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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-03 · Heft 2080 (3.12.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2080 (3.12.1924)
Date
1924-12-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IPoibii 20nrcgzyj Wien: Zum Abholen in der Expedition, fl. Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleiastelle (Trafik Lmonatl. K 40.000 Strasaenverkauf in Wien dnrdi die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1.8er., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 40.000 Ts ehe e h o-S lowakei: Mon. K 20. Jugoslawien: Mon. DinaröO. P o 1 e n: Mon. S1/» Zlotv, Deutschland: Mon.Goldmark4, Fr an k r., Belgien: Mon. Frcs. 15 VW* N«eh cab i ubr«a W| M Pretaarhöhnaree .«.behalte« Kr. 2880 lener | Prell K 1400 | England: Mon.4 Schilling, Italien: Monatl. 15 > irr, Ru minien Mon. 1501 ei, Bulgarien Mon. BO Lewa« Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstr. 1—8 elcptione: 44-0-38,45-3-19, AS6ühr abds. 21-102,25-282 IX. Universitatsstrasse 6—8 a (Druckerei Steinmann) Wie«. Mittwoch I. Dezember 1924 Oeaterreichisches Postspar* kaaa.en - Xonto Nr. 150.6^3 K. rioiirnona Der englisch-deutsche Handelsvertrag unterzeichnet. Veröffentlichung am 8. Lerember. — Ae Frage der LKprozentigen Revaratiünsabgabe vorläufig anrgeschaltet. Berlin, 2. Dezember. (Wolff.) Die Verhandlungen Über den Handels- und Schiffahrtsvertrag zwischen Deutschland und Grotzbritannien wurden am 2. Dezember in London z u E n d e geführt. Der Vertrag ist im Foreign office durch den d e u 1schenBotschafterin London und den Ministerialdirektor Schubert für Deutschland sowie durch den britischen Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, L o r d d'A v e r n o n für Grotzbritannien unterzeichnet worden. Der Text des Vertrages wird in Deutschland und England Freitag den 5. d. morgens veröffentlicht. London, 2. Dezember. (Tel.-Komp.) Im deutschenglischen Handelsvertrag gewährt Deutschland ' E»gland die Meistbegünstigun& ,. Als Gegenleistung annulliert England die gegen Deutschland gerichteten Bestimmungen hinsichtlich der Banken und der nicht eisenverarbeitenden Industrien. In Zukunft würden die Deutschen dieselben Erleichterungen haben wie alle anderen Nationen. Den englischen Staatsangehörigen sei es in Zukunft gestattet, von deutschen Banken und Versicherungsgesellschaflen »»gestellt zu werden. Berlin, 2. Dezember. (Wolff.) Die deutsche und die englische Regierung haben vereinbart, daß die praktischen Möglichkeiten der Einführung einer anderweitigen Erhebungsmethode für die 2 6prozentige Reparationsabgabe, bei der Zahlungen von seiten der einzelnen Kausleute nicht erforderlich werden, von der deutschen Regierung, dem Generalagenten und dem , TrÄnsferkomite« erörtert werden. ' _ Ae Eröffnung der neuen englischen Parlaments. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 2. Dezember. Das neue Parlament ist Heerte nachmittags zum ersten Male zusammenge- Ireten. Da das Unterhaus jetzt mehr als 400 Konservative zählt, mußten bedeutende Blenderungen m der Verteilung der Plätze vorgenommen werden. Aus diesem Grunde hatten sich die Abgeordneten bereits von 8 Uhr morgens an im Hanse eingesunden, nm Plätze zu belogen, obwohl die Sitzung erst mn 3 U>hr nachmittags eröffnet wurde. Baldw i n wurde mit lebhaftem Beifall begrüßt, ebenso Mat Donald von seinen Parteianhängevn. Etwas später erschien ein Beamter in der traditionellen Tracht und ersuchte die Abgeordneten, sich nach dem Oberhause zu begeben, um die Verlesung der königlichen Verordnung anzuhören, durch die das Parlament als eröffnet erklärt wird. Dann wurde der Zug der Tradition gemäß gebildet. Baldwin reichte Mac Donald die Hand und beide begaben sich Seite an Seite nach dem Oberhause. Hinter ihnen schritten Chambevlam mit Myues, Churchill mit Thomas. und dann paarweise die übrigen UntevhausMltgs'iHder. MS letzter kam Lord George zu spat an. Nach Verlesung der königlichen Verordnung im Ober- Hause wurde auf den Vorschlag eines konservativen Abgeordneten, den die Abgeordneten der Arbeiterpartei unterstützten, der bisherige Sprecher des Unterhauses Wh early wiedergewahlt. Nachdem Wheavlh in traditioneller Weise gelobt hatte, dem Willen der Versammlung gemäß sein Amt zu fuhren, wurde er von den Führern aller Parteien der Reihe nach beglückwünscht. Die Sitzung wurde sodann geschlossen. Morgen wird die Vereidigung der Abgeordn e t e n erfolgen. Im Oberhause haben bereits heute abends 127 Lords die Angelobung geleistet. fV.V Ziwar Paschas Kabinett. London, 2. Dezember. Das Reuter^che Bureau ne'det aus Ka i r o: Der Verkehrs mini st er ist von seinem Amt nicht zurückgetreten; er hat zeitireil'.g das Ministerium für öffentliche Arbeiten nbenrom'men. Ter frühere Minister Tewfik Pascha Rifaat hat das Unterrichtsportefeuille übernommen. Die Ernennung Tewfif Paschas, zum Unterrichtsminister wird als Anzeichen dafür ausgefaßt. daß das Parlament wahrscheinlich aufgelöst werden wird, da der neue Minister keiner, der beiden Kammern angehört, wahrend sein Vorgänger Vizepräsident des Parlaments war. Englischer Vorbehalt. London, 2. Dezember. Das Reutersche Bureau erfährt: Einzelheiten über die zwischen der britischen und der ägyptischen Regierung ausgetauschten Noten liegen zurzeit nicht vor. Die in der ägyptischen Rotz verzeickme'e Annahme der englischen Forderungen bedeutet noch keine e n d g u l t i g e R e g e l u n g der ägyptische» Frage, sondern lediglich der Frage des b r i t ischen Schutzes ausländischer Interessen. Attentatspläne gegen Ziwar« Da ein Attentat gegen Ziwar Pascha befürchtet wird, wurden außerordentliche BorsichtsmaßreMn getroffen. 20 Detektives bewachen die Wohnung des Premierministers. Verhaftungen in Alexandrien. Kairo, 1. Dezvmber. (Reuter.) :Ju Mexaudvien sind vierzig Personen, zu>meist Studenten, wegen der Veröffentlichung eines aufwieglerische« Manifestes verhaftet worden. Wohl um neuerlichen Unruhen vorzubeugen, haben etwa 3000 britische Marinesoldaten mit Geschützen und Maschinen gewchren einen Demonstrat i v n 's m a r s ch durch die Stadt ausgeführt. Aushebung der Velaieruusszustandein Siebenbürgen. Bukarest, 2. Dezember. (Orient' Radio.) Da die Re« gievung feststellen konnte, daß unter der Bevölkerung Ruhe hervscht und daß j.de Gefahr für die. öffentliche Ordnung geschwunden ist, hat sie Maßnahmen beschlossen, die praktisch die Aufhebung des Belagerungszustandes im westlichen Grenzgebiet und m den übvi>gen Gebieten Siebenbürgens gleichkommen, wo der Belagerungszustand bestanden hat. Die Zivilbohörden übernehmen wi.der ihre ausschließliche gesetzliche Konrpelenz. Aranting schwer erkrautt. Stockholm» 2. Dezember. (Tel.-Komp.) Ter schwedische Ministerpräsident Branting ist Plötzlich schwer erkrankt. Er wivd an der Tagung des Vöckerbundrates in Rom nicht teilnehmen. %m emopAsche Siechtum. Ka. 28 i c n, 3. Dezember. Die andauernde chronische europäische Krise äußert sich immer von neuem m Mmister- und Parlamentskrisen in den verschiedenen. Staaten, in den ungeklärten, vielfach gespannten Beziehungen Wischen verschiedenen Mächten und schließlich in der Erschütttvuug der Positionen der europäischen Großmächte in ihren asiatischen und asrikanischen Kolonialgebieten, Was vor allemdie Parlamentskrise betrifft, so entspringt sie wohl in den verschiedenen Staaten verschiedenen .Motiven, ist aber nahezu überall darauf zurückzuführen, daß entweder die V.rfaffungsinstitutionen den Löbensbedingungen' des Staates, beziehungsweise den Bedürfnissen der Bevölkerung nicht angepaßt find, oder aber die Programme der einzelnen Parteien von d.r äußersten Rechten bis zur äußersten Linken durch die politisch- und soziale Entwicklung überholt sind und nur mehr auf Grund des Trägheitsgesetzes künstlich ihr Dasein fristen. Das eben Gesagte gilt mit wenigen Variationen für Mitteleuropa, Osteuropa und den Balkan; aber m gewisser Hinsicht auch für andere Staatsgebiete. . - ■ - Die Pavlamentskrise führte zu wiederholten Auflösungen des englischen Parlaments, der französischen Kam-; mer und des deutschen Reichstages; sie tritt immer schärfer zutage in Italien, Polen mtd Ungarn; sie führte zum Mi- >' msterwechsel m Oesterreich und' Jugoslawien und dürfte I aller Wahrscheinlichkeit nach sehr bald' zur Parlamentsausrlösun^ und Neutvahlen auch in Rumänien und der Tschechi-Slowakei führen. - - - Der Umstand, daß diese Krisen sowohl in nationalen wie iu Nationalitätenstaaten, den Staaten der Sieger wie der Besiegten, den monarchischen wie den r.pMikamschen Staaten und im bolschewikischen Rußland mit gleicher Häufigkeit und Intensität auftreten, beweist, daß bei aller Verschiedenheit in den Einzelheiten man doch von einer gemeinsamen europäischen Parlamentskrise und von' einem-Zusammenbruch der alten Parteiprogramme nwhr oder weniger allüberall zu sprechen berechtigt ist. Zum nicht 'geringen Teile ist dies auch darauf zurückzuführen, daß die meisten Politiker der alten Schule trotz der Erfahrungen vor, rm und nach dem Weltkriege es noch immer nicht begreifen, daß der Staat des 20. Jahrhunderts nur als Rechts-, -Kultur- und Wivtischaftsstüat aus Grund der nationalen, religiösen und wirtschaftlichen Glelchberechtigung besahen, zur Blüte gelangen und sich den inneren und äußeren Frieden sichern kann.' Me bisherigen Versuche, die Staatsidee irgendwo in Europa dem nationalen Fanatismus, dem religiösen Zölotismüs oder Klassenogoismus mandatshuugriger Koterien dienstbar zu machen, haben — wie die jüngste Vergangenheit in den verschiedenen Staaten und insbesondere deutlich in Preußen und Ungarn zeigten zum Zusammenbruch des alten Staates und der alten Staatsidee geführt. Ein Menetekel upharsin für das heutige Europa, wo über 40 Millionen sich als national bedruckt und eine unendlich größere Zahl sich als wirtschaftlich ausgebeutet betrachtet! So verworren auch die politische Lage m Mittel- und Osteuropa sein mag, so sehr daselbst auch die Gegensätze sich zuspitzen, die Hauptgefahr droht doch vom Balkan her. Besonders in Jugoslawien muß mit der ernsten Möglichkeit eines gewaltigen G. Witter sin rnres seit der neuerlichen Berufung eines MnisterlUiMs Pasic-Pvibioevic/ der abermaligen Ausschreibung, von Neuwahlen und der abermaligen Flucht des kroatischen Bauernfühvers Radie ins Ausland gerechnet werden. Man braucht keineswegs sich mit den Anschauungen Ra-d-ic' in allen B.langen zu identifizieren. und man muß sich doch mit der Tatsache abfiuden, daß nicht nur nahezu das ganze kroatische Volk, sondern auch der größte Teil der Slowenen, der mohammedanischen Türken, der Deutschen, Magyaren, Rumänen, Albanesen», Bulgaren, ja selbst ein ansehnlicher Teil der Serben in schävffter Opposition g.gen das Ministerium Pasic-Pribieevie stehen, das daher kaum die Neuwahlen überleben dürfte. Dann aber wird in Jugoslawien — wenn nicht ein vollständiger Systemwechstl sich vollzieht — die Staatskrise in ein äußerst gefährliches Stadium eintreten. Das Bedenkliche ist, daß eine Staatskrise sich kaum j ans Jugoslawien beschränken, sondern infolge der chaoti- Tacpflpfltfiphpf* PhiiflUlO Frottierhandtücher sowie alle Leinenwartn 1 UUuIluIllUÜilul « Ullliiyllu« zu sensationell billigen Weihnachispreisen bei Kann & Fried TI. Linke Wienzeile 40 (im Hofi)

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