Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2084 (7.12.1924)
- Date
- 1924-12-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2981167--21298-3008594- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
M—' < <.I' > v ,• ') .' 7 .r- ■■ V' wtt 4 Men. Sonntag Aus aller Wett. Pampulena, 6. Dezember. (Hnvas.) Die drei im <>»>.,...nwenhan» mit den Vorfällen in Bera zum Tod Bernrteitten sind heute vormittags h r n g e r t ch t e t worden. Der Vollzugsausschuß dtzr sozialistischen Partei hatte Schritte wegen Begnadigung der drei wegen der Ereignisse von Bera zum Tode Per-' urteilten unternommen. Der Bürgermeister, die Pressevereini- .untq und der Bischof von Pampeluna hatten sich mit der gleichen Bitte an de» König gewendet. Nach den letzten Meldungen wurden nur zwei in der Angelegenheit Hera zum- Tode BerllrtrUte hingerichtet. Der dritte, namens Martin Danchel, ftiirne.sich, als er zur Richtstätte gebracht werden sollte, oom Fenster her ah und blieb zerschmettert am Beden lieflen. . London, t> .^.e^ember. (Ävlff.) Der Vollzugsausschuß der brnlichen il'.eichsaussrellung in Wembley hot eine Sitzung abgehalten, in der emstinmirg beschlossen wurde, die Ausstellung i'.ächste? Jahr wieder zu eröffnen. San Inan lPortorico), 6. Dezember. Cvpriano Castro, der ehemalige Diktator von Venezuela, der durch sein gesetz. widriges Verhalten im Jahre 1908 eine Blockade Vene, znelas durch Deutschland, England und Italien hervorrief, ist in der Verbannung von San Juan de Portorico gestorben. Prag. 6. Dezember. Bor einigen Tagen wurde auf den cr! i ,r - Wjener S chn ellzug itr der Nähe des TuniNiS Muhlhausen-Krolup ein Attentat versucht, indem '.ivci mächtige Schwellen auf das Geleise gelegt wurden. Auf Grund der arc.esielltcu Untersuchung wurde ein Bauernsohn uns Mühlhausen verhaftet, der gestand, daß er den Zug. vtiu Entgleisen bringen wollte, um den Postwagen zu berauben. . Mahnungen und Bedenken der Generalkommifsörr. letzte AbonatAhevicht des. Generaäkom.Mt„urv Tr. Z i m m CTinon über die Zeit vom 15. Oktober bis 15. Novi'nrber besaht sich sehr ausführlich mit der letzten Regierungskrise,, deren Au^ga.ngsPuuLt bekanntlich der Ei.senrcchnevsttcik bildete. Dr. Zimnnerman will die tiefertiegenden Ursachen für die Krise in den Schwierigkeiten sllchen, welche die Regierung bei Lösung des Sarnerungs Problems vorauszusehen glaubte. Er erinnert an seinen im 22. Bericht ansgedrückten Zweifel, verschiedene Ausgaben den Bimdc sahnen anznlaften, die gewisse Bundesauegalben kourpensieren und damit ermöglichen sotten, das Budget innerhalb der letzten Genfer Beremd.n'lrngen 3u halten. Wenn nun neue, beträchtliche- Ansgaben. wie die durch das Abkommen zur Beendigung des Streiks verursirchten. hilMkommen, so werde die M ögl -i ch k e i t, den derzeit noch auf dem Papier stehenden Bndgctentwurf zu verwirklichen,, ft .einer noch rnehr bestritte n e n F r < Ser Bericht zählt woiters alle in der Berichts-Periode erflossenen Resovrnmaßmrhmen «rf. -und bemerkt Erhöhung der P er s o n e ntar i f e aus den Bahnen, daß die Goldparität der'Dorkriegstarife erreicht, ja selbst überschritten werde. Die Regierung bemühe sich,, durch Er--.- nräßigung gewisser Steuern einem werteren Äeigen des Index Einhailt zu tun. ,Diesem Gedankengang foGend, wäre es zweckmäßiger gewesen, womöglich die Erhöhung der Lasten der Bevölkerung auf anderen Gebieten zu vermeiden. In Zukunft'werden neuerlich: Anstrengungen notwendig sein, um mehr durch eine Politik der Mechanisierung. Der zumsche Roman des neuen Robel-Preis-Trägers. Wladislaw Rehmont erhielt für. feinen viepbän« bigen Ronmn „Die B v> u e r n" den Nobel-Preis. Ich weiß nicht, ob dieses Werk des polnischen Schriftstellers, das im Verlag Diederichs in deutscher Uehevsetzuug erschienen ist, den Leser, weicher nicht nach dem Original greifen kann, so packt wie der erste große Wurf, mit welchem Reymount ein paar Jahre vorher die literarisch Wellt überrascht hatte.' Sem Rormn ,$ d b 5, das gelobte Land" ist trotz der betonten polnischen Tendeng ein weit mehr europäisches Werk als „Die Bauern". Dies ist besonders hervorzuheben; denn das, ».ras in Lodz europäisch, was in Lodz Schwung rmd Klang der mcdernen technischer Entwicklung ist, das cht, wie -der Dichter, der Gestalter der indu-ttricllen Enr-wicklung des polnischen Manchester selbst anerkennt, jüdischer und dcutschr Geist geschaffen. Die Industriestadt Lodz hat rm Jaihre 1923 das ^nbi-launr ihres hundertjährigen Bestandes gefeiert; knapp drei Generationen ist es her, daß «die -bäurische H-rndweöerei dieses Fleckens zum modernen Industriebetrieb svrtentwickelt wurde, und in unglaublich kurzer-Zeit hat Lod; alle Stadien der industriellen Entwicklung vom .'l-ieinbetv'.eb und -der Handarbeit zum ungeheuren Großbetrieb durchlaufen. Solches Tempo der Industrialisierung, der „Mechanisierung" erfordert einen ungeheuren geistigen Anf'vand, seelische Hingabe an das Werk. Für den Dichter s'.ch.'r ein großer, dankbarer Vorwurf, wenn er imstande . ist, das Schöpferische eines solchen Prozesses und die Schönheit des daraus entstandenen Werkes zu gestabten. Denn heute sind wir schon so weit, daß sich hinter'dem Begriff „Mechanik des Ge.istes", den Malter Rachencm in einem wertvollen Buche sosiologi-sch analysiert hat, der vollkommenere, reinere Begriff „Der Geist dev Mechanik" erhebt. In der Schilderung, welche Reynwnt von dem industriellen Aufbau der polnischen Textilstadt entwirft, sind . Ansätze, wertvolle Ansätze zu einer dichterischen Konzeption in dem erwähwien Sinne dorhon^n; es. übevwregt aber m diesem im Stil. Ausbau und Leibendigkeih der . Schilderung ganz ausgeMchneiem Buch di« starke Hemmung, unter der sein Verfasser nicht imstande war, die schöpferische Schönt heit und Äras>t technischen Werkes zum großen Epos der Maschine zu gestatten. I, i Mlenev Morrkenzeitttna. Das höchste WeihnashtsglUck fiir gross und klein Ist der neue BAUKASTEN 65.000 Kronen WEIHNACHTS¬ WETTBEWERB I. Preis 100 Millionen bar II. Preis 25 Millionen bar III. Preis 10 Millionen bar und SftO weitere Preise für originelle und fleissige Arbeiten Die Interessanteste u. lohnendste 'tfelhnachtsunterhaltung Ausstellungen in den Warenhäusern Gerngross und der Oßc — Auskünfte Ingenius Oes. m. d. H., Wien, I. SchiHerplatz. 4 ■ .—J Die nächste Mummet bet „Wiener Morgenzeitung" erscheint Dienstag früh, zur gewöhnlichen Stunde. m Rehmont bleibt, trotz aller ^hervorragenden Kunst in der Medergabe der Dews-ls, bei der Schildermg jenes schöpferischen Geistes, welcher Ordnung in das graue Chaos der Weberistadt bringt, doch in den dem Romancier so naheliegenden Kontrasten zwischen Stadt und Land, Revotllutlpn der Maschine, und Tradition der Handranbeit, KultiiDpaftna der GrbtzeftfseNhoit und' Banausentum der -vom Strom der Entwicklung Angeschwemmten stecken. Das der epischen GestaWung wütigste und siir sie wesentlichste Moment' der kriltuirellen DisferenZierMg des Ausba>ues und Ueherganges an jenen Stätten, die durch glückliche Funde oder glückliche Erfindungen zu den Klandhkes der Mensch-' heit auf Ällen Gebieten wurden, mag' es sich min um die Gcl'dgräbevzentren, die neu aufgeschossenen Kohlen,m'inenstädte. die im brausenden Sch.vnnge der Maschinen erdröhnenden neuen Industric>metropolen oder — in gigantischer Zusanmienfassung. eines. ganzen Kontinents — um das unwaihrscheinilich unfaßbare neue Nordaineriö-v handeln, hat. Rehmouts.Roman .voist. jungen Lodz nicht wiedergegehen. Es ist eben der Dichter des rornantisierenden Epos von den Polnischen Bauern, welcher den Versuch gemacht hat, den Rhythmus einer neuen Zeit anszusa^ngen, ^dessen Gehörorgan aber nur aus ganz bestinnnte Töne in Schwingung gerät und gar manche wertvolle neue Melodie im großen, schöpferischen Hymnus der Welt als unangenehmes Geräusch empfindet. Daraus ist Mich zu erklären, daß diese unarrgenehMN Nebengeräusche, von denen -dem Dichter.die Entstehung des nerren Lodz begleitet wird, für ihn immer das Zeichen irgend wie mißgebi-ldc-ter fremder Instrumente tra-gen. Die I u d e n und die D e.u ts ch e n, welche, was nun einenal nicht wegz-uleugnen ist,, das neue Lody gvschassen haben, sind in Rchmouts Ronran voUviegend die Träger der uimngenehmen Mlstvüchse, welche die modern kapitalistische Entwicklung des pMifchen Manchester, ebenso wie die aller nengesäsasfencn Werke und Werte der Technik mit sich bringt. Daß diese Begleiterscheiml-ng für das Endresttttaih dem schöpferischer .melrschlicher Dille znstrebt, völlig nebensächlich sind, W der Dichter,, dem des große, seelisch Problem im geistigen Prozeß der technischen Menschh-eitsentroicklung eigentlich srench ist, übersehen. Deshalb hat der Ncynriontsche Roman trotz semenr künsterischen Werte doch an mehr Stetten als.es nötig wäre, einen, gewissen grü-Mch-tendiziöseu Beigeschmack. Hier ist die knnMerische Grenze dieses Werkes, welches an manchen 7. Dezember 1924 Nr. 2084 Spar samt e i t die zur Bedeckung muer Ansgickben not. wendigen Mittel zu finden' Fiir die Elektrisizierll-ng der BundeSbahuen -hat der Gestl-cra-ckonlimssär im-Oktober 78 Milliarden aus dem Völkerdlmdkredit sreigegeben. Er hofft,' nicht gezwungen zu sein, die gesamten Investitionskosteu aus der Anleihe decken W uriüssen. Der Bericht gibt schließlich eine Uvbevsicht über die Jn'dexbewegu'Ng .im Jahre 1924 und verweist aulf die Erhöhung der L e L e n Sh a ll t un g s ko st e n, von der Rückwirkungen auf die allgemeine W i r t s ch astslage. und auch aus.die Ausvechtevhaltuug der vom Bund und änderest, aniononten Körperschaften, vor allem von den Bundesbahnen, ausgestellten budgetären Zisfevnansätze zu % c sü r ch t c n seien. Wenn es «auch, richtig sei, daß ein Großhandelsindex von 20.766 . nur einem Te uerung skoe fsrzienten von 1,44 entspricht, so verfehle das n nunte rbr 0 che n e Austeig en d e r Kosten der Lebenshaltung dennoch Nicht, die R eg-ierungskreise mit Besorgnis zu erfüllen. Sie Forderungen der Phamazeuten. Wie die Amtliche Nachrichtenstelle mitteilt, hat die Kmn» miffton für die Festsetzung der Arzneitaxe sich in ihrer gestrigen Sitzung mit den Gehaltsforderungen der Pharmazeuten besaßt. Die Kommission hat die Berechtigung einer Ausbesserung der Bezüge für die divirstAteren Pharmazeuten anerkannt, dagegen die Anbringung der Mittel für diese NHesserung durch Erhöhung der Arzneitaxe, nrag diese nun durch die Echöhung des Zuschlages zu den Materialpreisen oder durch Erhöhung des MilltiplikatorL für die Einheitssätze der Taxe für die Rezeptuvarbeiten erfolgen, wodurch die Verkaufspreise für Arzneimittel ein« Erhöhung erfahren würden, unter den gegenwärtigen BechAtnissen als ganz untunlich bezeichnet. Die Regierung wird nach neuerlicher Anhörung - der Standesvertvetung der Apotheker und Pharmazeuten durch Abänderung der Verordnung betreffend das Bcholdnwgsschema ■ und den Umlagentarif der pharmazeutischen Gchaltsvasse eine Lösung der strittigen GchaltÄfrage herbei§uifühven trachten. SilbekdieistSHIe im Hanptmüuramt. Vor einigen Taget! wurde dem Hwuptmimzamt S.iibevmatevial zur Emlofung. nbevgeben, das .sofort als „Zains" erkannt wurden-, die im Hauptmünzamt zur Er-. AöU'Armg von Silber münzen geschmolzen werden; sonach war es offenbar, daß dieses Silber dem Hanptmünzcmrt entwendet worden, war.. lieber diesen Vorfall nmrde dem SicherheitKburocm der PMFoMrekdwn die Anzeige erstattet. Die hieraus von diesem angestellten Nachsorschimgen führten zur Aufdeckung von Silberdiebstählen im tzauptmünzamt, die von z w e i >d 0 r t i g e n Arbeitern verübt worden sind. Ans dem Geständnis der beiden veHafteteu Arbeiter und dem im .Haüptnmnzamt geführten Untersuchungen geht hervor, daß die beideü BechÄstetep^ m mehreven Angriffen SMernratsvial ' im Werte von 60 MÄlionen Kronen sich ameigweten. Ein Teil des gestohlenen Silbers wulÄe zuswinide gebracht. Zur Deckung des restlichen Schadens hat sich einer der Käufer bereit erklärt, für den Betrag bis §u 50 Millionen Kronen anfzukommen. Das Hauptmünzamt erleidet somit keinen Schaden. Stellen Ansätze zeigt, die es zu eimem Evangelium der Technik hätte machen können, einem neuen Evangelmur, dessen die Menschheit vielleicht dringender bedarf «als der vielen alten. Dem! die Technik hat' Seele und wird nur seelenlos darum genannt, weil die Menschheit, ihre Vielen und ihre Wenigen, aus der stWsch-mechLnischen Seite der Technik zu leicht und zu geläufig Nutzen zöchen. Die Menschheit nruß erst ebenso wie.ihre Dichter die Religion der Arbeit ersiihllen lernen, ehe beide reif sind sie wiederMgeben. In eimr polnisch, n. literarischen Zeiitiung hat Rehmont den EMvurf eines nniter seiner Feder befindlichen Werkes mitgeteilt. Es ist eine Art Utopie. In der völlig mechanisierten und bis #u den letzten Grenzen Materialisierten Welt, in der jeder Mensch Rad am einer Maschine ist und "imnier die gleiche monotone Avbsitsbewegnng verrichtet, in der es keim Bücher gibt, die einzig von dem Begriff Produktion lbeherrscht wird, findet jeanawd ein Exemplar des Evangeliums. Er liest es und erstorbene Empfindungen beginnen. zu evlvachen. Ern zweiter liest es, ein dritter, ein vierter, ein Kna>be, ein Mädchen, eine Frau,- eine Mutter, und sie beginnen zu träumen; die Knaben von der Freiheit ^der Natur, die Mädchen vom Zauber der Liebe, die Mütter von den Kindern, welche die Staatsansöaklten ihnen weggenommen haben. Es kommt zu Unruhen. Der Anstifter wird gefaßt umd vor Gericht gestellt. Dieses schließt den Finder des Evangeliums aus. der Gemeinschaft-der Menschen au§. Der Entwurf dieser Dichtung ist im ersten Augenblick sehr anziehend. Er -hat nur einen Kardinalfehler, den Fehler, den alle Kardvnäbe und andere DogntMker» sMst wenn sie Kivchengeguer sind, seit Jathrtauisenden begehen: daß sie glaukben, der menschliche Maie- . rialismus könne irgendwie, und irgendwann ohne seelische ideologische Komponente' bestehen und frei wällten. Die Menschheit , wird immer ein Evangelium besitzen, die technisch voMornmenste wird ain ehesten imstande sein, das ethisch vollkommenste zu schaffen und zu erfassen. Dafür bürgt der Schöpfungswille der Menschheit. Er muß auch in der dichltevischen Gestaltung menschl-ichen mechamische-n Werkes zu spüren sein. Reymonts Roman vom neuen Lodz ist zu 'betont deMillievt, M sehr auf Scheidung zwischen fremd und eigen erpicht, um den großen schöpferischen-Atem spüren zu lassen, , der gerade in der Gestaltung solchen Stoffes zu finden sein müßte. S r e g f k r e d S ch m r tz.