Simon alles ist und die Fürsorge für Simms Schicksal ist stärker als die Liebe- Werbung Alinas. Es ist ihm wirklich kein Opfer, diese heiße Werbung .einer Begehrenswerten auszuschlagen fi.? Simon zurückzuführeNi , Wirklich nicht? Mine (besser: das Weib) lauert klug und überlegen und zur großen Passion gereift, ob Henri tatsächlich noch ,Herr seines Herzens" ist. Ein Wort Henris, beim Abschied mit bebenden Lippen gesprochen — sie jubelt auf, stößt Simon zurück und stürzt in Henris Arme. Simon wählt Werthers Schicksal. Henri neigt sich über den Sterbenden und schreit ihm ver^weiftft rn: bgb' dich nicht verraten!" q- Aufgetragen ist dem Dichter diese Schöpfung. Ein ft.uer, Verantwortungsvoll gesetzter Dialog geleitet über eine Episode, in der das Leid gütig geduldeter aber unerwiderter Liebe ergreifend gespiegelt ‘ ift. zum Höhe-' Punkt, dem zweiten Akt, der aus einem einzigen, überaus subtilen und doch dramati'ch wirksamen Zwiegespräch besteht, und von hier zur Entscheidung des Schlußaktes, herbeigefühn durch den sieghaften 5V n ft i mk t des Weibes. . Stephan H o ck. der das Werk mit zartester Behutsamkeit inszenierte, beeinträchtigte durch eine Fehlbesetzung seine Wirkung. Hans Thimig war neben dem (meisterhaften) Hermann Thimig nicht gleichalteriger Freund, sondern tatsächlich jüngerer, in der Kunstübung sogar well jüngerer Bruder. Er machte aus demleidenschaftlichen Liebhaber eine Art Jammerpepi und nahm mitunter der Dichtung ihren Sinn. (Keine Nolle für Viesen humorvollen, hoch He» gabten, blutjungen Naturburschen!) Frau Christians, ganz herrlich in der Rolle des Weibes, bog sich unter der Kraft des starken, ruhigen Mannes, um aufzu schnellen, so-, bald der niederha-ltende Männeravm versagte, wie die hurtigste, köstlichste Damaszen erklinge. Irr einer Episode Fräulein Lore Wagner von bezwingender-Traurigkeit. Otto Abel es. Modem«-Theater. Zwei ungarische Stücke. Das einaktige Lustspiel „Kaiser' und König" stammt von Bela S z e n e s, einem guter: Feuilleto-nisten* und will auch nicht mehr sein als ein Feuilleton, ein dialogisiertes Entrefilet — ein harmloser Beitrag für irgendeine Weihnachtsnumm-er. Aber der Beweisdaß die Gatten, die starken wie die schwachen/ von'ihren Frauen übertölpelt werden, gefiel in der Darstellung durch - die Damen Else F r ö b e l nnd Carla Gerldie Herren Emil Ritta und Jens Friedrich. „Der Saphirring" des Ladislaus Latatos nennt sich mit Recht ein Spiel. Ein Spiel War nur ernste Dinge, aber immer nur ein Spiel. Der Titel ist symbolisch, auch symbolisch und darum ist es nickst.schwer, Tiefe vorzutäuschen, wo das Spiel der Herzen in Banalität n-mzubjegen droht. Der Schlußakt rollt alle/Möglichkeiten der Liebe, der Eifersucht, des Dreiecks ans, bezishuugsweise ’ schlägt die, Akkorde dazu au, gespickt mit feinen Pointen u>nd ausgezeichnet durch einen Dialog, der,jene Möglich- . feiten jeden Augenblick wahr nuis falsch macht. Herr Balberg rettete den Gatten durch Eleganz und, Kultur vor der Gefahr der Lächerlichkeit. Paula Si,lten blitzte nnd blankte in Routine iwt'b kostbaren Kleidern.'Herr Rhoden schloß amüsant das Dreieck. Man unterhielt sich vortrefflich, im Mahn befangen, Pariser Duft einznatn"'". wenn er auch vom Bndapester Donarkat stammte. o. r. Aus den Theater B u r g t h e a t e r. Morgen Montag, 3 Uhr nachmittags, „Der Zerissenc". 7 Uhr abends „Komödie der Verführung. Dienstag den 9. d. „W allen st eins £bb<; Opernthe.ater. In der heutigen Vorstellung „Die Afrikanerin" singt Frau O l s z e w s k a /die Titelrolle. Kammersänger Slezak rst von seinem Urlaub zurnckgekehrt und tritt am Donnerstag den 11. d. zum. ersten Male wieder als Neazar in der „Jüdin" auf. Akademietheater. Morgen Montag, 3 Uhr nachmittags, „Der Raub der Sabinerinnen. lIS Uhr abends „Die Frau Rat. Dienstag den 9. d. „Mama Nicole". - - - - - - , ’ ' in Braun und Schwarz — auch Halbschuhe - in allen Grössen und Weiten lagernd. Der Weltruf Dr. Lahmann’s gewährleistet den grössten Alleinige Fabrikanten: Eduard Linsei ScItuhfabFilt S.-8.. Erfurt auf dem Gebiete der GesundheitsseHuhe So wird Ihr Fass heim Tragen der spitzen I von Or. LahltianrTS Modeschuhe I Gesundheitsschuhen. Versuchen _ auch Sie die weltberühmten Dr. Lahmann’s Gesundheitsschuhe und Ihre Füsse werden wieder ihre/ natürliche Form lind Elastizität zuriiekgewinuen. 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