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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-02 · Heft 2079 (2.12.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2079 (2.12.1924)
Date
1924-12-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wiener Morgerizeliüng. S. Dszemiber 1SSS . Nt. 807- LIe knthüllungen gbanrz'. V V r , ra atub feit vierzehn «Fahren bezahlen wir hie Kosten dieses kriegerischen Abenteuers. Tcc spani^-? .'-rifisteller BlaSeo IVanez, der sich 'durch seine realistische Romane weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus einen Nanien gemacht hat, hat jetzt ’baS Buch, das bestimmt ist, der polliiischen Propaganda gegen König Alfons den Dreizehnten und den fpanische» Militarismus zu dienen, beendete Die französische Usbersetzung ist unter dem Titel: „Alfonse 19 demasgue. La terreur militariste en Espagne" bereits erschienen. (E. Flammarion, Paris.) Die spanische Originalausgabe ist für Spanien und di« süda-merisanischen Steijw* birken 'bestimmt. Cs sind im ganzen zwei Millionen Exemplare auf Kosten des Verfassers gedruckt worden. „Es ist dies »reine erste KampshaMung", erklärte der in Paris weilende Ibauez den Vertretern der französischen Presse, „und ich bin gespannt, welche Wirkung meine Schrift in meiner Heimat haben wird. Bisher stand es mir frei, nach Spanien zurückznkehren; ich weiß aber nicht, was man nach Erscheinen meines Buches gegen rmch unternehmen wird, ich trete offen für die Schaffung einer spanischen Republik ein. Biele haben mich gefragt, war geschehen wurde, wenn der König weggejagt würde. Nun, es könnte nichts Schlimmeres geschehen, als was wir -während des Marovkokrieges erlebt haben: eine Affäre, die uns Tag für Tag fünf Millionen Pesetas kostet und die dazu geführt hat, daß di« zwölf Goldmilliarden, die während des Weltkrieges nach Spanien geflossen waren, wieder verschwunden sind. Was geht uns MarcEko an? 25.000 Menschen, das heißt ein Viertel des spanischen HeereS, sind bereits rühmlos auf der Strecke geblieben, GS ist durchaus nicht schwer, ein neues Spa n i e tt unter einer modernen Staatsform zu schaffen, die alle« Fortschritten zugänglich ist. In meinem Vaterland kann man heute unter der Diktatur Prim-de Meras . nicht mehr atmen, und jedes freie Wort ist erbarmungslos erdrosselt. Die Militarzen'sur unterdrückt alles, was ihr nicht in den Kram paßt. Ein Oberst überwacht als Zensor die Press«, und kein Buch, auch wenn es von Mathematik oder Philosophie handelt, kann ohne Genehmigung ded Direktoriums erscheinen." Le» Rückzug io Marokko geht weiter. Melilla, 30. November. (HavaS.) Bei der Räumung verschiedene« Positionen in der Zone von Larasch verloren die spanischen Truppen etwa 40 Mann an Toten und Verwundeten, zumeist eingeborne Soldaten. Der Martinfluß ist aus den Ufern getreten und hat Straßen und Schienenwege in der Ebene unter Wasser gesetzt. Da die Fluten auch die Blockhäuser für den Schuh -er Furten bedrohten, mußten sich ihre Vesatzungen auf Tetuan zurückziehen. Abd el Keim ermiovdei? Paris, 1. Dezember. Wie .HonvM" au6 Madrid berichtet, besagen Meldungen vuS Tebuwi, daß der Kabylen* Mhrer AbdelKrim, der mit den Spaniern Friedensverhandlungen eingeleitet habt«, von Angehörigen eines.Kindlichen Stammes ermordet worden fei. SM S Wien, MnSkag_ Men trieb? Die Behörde war so diskret, nicht nach-! zuforschen. Nun, er kam so wie Lechner, $tcuub und i Bachmann und viele andere, den Oesterreichern die -neuen Methoden der Hitlerschen und Luoendorffs scheu Weltbeglückungspläne beizubringen, preußische.! Strammheit den schlappen Wienern einzuflößen, sie für Roßbach und Ehrhardt zu präparieren. Er miclete sich bei einer 66jährigen Witwe ein und trat bei ihr — wie soll man es sagen — die Erbschaft seines Mitgenossen Bachmann an. Er treibt sich in nationalsozialistischer und großdeutscher Umgebung herum, der ' 19jährige Bub hört und diskutiert allabendlich über die Notwendigkeit, den Stamm Sem auSznrotleu, damit wieder Ehre und Freiheit werde. Und daheim hat er ein, sagen wir, Liebesverhältnis mit der 66jährigen > Vermieterin, die ihm Geld und gutes Essen versetzt, das sie sich vom Mund abspart. Bei ihr wohnt auch in der dunklen, feuchten, wanzenverseuchten, stinkenden 'Stube die Pruscha. Auch ihr ist der forsche, blühende s Junge gerne gefällig. Wenn er von der neudeutschen Politik genug hat, dann frißt er sich 6ct der alten .Eberl an und dann schläft er zwischen den beiden. Es ist ihm übel mitgespielt worden und er wird Wien verlassen, gekränkt in seiner deutschen Seele. Alle anderen aber, diese übelste Sippschaft von Denunzianten, Spitzeln, Mordhalunken und Strichburschen, die noch da bleiben oder zu denen er zieht, werden dazu erzogen, die Sittenverderbnis, so von den Juden ausgehend, zustrafen. Sie sind diejenigen, die in fünf oder eehn Jahren das deutsche Volk führen, lehren und in Den Parlamenten vertreten werden. Mussolini für eine Revision der saszistischen ParteitaMk. Eine Beschwichtigungsbotschast. , Rom, I. Dezember. (Stefam.) In den Städten der .Provinz wurden gestern von den Bezirksleitungen der jFaszfftemPartei Versammlungen veranstaltet, in denen eine .Botschaft des Ministerpräsidenten Mufsvlini, des 'Führers der Partei, zur Verlesung gebracht wurde.! Die Botschaft erklärt eingangs, daß die pMifche Er-; fo$iating in den 25 Monaten de's Bestehens des F a s z i Z-> m u S di« unbedingte Notwendigkeit einer Revision der moralischen, geistigen und politischen Stellung der Partei dartue. Dir Gründe für die teilweise Aenderung in der öffentlichen Meinung, heißt es in der Botschaft weiter, brauchen uns nicht übermäßige Sorge zu bereiten, denn der FaSziSmuS hat n-och immer feine Krisen überwunden und <s wird sicherlich möglich fein, das sozusagen verlorene Terrain aus Grund der cm folgernden gegebenen Leitsätze wieder zu gewinnen. Gz muß betont werden, daß jede Ungesetzlich, 'fett und Gewalt der Regierung und der Partei ^Schaden bringt und keineswegs gerechtfertigt ist. Die Partei muß mit aller Energie von jenen Elementen «reinigt werden, di« den Faszi'SmuS diSkrs» liieren können, mögen st« sich was immer für Verdienste in der Vergangenheit erworben haben. ' Der persönliche Hader unter den Faszisten ist unverzüglich einzustellen, die Partei muß ihre Kräfte insbesondere in den Gemeinden und Gewerk- .schäften dazu verwenden, die Solidarität der arbeitenden Bevölkerung zu festigen. Oesfent- Viche Kundgebungen der Partei, Umzüge, Festlichkeiten und sonstige Zeremonien dürfen nur aus außerordentlichen Anlassen veranstaltet werden. 1 \ Zur Uebevwindumy aller Arten der Opposition Mens der alten nichtfaszistischen Parteien fft «S nicht nötig, zu außergewöhnlichen Mitteln zu greifen. ES genügt vielmehr, an folgenden drei Kardinalipunkten festzuihalten: Stille Arbeit, vollkommene Disziplin, kein V e w a l t a k t eines einzelnen oder' einer Gruppe. Me Ungarn seine Armee versteckt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzritung") / Prag, 1. Dezember. Die „Prager Presse" «Miet aus Pudapest: Bekanntlich umgehen die Magyaren die Bestim- Mrngerr des Friedens Vertrages über die Ergänzung der ungarische n Arme« auf die Werse, daß sie den obligatorischen Turnunterricht und die Or- 'ganisabion der sogenannten Jünglingsvereine durchführe^ über die in derselben Weist Evidenz geführt wird, Wie dies bsi der Evidenz der militärdienstpflichtigen Personen der Fall war. Die Organisation der „Jünglings- Vereine" in Budapest ist noch nicht beendet. Nach der Konjstription gibt es allein in Budapest gegen 60.000 Jünglinge, die zmn Turnunterricht verpflichtet sind. JnspEtor der ganzen Origvwi satten ist ein Offizier namens Stephan sSalay. Bisher wurden 56 Uebungsleiter ernannt. In fcte ersten Organisationen wurden 16.000 Jünglinge assentiert. Die Uebungen finden jeden Sonntag vor- -mittags statt. f Der zweite Gmd der Organisation der Jünglinge wird <cm Dezember errichtet werden. Die größeren Jndw stvieunterneihmungen und andere UnteritehmuMN, die eme bestimmte Anzahl zum Turnunterricht verpflichteter Personen beschäftigen, werden verhalten sein, eigene Ov- Müfatimerr, zu ^errschten. Kleinere Untevyehmungen werden nach einer vorher bestimmten Anzahl von Jünglingen zu Gruppen vereinigt werden. In die dritte Kategorie gehören die älteren Turner, die bei Gewerbetreilbenden arbeiten. Die organisatorischen Arbeiten sollen bis zum Jahre 1926 beendet werden. Gegen Unternehmer, die die Durchführung dieser Vorkchm-ngen verhindern sollten, wird strenge eingeschritte.n. Nach der ersten Ausbildung twivd im Mai die Fahnenweihe stattfinden. Die Mitglieder der Organisation werden das Recht haben, eigene Kappen zu tragen. Im Sommer werden Uebungen unter freiem Himmel stattfinden. Sostrne die schon existierenden Organisationen solche Uebungen wie hoi Sato* ralya Ujh:ly und bei Nyiregyhaza ustv. abhalten, ist der Charakter dieser Exerzitien größtenteils militärischer Natur. Es wird also für eine Reserve zur Ergänzung dor ungarischen Armee genügend gesorgt. Las ungarische Rnmpfpariüü,r.'.!. Budapest, 1. Dezember. (Ung. Dol.-Korr.-Bur.) In der um halb 12 Uhr eröffneten Sitzung der NaUonulvevsammlung wird vor den fast gänzlich leeren Bänken der Opposition der Bericht des JmmunitätsausschusseS in der Agigelegenheit der renitenten Abgeordneten unterbreitet. Der Ausschuß beantragt die Ausschließung der Abgeordneten G h ö r k i und S zilagy i ans 27, der Abgeordnete Propper und Kabock <mrf 22, der Abgeordneten Payer, Badics, Sütö, Szaba, Sally, Kiarik, Farkas, Sze der und M a l a s i tz aus 20 und schließlich des Abgeordneten P e i d l auf 10 nacheinander folgende Sitzungen des Hauses. Abgeordneter Hebelt soll dem Hause Abbitte leisten. DaS HauS nimmt den Antrag des JmmuMtätsausschusies a n mud tritt in die Verhandlung des Entwurfes betreffend die Revision der Geschäftsordnung ein. In der Debatte stricht auch Ministerpräsident Bethlen, der die Antwürst, die Regierung strebe mit der ^fchas-tsordnungvevision eine Parlamentsdiktaturan oder wolle sineF inanzdiktatur einfühven, zurückwies. Nächste Sitzung morgen. ,'r Abgeordneter Rnppert insnttiert. Wie die MmiagMtter melden, wurde Abgeordneter Ruppe rt vorgestern aibends im RestMlwnt des Ostbahnhosts von dem ehemaligen Hauptmaün Budahazy tätlich insultiert. Zwischen den beiden waren seinerzeit wegen einer Ehrenaffäve Differenzen aufgetaucht und Ru«ppsrt hatte Buhahazy vlls saitisifaktionsamfähig erklärt, weil dieser während des westungarifchen Aufstandes einen seiner Untergebenen ohne kriegsgerichtliches Verfahren halbe hmrichten lassen. Ruppert hat nach dem gestrigen Vorfall die Anzeiige gegen Budahazy wegen Körperverletzung erstattet. Der Eskütt-Prozesi. Bei Beginn der heutigen Verhandlung im Prozeß Es kü tt vollzog sich abermals ein Wechsel in der Person des Verteidigers. Eskütt machte heute wieder seine ursprünglichen Verteidiger,.die Abgeordneten Dr. Ghörki und Doktor Weiß, als Rechtsvertreter namhaft. Sodann wird das Zeugenvechör fortgesetzt. Der erste Zeuge, der ehemalige Äckerbaumiuister T^e r f y - erklärt, seinen Eiudrücken nach könnte Stephan S'zab o^ von .den Mißbräuchen MUtts ns ch t s gewußt haben. Der. Großgrundbesitzer K o v a e s, der seinerzeit als Mgeördneter im Parlament das erste Rev-Merattentat aus dm Graf Tisza verübt lhat, sagt aus, er habe von Eskütt gehört, daß dieser die amterfchlagenen Beträge für Zwecke des westungarifchen Aufst a n des verwendet habe. . 7 Nach Vevl-esung des ärztlichen Gutachtens, wonach Wküttst a r kde g e n e r i e r t und neu-msthenisch jedoch nicht geisteskrank sei, wird der Geheimakt des G r a f e n B e t h l e n, der -in der Freitagsitzung der Nationalversa-mmlung so viel Erregung hervorrief, im Wort- >laut zur Verlesung gebracht. Alls demselben geht hervor, daß nicht von S-lMlnilungen für Pari/nzwecke, sondern von Schenkungen für propagandistische vder p o l i t i s ch e Z w e ck e die Red« ist, von denen der M- Msterpräsident verständigt zu werden ivünschte. Von feite« der Verteidigung werden noch verschiedene andere Zeilgeneinvernahmen gefordert, woraalf hi« -Verhandlung aus morgen vertagt wird. Marfftz und rirra.8rzlar. Budapest, 1. Dezember. (Tel. der „Wiener Niorgenzeitung".) -In dem Prozeß gegen M ar ff y, das Haupt der ungarischen Pombenwerfer, wurden, alle Mmen der, politischen Leidenschaft losgelassen, um in den Reihen der christlichen Bevölkerung den Glauben zu festigen, daß die überwiesenen Bombenwerfer unschuldig sind und dennoch von einer den Juden ergebenen Regierung schuldig gesprochen werden sollen. Der Verteidiger Marffys, Doktor Ktszely, stimmte sein Plaidoher auf diese Note, indem er seinen Schützling gleich den übrigen Angeklagten als da- Opfer der polizeilichen Mißhandlungen hinstellte. Nachdem er seinen ganzen Vorrat an rassenschützlerischem Wortschwall erschöpft hatte, schloß er seine Verteidigungsrede mit den Worten: „Der Gerichtshof möge sich nicht dem Verdacht auSsttzcn, vaß er irgendeiner ftemden Beeinflussung nachgegeben hätte. Ich erinnere den Gerichtshof an den TiSza-ELzlarer Fall, in dem die angeklagten Juden wegen' Mangels an Beweisen freigesprochen werden mußten, obgleich dort viel mehr Beweise für die Schuld der Angeklagten Vorlagen als hier. (?) Auch aus diesen Gründen müsse das Urteil über Marfsy ein sceisprechendes sein.^ Die Bombenwerstrgarbe hat also für den Fall einer Verurteilung der Mörder ihr Schlagwort. Sie kmlgrautenprozeffe. Ans Budapest wird unterm 1. b. gemeldet: Gegen den aus der Emigration nach Budapest zurückgckehrten sozialdemokratischen Führer Jakob Weltner ist. ein Strafverfahren eingeleitet worden, weil er den seinerzeit von den Sozialdemokraten mit den Kommunisten abgeschlossenen Pakt, womit diesen die Regierung übergeben wurde, unterzeichnet habe. Die vom Verteidiger Weltners erhobenen Einwände wurden heute vom Strafsenat abgelehnt und Weltner wegen ÄufruhrS und Hochverrates unter Anklage gestellt. Der Advokat Dr. Zoltan Baida, der während der Proletarierdiktatur die Stelle eines Oberkommandantcn der Roten Polizei bekleidet hatte,. und deshalb zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, wurde, nachdem er um Wiederaufnahme des Verfahrens angesncht hatte, freigesprochen. Die königliche Tafel hat heute dieses Urteil bestätigt, das in Rechtskraft erwuchs, da die Staatsanwaltschaft keine Berufung dagegen eingesegt hatte. 6ine nette Siebe de« deutschen Reichskanzlers gegen die Pogromhetze. Berlin, 1. DeWtdber. Wie dem Wolftschen Telegvaphmbnvecrn aus' M^rfÄd teleHMphtevt wird, hat dort Re-ichska'N-ziler Marx im großen Saal der Stadt'halle vor einem MassenpM'ckum gesprochen und. im Verlaust seiner Rede die neuerdings im Wahlkampf immer stärker zutage .tretenden antisemitischen Bestrebungen, die „mit dem Geiste wahrer Volksgemeinschaft, aber auch nüt dem Geiste des Christentums nicht vereinbar seien", scharf vernirteilt.

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