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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-04 · Heft 2081 (4.12.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2081 (4.12.1924)
Date
1924-12-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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m. 2081 WIM, DonneMäg Wiener MorgenzelruM sr l Allina verlangte, daß das Fntauzministerium i Über.alle, HZer.,w Betracht, kommendLn Fragen nicht ohne Anihovwnlg eines Beirat.es aus Jnteresseytenkreistn entscheiden! salbe. Im weiteren .Verlaufe svmer Red« -führte er über die hohen Honorare für Ausgleichsverw'Mer Klage. Man habe E gehört, -daß der Ausgleich sverwält er -der Lombard- und Eskoanptrlbank vi>n Honorar von 1,6 Milliarden bekommen habe. Bei der, Jnldustri'elbank soll der Ausgleichsverwalter nahezu eine Milliarde Dir? seine' Tätigkeit bezogen haben. Schließlich gab Wg Allina der Befürchtung Ausdruck, daß das vorliegende Gesetz die Avbeitslosigkeit im Bankgewerbe' noch weiter vermehren werde. - ' Nächste Sitzung morgen, dveivvertieb 11 Uhr vormittags. Re Zusammenkunft Benesch—Matasa. . An Vor Besprechung, zwischen dem tschecho-stcwMschen AnHmminister - Dr. Benesch und dem österreichischen Minister des Aeußern Dr. Matasa^ welche, wie berichtet, am 7. d. im Eisenbahnzug zwischen Wien und Gloggnitz stattfmdet, wird, wie uns mitgekeilt wird, guch der Wiener Gesandte der tschecho-stciivakischen RepMik Doktor Krofta teilnehmen. Bor einem 6tr?it der «iederWerreichischen Lehrerschaft? . - Die Landesregierung von Niedevästerveich hat die «einen Gehaltsfordernngon der Lehrer a b g e l e h n t und lediglich Vorschüsse in Aussicht gestellt. Daraufhin erklärte jgostevn Fachlchver-Mrkschy in einer Besprechung beim Landesha-uptmann in Vertretung aller Lehrevorganisationen, daß diese in der Auszahlung von. Vorschüssen keine Evfüllung der gemachten Zusagen sehe. Die Lehrerschaft könne sich nicht-Mehr länger Hinhalten -lassen und die Führer der Organisationen seien nicht mehr imstande, die Unzufriedenheit unter der Lehrerschaft e-inzuidämmen. Sie müßte« daher die Verantwortung für die kommenden Ereignisse auf die Landesregierung übe rwälzen. Landeshauptmann Dr. Bure sch sprach die Erwartung aus, daß es sich die Lehrerschaft Wohl noch überlegen werde, zu dem äußersten Mittel zu greifen, bevor die Frage der Bedeckung eine Klärung gefunden halbe. Aufhebung der Portofreiheit für dke Staatsbetriebe. Bon der Entrichtung der PostibeförderungsgsbAiren werden, wie eine Rogierungsvorlage bestimmt, die gestern dem Nationalrat unterbreitet wurde, ln Zukunft nur mehr befreit fein: die Dienststellen des Bundes, die Sendungen der Postsparkasse an ihre Einleger und Kontoinhaber und die Nationalbank. Diese Portofreiheit finibet auf die Bnndesbetrivbe und Bundesmonopole keine Anwendung. Jas vereinfachte Verfahren. Mehr Betrugssäll« als Di-bstaWsakte». Mit Jahresende' lauft die Geltungsdauer der Vorschriften über -das vereinfachte Verfahren in Verbrechens¬ und Vergehens fällen, das wegen der Häufung der Strassälle als Folge des Seelenauffchwnnges der Kriegszeit eingesuhvt werden mußte, ab. Bis vor kurzem handelte es sich m der weitaus größten Anzahl der Strassälle um Diebstähle. Dagegen sind im evsten HMjahr 1924 'Lei der Staatsanwaltschaft Wien mehr Anzeigen wegen Betruges als wegen Diebstahles eingehängt. Auch die Kridasälle haben stark Angenommen. Die Strassälle find noch immer häufiger als im Jahre 1918. Aus diesem Grunde hat die JustizverwaUung gestern -im Nationalrat eine Vorlage eingebracht, mit der die Geltungsdauer des vereinfachten Verfahrens um wettere zwei Jahre verlängert werden soll. Sie schlägt aber vor, den Uebevgang zur vollen Schüffengerichtsbarkeit in der Weise vorzubereiten, daß die Strafbefugnis des Einzelrichters im vereinfachten Verfahren auf Freiheitsstrafen eingeschränkt wird, die sechs Monate nicht übersteigen. Mir jugendliche Beschuldigt« will der Euitvnrf aber noch eine andere Ausnahme schassen. Die Strafbefugnis des I n g e n d r i ch t e r s soll im vereinfachten Verfahren auf Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren erhöht und aus alle Verbrechen und Vergehen ausgedehnt werden, deren Murteilung nicht den Geschwornen zukommt. Neue Wählerlisten kür Wien. Obgleich die Neuwahlen für «den Natiomalrat nach dem Gesetz erst im Jahve 1927 statizusinden halben, wird doch gemäß dem § 30 des Wahlgesetzes, der die Richtigstellung der Wählerlisten für den 1. Jänner jedes Jahres verlangt, am 1. Jan n c r des kommenden Jahres die Anlage eines n e u e n Wählerverzeichnisses für Wien durchgesührt werden. Es werden daherin - den Häusern Wähle ranl.ageb lütter verteilt werden, die mit dom 1. Jänner 1925 als Stichtag ansaefüllt und dann von amtlichen Organen überprüft werden. Die richtiggestellten Wählerlisten liegen dann am 1. Februar 1925 zur allgemeinon Einsicht auf. Tief gesunken. Englische Wahlzettel als Hakcnkreuzprvpaganda. Aus dem Anschlagekasten dos K u l t u ramtes der deutschen S t u d c n tenscha f t in der Universität, der hauptsächlich idazu dient, Zeitungsausschnitte von WenkrewMMÄM, Blättem. M MAÜMgen LakenkreMN vss höc h st e Weihnachtsgiiick für gross und klein ist der neue 65.000 Kronen WETTBEWERB I. Preis 100 Millionen bar II. Preis 25 Millionen bar III. Preis 10 Millionen bar und 110 weitere Preise für originelle und fleisslge Arbeiten — Die interessanteste und lohnendste Weihnachtsunterhaltung — Ausstellungen in den Warenhäusern Gerngross und der Göc — Auskünfte Ingenius Ges. m. b. H., Wien* I. Schillerplatz 4 und Zionssternen bemalt, anszustellen, findet man jetzt Wahlzottel von den jüngsten Wahlen in England i n e n gl i s ch e r Sprache, die von antisemitischen Angriffen strotzen. Auch Zeichnungen sind 'dort zu sehen, die veranschaulichen sollen, wie der jüdische Im-Per ial-i smus das ganze britische Weltreich beherrscht, und der Völkerbund. als jüdische Institution bekommt auch seinen . Hiob ab. Die blödsinnige Phrase: „Kann ein Japaner, der in England geboren ist, ein Engländer fern? Nein. Also kann auch ein Jude, der m England geboren ist, nicht die englischen Interessen vertreten", ist auch in England gebräuchlich. „Darum wählet den englischen nationalen Block!" Das und noch anderer Unsinn mehr in englischer Sprache und, darüber gut deutsch. „Auch in England dämmert es schon." Wo bleibt das „Gott strafe England?", das früher Las geistige Brot dieser Gesellschaft ivar? . Im übrigen anehven sich in der letzten Zeit die AnschlagsiWen mit dom Hakenkreuz. Es gibt schon Sänger, aber auch S t e -n o g r a p h e n, die es in ihrem Wappen Der Brimannr-Zeckert als kideshelfer der Hakenkreuzler. Ger in Kassel erscheinende „Jung-Deutsche" 'bringt die folgende schriftliche Aeußerung des Paters Josef D eckert, „Priesters der Diözese Wien". „Ein gläubiger Christ darf Antisemit sein, n i ch t s h i n dert i h n d a r a «,, nicht sein christlicher Glaube, nicht die Nächstenliebe, die das Christentum von ihm verlangt, im Gegenteil: Die Liebe zum Christentum rmd zu feiner Kirche, die Liebe zu seinem Volke, das vom talmudischen Judentum wird, verlangt gebieterisch von dem Katholiken, daß er sich jener Partei anschließe, die den Kamps gegen das übermächtige Judentum begonnen hat. Und der r katholische Priester? Darf er Antisemit sein? Ich antworte mit voller Üeberze-UWng: Ja, er kann es, er solI es sein und, wenn er es noch nicht ist, soll und m u ß e r e s werden," -!- 4. DSM0» MT Berliner Gericht verhandelt wurde, erregte es einiger^ nraßen Aussehen, daß von den Verteidigern des angeklagten Redakteurs Zweifelan der geistigen? ZiNvHnungssähigküit des Klägers Dr. Dinter erhoben würden. Die Herren Rechtsa-nwälte Dr. G r o n e m a n n und Dr. Klee wiesen damals aus gewisse Erscheinungen hin, wie den U-mstäud, daß Dinter sich von den Juden vergiftet, geglaubt ihabe und anderes. Jetzt sind auch in den völkischen Kreisen Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit Dinters entstanden. Der ,/Völkische Kurier" schreibt am 13. November von Ansbrüchen „offenkundigen Verfvlgnngswähnes". Er^ spricht davon, daß gewisse Behauptungen Dinters ei n e s o niedrige Anpöbelung davstellen, daß es g!enügt, aus sie hiuzuweisert, um diese ans Pathologische grenzende Kampfesweise zu kennzeichnm. Der „Völkische Kurier" weist u. a. aus die Bemerkung Dinters hin, daß Ludend-orsf von Leuten - umgeben sei, die von I esuiten, Juden und Freimauwern beauftrag seien, Hitler zu erledigen. Poehnev und Roth — los von Hitler. München, 3. Dezember. Der bisherige intime Freund Hitlers, der frühere Poligeiprästdeut von München Po eh ne r, .ist aus der doutschvöllischen Partei ausgetreten und 'hat sich der deutschnationäle Landtagssraktion angeschloffen. Auch die beiden deutschvölkischen Abgeordneten Buttmann und T r e u b e r beabsichtigen, ans der Partei auszutreten, desgleichen der srühere bayrische Justrzminister Roch. Die deutschnationale Fraktion hat die Wiederaufnahme R o t h s äbgelehnt. Roch ist jener Justizminister, der unter der Diktatur^ Kahrs aus Befehl Hitlers die barbarischen JudenausWeisungen und Vevmögenskonfiskationen durchführte. Poehner sollte beim Bierputsch Hitlers mit Ludendorsf und Kahr das neue Direktorium des Deutschen Reiches bilden. Er war Polizeipräsident von München und würde im Hilter-. Prozeß bedingt verurteilt. Josef Deckest war Pfarrer in Wenchaus im Wiener 18. Bezirk. Er war ein eifriger Kämpfer für den Ritualmovd und holte sich in dem Prozeß für seinen Schützling, 'den getauften Juden Paulus Meyer (Brinmnus), vor dem Wieiter Landesgericht eine furchtbare Blarnage. Zur Entlarvung dieses großen Schwindels hatte am meisten der verstorbene Dr. Josef Bloch beig'etragen. Seit damals war er still- bis an sein seliges Lebensende. Dinter in Ungnade. Als vor kurzem der Prozeß Dinter geg>ett ku; Redakteur der „Berliner Tageblattes", Birbauw, vyv dem Zer Prozeß Haarmann. Heute beginnt vor dem Schwurgericht in Hannover^ der Prozeß gegen den 45 Jahre Ären Harmoveraner „Kleiderlhäüdler" Haus Haarmauu und semen Freund, den mehrfach .vorbestraften Zuhälter Hans Grans. Hindenburgs Landsmann Haarmann, der trotz mchrsacher, den Bchördetr bekannter Vorstrafen wegen. Dielbstahls und Betruges, und trotz seiner abnormalen stMllen Veranlagung, die ihn ebenfalls schon vor Jahren mit dem Strafgesetz in Konflikt gebracht hatte, von. der, haninovevischen Polizeibehörde als D etektiv und Konfident in Dienst gestellt wurde, hat teils in Vorspiegelung „amtlicher Eigeuschost" Derentwegen eine .Untersuchung des Justizministermms gegen die hannoverische Pokizei läuft), teils durch Vermiitttung - seines. Freundes. Gmns junge Mmrner an sich gelocktz mit ihnen sexuellen Deri kehr gepflogen und sie dann — angeblich in einer Art iwr Blluträusch — ermordet. Die Leiber pflegte er zu zerstückeln und in die Leine zu Wersen. Es wird aber auch behauptet, daß er das Fleisch seiner Opfer verkauft hat.! Fest steht jedenfalls, daß Haarmann die Kleider der Ermordeten sein-em Komplizen Grans zum Berkans überließ. Im Laufe der letzten Jahre hat diese beamtet« Bestie in Menschengestalt eine Unzahl von jungen Leuten ermordet; 2 7 Mordei sind chm. nachgewiesen und von chm e i n g e st a n d e n. Er düüste aber noch andere, bisher nicht aufgeklärte. Morde begangen ha-beri. Haarmann, der schon lange von den Leuten, die ihn kannten,, mit verschiedenen Mordtaten in Zusammenhang gebracht und auch mehrfach augezeigt wurde, war als forscher Kriminalbeamter der Polizei, über jeden Verdacht erhaben^ bis ein Zufall, der bei einem Mord unäbwvislich aus ihn hinwies,; die Behörde zum ,Mnschreiten" zwang. Haarmann gestcht alle- Mordtaten, Lezetchnlet sich aber als Opfer und Vollstreckungs-! organ seines Freundes Grans (der Widder alles leugnet) und seiner eigenen abnormalen Veranlagung; er will, während er lmovdebe, seiner Sinne nicht mächtig, gewesen sein. Der Prozeß ist einer der größten und spannendsten der Letzten Zeit. Er wird mindestens 14 Tage in Anspruch nehmen/ 190 Zeugen gelangen zur Vernehmung. Die Oefsentlichkeit, durch kleine Gerichtssaalräume ohnedies stark beschränkt, dürfte mshrmals gänzlich ausgeschlossen wenden. Haarmann wird von' Justizrat B e n s e h, Grans von Rechtsanwalt Sohr verteidigt. Von großer Bedeutung für den Ausgang des Prozesses wir das psychiatrische G n t a ch t e n feilt, für das. nelben den Gerichisärzten auch zwei Göttinger Professoren her- - angozogen wurden. kkn Lefenfivbund der Reformierten in Uqgarn. Budapest, 3. Dezencker. Die von katholischer Seite gegen die reformierte Kirchengememschaft irr den letzten Monaten gerichteten heftigen Angriffe ließen in den fähren-- den protestantischen Kreisen den Gedanken reisen, diesen. Angriffen einen organisierten Schutz entgegen-zustellert. Diese schon sehr weit gediehene Mion wird von den ka!svmischen Abgeordneten Dr. Hegy'megi-Kiß und Eöri-Szabo geleitet, die bereits für den 19. d. eine Konferenz zur Gründung einer solchen Organisation einbernsen haben. Laut dem Rundschreiben wird die Zusanrmenschließung der nwbhältgigen Elemente der reformierten Kirche ans dem Boden des demokratischen Gedankens geplant. Die neue Organisation soll vorläufig keinen politischen Charakter tragen und nur als defensiver defensiver Kalvinerbnnd wirken, doch sprechen sich v-iele Stimmen stir die Bildung einer politischen-Parier ans, da sie nur von estier solchen einen wirksamen Schutz gegen die Bestolgn>ngen dmch den Katholizismns erhoffe^ dsasaas 5146

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