Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2081 (4.12.1924)
- Date
- 1924-12-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Men, DonneMq Set Lberkommissär von Krer Israel. London, 2. De^e-inher. (I. T. A.) An hi ewiger unter» vichteter Stelle wird bi« (von -uns ivied-erge^ ebene) Mitteilung der ,Movning Post" «n-b des „Doar ^-jorn" Mer die bevorstehende Evnennnng des Generalmajors Sir George Mae M -u n n zum Oberkommifsär von Erez Israel als verfrüht bezeichnet. Von jMscher'Seite wird da-ranf hingewiestn, daß es noch Nicht -einmal M» steht, ob nicht der Nachfolger Sit Herbert Samu els wieder ein Jude sein wird. Als evenAeÜer Kandidat filt den Posten des Obcrlommissärs wird unter anderem Sir Phili^tP Sassoon genannt. Sir Philipp Sassoon ist konservativer Tlbgeordnieter und augvMicklich als Unterstaatsfekretär Mitglied des englischen Kabinetts. Seine Familie stammt aus dam Orient; die Familie Sassoon ist von Bagdad über Bombay nach England gekommen. Sir Philipp ist ein naher Perivanccher des Hauses Rothschild imb man erinnert dütlün, daß die Balfour-Deklaration sein-erzert an 3ovd Rothschtld gerichtet -worden ist. Im übrigen ist auch die Kandidatur Sir Philipp Sasfoons voriläufig über das Stadium der DiMtfsion nicht hiEsgekam-me-ir. Das amrrikanische Budget. Uebttschüß heuer 68- «LchstesJahr 374 Millionen Dollar. — Militärische AnSgaöe« 550 Millionen Dollar. * Washington, 2. Dezember. (WM.) Präsident Covlidg e Hot dem Kongreß in seiner heute eingebrachteu .Botschaft über das Budget m-itgeteilt, daß sich die Neberschüffe für das geaenwärtige Geschäftsjahr auf 67,884.000 Dorlar und die für das nächste Geschäftsjahr aus 378,743.000 Dollar be-lauiftn dürften. Trotz dieser Aoberschüsie rat jedoch der Präsident von irgend einer weiteren Steueaverminderung ab, bevor das Ergebnis der neuesten Steuergesetzgebung bekannt sei. Der PmAsident gibt a-ls Einkünfte der Regierung für das laufende Geschäftsjahr die Srmvme von annähernd 3.601,986.006 Dollar au, betten Ausgaben Ätt Betrug von 3.534,083,000 Dollar gegenübevstehen. Die schvtzungsweison Zahlen für das nächste Geschäftsjahr ibeftm-ftn sich auf 3.641,295.060 Dollar. be-iehMgKWeife 3.267,551.000 Dollar. Der Präsident weist ferner auf die Tatsache -hin, daß der Voranschlag für die nationale Verteidigung im nächsten Jahve 849 Millionen Dollar betragen 'werde, das heißt 39 Millionen -weniger als der verfügbare Betrag im iiaufsnden Jahve. Amerika besteht auf der RÄckzahIrmg der . . Schulden. In feiner Botschaft an den Kongreß erklärte Präsiiöent Coolidge weiter, die Summe, die das A u s l a n d an die Versinigiein Staaten schulde, bslause sich auf etwa ilZ Milliarden Dollar. Er sei gegen eine Annülliernng der Schulden und glaube, daß [*$ im Interesse der Wohlfahrt der Welt liege, daß diese Guiumisn schnell bezahlt würden. Er trete nicht für Zwangsmaßnahmen ein, sei jedoch der Meinung, daß das Geld schließlich doch zurückgezahlt .werden «müsse, ,da sonst «r Zeiten der Not kein Kredit mehr erwirkt werden könnte. Neberhies bestehe eine moralische Verpflichtung zur ZllrüchaPung, die Amerika nicht ig-novieven mid der sich die anderen Länder nicht entziehen konnten. Morgenthaus politische Miffkou beendet. Gens, 3. Dezember. (Schiveiz. Dech.-Ag.) Der Völkerkwnid hat zum Vorsitzenden der Kommission für die An- Dedlung der griechischen Flüchtlinge Charles Hawland (Nsw-Iorl) eMannj. Hawland tritt in dieser Eigenschaft an die Stelle des früheren amerikanischen Botschafters in Kanstamtinopel Margenthau, der feilte Tätigkeit ausgeiben mutzte, weil Hn Privatangelegeichoiten nach Aiuevika tzurückriesen. Wo MmMche Fraftioa beim Mischen öejmklub in Polen. Wakschq», 8. DegomLer. (I. T. A.) Im Lokal des jüdischen ParlmnenlsklMs tzn polnischen Sejm ftmd die konstituierende Sitzung der zionistischen Frat trau statt, hie sich im Rahmen des Mischen ParlmnentMchs laut einer Direktes des Zentralvates der polnischen ZionWrhen Organisation geibiwet hat. Zmn Präsidenten der zionistischen Fraktion : wurde Senator. Rot § nstreich, zum Bizepräsiventen Senator Körner gewählt. Ae Solle von SalgemW. Die Auflassung schon wieder angekündigt. Die ungarische Regierung läßt offiziell mitteilen: Der Minister des Innern hat die Auflastungdes Internierten-lagers von Z a laegersz eg mit dem 18, d. verfügt. Von diesen Zeitpunkt an werden Intermerunge.fl bloß in den notwendigsten Fällen borge uonrmen upL die Intevmerten im S chubh a u s >u>nhergebracht werden, Ministerialrat D ios z e g h y begibt sich am Samstag nach Zalaegerszeg und wird von den dort Internierten, deren Zahl 180 beträgt, diejerügen, »bei denen dies ohne Währung der öffentlichen Sicherheit möglich ist, in Freiheit setzen, während die übrigen in -tz-'ß GchHhqgs ihrer Zuständigkeitsgemein-de gebracht werden. Diese Maßregel wurde von den verschiedenen Regie- Egen wiederhokt versprochen und niemals erfüllt. In Wiener Morgenzeitttng._'_4. D'eMber 1924 , . . Nr. 20&, in jüdischer Wohltäter. ~ " «liordeolkgate M Mische Preise. Blinde. Taubstumme «nd Waisenkkub«. - In dex vorigen Woche ist in Wien -der ehemalige Ledevsabrikan-t Albert Kätscher im 87. Lebensjahre ge-, stovben. Er hat sein gesamtes Bemivgen, -das nach Vorläusigdri Schätzungen 15 biß 80 Milliarden Kronen beträgt, vier jüdischen Äohlsahltsittstiiutiotten hinterlassen. f. Der Verstorbene, der-aus B r nttn stanmttc, war durch Fleiß und Atb-rst aus kleinen Anfängen u> Wohlstand gelangt. Er war Besitzer einer großen Lederfabrik im 20. Bezirk (Gerhavdusgass-e). In de>n Neuu.zigerfahren hat sich Herr Kätscher zur Ruhe gesetzt -und lebte von da ab mit seiner gleichfallsaus Brünn stammenden Gattin, die heute int 80. Lebensjahve steht, von LeM Ertrag seines VeömögLns. Die Ehe war Anderlos. Herr Ka-tfcher hat imaner gespart und ein -bescheidenes, guvückgezogams Lehm geführt, Er äußerte schon seit langemdi« Absicht, nach seinem 2^5>e den größten Teil seines Vermögens' für MW wohltätig« Zwecke zu widmen. Er trug, sich zunächst mit -dem Gedanken, in Baden bei Wien ein Heim für jüdische Greise auf seine Kosten zu gründen. Auf Anraten seines Rechtsanwaltes und langjährigen -Freundes Dr. M. P i n e l und dessen inzwischen verstorbenen Frau setzte aber Herr Kätscher in sdinöni Testament die folgenden jüdischen Vereine zu je eiUM Viertel als Gesamtevben ein! den israelitischen Fraue-nverein, die Greisinnettfürsorgii: (19. Bez., Lannerstraß 19)^ den Verein für das israet-itische B l i n d e n i NstitU t auf -der Hohen Warte, das Allgemein« israeÄtrsche ^äu-hsiüMnemnstitut (3. Bez., Rudolfsgasse 22) und den Verein zur Unterstützung Und Vetsorgung htlss-bedürftiger -Waisen -der israelitischen Kullnsgenreinde in Wien. Das Ver-mögen lheftcht aus elf Häusern in Wien und einer großen Anzahl wert, voller Effekten, die meist auf aNMMsche Whvung-en kanten und in den vevschiodensten ausländischen Banken deponiert sind. Seiner Gattin hat Herr Kat-scher den le-benslänglichen Fruchtgenuß dieses Vevmögens vermacht. An ^stamentsvoststveckern wurden di« Herren Rechtsanwalt Dr. P i n«l u-pd Notar Dr. IMus B e r m a n n bostell-t. Don einer Unterstützung interkomfesii-on-eller Vereine wollte -der Erblasser nie e t w a 's wissen und hat ausdrücklich den Wunsch' geäußert, nur Mische Vohiksahrtsinstitute zu ibedottdest. IN dsm Testaiment sind auch einige Vavivündte und die HauZgeMsin Mit Legaten lötzdacht. Bubf-Köstilntd reine Schafwolle, Ia Qualität K 490>040 - früher K 58.000 / feist K 43.000 nur l Trattnerhof 2 (Graben) Zalaegerszeg -waren hauptsächlich jüdische In-bernierte untevgobracht, die twrt jahrelang ohne Verhör, ohne Angabe des Gvumde's ihrer Vechafwng festgehalten, gefoltert und a-usgeraudt wurden. Zalaegerszeg ist,ein großes Grad gsworden. Die. von.ausländischen Misiionen und von der ParlaEtsopPosW-Äi' hersuchM 'Besichtlgrmge-n wurden stets hintertrieben. In Zalaegevße-g -befand sich auch die ästerveichische Legion, in der .deutsche Offiziere aus Oesterreich und Bayern zunr Eimnavsch -in Oesterreich Konzentriert gehalten wurden. Ob diese Legion auifgelöst wurde, darüber fehlen alle sicheren Angaben. Bombenbriefe der Erwachenden. Pudapest, 3. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgemzeitung".)- Heute ist be>i der Polizei der 128. Drohbri-ef in Angelegerchvst des. B o an 'b -e n w e r f e r p r o z e s s e s emgetaustn. Mch diese Drohung ist a>n den OberstadchauptmaM- SieWverlreter H-et-enyi and Sw-dtlMiptmann Sch We rnitz er adressiert. Beiden wird für den Fall der V-evurt-edlar-ng Marffhs und Konisorten je eine sicher wirkende Bombe als Nikologeschenf angchrcht. Der Br-isf. der Äs Unter-schrist einen mit Ti-nte gezeichneten Toten-lopf trägt, ist von S z v l n o k (!) datiert und wurde aqich dort a>uf die Post Mgcbrn. Aus aller Wett. Koschau» 3. Dezember. (Tchecho-slowakisches Preßbureau.) In Budapester und Wjwex PlmteW-eMjenen stark übertriebene Perschte ijher ein Eisenbahnunglück bei der Station 9j n S k o ty in der Nähe von Kalchau. wobei drei Personen getytet, vierzehn schwer und 41 leicht verwundet worden fetat. Wahr ist lediglich, daß am 27. November der Zug Nr. 1107 in RuSkow infolge schadhaften Gleises an den Eisenbahnhamm anfuhr. Die Lokomotive und vier Wagen entfttelften hierbei, doch wurde weder jemand getötet noch schwer verwundet. Zwölf Personen wurden leichtverletzt, her Verkehr ist nicht unterbrochen. München, 3. Dezember. (S. K. B.) An her Univerfitüt München fanden heute die Wahlen zum allgemeinen SWenten-. auSmuß statt. Die Stimmen verteilen sich wie folgt: Liste l lGroßdeutscke Arbeitsgemeinschaft, vereinigte Lifte mit dem Münchener Waffenrina usw ) 3007 Stimmen, also 14 Sitze \ Liste 11 (Vaterländische Werkstudenten) 311 .Stimmen (2 Sitze»;. Mte III (Katholische Studentenschaft) 1076 Stimmen (8 Sitze); Liste IV (Nationale Finkenschqsti 314 Stimmen (2 Sitze); Liste V (Freie Hochschulgnwpe, Sozialisten Und Republikaner) 433 Stimmen (8 Sitzt); Liste V( tZugendhewegnng) löst Stimmen <1 Sitz). Ungiftig waren 91 Stimmen. Dse Wahlbeteiligung betrüg Wir 3. Dezember, In einem. Dprfe bet Palermo wurde gestern van ilnbefannten Mf h r? i F q m; l i ss n ein ueberfflllmit Äewebrfeuer ansgeführt. Eine Person wurde dabet getötet, fünf Personen, darunter zwei Frauen, schwer verletz t; Es dürste sich nm einen Rache«- aft handeln. RM-Püpß, st, Dezember- Der Ozeandampfer »tzeviflthan* ist hier mit einer 2-tstündiaen Verspätung eiugetrossen. Es wqr die st ü r m t s ch e st e 11 e b t x f a d r 1. die der Dampfer je mitgemacht hat. Fünfzehn Passagiere sind verletzt, Palaviq, 3. DeMbe;. (NeM.) Die Ortschaft N a N a^ t j e l e r e hoch der Nesidemschaft ftedpe ist HM eweu G % p? st o ß völlig z e r st ö r t ' w o r d e n. Man alaudt. daß SOPersonen ums Leben gekonrmen sind. Bankenkonzeffionen und Säuglingssterben. Urtt den Pavtoien Zeit zu VerhaMwngen über die Fvrbevun-gen der Sozialdemokraten — AMitslofenversichcrung, KurLä-nidevUldg im HveveSamt-e — zu geben, wurde geskm nur «ine kurze N-ationvlratssitzung adgeha-lten. Im Einbaus befanden sich unter andete-m: ein Zusatzabkommen zu dvm zivischen Orsterreiich und der tschrcho-slowakischen Repu'blÄ geschlossenen HLndelSüLervinkommen imd ein GefetzeMvurf über, hie Kosten des Strafverfahrens. Mg. Dr. Ellenbogen überreichte eine dringliche Anfrage über den Tod von sechs Kindern im Badener LavdesspiM durch Emspritzn-ng «me- Gemisches Von Amtitoxin Wd Diphcherietoxim. Dr. Ellenbogen führt« in Bogvüttdung leiner Anfrage aus: Schon vor mehreren Jahren wollte der damÄige Leiber des Pylksgesunidheiitsambesz Professor Tandler, e-ifts Anrichtnng des Serochevapeutischen Instituts treffen, durch hie dem Staate em entscheidender Einfluß auf seine Gebarung gesichert worden wäre. Da begaiun «in Sburmlauf gegen diese R-eychmU, und zwar von einer Tiroler Jchthyolgesell« schaft, die mit Serumfragen bis dahin überhaupt nichts zrr tun gehabt hatte. Vor zwei Jahren taucht« die Angelegenheit ne-uerdi-ngs auf, md der dantalige Minister Schmitz stellte den staatlichen Einfluß zutzumsten der geschäftlichen Interessen einer Privaten Gesellschaft zurück. Er hat die Kontrolle über die Gebarung dieser Gesellschaft weit uwvirff-amer gemacht, imdenr er ein« Verpachtung unter weit ungünstigeren Bedingungen, ÄS zu dewtl früher scholl die Gesellschaft öeveA tvar, Sinzm gehen, gesbatbete. Im Volksgosu-ndheitsamt existiert nun ein C-ltquenwesen, durch das ein paar Personen ohne Prüf-umg ihrer Oualisikation, 'bloß weilsie zur Wque g-chören, zu den vürantworkmgKvpllsten Aemtern berufen werden. Man hm einen gewissen Herm B u s s o n, der eben der 6:1%« im Vol-HgesuinidHei-tsymit evgoben war, mit der Prüfung der Se- AWchrüparate botraatt. DozeM Busion ist der bezahlte Augesto-llte dieser Serurnuwivn, Äs solcher macht er dort die Präparate. Er macht Geschäfte mit dieser Gesellschaft, im Auftrag dieser Gesellschaft und wird dafür befahlt. Aber derselbe Herr Busian ist gleichzeitV der staatliche Kontrollor über die Aktiengesellschaft B -u s s o n. Wenn er ÄS Angestell-te-r ein Präparat Mcht, für dessen Fchr-Mion er eine gewisie Bezahlung erhält, so wird er aus der anderen Seite als Kontrollyr über sich selbst hesM, der. eine amtliche Frinllion aus-zuübeu hat. Dtzr Ullllersuchllng hat zunächst ein Hasr-at Kaise-r —- auch «wer der Herren, di« zu dieser Viqm gehoven im Umisteplum für sozial-e VorWÄlmtg geführt. Der Staq^-rnwalt hat bisher nichts getan Md der Gevichtshof hat keinerl-ri BorkchpMg getrossen. Meder hie ScmMSbchörde noch der St-aats» aMvg-lt hchen bisher ihre Pflicht getan. Die SchrWgen -hcchen sechs Wochen Pest gehabt, die Spuren der yntevlassung zu verwischen, Mqn hat sogar dem vevrmrtlichen Urheber des Nn° gkücks die Kontrolle in die Hand gegeben. Minister für soziale Per-tvaistung Dr. Resch'. Der Inglückssall, auf den sich die dringliche Anfrage bezicht, hat sich Vor' uMsähr drei Monaten ereignet- Sofort nach Bekanutwerden der bedauerlichen - UMückssäll-s sind von den zuständig Sa-nitätSbehöchen an Ort Md Stell« -siüMhsnde Erhchun-gen voW-uommen Wochen, Auf Gmnv dieser Vchchungen Mich« dis Angelegenheit lstreits am 26. Septsmüer dem zustä-ndiMN Gericht Pqhen zur Anzeige gebracht. Weitergehende M'itt-nlun'gen an die Oeffentlichk-rit s-'-ien. vor BeeudiggW des Strafverfahrens picht müststch. Hiormf wsklde dqs Ksn^sijtzvsergänzmtsßgesttz in Verhandlung gezogen. Per Perichderstatter Ueiue-. h,'. tzi-e wM Bchimnm-ng hrwyr, W hm FiMNW-inistccru.u v.-.s Pecht ^ilbt, lebensunfähige Fin anz inst i \ n ie nui z u lösen.