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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-03 · Heft 2080 (3.12.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2080 (3.12.1924)
Date
1924-12-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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WfcBOBB_" «e«, MMH Ln A«M srgen die Achecholronr. Finanzminifier Becka nennt die Angreifer. Prag, 3. Dezember. (Dsch. P--E.) Der Budgetausschuß des Senats trat heute in die Beratung >des vom Abgeordnetenhaus in der vorigen Woche erledigten Staats- Voranschlages für 1925 ein. Zunächst gab Finanzminffiev Be eka eine Erklärung ab, worin es unter andersnt heißt, er halbe dokumentarische Beweise in den Händen, daß sein Bevollmächtigter 'bei den im Ansla nbgeführten Verhandlnngen sich an die ihm erteilten Weisungen Gehalten und seine Aufgabe mit Erfolg erfüllt habe. Es sei begreiflich, daß es hier Interessen gegeben habe, die diesen Bestrebungen znwidevliesen und angesichts de's Fortschveitens der Verhandlungen nicht zögerten, die „Times" zu benützen. Auch das „Prager Tagbla 1 t" sei mit anderen Fvmnden des Staates bereitwillig zur Hand gewesen, ohne Beweise zu Kla tsch ereien und Verdächtigungen, ja zu persönlichen Angriffen zu schreiten. Gemrakbevichterftatter Senator Dr. Horaeek leitete sodann die Verhandlung ein, wobei er zunächst auf die hohen Steuerlasten, Gebühren und Tarife hrniwies, die ermäßigt werden müßten. Er denk« hiebei an die Auffassung einzelner Ministerien und an die Einschränkung der Manöver, der Auslandsvertretungen und der Repräsentationskosten. Redner verlangt die Schaffung einer StaaLZschulden-Konitrollkommissron. - Hierauf gaben die Vertreter der deutschen Parteien Erklärungen ab, in denen sie ihre Nichtbeteiligung an der henriaen Budgetdebatte begründen, und unter anderem gegen die Bodenreform protestieren. Zum Schluß wird evllärt, daß sich die Parteien entsprechende Erklärungen auch für -die Verhandlungen im Plenum Vorbehalten. Am Schlüsse -der Generaldebatte erklärte der Finanz- Minister u. a.: Die Konsolidierung unserer Verhältnisse ist offensichtlich und daran können auch die a u slandischen Angriffe nichts ändern, die eine gewisse Tendenz und den Wunsch verraten, daß unser Staat den Weg gehe, der diesen ausländischen Faktoren entsprechen würde. Der tschecho-stowatische Staat wird aber s e iuen eigenen Weg gehen und auf diesem Wege auch zum »Me gelangen. Generalberichterstatter Dr. Horaeek befaßte sich in seinem Schlußworte auch mit dam Artikel in den „T imes", wobei er erklärte, daß er im „Prager Tagblatt" bereits zwei Tage früher als Ln den „Times" ver- SffenÄicht war. Hierauf wurde das Eingehen in die SpeAialdebatte beschlossen, die morgen beginnt. Der SkerreWsch-ungarische Gremverkeör. Budapest, 2. Dezember. (U.-E.-K.-B.) Der Minister de§ Innern 'hat die Gemeinden Torony, Pinkamindszenl, Agfalva (Agendovf) und Mexikopuszta vom 1. d. angvfangen als Grenzüberirittsstationen in der Richtung nach Oesterreich erklärt. Die mit dem Personen- und Warenverkehr verbundenen polizeilichen Agenden werden in diesen Stationen von den Organen der Zollbehörden versehen. Wiener Morgenzettung. Reich zu werden ist heutzutage leichter als früher Das letzte Geheimnis des Erfolges der Milliardäre, der sicherste Wegweiser zu Reichtum, Macht und Ansehen ist die Energie Dazu bedarf es stählerner Nerven, einer Widerstands* fähigen und widerstandskräftigen Konstitution und einer kampffreudigen Ausdauer. Wer von Kindheit auf DIANA Franzbranntwein mit Menthol gebraucht, stählt seine Nerven, macht die Konstitution wider* standsfähig, kraftvoll und schafft eine kampffreudige Ausdauer Ueberall erhältlich Diana - Franzbranntwein-Produktion - Ges. WIEN, II. PRAG, VIII. Engerthstrafie 169 Uelsen, Drahobeljova 1013 Die österreichische Delegation für die Böllerbundtagung in Rom. Zn der am 8. d. beginnenden Tagung des Völkerbuindvates werden -sich als Vertreter der österreichischen Regierung der frühere Außenminister Dr. Grünberger und Sektionschef Dr. Schüller nach R o -m begeben. Generalkommissär Dr. Zimmerman reist ebenfalls zur Dölkerlbundtagung, -wo er dem Bernehmen nach dom Rat über die weiteren Fortschritte der Sanierung berichton wird. Die Zusammenkunft Benesch—Mataja. Wie bereit gemeldet, wird der tschecho-slowaKsche Außenminister Dr. B e n e s ch auf seiner Reise zur Tagung des Bolikerbundraies eine politische Aussprache Mt dom österreichischen AußennriMster Dr. Mata ja haben. Dr. Bonesch trifft Sonntag den 7. d. in Wien ein und reist mit dem Frühzug um 7 Uhr 25 Mn. nach Rom weiter. Dr. Mataja wird ihn bis Gloggnitz begleiten. Die Arbeitslosigkeit nnv das Parlament. .Me alljährlich, steigt im Herbst die ArbeitslosiMit und hat iw RovenOer bereits die Ziffer von 100.000 Unterstützten in gaerz Oesterreich überschritten. 8. Dezember IM Seite 8 In Wien und Umgebung betrug die Zunahme wund 10.000. ZurückzusDhven ist dieses Anwachsen der Arbeitslosigkeit auf die Einstellung der Saisonarbeit im Baugewerbe, aber vielvrohr noch «auf die herrschende Wirtschaftskrise. Im Nationalrat erliegt ein Antrag des Vevstorbemn Abgeordneten Wiedenhoser betreffend die Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung. In der gestrigen Sitzung 'des Ausschusses fiir soziale Verwaltung wurde über die nunmehr schon dringlich gewordene Frage der NovellieMng der ArbeitsLosenversicheru.ng — die Geltungsdauer des Gesetzes laust mit Jahresende ab — den ganzen Tag beraten, aber k e i n e E i n igung erzielt. Der Minister für 'soziale Verwaltung Dr. Re sch stimmte zwar einer etwa zehnprozentigen Erhöhung des Unterstütznngsbetvages zu, wollte aber die noch nicht 21 Jahre alten Arbeiter vom Bezüge der sogenannten außerordentlichen Notstaudsluntevstützung ausschließen. Der Vertreter der steirischen Industriellen, Dr. Weidenhofser, regte sogar an, die Saisonarbeiter von der Arbeitslosenunterstützung auszunehmen. Da weder über die Höhe des Unterstützungsbeitvages noch über den Bezug der N-otstandsnnterstützung durch Vre Jugendlichen eine Einigung erzielt werden konnte, wurde die Verhandlung abgebrochen und die Austragung des Streites ParteieUberatungen überlassen, die im Laufe des heutigen Vormittags stattfinden sollen. Magen Dr. Ramels an die Beamten. Bundeskanzler Dr. R a m e k empfing gestern mittags eine Abordnung des 25er-Ausschusses, die ihm verschiedene Wünsche der Beamtenschaft vortrug. Unter diesen befanden sich insbesondere das Begehren nach einer einmaligen außerordentlichen Zuwendung im Laufe des Ndonats Dezember. Ferner erklärte die Abordnung, daß nach ihrer Ansicht das Abbaugesetz nicht mehr zu Verlängern, sondern der Beamte nabbau in Hinkunft aus Grund der Bestimmungen der Dienstpragmatik durchzufühven sei. Der Bundeskanzler kam diesen Wünschen entgegen, sagte deren eingehende Ueberprüfung im Einvernehmen mit den zuständigen Ressorts zu, 'wobei er aber zugleich auf die schwierige finanzielle Lage des Staates verwies. Ende der Woche wird zwischen der Regierung und der Vertretung der Beamtenschaft eine neuerliche Aussprache stattfinden. _ Aus aller Wett. Prag, 2. Dezember. In den schlesischen Gemeinden um Ostrau fanden am Sonntag die Gemeindewahlen zmn ersten Male seit dem Umsturz statt. Me Wahlen ve.rMef.cn in vollster Rache. Gewählt wurden: In Hruschau 20 Tschechen, 6 Deutsche, 3 Polen, 4 Ko-mmumsten, 1 Jüdisch nationaler. (Zahl der jüdischen Stimmen 1()3 von zusammen 5722 Wählern.) In Schlffffch-Ostrau 26 Tschechen. 15 Kommunisten, 2 Deutsche; in Klem-Kuntschitz 24 Tschechen (davon 6 Kommunisten); iu RadwMtz 18 Tschechen (davon 10 Kommunisten); m MuK'inau 22 Tschechen, 7 Kommunisten, 1 Deutscher; in Mchallowitz 28 Tschechen und 8 Kommunisten. London, 2. Dezember. Asquith stattete in Beirut dam Generali Wehgand einen Besuch alb, iwovcmf er seine Reffe «fortsetzbe. Palastinavioniere. Bon Graham Aallas. ■ In «The Nation", -der enMHen sAhrerrden Wvchewschrift, ist ein AvtM des bekcmmten Soziologen erschienen. Der englische Gckehrts sucht die BMMtuüg der werdenden jüdischen Gemeinschaft tn ihrer ethisch-politischen Seite zu beleuchten. Wir lassen dvese Asußierungen in gÄüriztor Fcusstrng folißeit: Wer im vergangenen September Palästina besuchte, konnte bei einem Spaziergang auf dem Wege, der den Oelberg mit den nördlichen Vororten Jerusalems verbindeteinen neuen Typus jüdischer Jugend gruppenweise heruimfchlendern oder auf dem britischen Militärftvedhof und dem Bau der künftigen hebräischen Universität Schwerarbeil verrichten sehen — die „Chaluzim" oder ,^siionlieve". Die Pioniere sind das — m gewisier Beziehung vielleicht unvorhergesehene — Ergebnis der nach physischen und psychischen Gesichtspunkten getroffenen Auslese und Vorbereitung, die in mehreren Gebieten Europas durch LokaKomitves unter den jüdischen Kandidaten auf Grund der bestehenden Vorschriften für die regulierte Paläistinv- 'mtmrgration erfolgt. Die meisten von ihnen sind junge Männer, die gewöhnlich in kurzen Khaki-Kniehosen und halsfreien Weißen Hemden, barhäuptig oder in europai- - scheu Tuchmützen hevumlaufen. Auch wenige Mädchen sind darunter, mit Bubiköpfen, kurzärmeligen weißen BamnivoMeidern und Hornbrillen. Viele halben Mittel- oder Hochschulbildung genossen, so daß die Arbeiter am Universitatsbau ausfehen wie Studenten. ' Sie sind größtenteils im Besitz einer prachtvollen körperlichen Konstitution und tragen den Kopf oft mit der Miene zuversichNchster Willenskraft. An Feiertagen sieht der Besucher diese Pioniere sich in dichten Mengen um dm staubigen Sportplatz in der Bethlehemftvaße drängen und ihren Fußballspielern Beifallsbozeugungen zurufen, die mit beinahe beMfs- Maßigem Geschick Md Erfolg gegen die Fußballer der britischen Luftstreitkräste oder ägyptischen Gäste einen Match austragen^ Fährt man vmt Jovusalem mch No.rden auf den guten Chausseen, bei deren Anlegung die Pioniere mitgearbeitet haben, bis zur Ebene Esdvaelon und den Usevit des Sees von Galiläa, io sicht man eine andere Seite des ZZiomerlebens. Bon der Höhe des Karmels sicht man in einiger Entfernung die avabffchen Dörfer sich in der braunen Hevbstfarbe -des leichtgepflügten Bodens verwffchen. Aber hier und da tauchen ijwischen der Ebene und den naheliegenden kleinen Hügeln kahl und reinlich die neuen, gnadratischen, weißen Häuser und voben Ziegeldächer der Müschen „landtvirkschaftlichen Kolonien" empor. Die Pioniere und die von demselben Pianiergefft beseelten neuen Immigranten haben diese Kolonien mit eigener Hand erbaut auf Boden, -der ursprünglich oft sumpfig und malariaverseucht war und erst zu unerhörten Preisen (hauptsächlich ans amerikanisch-jüdischen- Spenden) von den arabischen Eigentümern gekauft wurde. Jede Kolonie hat ihre eigene Wirtschaftsorganisation, beginnend mit der bänerlichen Einzelsiedlumg und einem gewissen Gvcch von Gen-osisnschaftswesen, nämlich bei der Benützung der landwirtschaftlichen Mafchinen, hinweg über eine stärkere Genosfenfchafisfovm auf Basis des Privateigentums, bis M jenem gedanklichen Extrem des Kommunismus, bei dem die neugeborenen Säuglinge in kleine abge.teilte Krippen eimr gemeinsamen Psiegestation kommen. Auf unserer Fahrt von einer Mischen Kolonie zur anderen in den nördlichen Tälern mußte ch an die sozialistischen und Fourierfchen Gemeinden denken, auf die vor achtzig, neunzig Jahren so viele glühende junge Re-' fovmer m Europa und Amerika ihre Hoffnungen, ihr Geld und ihr nmhsam Errungenes gesetzt hatten. War dies hier nur ein neues Kapitel derselben unfruchtbaven Geschichte? Ich iibeMugte mich bald, daß dies nicht der Fall ist. Erstens haben die Pioniere eine dreitausendjährige traditionelle Liebe für .das Heimatland ihres Volkes, eine Liebe, die stark genug ist, ihnen über viele Enttänschungen und 'Rückschläge hinwegzuhÄfen. Zweitens dürfte es für einen PMftinvPionier nicht leicht sein-, ,/in die Welt zurückzukchren", wie es in den Vierziger- und Fü-nszigerjahven ein junger amerikanischer oder fmnzösischsr Sozialist konnte. Die „Quote" der aus Palästina und Transjovda-- nien in die Bereinigten Staaten zugelassonen Einwanderer beträgt in diesem Jahre zum Beispiel genau Einhundert. Es fft viel wahrscheinlicher, daß die neuen Kolonien sich etwa na-ch dom Muster -der Borkriegskolonien an der .Miste bei Jasf-a enttvickoln werden, die bereits ein allein Auschein nach -pstes und danechaftes Wirtschaftsleben aiusgeMdet haben. Die neue Mische Stadt Tel-Awiw, die auf Sand- Hügeln außerhalb Jaffas erbaut wurde, wird nach und nach zum Zentrum dieses Lebens und hat sich seit dem Kriege von etwa 3000 auf 22.000 Einüvohner entwickelt. Der Hauptgrund aber, der mich daran glauben läßt, daß die jüdische Kolmrrsation in Palästina ein Experiment «ist, bas bis zum Schluß durchgeführt werden kann, und sicherlich -in dieser oder jener Form wertvolle und dauernde Resultate.ergeben wird, ist der, daß die Pioniere, wenn sie auch glauben, daß sie das Leben ihrer Vorjahren in Palästina wieder auferstekhen lassen, eine absolut neuartige Synthese des abendländischen und des orientalischen Gefftes am krttischesten Punkt der europäisch-asiatischen Grenze repräsentieren. Die Pi-Mlieve werden nicht durch religiösen und nationalen Patrivttsmus, sondern dadurch, daß sie auf Realschulen und technffchen Hochschulen studiert -haben, dazu gebracht, jeden halben Acre ihres Bodens als ein Laboratorium zu 'betrachten und jede Ernte als em Experiment, deffen Resultate mit iwissenschafblicher Geduld und BeobachtU'Ng abgewartet und -bchcmdelt werden müssen. Jeder Erfolg, der unter den ähnlichen Ammtifchen Verhältnissen in Kalifornien oder in Nordasrika erzielt «wird, fei es in der Banamn- und Zitronen-, sei es in der Muleselzucht oder beim Umpflügen tvockemn Bodens, oder in der Auswahl von Samen, wird sogleich dem jüdischen Technikum in .Haifa oder der vortrefflichen landwrvtschastlichen Versuchsstation in Del-Awiw gemeldet. Und wenn die Kolonisten drei Donnen erzielen, wo der arabische Nachbar n>u.r eine Tonne produziert, dann wird sich der Einftuß dieser Tatsache unwiderstehlicher answirken als eine neue Regie-Mngs- oder Kunstfovin. Vielleicht fft gerade im Kampf gegen die Krankheit dieser Einfluß der abendiländischen Expevimentalwissen-> schaft auf die orientalische Tradition der passiven Unterwerfung unter den Willen des Himmels am eindrucksvollsten. In dem kleinen jüdischen Spital in Safed mit seiner peinlichen ©ait&erfett, seinen mit Mnsselin zugedeckten Speisen, seinem Sterilffierapparat und seinem Röntgenkabinett kommt einem der Gedanke, ob nicht der seit Jahrhunderten vor sich gehende Prozeß, der die Menschen durch die durch Insekten erzeugte Krankheiten von deren Urfpvumgsgebiet, der tropischen Zone, langsam rootife

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