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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-07 · Heft 2084 (7.12.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2084 (7.12.1924)
Date
1924-12-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Ml 2U84 Men, Dvnnwg rvienev ^»ivenzestuiift. 7. Dezember 19°4 Gelte 5 P WßlNBmCER X. Favorltenstrasse 98 u. 130 V. Schönbrunnerstr. 105 XX. Wallensteinstrasse 16 XXI. Hauptsirasse 44 Tau'ender LS« 499 4^y 930 1£50 « TiscMeppkhe Zu rau o-Smyrna. 2 3 ...... .K Ia Inland-Smyrna, 2/3, sch werft, mit Fransen . . ....... K Ia ©oucN, boppeifeittg, zirka 2 3 K Schwere Belonrsteppiche, 2 3 . . K Echte Schafwoll-Belours, 2 3. . K Maffersdorfer Läufer* 67 breit, Tapestry art, 6—7farbig .K 21 90 breit, TaLestryart, 5-7 farbig .1 57 *90 breit, sehWschwer, vielfarbig. .1 56 *90 breit, außerordentliche Qualität k 6 4 *90 breit, hochfein . . . . . . . . . K 74 *67 breit, Velours, fchwerft. . . . . K 128 *90 breit, Velours, fchwerft. . > . . K 195 Korkllnoleu Grans oder Hnarmann? Ler dritte Berdandlunnr^ag gegen die MaffrnmSrder. Vas Budget der Gemeinde Wien. Breitner weist ein Defizit von einer Billion ans. Das Gememde-budget für das Jahr 1925 liegt nun vor und zeigt einen G e b a r « n g s a b g a n g von nahezu einer Billion Kron-en i&et etrwm Gesamterforderni's von über 4 Billionen. Der Rechnungsabschluß für das -Jahr 1923 hat Zeinen fast ebenso großen Ueberschuß aufzuweissn; gerade dieser Umstand zeigt, daß das ganze Bilanzieren und Budgetieren des Herrn Stradtxates Breitner ein Spiel mit.Ziffern ist. Von den Oppositionsparteien wurde Mit Recht hervorgehoben, daß der Gebaru-nasLberfchuß nur durch die lieber st euer-ung der.BevAkenvng zustande gekommen ist. Auch der städtische Finanzmiyister bat dies endlich eingesehvn und sich zu «wenn auch ganz un-bedeutenden Steuerer Mäßigungen Herbeigelasien. In dem vorliegenden Budget ist eine neuerliche Steuerer- Höhung (mit Ausnahme der Hundesteuer) n i cht vorgesehen. Aber auch der mit so großem Applomb verLimdete Gebavungsüberschuß ist nur ein fingierter, -denn die in -dem -vorigen Budget ausgewiesenen,J n v e st i t ionsarbeiten wurden nur teilweise oder überhaupt nicht durchgef-ührt, so daß der dafür Präsimimerte Betrag natürlich als Ueberschuß ausschemen muß. So wurden zum Beispiel für die Elektrifizierung der Stadtbahn 185 Milliarden eingestellt. Tatsächlich hak sich aber die Uebergabe verzögert, so daß nur 84 Milliarden ausgegeben wurden. 101 Milliarden Ueberschuß. Ae-HMch verhält es sich mit den W o h n ba u t en. Jetzt kommt ans einmal Herr Breitner mit einem Abgang von einer Billion für das kommende Jahr und begründet ihn mit dem Au 'ssall v on Zus chüssen des Bundes nach der neuen Abaabenteilungsnovell-e s-wie mit dem Verzicht von Zufchlagsrechtsn auf die Erwerb s-- und G e t r änkesteuer. Ebenso wurden alle PersonalKuschüsie. des Bundes an die Gemeinde eingestellt. Im Laufe des Jahres hat sich Stadtrat Breitner Hunderte von Milliarden Zuschußkredite bewilligen lassen ynd wird da s im kommenden Jabr selb stv erstände ch auch tun. Mit ton vorliegenden Budgetziffern ist also nicht viel anzufangen. Das Billionendefizit kann nicht durch neue Steuern gedeckt werden, weil eben keine mehr aus der wirtschaftlich und durch Ueberstemrung hart miGenommenen Wiener Bevölkerung zu holen sind. Daher s-'ll das Defizit durch 402 M'lliarden neu aufzuuehmender Bankkredite und der Rest aus den vnrbondenen Kassenbeständen gedeckt werden. BemenkenÄvert an den präliminierten Einnahmen ist, daß sie durchwegs höher veranschlagt sind als im Vorjahr. Die. größte Ein nahm kanelle der Kommune, die .Fürsorgeabgabe, soll 600 Milliarden bringen gegen 450 Milliarden im Vorjahr. Der Ertrag der Wohn baustener ist mit 3 2 6 Milliarde n geaen 100. Milliarden im Vorjahre im Budget eingesetzt. Trotz der Theatevkrjse, die.einen Betrieb nach dem. andern, zugrunde richtet, .soll die 8 u st b a r k e r t s a b g a >b e. 120 Milliarden, also 50 Milliarden mehr als im Vorjahre tragen. Ebenso verhält es. sich mit der N a h r u n g s- und Genüßmi ftela bgab e. deren '(SH"«.", mit 1^0 Mil- Hannover, 6. Dezember. Nach der Sensation des gestrigen Verhaudlungstages in dem Monsterprozeß g'gen Haarnrann, der Mordauschubdiguug gegen Grans und der V e r h a f t u n g des Händlers W i t k o w s k i, welcher übrigens ebenso wie Graus bestreitet, -die Mordtat, deren ihn Haarmann beschuldigt, -begangen zu haben, beginnt die heutige Verhandlnyg mit der Erörterung des dreizehnten zur Anklage gestellten Mordfalles, der Ermor- 'dumg des 17jährigen ZimmermanngehUfcn Hannapel. Haarmann, der beim Eintritt in den Gerichtssaal liebenswürdig lächelt und den Ger'ch^shof und die Verteidigung sehr h e r z l ich b eg r üßt, schildert, wie er die Bekanntschaft Hannapels gemacht hat. Grans habe ihn aus den Bahnhof auf einen hübschen Burschen aufinerksam ge-machr, dessen '; schöne Sporthose feine Begehrlichkeit reizte, und mit ihm ein Gespräch an-. geknüpft. Er, Haarmann, sei von Grans veranlaßt Wordem den Hannapel in seine Wohnung zu nehmen und dort zu ermorden. Die Schilderung Haarmauns wird von Graus bestritten; er will den Hannapel überhaupt nicht kennen. Es wird ftstgestellt, daß diese Angaben ta’-S mit seinen Aussagen in. der Voruntersuchung nicht ganz übereinstimmen, weshalb der Untetsuchungsrechter als Zeuge geladen wird. . - E Im vierzchuten Falle, dem des Arbeiters Adolf.He n- - nie s; .AeM-Haavtyaim ibei feiner gestrigen BHanptuug, - wonach' er Hennies nicht' umgebracht habe. Grans und Witbowski seien mit' Hennies in sein'(Haävmanns) 'Zimmer . gekommen und er (Haanmann)'sei dann fortgeaanaen, weil er glaubte, es handle sich um -einen Homofernellen Verkehr. Als Haarmam zuvückgekommen sei. wäre d'e Leiche ht seinem Zimmer gelegen u-''d die beiden anderen hätten, lächelnd gemeint: „Das sind wir nicht gewesen, -das H! st du g e w e s e n." Haarmann meint, daß, hätte er Hennies umgebracht,^ dan-n hätte er Wohl, den . Biß in der Kehle gehabt. Er wies aber keine Verletzung aus. Ich haoe aber ixmn die Leiche be seitigt. Es ist möglich, daß Grans und Witkowski den Hennies vergifteten. Sie haben ihm wahrscheinlich Gift in den Kognak geschüttet. Graus und Witkowski haben auf dem Bahnhof immer mit Morphium gehandel < Als Grans leugnet, von dem Morde etwas zu wisien, ruft Haanmann ans: ,^Jch wollte gern alle! n sterben und alles auf mich nehmen, aber der Grans Hai mich so furchtbar geärgert. Die Oesfentlichkeit scll wisien, daß ich nicht so schlecht biri. ' : : Bezüglich des Schlossers Spieker gibt Haarinann an, daß auch dieser eines seiner O p s? t \ * t.. Grans will auch diesen nicht gekannt und nur einia-e Sachen von -chm gekauft haben. Haarwan-n gibt auch di« Tötung des 22jährigen Arbeiters.Heinrich Koch zu. Ten 19jährigen Arbeiter Willi S e n g e r, den er schon jahrelang ge-kanat habe,- haibe er n i ch t g e t ö t e t. Er sei nur in seiner W'h- Mvng gewesen. Er ha'be mit rbm nicht poufs-iert. Wenn er dies getan hatte, würde ihn Senger ebenso wie Grans ansgenützt haben. Der Verteidiger'weist darauf hin,. es sei nicht f e st g e st e l l t. daß Senger nicht noch am Leben sei. Haavmann glaubt sich zu erinnern, daß Senger nach Hamburg wollte. Di-e folgenden sechs Morde gibt Haavmann ohne weiters zu. als aber der Mord an einem zehnern halbjährigen Schüler zur Sprache kommt, winkt Haarmann g'eich von Vovn-eherein läckelnd mit den Wor ab: „Nee, nee, den Jungen habe ich nicht umgebracht. So klein sind sie nicht gewesen?' Vor s.: Wie groß waren denn die Jüngsten?' Haar mann: Wie 15- oder ISjährig auöschend. Gerade <n»f den Körperbau legte i ch ia großen Wert. Es wurden -dann noch zwei'weitere Fälle ermähnt, bei dmen..Haar-1'nann ohne weiteres die Mordtat zugibt. Schließlich kommt noch der Fall eines Reisenden aus Düsseldorf zur Sprache. Haarmann behauptet, zu diesem Mord von Gran's angestiftet -worden zu sein. Der Re> sende sei fünf bis sechs Tage in der Wvhnnng Haarmcinns ge-, wesen und gleich am ersten Morgen sei Grans gekommen und habe ihn zum Mord gedrängt, weil er durchaus den guten Anzug von dem Reisenden haben wellte. Am sechsten.Morgen N'ar der Reisende toi. Schon um 9 Uhr kam Grans, der sonst lange schlief. Ich war gerade beim Zerstückeln der 8e:ch-. Grans fwte: ist der Anzug?" und er nahm sich dann auch gleich die Sachen. Ich weinte, aber Grans tröstete mich: „Fritz, reg'' dich nicht aus, man muß über Leichen gehe n." Grans gibt seinerseits eine Schilderung o-isses Falles. Er glaubt, daß der Reisende 14 Tage lang bei Haarman-n gebsieben ist. bestreitet jede A"ftisi-ung zu d'"sem Mord und stellt a-uck» die sonstigen Behauptungen Haar-, manns als unrichtig hin. Haarmann erklärt: „Wenn ich alle Le ute uwgebracht hätte, die G r a n s in i r z u g e f ü h r i hat und deren Tod ex wünschte, dann wären Hunderte n m g e k o m m e n. (Große Bewegung im Saal.) Hierauf begann die Vernehmung -ex Sachverständigen. Movl-zinalrat Dr. Schack Witz erk'ärte, das untersu-chte Fleisch s>ei einwandfrei als nicht von Menschen stammend feftgestellt worden Medizma-lrat Dr. Branit erläutert-e der Untersuchung der in der Leine gefundenen 200 Kno- . chen, unter denen auffallenderweift 2 2 rechtsseitige Schenkelknochen gewesen seien. Im w-esLutlsihen ' stammen diese Knochen von I u a e n d l i ch e n. Sämtliche anfge-sundenen Becken- und Oberschenkelknochen seien von männlichen Personen. ( Medizinalrat Dr. Schack Witz macht Weiers Angaben üb.r die fünf a>n verschiedenen Stellen in der Leine gefundenen Schädel., Haavmann erklärt, er habe die Schädel aller Getöteten kleingeschlagen und die Splitter in die Leine geworfen. Es wird festge» stellt, daß solche Splitter nicht gefunden worden se en. sind Dr. HOFFBAUERS ENTFETTUNGSTABLETTEN von bester Wirkung, angenehmem Geschmack, vollständig unschädlich. Die Tabletten stellen eine schlanke, graziöse Figur her, ohne Diätzwang öder Aenderung der Lebensweise, orompte Gewichtsabnahmen. Keine Schilddrüse! nepot! Kein Abführmittel! Apotheke HUGO BAYER, Wien, I. Wollselle 13/12 liarden festgesetzt ist,'was genau dem Doppelten des Vorjahres entspricht. - : Im Ausgabenpraliminare ist" berv-wzuheben, daß d'w Mmeinde -für den Bau von 10.000 Wohnungen im Jahre 1925 9 0 0 M i l l i a r d e n eingestellt ^hat. Merkwürdig istdaß die, -mit so großer Reklame in £ß«>n« gesetzte Woh'nung'sb-->utätigkeit -der Gemeinde bisher noch keine nennenswerte Erleichterung derallgemeinen Wohnungsnot gebracht hat. Bon kleineren Ausgaben sind 34 Milliarden für die Ausgestaltung der neuen K e h r i ch t a b f n h r und 29 Milliarden als zweite Rate für den Umbau der B r i g i t t a b r -ü ck e hervorzuheben. Für W o h l f a h?- t sz w ecke hat die Gemeinde 6 61 M i l l i a r d e n ins Budget eingestellt. . ■ ■ ' Sberrabbiner <tr. Wales in Amerika. Wie bereits berichtet, Hai sich Dberrabbiner Doktor Chajes zu mehrwöchigem Aufenthalte nach Amerika begaben. Dr. Chajes, der seine Ueberfahrt auf dem „Leviathan" machte, ist, wie sein uns aus Ne>w-Ä)ork übermitteltes Telegramm besagt, wohlbehalten in Rew-3)ork angekommen. (Der „Leviathan" hatte bekauntl'ch eine sehr stürmische Ueberfahrt undtraf mit 24stünd'ger Verspätung in New^V"rk ei" gra» Laurer über die Wische Wh. Jean Jcmr.'s, dessen Leiche dieser Tage in feierlicher Weise ins Pantheon überführt wurde, nahm em.nol an einer Dersamm-l-ung teil, in welcher -der Re,er?m über den Ursprung der französischen Knlinr sprach. Die Gvnndddee des Referats war, daß bk Franzosen die Erben and Fortpfla-nzer der Helle nischen Kultur seien. Jcrures trat diels-er Auffassung mit sol-gendeit Sorten er geigen: Di-e hellenische Kultur ist nicht das'einzige und ausschließliche Urfpr-imgsel-sment der französi-. fch-en Kultur. Diese labt vielmehr auch in wirkungsvoll«^ Maße von der orientalischen Tradition. Wir wären heute kulturell viel ärmer, wäre das frainzösifche öffentliche Gewissen nicht die Forteu-l..oickbung des Gewissens jener großen Juden, weichte die Gerechtigkeit wicht bloß als Harmonie der Schönheit Mffaßten, sondem sie mit der ganzen Leidensch und dem ^euer ihres Denkens und Fi'chleus' fortentww.>' n und au, das Volk ü>b:rlvngen^ Sie riesen Gott gegen die Brutalität der rohen Kraft an und waren die ersten, dfie eine Zei ankündigten, in welcher die Menschen mit der GerechtiMl in Frieden leben und Gott die Tränen aller Menschen trocknen werde, wie dies Jesaias sag' «(Ui(Uh *n,u)« (Br die ulr Untschen Luden. Der Londoner Verband zur Unterstützung der ukrainischen Inden Wa-wdte sich kürzlich an den Vizepräsidenten der jüdischen Genteinde in Kairo. Josef C a t t a n t Pascha, der -dem neue n äghptischen Kabinett als Finanzminister angehört, mit der Bitte, in Aegypten eine Hilfsaktion zugunsten, der notl-ciZdenden ukrainischen Ju-den in die Wege zu l-eiten. Cattani Pascha antlvortete in einem Telegoamm, in welchem er bedauert, gegenwärtig eine großzügige Aktion nicht einl-eiten zu können, weil die Mische Gemoi-nlde in Kairo und ihre Anstalten, besonders aber ihre Schulen, jetzt gleichfalls eine schwere finanzielle Krise durchznmachen haben, doch werde er, gerührt von den geschilderten Leiden der Brüder in der Ukraine, ein« große WohltätiBeitsveranstaitnug zugunsten des ukrainischen Hilfsfonds arrangieren.

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