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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-03 · Heft 2080 (3.12.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2080 (3.12.1924)
Date
1924-12-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wien, Mittwoch ft«. 2000 Vetie 8 scherr Zustande in Albanien, Bulgarien und Griechenland auch diesen Teil des Ballons erfassen -kann. Die Lage Europas bietet sonnt dem objektiven Beobachter kernen erfreulichen Ausblick m die Zukunft, nm so weniger, wenn man die gegen die Vorherrschaft Europas gerrchteden Bestrebungen in Indien, Arabien, Aegypten, Mcrokko, die Panasiatifche -mä> panäthiopische Bewegung sowie die amerikanischen Aspirationen ans die — besonders Aonomffche — Weltherrschaft rns Auge faßt. Müdemme« der amerttMchen Luotengefetzer. Arbeitsminister Davis beantragt Erleichterungen. Wir Le richteten kürzlich über die schweren Folger: des strengen amerikan-ischen Einwauderungsgesetzes für den Wohnbau im Groß-New-Dork. Nun wird uns aus New-Dork 'berichtet, daß Arbeitsminister Davis, in dessen Ressort das EinwmtderungSwesen gehört, Pressevertretern gegenüber eicklärt habe, daß er von: Kongreß gewisse m i Idernde Aenderungeu des Quotengesetzes fordern werde. So soll wieder darauf zurückgegriffen werden, daß bei Erteilung von EmreisebewilligUGgen die Familienm i t g l i e d e r der i-n Amerika befindlichen Fremden vor allen anderen bevorzugt werden. „Die Menschlichst erfordert es," führte Davis aus, ,-daß das Einwanderwngsgefetz nicht die Wirkung Höhe, daß Männer von ihren Ehegattinnen, Eltern von ihren Kindern oder Geschwistern gerissen werden. Wir haben auch wirtschaftliche Grund« für die Vereinigung der Familien 'der Einwanderer. Denn ist der Einwanderer nicht imstande, seine Familie in die neue Heimat hevwberzubringen, so ist er gezwungen, von demselben Lohn, den er hier verdient, auch seine Fzmilienangehövigerr im AuSlonde auSzuhalten. Dringt ' er seine Familie aber hreher, so fördert die erhöht« Kaufkraft feines Arbeitslohnes das Geschäft hierzulande. Ich wäre sogar dafür, daß die Familienmitglieder eines bereits hie»r lebenden tAuMnders atls Einwanderung 'seinheit" hereingskassen werden." Hingegen will Davis gegen die sogenannten i llegalen Einwanderer, di« ssch auf Umwegen ins Land geschmuggelt haben,' mit aller Strenge Vorgehen. Dieser Einwand erungs schm uggel wird besonders über die süd amerikanischen Staaten, Kanada mck>. .Mexiko schwunghaft, betrieben Davis behauptet, daß laut seinen Feststellungen Mer die kanadi- schen und mexikanischen Grenzen allein durchschnittl'ch tausend Einwanderer täglich aus illegale Weise in das Gebiet der Deremigieu Staaten gebracht weichen. - Unr dies zu bewerkstelligen, werdsn die unglaublichsten Mittel ange wendet. Selbst Flugzeuge' werden für > den EinwanLerungsschmuggel . vn Anspruch genommen., .'Die amerikau-ische Gesetzgebung steht vor, solche eingeschmuggelte Immigranten innerhalb fünf Jahren zu ,d ep o rtieren. Um dieser Umgehung des. Eiulwanderuings-gesehes zu begegnen, Plant Davis die. Erstreckung des Quotengesetzes auch auf die südamerikanischen Staaten sowie auf M e x i k o u>ud Kanada. Diese strengen - Maßnahmen Mt Davis auch deshalb für notwendig, weil die Kosten der Deportation pro .Kopf durchschnittlich 1.00 Dollar betragen, so daß diese Post den Staatssäckel der Vereinigten Staaten mit vielen Millionen Dollar belastet. Der neu« amerikanische Kongreß. Washington, 2. Dezemlber. (Tel.-Komp.) Der.68. Kongreß ist gestern in Anwesenheit eines .zahlreichen Publikums und des gesamten diplomatischen Korps eröffnet worden. Die Sitzung -war rein formaler Natur. Der Kongreß hat sich sofort nach dem Namensaufruf der.Mitglieder ve rtagt. Die Botschaft Coolidges wich 'wahrscheinlich erst am Mittwoch verlesen werden. Me griechifAMMch-rumSMe Allianz? Rom, 2. Dezember. Die „TribUna" berichtet aus K o n.ft a n t i n o p e l, daß man dort von der bevorstehenden Schaffung einer türkrfch-griechisch-rumänischenAllianz spreche. Die Nachricht werde von der türkischen Regierung weder dementiert noch «bestätigt.. Rach dem Komnmniftenpirtsch in Wand. 60 Tote. — Feldgerichte. — 20 Erschießungen. — Ruhe. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung") Reval, 1. De^mber. Der rasch unterdrückte Untsjuvzversuch der Kommunisten, bei welchem Bomben in das Hauptpostamt, in das Parlament und (zum Zwecke der Befreiung der beim letzten Prozeß, verurteilten Kommunisten) in ein Gefängnis getv-orfen wurden, hat' etwa 50 Todesopfer auf der Seite der Truppen gefordert; überdies wurden mehrere Privatpersonen getötet; unter den Opfern befindet sich auch der Verkehr s m i n i st e r K a r k. Die Zahl der Verwundeten ist groß. Verhaftet wurden bisher 60 Personen, w e itere Verhaftungen sind im Gange. Feldgerichte " sind in Tätigkeit getreten. 20 Aufständis ch e sind von' den Feldgerichten zum Tode verurteil und erschossen, worden. Truppen und Polizei halten die Ordnung aufrecht. Ein Wald im Weichbilde der Stadt, in dem sich rmWndische Kommunisten verborgen -haken sollen, ist Wiener Morgerrzeitrmg. 3. Dezember 1924 er Delegiertentag der öftemiMchea Lioniften. Die Die NeschlUe. ErgebnW des österreichi schon zionistischen Del«. giertentäges, über dessen Verlauf wir eingehend berichteten, sind in mehrfacher Beziehung zu bea-rüßen. Am wich« tigsten ist der Beschluß, welcher ein zweck in ä ß ig e s Z usa m m e n a r b e i t e n der Pa l L st i u a s o n d's, nämlich des Keren Kasenretth und des Keren Hajessod, uüt der ZioMstischen Organisation fordert. Die gewünschte Erhöhung der Eingänge des lvichtigsten FiNMginstrmnentvs des Ausbaues, des Keren- Ha jesso,d, und des nicht minder wichtigen Fonds, welcher die Aufgabe hat, palästinenstfchen Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Voltes zu erstehen, des Keren Ka je me 1h, kann nur eintreren, wenn eine starke, diIziplinie rte zionistische Organisation zur Verfügung steht. Die Arbeit für die' Erweiterung und Festigung derOrganisation darf -daher nicht vernachlässigt werden, und eilt richtiges Zusavimenarbeiren 'der zionistischen Leitung mit den Leitungen der Fonds ist unbedingt erforderlich. Di« bezÜHliche Resolution lautet: Der Pevmanenzausschuß hat nach Auhoren der Präsidien der Zionistischen. Organisationen, das Keren Hasessod und des Keren Kafemech, -beschaffen, dom T«legiertentag zweckmäßiges Zusammenwivk.'tt des Landes-, kcmiitees, des Keren Hajeffov und des. Keren Kasometh zu emj^ehlen und die Durchführung der nötigen Maß- . nachchen dem Landeskouritee zu überfassen. " Oiu dringendes Gebot der Zeit ist es ferner, der zisnisttscheri Jugenderziehung, ganz besonders Über .der Förderung u ud AusbiIdung^ jener Teile der jüdischen Jugend, welche als Pioniere für Crez Israel in Betracht kvMnen, das nötige Augenmerk zuzirlvenden und die erforderlichen övganisatorischen MaßnahMn zu treffen. Dieser Arbeit Helten fotzÄwe Beschliusse: Di« zionistischen Jugendgruppon sind van der Parteileitung ritt weitesten Sinne zu unterstützen, ins-, 'besonder«'soll' es als Pflicht betrachtet iverden, bei der Beschaffung' von Heimen ihnen die weitestgehend« Hilfe , zu gewähren. Der Delegiertentag -betrachtet di« berufliche und geistige Vorbildung von Promer-eu für Erez Israel als seine wichtigste -Ausgabe und -bvauftmgt das LaMsk-'-mitce, der Hechaluzoraauisation jode Unterstützung,, insbesondere auf dem - Gebiete der Bsrufvo-rbrvei-tung. St>cll-en- -vernnittluttg und WchnuugLbeschassmtg, angedeihen - zu lassen. Zwei Resolutionen des Delegiertentag-es bei-nhälien Anerkennungen für die außerordentlichen Leistungen zweier zionistischer Führer. Sie lauten: ' Ter Delvgicrtentag dankt wärurstens dem Aestninu-ugsgenossen Obetbaurat Ing. Robert Stricker für seine aufopferungsvolle, ausveibende Tätigkeit für die zionistische Bewegung und das gesamte Judeiriunr sewie für sein tapferes Auftreten für die Rechte mi-sores Volkes, -das allen als leuchtendes Bei-lpiel dienen soll, und spricht den Wunsch aus, daß Oberbaumt Stricker dem neuen Landeskonvitee angeboren möge, um durch feilte MiMfe auch weiter der Zionistischen Organisatio:! zu dienen. (Mnuwnlanger, de-nwnstratrver Beifall, di« Teiluehul-er erheben sich von den Sitzen.) Der Telegiertentag spricht dem Vizepräsidenten der Kustnsg-elneinds, Gesinnungsgenossen^ Dr. Desidcr Fried manu, der während einer Zeit der -Wirtschaft-' Lichen Katastrophe Lern Präistdium der Gem-omdeals Fiuanzrefewnt a-ngchörte und durch Aufopferung, ferner besten Kräfte viel zu ihrer Erhaltung beitrug, den wärni- ' ftcit Dank aus. (Großer Be-isall.) .. . Schließlich ist noch ein« Resolution des Delegierte ittages bemerbenslrert, loelche der neuen Leitung die Möglichkeit gibt, durch die Entwicklmrg notioendig geworden« Aenderungeu im Bau der Organisation vorzimehmen: ... _)« Delegievteniag beschließt, das Landeskomitee zu ermächtigen, alle Statutenän-dernugert und OrgamfationAmaßnahnten für die kommenden Jahre gegen nachträgliche Genehmigung des Pürteirates durchzufühoen. ' u m z i n g eli worden.. Ueberall, auch an den Grenzen herrscht Ruhe. " .. Berlin, 2. Dezember, Gegen das Fuftreton des Generals'tz/'S ch önä i ch in M ü n che n haben v ö tl t sch e K-re-i se Ku ndg ebu nge-n mit der Begründung angedroht, daß der General vor einer pazifischen Propagandare.ise durch Frank re i ch stehe. Die Münchener Poljz«id>irekiion hat davcmshin das öffentliche Auftreten - des Gonerals in München mit der Begründung verboten, ' daß die -Dkünchener Bevöl'kerung über seine beabsichtigte Vortragsreis« durch Frankreich äußerst erregt sei. Brthklu Protektorat üder die krwachrnve« Uagarn. Einen größeren politischen Schwindel hat sich wohl noch ksine Regierung geleistet, als die Bethlen-Regiernng mit den Erwachenden Ungarn. Im Gerichtssaal läuft eben de>r aufreizende Prozeß geigen die Bombenwerfer M-a rffy und Konsorten zu Endedessen-Verlauf salbst den Staatsantoolt als öffentlichen Ankläger zur Festzstellung zwang, daß „der Verein der - Erwachenden Ungarn die- Brutstätte P, im . der seit Jahren veraLscheuungswürdig« und grausame Verbrechen. aMgsheckt, organisiert und durchsührm-ngsveis gemacht'worden sind". Das hindert die Bethlen-Rcgiernng nicht, denselben Verein der Erwachenden Ungam m,ostentativer.Weise zu. patrowisieren,.indem sie dieser Mvrderbanide' die öffentlichen Schwlgebäud«, die sonst keiner.politischen Partei für Dersammliuugszwecke übeÄaffen werden dürfen, für nächsten Sonntag gleich zivei' öffentliche Schulen, und z-ivar eine Bollsschu-le und . eine Bürgerschule, zur Verfügung stellt. Laut den zsi dieser Versammlung einladenden Plakaten handelt es sich um „ProPeMitdapttsommlungen" bchuss Werbung von.neuen Anhä-l^erp.. ^.. ... .. . Selbst der lammfromme „Pester Lloyd", der sich über diese Bsvorzwgnnig des Vereins der notorischrn Bevbvccher wiederholt aufgeregt hat, ruft in ferner Berz-weisürng a-us: Nicht mehr an den Ressortnrinister, sondern an den Mimsterpräsrdenten Grafest Äephan Bethlen selbst richten wir'äbrrmÄs die Frag«: ' Wie lange soll dieser Un-ftrg noch ge'dtrldet werden, der in den Doltsmassen den Anschein weckt, als ob der Verein der Erwachenden Angam 'der wohlwollenden Patronanz öffenblicher Behörden-teilhaftig iväre? Das fragen wir schön' lange! Aar ««Mische Rnmvfvarlament. Budapest, 2. Dezember. (Tel.-Komp.) Zu der .heutigen Sitzung, der Nationawersa.n'..mlnng war der gesamte B l-s..ck de r L i n.k e.n gemäß ciner Erklärung, an der Debalt-r über die Revision der Hausordmting nicht teilzunohmen, nicht erschiene n. Aber auch die rechtsradik a l e O p p o s i t i o n s e h lte bei der Heu t igert Si tzumg, ' Däs '-HÄus nahmsofort' stach Eröffnung' de« 'Rdgierungsanirag an/ di« Verha,n'dlu,ng der Güsetzesvovlag« über di« Reviisttm der Hausordnung für dringlich zu erklären Der Eskütt-Prozetz. Im Eskntt-Pvozetz wurde heute das Beweisverfahren geschlossen. Der StnatSaiywa/lt begann sein Plaidoher. ' Mutige ZusamMuftöbe in Slawoniml Eine ungarische Meldung. Belgrad, 2. Dezember. (U.-T.-K.-B.) Samrstag a-beitds ist es in Karlowitz zwischen der kroatisch-nationalistischen Organisation und Mitgliedern der Oviuna zu blutigen Zusammenstößen gekommren. In die Schlägerei, bei der schließlich ibeiderseits Messer und Revolver benützt wurden, rwscht« sich auch Militär und Gendarmerie ein. Ein Offizier. 5 Soldaten, j.2 MitgliK-er der Or-jnna. 4 Polizisten und 7 kroatische Rationalisten evlitien mehr- oder minder schwere V e r l e tz u n g e n. Nach einem Bericht der oppasitionellen „Novosth" ist es auch in Banjaluka zu einer Schlägerei gekomrnen, weil die serbische Jugend eine Konferenz der Landloirtepartei siprengeat wollte. Die Angreifer wurden durch Konserenzteilnehlnter vertrieben. Mahregelmgen yn der Agram« UniverfftA. - Belgrad, 2. Dezember. (Tel.-Komp.) Auf Grund des Paragraph 4 der Staatsverfassung wurden heute drei Prosessoren der Agramer Universität ihres Amtes enthoben und pensioniert. Paragraph 4 der Verfassung untersagt Staatsbeamten, öffetttlich gegen die bestehen-de Staat'sform aufzutreten. Die pensi-onierten Uni- Veysitätslv'hver hatten sich in öffentlichen Versamm'ln>ttgc.n zur r e p u b l i k.a n i s ch e n Partei bekannt. Als -diese Maßregelung der Professoren in Agrarn bekannt wurde, hielt die Stn-dentenschast dar Universität eilte Pr ote st Versammlung ab. Zwischenfälle'ereigneten sich nicht. - Sie dritte Konfereyr der RMolgeftaatr«. Rom, 2. Dezember. (Stefaiti.) Di« Konferenz, die die zwischen den Nachsolgesta-aten schwe'benlden Fragen gemäß den Verträgen von' St.-Genntain und Tna-non zu regeln hat, ist zu. ihrer dritten Session im Palais des Minisleviunts des A-eußern zusämmengetretetu Der bevollmächtigte Min-ist-er Negrotti hieß die Erschienenen namens der italienischen Regierung willkommen. Der rumänische Gesawdte Lakhovary dankte namens der auLwart'Hgen Delegationen für den herzlichen Empfang. Hierauf lvnrden die Methoden und di« allgeinetnen Grundsatz« besprochen, di« die Konfeventz bei ihren Arbeiten zu befolgen ha-ben wird.

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