Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2082 (5.12.1924)
- Date
- 1924-12-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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% Skr. MS Wen, Fvelkatz Menen MorgenMunü. 3. SspkeiMVer 19N Sette F Klglaud öffnet die Archive. (Eigendionst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 4. Dezember. Me Ihr Korvesponbeut an ^irrfornmrter Stelle evsahven hat, hat die enMche-Regierung den Entschluß gefaßt, aus dem amtlichen Staatsarchiv die auf die Vorgeschichte des Krieges bezüglichen Dokumente Au veröffentlichen. Es sollen jedoch die Mben nicht in ihrem vollen Wortlaut, sondern in einer von Hdstövikern vemrlbelleten Form in die OeffeMichke.it ge- Dieser Schritt der Regierung gilt als Antwort auf das Ähnliche Unternehmen der deutschen Regierung, die gleichfalls Dokumente Mer die dem Krieg vovangegangenen diplomatischen Vorgänge veröffentlicht hat. Infolge dieser BerosfeMichungen habe die Einstellung der Geschichte der letzten Jahrzehnte eine einseitige englandfeindliche Färbung erhalten. Diefm soll nun durch die Herausgabe der englischen Dokumente entgegenge-wirlt werden. Laut Information im Foreign Office sollen vorerst bloß die in Betracht kommenden Schriftstücke dis zmn Jahve 1678 herausgegoben werden. Gegenwärtig finden Zwischen dom Auswärtigen Amt und den R>eg>i>evun^on der Dominions wegen des. Zeitpunktes und des Umhmges der VerÄffeMchungen Verhandlungen statt. Aus aller Welt. London, 3. Dezember. (Havas.) Mac Donald ist zum Vorsitzenden, Glhnes zum stellvertretenden Vorsitzenden der Parlamentsfraktion der Avbeitspaviei gewählt worden. Rom, 4. Dezember. Im PallaiW Clhigai wurden honte die deutsch-italienischen Handetsvertra gsver- Handlungen mit einer Rode Mussolinis eröffnet. Morgen bagmnen die meritorischen VochaindlirMgen. Beuchen, 4. Dezember. (WM.) Gestern abends entgleiste bei der Einfahrt in den Bahnhof Klein-ReiiLorz der letzte Teil eines PersonLrMgcs. Ein Reisender wurde getötet, fünf Personen schwer, sechs leicht verletzt. Ludendorffs Putsch und die Wiener Regierung. Schweizer GAjd für den Novemberputsch. 9dach einer Mittoilmig «des Berliner Sozialdemokratischen Pvesfodienstes wurde der Hi tler - Puts ch von Geldgebern in der Schweiz unterstützt. Die Schweizer Be- Hörden hÄben deshalb bereits eine U-wtersnchung eingoloitet und eine hochgestellte militärische Persönlichkeit der,Schweiz soll in die Angelegenheit verwickelt sein. Hitler und Ludendorff verkehrten mit S ch w e i z e r General st absoffizieven und erhielten 'mehrere zehntausend Schweizer Franken. Der Münchner Putsch sei m Besprechung mit Schweizer Generalstabsvffizieren vorberei-töt Warden. Auch k i r ch l i ch e W ü rdenträger Wien ihre Hände im Spiele. Nach der Darstellung war auch das österreichische Bundesministerium sür Heerwesen von den Plänen BMndorffs unterrichtet. HieriKU teilt uns dis Minifterinm für Heerwesen mit, daß diese Nachricht, insoweit sie sich auf Oesterreich bezieht, unrichtig ist. Cs sei auch in diesem Zusammenhang daran erinnert, daß die österreichische Regierung sofort nach Eiwlangen der ersten Moldungen über den P u t s ch H i t l e r s eine rigorose Gvenzabstperrung anvvdnete. An der Korrektheit des Heeresministers, der übriges ein Christlich sozialer ist, wäre nicht zu Zweifeln. Ob nicht «aber hinter seinem Rücken Verabredungen gesche.hen, über die sMsüvevständlich kein M angelegt wurde, das ist nicht so ahne weiteres auZgw- Mießen. Es ist auch mögtzch, daß die dieslb^üglichen Besprechungen nicht durch das Heeresamt, sondern durch eme archere Zentralstelle liefen, die den HakerrkreuZlern nähersteht. Wir haben ja das Handelsministerium, das den Nati-onaLsozialisten als Anerlkenwung für ihre so östevvoichisch-patriotische Haltung das Gelbände des Eifew lbahnmimsteriums in der Elisäbethfbraße eingeräumt hat, und zu jener Zeit verwaltete der Großdeutsche Dr. Fwnk das Ministerium des Innern. Es ist schon eher anzw nehmen, daß ohne sein Wissen durch irgend einen dovt Beschäftigten InsormatiMen entgegengeuom'men und erwidert wurden. Eine Erklärung der Schweizer Regierung. Bern, 4. Dezember. (Tel.-Komp.) Zu der Angelegenheit der schweizerischen Offiziere, die angeblich amt deutschen Roakt-ionäven und insbesondere mit den Führern des Hitler-Putsches Beziehungen unterhalten haben, erfährt der Schweizer Pressetelegraph im Bundeshäuser Schon vor einigen Mom-ten waren dem Bundesvate Berichte zugegangen, wonach Hitler sich in der Schweiz aufgehalten und längere Zeit Lei einer bekannten Persönlichkeit, die ein Kommando in der schweizerischen Armee bekleidet, zu Gaste gewesen sein soll. Hitler sollte von dieser PevsöMchkeit M Unterstützung seines Unternehmens auch Geld in beträchtlicher Höhe erhalten haben. Ferner wurde behauptet, daß mit einer Abordnung aus Tirol Mer die Vorbereitung eines beLvaffnaten Aufstandes in Tirol verhandelt worden sei. Nach dem Befunde der Bundesanwaltschast kommt ein strafrechtlich verfMbarer Tatbestand nicht in Frage. Das MMtärdepartement hat den betreffenden Offizier vevnommen, der die Richtigkeit aller ihm zur Last gelegten Tatbestände b e st r i t t, und die Untersuchung, die der Offizier selbst gegen sich beantragte, ergab, daß feilte Darstellung m allen Teilen richtig und die in der Denimziation gegen ihn erhobenen Vorwürfe u n b e g r ü nd e t waren. PrSfident Ir. Beizmam komm nach Bien. Der Besuch Kr anfangs Jänner in Ausficht genommen. (Ciigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) kommen. Das Zionistische Landeskomiiee für Oesterreich trifft alle Bobbereitungen für die Zeit der Anwesenheit Weizmanns in Wien. Kongreß der rumänische« Sioniften. Bukarest, 4. Dezember. Am 19. d. wird hier der Kongreß der rumänischen Zionisten zUsammentreten. Als Repräsentant der Zionistischen Exekutive wird Herr Ncchwm S o k o l o w den Beratungen beiwohnen. Ende dieses Monats findet in Wiesbaden der D e l e-' giertentvg der reichsdeutschen Zionisten statt, an welchem dev Präsident der Zionitstischen' Ovgau-isabiiön, Dr. Gha,im Wetz mann, teilnimmt. Mitte Jänner wird eine Keren-Haj es so d- Tagung in der T s ch e ch o - S l o w a k e i abgehalten, 'bei welcher ebenfalls Weizmann seine Teilnahme zugesagt hat. Wie wir ersahen hat sich Weizmann bereit gefunden, nach dem deutschen Z i & n i st en t a g n a ch W i e n z u Mrverlffk8l»'W der Eltern kennt, wenn sie früh morgens auf brechen, da noch kalter Nebel u. hoher Schnee auf den Wifesen lagert, weiss, wie viel Erleichterung zur Ertragung der Strapazen der ständige Gebrauch von DIANA Franzbranntwein mit Menthol bietet. Von zarter Kindheit an muss der Körper widerstandsfähig gemacht, werden, und dies wird einzig und allein erzielt durch Diana-Franzbranntwein Ueberall erhältlich DKmtt-FrQnzbrannM^PMRM - des. WIEN, II. PRAG, VIII. ingertfistraBe 169 Lieben, ©rahobeljotra 1073 Lar diplomatische Korps beim Bundeslaurler. Bundeskanzler Dr. RaNrek empfing geistern vormittags die Mitglieder des diplomatischen Korps. Die Vorstellung der erschienenen Diplomaten besorgte Bundesmindster a. D. Dr. Grunberg e r. SbstruMou der Sorialdemottateu l« de« NurschMn. Die Regierung will unter allen Umständen gelegeMch der Novellierung der Arbeitslosenversicherung einen Abbau der UMwstütznngs'berechtigten erzielen und hat dämm vorgeschltagen, daß die jugendlichen Arbeitslosen bis 21 Jahre von dem Bezüge der außerordentlichen Noistandsunterftützung ausgeschlossen werden. Gestern ließ sie sich in «den Verhandlungen mit der Opposition -herbei, diese Grenze bis aus 19 Jahve heralbzusetzen. Die SoziMenrokraten wollen aber . keinerlei Aondemngen der Bezugsbsvechtigumg Mgestchw und beantworteten gestern das letzte Anbot der Mchrhertsparteien mit der Obstruktion in den Ausschüssen. Der I u st i z a u s s ch u ß, der vormittags tagte, konnte nu»r den Berichterstatter für das Gesetz über die Evstveckung des abgekürzten Bevfchrens in Strafsachen bestellen, der Rest der Sitzung wurde nrit einer fvnchtloisen Tagesvrdnungsdebatte ausgefüllt. Die GWaldsmokmten verlangten die Beratung ihrer Anträge über die E h e r e s o r m und die Abänderung des § 144 Str.-G., ^während der CihvisWichsvziale Reiner für die >balldig>e Behandlung seines Antrages auf Ab bau des Mietengesetzes erntvat. Der Ausschußvbmann Dr. W a i ß regte Wietzlich Pairteienverhandliungen Mer alle diese Anträge an. Nachmittags sollte der BudgetauSschuß die Beratung des Kapitels des Bundesvoranschlages fortsetzen. Abgeordneter Austerlitz nahm die'ganze Beratungszeit des Ausschusses mit einer Rede m Anfpvuch, iir der er unter anderem auf den Movdpvozeß P r u s ch a zu sprechen kam und meinte, es sei da die Möglichkeit eines s ch w er e n Just i z i r r t u m s nicht, ausgeschlossen. Erdbeben i« Agram. , Die Seismographen der Zentralanftalt für Meteorologie verzeichnten Mttwoch den 3. d. am 32 Uhr 35 Minuten 27, Sekunden ein starkes Beben mit einer Herdentsernnng von 350 Kilometer. Nun meldet die Grazer „Tagespost" vom 4. d.: Gestern abends um 10 Uhr 30 Minuten wurden in Agram nrchrere Erdstöße in der Richtung von Süden nach Norden verspürt. Nach zchn Minuten wiederholte sich das Beben. Ein Schaden wurde nicht verursacht. Aus Rann wird gemeldet: Gestern um halb 11 Uhr nachts war hier ein starker Erdstoß zu vevspilren. Bon einigen Häufern sielen die Dachziegel herunter. Haarmann Vor Gericht. Der erste Tag des Prozesses. Aus Hannover wird unterm 4. d. berichtet: Der Prozeß gegen den Massenmörder Haarmann und' seinen Helfershelfer Grans hat bei riesigem Andrang eiuheimlischen und fremden Publikums begonnen. Die Polizei, gegen welche die StÄnmung in der Bevölkerung in Haiurover wogen ihrer engsn und freundschaftlichen Verbindung mit Haarmann sehr erregt ist, hat u m f a s s e n d e Sicherheitsmaßnahmen getroffen; das Gerichtsgebäude ist in weitem Umfang ab gesperrt. Der kleine VechaMungssaal läßt nur wenige Zuhörer ein; darunter befinden sich viele Rechtsanwälte aus allen Teilen Denischlawüs. Siebzehn Pressevertreter sitzen im VerhaMungssaal, eine große Zahl von Korrespondenten wartet vor den Türen ans Berichte. Ein großer Teil des Soales wird von den Co r p o r a d elicti ausgesiillt, Kleidungsstücken, einem Totschläger, emem Gummiknüttel, der mit Draht umwickelt ist, einer Fleischmaschine und dem großen Schrank aus der Woihnung Haarmanns, der die „Totenkammrer" genannt wird; in diesen! Schrank brachte der Mörder die Leichen seiner Opfer unter. Die VechaMung begann mn 11 Uhr vormittags. Die ersten an ihn gestellten Fagen beantwortete Haarmann mit rulhiger Stimme. Hierauf begann die Verlesung der Anklageschrift, die zwei Tage in Anspruch nehmen wird. Die Anklage ist nur wegen der 27 Morde erhoben, deren Haarmann tatsächlich überwiesen ist, es wird betont, daß er einer Reihe weiterer Morde verdächtig ist, die jedoch mangels ausreichender Indizien nicht in die Anklage einbezagen siw). Die Anklage hebt hervor, daß bei Haarmann das sexuelle Ta-tmotiv vorherrscht, während bei seinem Mitschuldigen Grans als Motiv feiner Verbrechen Habsucht in Betracht kommt. Der Vorsitzende erklärt, ihm sei von der Verteidigung mitgeteilt worden, daß einige Zeugen ein Attentat auf den Angeklagten beabsichtigen. Er habe angeordnet, daß die Zeugen auf Waffen durchsucht würden. Die Zuhörer werden vom Vorsitzenden aufgesordert, sich Der Kundgebung zu enthalten. Im weiteren Verlaufe der AMagevevlesung stellte der Vorsitzende fest, daß HaavMMn im Jahre 1922 wegen seines 'Geisteszustandes für achtzig Prozent erwerbsunfähig erSlart worden war. Haavmann unterbrach den Vorsitzenden mit den Worten: „Ich bin niemals geisteskrank gewesen, ich habe nur kurze Zeit an Kopfschmerzen gelitten und das haben sich andere zunutze gemacht, um mich auszubenten." Vorsitzender: Meinen Sie Grans mit dem Ausbeuter? Haar mann: Ich will keinen hineinlegen. Graus ist zu j-ung. Sodann wurde das VechÄtnis Haarmanns zu seinem Vater besprochen, den er einnral wegen dessen andauernden Schikanen zur Rede stellte, worauf es zu einer Schlägerei kam, die Haanmann vier W o ch e n G e f ä n g n i s einbrachte. Bei dieser Schilderung geriet Haarmann ganz außer sich und rief schließlich aus: Ich will geköpft werden! Dann bin ich meine Qualen los. Im Jahre 1908 hat ^aarmann, wie er angkbt, zum ersten Male einen Homosexuellen kennen gelernt und den Verkchr mit ihm, trotz der Warnungen seiner Schwester, fortgesetzt. Auf die Frage des VorsitzMden, was er denn auf dom Bahnhof von Hannover tat, erzählte Haarmanu, er habe dort die Hamstererzüge abgewartet. Von allen Seiten feien junge Leute an ihn herangetveten, um bei chm Lebensmittel zu kaufen. Viele von diesen habe er mit in se ine Wohnung genomm en und sie dort gefüttert. Vorsitzender: Was haben Sie ihnen denn ZN essen gegeben? Haarmann lacht und zeigt auf den Vorsitzenden: Aha. jetzt saugt er schon au! Haarmann wies darauf den Veracht, mit Menschensleisch gehandelt zu halben, weit von sich. Eine solche Schweinerei mache rnan doch nicht. Er halbe den Leuten Kaninchenfleisch zu essen gegeben. Geschlechtlich verkehrt habe er nur mit jungen Leuten, die chm gefielen. Für die Zeit seiner näheren Befragung über die Art des sexuellen Vevkchres wird die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Haarmann will seine Opfer ohne Absicht im Rausch umgebrächt hctben. Vorsitzender: Erzählen Sie, wie Sic^ Grans kennm gelernt Huben? H a a r m a n n erzählt - den Vorgang, woraus eine B es ch r e i b u n g der Wohnung H a a r m a n u s in der Neuen Straße gegeben wird, in der Haarmann seine Untaten beging. rywwmwi -Tg