Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2081 (4.12.1924)
- Date
- 1924-12-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IPolen 20gro8zyl Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassen verkauf, in Wien durch die' Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez.. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien u Oesterr. monatl. K 40.00t Tschec ho-Slowakei Mom K 20 lusroslawien Mon. Dinar 60. Polen: Mot». 31/, Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k r., Belgien: Mon. Pres. 15 I Frei* K 1400 | England: Mon.4 Schilling, Italien: Monatl. 15 I ire, Ru maulen Mon. 1501 ei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, 'Schweiz und das übrige Ausland monatlich Pres. 4. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstr. 1—3 t'elepnone: 44-0-38,43-3-19, A'>6Uhr abds. 21-102,25-282 IX. Universitätsstralsse 6—8 (Druckerei Steinmann) MF* Nachtsb'ungeu 'MC bei Prelucrhfihuiipen vorHeliaHee Oeaterreichisches Postspar» hassen - Konto Nr. 150.698 BWMBIBMWa Nr. 2681 Wien. Sonnerstag, 4. Dezember 1924 8. üalirgaug Sie gesprengte Cememschast. I Khamberlam über die Völker- —y. W i e n, 4. Dezember. Der Konflikt zwischen England und Aegypten hat sein diplomatisches Ende erreicht. Die Forderungen des Kabinetts Baldwin sind zur Gänze angenommen worden und als erstes Anzeichen eines ruhigen Abklingens der Affäre ist das alexanürinische Zollamt den Aegyptern wiederzurückgegeben worden. Der Völkerbund wich nicht in die Lgge kommen, sich offiziell als unzuständig zu erklären, und er ' wird-, buch sonst nicht zu der Frage Stellung zu nehmen haben, da das Jnterventio.nsgesuch nicht durch einen Mitgliedsstaat überreicht wird. Me Persische Regierung hat. dementieren lassen, daß sie die Sache aufzuqreifen beabsichtige. Es ist höchst erfreulich, daß dieser Streit in interner Auseinandersetzung zwischen den beiden Negierungen ausgetragen wich und daß der Krieg vermieden bleibt, der leicht zu einer, den ganzen Orient ergreifenden Katastrophe wechen konnte. Die ahnungsvollen Parallelen, die von der internationalen Kriegspresse, insbesondere in Wien und Berlin, zwischen den Morden von Sarajevo und Kairo gezogen wurden, können wieder ins Archiv wandern, und es ist nur zu 'bemerken, daß sie in der wichtigsten Prämisse falsch wären. Erzherzog Franz Ferdinand'war auf österreichischem, nicht auf serbischem Boden, General Tee Stack auf ägyptischem, nicht aus englischem Boden erschossen -Wochen. Die'-serbische.Regierung'chatte in- Mell ernst lnarnen lassen und — was nicht zu vergessen wäre —i die Bedingungen des,Berchtvchschen Ultimatums bis auf einen nebensächlichen Punkt angenommen. Der Jubel der Revanchepresse in Oesterreich und-in Deutschland, der ob des Mordes in Kairo losgebrochen war, muß sich wieder legen. Er war zu früh und zu laut. Die Generäle, die einmal in Afrika den Hereros die Kultur beigebracht hatten, entwarfen stimmungsvolle strategische Betrachtun»-'n ü'ber die Kämpfe am Suezkanal und in Mombassa; alle Organe des „immer feste druff" schwelgten in Schilderungen der Rolle, die Deutschland bei einem solchen neuen Weltkonflikt spielen werde, die.es ihm ermöglicht, die Sorgen Englands zu einem kühnen Einmarsch'in. Frankreich zu benützen. Auf diese Blütenträume legt sich der Cisumschlag. Cs ist nichts. . - Aber damit ist noch nicht gesagt, daß nunmehr alle Ursache zu Besorgnissen-geschwunden ist. Das Ablenken des Konfliktes in die Verhandlung kann den Frieden sichern, läßt aber noch immer alle. Möglichkeiten des stillen Einmischens unberufener und ungevusener Elemente offen. In der Politik der großen europäischen Staaten zueinander ist wieder die -Tendenz der Rückkehr zu dem alten Gleichgewichtszustand zu merken, zu dem Zustand, der durch Rüsten und Gegenrüsten die Atmosphäre des allgemeinen Mißtrauens erzeugte, aus dem dann der große Krieg, entstand. Der Balkan war nur die unmittelbare Ursache, die die Explosion cmslöste. Die energischesten Antriebe kamen aus : dem Konkurrenzkampf um die Geltung zur See; die Interessen Englands und Deutschlands gerieten zunächst in Brand. Rußland war im Schwärzen Meer sestgchalten und strebte danach, die Dardanellensperre zu sprengen: Frankreich, Italien, Japan trieben Marinepolitik, Der Weltkrieg hat nur den Wettbewerb der deutschen Kriegsflagge -ausgeschalte-, und alle anderen Staaten wünschen 'nichts sehnlicher als aus diesem Resultat so viel Vorteile als nur möglich für sich zu exzielen. Sie ^wollen nicht bedenken, daß durch den Krieg auch außerhalb Europas Stimmungen entstanden sind, die dem Kontinent in seiner Gesamtheit gelten und feine Vormachtstellung nicht mehr -als so unbestrittene Tatsache erscheinen lasten, d^ren Gestaltung nur von Europa zu bestimmen ist. Ganz Asien, ganz Afrika lebt in bewußter, -klar empfundener Feindschaft gegen die europäische Welt und ist fest d"von überzeugt, daß dieses als Genteinschaft aufgefaßte Völkergernisch im Niedergang begriffen ist. v; In dieser Ueberzeugung bestärkt sie die Erfahrung, daß die europäische Solidarität eine Lüge ist und daß England gibt dem Völkerbund Informationen übser den ägyptischen Konflikt. London, 3, Dezember. (Tel.-Komp.) Außenminister Austen Chamberlain hielt heute als Ehrengast der «monistischen Ortsgruppe London eine Rede, in der er die Kris ei n A egypt e n und die bevorstehende T agu n g des Völkerbund rat es in Rom besprach. Mit Bezug aus die veborsleheUde Bölkerbnndtagung in Rom erklärte Chamberlain: ' „Ich verlasse morgen England,. «« der ersten Sitzung des Völkerbundes beizuwohnen. Daß mich die englische Regierung ermächtigt hat, das Land zu einer so k r i t ifchen Zeit zu verlassen, beweist, baß sie dem Völkerbundeine große Bedeutung beim itzt: Die ägyptische Frage fällt n i ch t in den Kompetenzbereich des Völkerbundes, aus Achtung zum Völkerbund aber haben meine Kollegen mich ermächtigt, dem B ö l k e rbund alle Informat.ione« z« erteilen, die ihn interessieren könnten^ Ir. Benesch für die Aufhebung der Bisa. Ditz tschecho-flowaAsche Bodenreform. — Die kommunistischen Umtriebe rrn Heere. Prag, 3. Dezember. (Tschecho-ftow. Pveß-Bur.) Im Budgetausschutz des . Senates erklärte der Präsident des staatlichen Bodenamtes, Dr. Viskovsky, noch im Jahre 1925 solle der R e st (etwa die Hälfte) des der Lloyd George—Parlamentschef der Liberalen. (Eigendienst der.„Wiener Morgenzeituna") 'staMon- Bon dsn vierzig anwese.nde>n Abgeordneten (die Kberale Fraktion zählt 53 Mih§l-ieder) stimmten 2h für'Lloyd Ge arg e, 7 Deputiert«, erhielten sich -der-AWmmung. Asqurth, der sich gegenwärtig auf einer Ovientreise besi-ndet, blecht weiter Oberhaupt der:Partei.- Sie Lage in Aegtzvten. Das ägyptische Parlament. Kairo, 3. Dezember. (Reuter.) In einer dem König Iuad unterbreiteten, von 113 Abgeordneten Unterzeichneten Petition wird die sofortige Einberufung der Kammer gefordert. Auch die Senatoren haben emen ähnlichen Schritt unternommen Der Mörder Stacks noch nicht eruiert. London, 3. Dezember. (Hava-s.) „Daily News" melden aus Kairo, daß die Zeugen'die der Ermordung des Sivdar beschuldigten Personen n-icht agnosziert halben. Die Stadt ist allem Anschein nach ruhig. Die Gerüchte, daß'England sein. BerMten ändern, werde, seien unbegründet. Auch im S ü d a n herrscht -Ruhe. RevolutionSkeKundgebungeu in Paris, 3. Dezember. Wie die „Information" aus San Sebastian meldet, finden ineinzelnen Gebieten Spaniens fortgesetzt lokale Kundgebungen statt, die sich nicht nur g e g e n d a s D i r e k t o r i -u m, sondern auch gegendie Krone richten. Es handle sich zwar um vereinzelte Kundgelbungen, doch werden die Nachrichten ^hierüber in den leitenden Kreisen des Direktoriums mit Beunruhigung. ausgenommen. : Bodenreform unterliegenden Bodens übernommen werden; in der Slowakei werde die Bodenreform etwa zwei Iahresp 8 ter völlig durchgesührt sein: Minister des Aeußern Dr. Benesch erklärte in Beantwortung verschiedener an ihn gerichteter Anfragen unter anderem, die Frage der H a N d e l s v e r t r 8g e sei für die tschecho-stowakische Außenpolitik die a k 1 u e l l st e und das Ministerium arbeite, in dieser Sache sehr intensiv. Wegen eines Handelsvertrages mit Polens, ferner mit Ungarn, der Schweiz und Belgien werde verhandelt. Die Frage der Aufhebung der Visa reife Hers an. Es werde im Lause der Zeit zur Beseitigung der Bisa im Einvernehmen mit den einzelnen Staaten kommen Wir hätten, erklärte der Minister, die Bisen schon aufgegeven, wenn es uns die Sicherh eits^g rü nd e »nd nnderes gestatten würden, p . .. p - / Minister für natioüale Verteidigung A d r z a l erklärte bezüglich des Wahlrechtes der Soldaten, er glaube, daß dieses Wahlrecht fast ausschließlich die Domäne von Elementen geworden sei, die alles andere als die Ordnung des Staates im Sinne haben. Das Ministerium verfolge aufmerksam die kommunistischen Umtriebe. '. Der Minister sprach sodann die Ansicht aus, daß mit den Mitteln, mit denen gegenwärtig gegen die nute rm i nieren d e n E i n f l ü s s e ausgetreten werdl, nicht das Auslangen gesunden werden könne. Wenn vorher etwas unternommen werde, würden keine außerordentliche« Härten notwendig sein. Gegen Msfottni. Rom, 3. Dezember. (WoM) Der Senatlheganm heute mit der Diskussion des Etats des. Innern. Es sprachen fünf Senatoren, von -denen sich drei entschieden gegen die Regternng aussprachan, nämlich.die Senatoren Lusignori, Conti und Alb.ertini, der Herausgeber des „Corriere dellü Sera". Alle drei Senatoren wiederholten in ihren Neiden die beikannten Vovwürfe geeen den Faszismus und sprachen der^Regierung ihr Mißtrauen aus. Besonders siel es aus,-daß-AMerti-ni vom Ministerpräsidenten -die Anerkennung des Rechtes der Krone verlangte, die Minisier zu ernennen und auch zu entlassen. In dieser An>spiel>ung glauben manche Politiker, den Wunsch des Senators nach einer Interventian der Krone in den inneren Streit eMicken zu scllen. Albertini forderte Mießlich Ne uw ahlen. unter einem militärische n Regime sich nach dem Kriege Rußland auch von dem Schein, einer solchen Gemeinsamkeit losg-e'sagt hat. Der Moskauer bolschew-i-kische ^Imperialismus ist in Asien durchaus nicht sozialistisch-radikal. Er paktiert sehr gut mit den Emiren und Scheits, er bringt ihnen-neue Orten-' tievung, Organisation und .das, was. sie immer brauchen können, GeÄ. Er wird für die Dauer der betrogene Betrüger sein und von den Beglückten-genau so den Fußtritt bekommen wie von der befreiten Türkei. Emst-- weilen blüht das Handwerk. Trotzdem aber ist in den westlichen Staaten die' sogenannte Ausbalaneierung der überseeischen Interessen noch immer die Angelegenheit, an die die erleuchtetsten Köpfe, die Kabinette, die Botschafter und Gesandten ihre Zeit und Mühe und Gehirnschmalz und Steuepkrast wenden. ' :: * Die Orientgefahr ist für die Kvlonia-lstaaten sehr aktuell geworden, und sie ist nicht mehr ein Spiel für müßige Tage. Sie erfordert: die gesamtepolitische Kraft, das Ende des Kolonialegoisnms, das Ende aller Geschäftigkeit diätenhüngriger, diploma-tiscber Agentert. Bor allem aber müssen alle die dunklen Intrigen, zerstört wevden, die im Orient an der Arbeit sind, M europäischen Pogromseucheu zu verbreiten. Die Morgen stattfindende Besprechung Chamberlains mit Herriot, die Tagirng des Bölkerbundvates in Rom muß sich auch diesem Thema zuwenden. im na ersparen Sie beim Einkauf von Stoffen für Herbst und Winter, Damen* und Herrenwäsche, Le men waren, Strick^ und Wirkwaren, Teppichen, Vorhängen usw. PF" im Warenhaui II. Taborstraße 48 ▼efeqbon 47*1 *7B Fngroa Endetali