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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-02 · Heft 2079 (2.12.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2079 (2.12.1924)
Date
1924-12-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IPolin’ MM»M Wien*, Zum Abholen in der, Expedition, II. Taborstr. 1-3, ► oder in einerVerachleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strasaenverkauf in Wien durdi die Kolporteure der; Firma Goldschmied, 1. Bez.» Wollzeile 11 Mit Poatversand für Wien o. Oesterr. monatl. K 40.000 Tachoch o-SIowake! Mon. K20. Jngoilawiet. Mon. Dinar6Ö. Polen: Mon. 3y, Zloty, Deutschland: mon. Goldmark 4, Fr an kr., Bolf ien: Mon. Frei. 10 ■T Haehiihlaag«* *VNI M .PratarhShaaffm vorbefaalt«» - Sr. 2879 Wiemr ♦ Wien. Dienstag S. Dezember 1924 1 Preis K 1400 England: Moni43chilBngj Italien: Monatl. 15 Lire, Rumänien Mon. 150 Leh Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frei. 4. Redaktion u. Administration Wien, II„ Taborstr. 1—3 Telephone: 44-0-30,43*3*19,' AbfiUhrabds. 21-102,25-282 IX. Universitatsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmam») Oesterreich Isches Postspar» hassen-Konto Nr. 150.698 S.Zahrsang Ser Aufstand durch Truppe« unterdrückt. — 8S Tate. — Eine Generalsdittatur. ' .:. j Reval, 1. Dezember. Die Estnische Telegrafenagentur meldet: Heute vormittags versuchten die Kommunisten, sich der Regierungsgewalt zu bemächtigen. Zu diesem Zweck wurden Banden von je 15 Man« organisiert, die sich mit Gewehren und Handgranaten bewaffneten. Sie besetzten gleichzeitig die Bahnhöfe, die Negierungsgebäude, die Postämter, die Polizeidirektion und die Telefonzentralen. Die Truppen unter drückten den Äüfstand und stellte» in zwei Stunden die Ordnung wieder her. Dabei wurde eine Reih« von Personen gelötet. Die Zahl der Opfer übersteigt wahrscheinlich fünfzig. Unter den Toten befindet sich auch In ganz Estland wurde der Kriegszustand proklamiert. General Laidener wurde zum Oberkommandanten mit nutze cord eutlichen Vollmachten. ernannt. Die Negierungsgeschäfte nehmen ihren normalen Fortgang. Die Stadt ist wieder ruhig. * Wie stets, so hat auch hier der Versuch der Kemmiunisten, einen gewaltsamen Umsturz hevbeizusühren, «die Wirkung erzielt, daß -der wt>e Terror durch den weißen abgeliöst wird. Die von Sowjetrußland soütenierte kommunistische Umsturzbeiwegung in Estland' ift' Wasser aus die Mühle der Latifundienbesitzer, die mit Hilfe der Armee das Land zugrunde richten. - - > Reiche als Erzieher. —-y. W i e n, 2. Dezember. Leichenblaß stand der Staatsanwalt ‘ zu.'seinem zweiten Plaidoyer auf, als die Geschwornen ihr Schuldig gegen die armselige Hinterstubenprvlltanerin gesprochen hatten. Er empfand es, daß seine AMage, seine Zusammenfassung der Indizien zu.stark gewirkt hatte, und er mußte es in diesem Augenblick verschmähen, seinen Strafantrag durch nochmalige Betonung der erschwerenden Momente zu unterstreichen., Die Angeklagte, ein Menschenwrack schon, noch ehe sie Von der fünfzehnjährigen, Zuchthausstrafe zermalmt. .ist,, saß zitternd mit verkrampften Händen aus ihrer Bank. Aber Ernst Meiche hatte Haltung. Das Votum der Geschwornen war die Anerkennung seiner Unschuld, das Wort im kriminaltechnifchen Sinne gebraucht. Die sonstige Unschuld dieses Burschen war schon längst flöten gegangen. Was er über sich selbst ans sagen mußte, was die Beweisaufnahme ergab, war weitaus grausiger als die im Gerichtssaal ausgebreiteten Einzelheiten um den Lampendocht, den irgend wer nun den Hals der Postunterbeamtenswitwe Eberl - geschnürt hatte. Dieser Ernst Meiche war im Verdacht der Tat gestanden. Die Untersuchungsbehörde haste sich dahin entschieden, ihn auszuschalten und die .Wäscherin Pruscha allein unter die peinliche Anklage. zustellen. Möglich, daß diese, den Mord begangen Hai; möglich aber auch, daß sie schuldlos ist. In die'en einander. ausschließenden Annahmen, die, .wre bei jedem Indizienprozeß, durch die ' Tatbestandsaufnahme,'-j'ede...s^ sich, als bewiesen. gelten können, . liegt diesurchtbareMventstalität des Justizsehlers. Die . Pruscha'.wanbert ms Zuchthaus. Meiche ist frei. .V , Der Staatsanwalt hat ihm seine Teilnvhine ausgesprochen: Cr hat soviel gelitten, es ist ihm so übel' mitgespielt worden, daß er gekränkt Wien.-verlassen wird müssen. Mit dieser Teilnahme steht der Staatsanwalt nicht allein. Die große Gilde brr jugendlichen Hakenkreuzler, die den Gerichtssaal vier Tage, lang besetzt hielt, teilt das Bedauern dieses hohen Funktionärs^ Denn dieser Meiche gehört zu der Jugend, die die deutsche Seele, durch den Judenpogrom läutern will. Er ist mit Fug und Recht Mitglied dieser Sekte , von Idealisten, die von recht, praktisch denkenden Führern geleitet wird und es sich angewöhnt hat, über den Mammon sich nur zu ärgern, wenn ihn Juden haben. Die Erziehung dieser jungen Leute ist in sehr schmutzige Bcchnen gelangt Sie sind ihren Eltern entrissen und gehen wie Ratten hinter den Schalmeilönen ihrer Verführer, her, betört und besinnungslos eingefangen von der-Schmeichelei, die den Schulbuben polstisch.es Verständnis zumuten will und ihnen die große Mission der Rettung des deutschen Volkes zuschiebt. Es gibt für diese' Jungen, die die Autorität eines starken Staates aufzubauen glauben, keine Autorität mehr: kein .Elternhaus, keine Schule, kein Gesetz, keine Rechtlichkeit. Dieser Meiche ist nicht das erste Beispiel,mnd er ist es auch nicht in. Wien. Vor ihm gab »3 den Karger, der seine Freunde bespitzelte und dafür die Messerklinge in den Rücken kriegte; es gab den Novosad, der ihn juftifizierte. In München lebt der. Zwengauer, der seinen Freund, den Spitzel Bauer, hinterrücks in die Isar warf, in Mecklenburg wurde dein Spitzel Cadow die Hirnschale eingeschlagen. Der Schlagest er, der Attentate aus Brücken und Schienen 'vorbereitete,. wurde von Parteigenossen . den Franzosen denunziert. . Die., Judenpeiniger von Koburg gehören in diese. Gesellschaft, die Meuchelmörder an Erzberger, an Nathenau, die Attentäter auf Gareis, auf Landauer, - die Zeitfreiwilligen von Magdeburg, die Radaumacher in Graz, deren sofortige Abschiebung daLchristlichjoziale Blatt fordert, . . . noch ein paar Beispiele angenehm? ' Aus dieser Gesellschaft kommt, .zu ihr zählt dieser Meiche. Er ist ein Idealistisch gesinnter Jüngling, der in Thüringen gelernt hat, über die Not -es deutschen Volkes, über' seine Erhöhung und Erweckung zuneuer Zucht und Sitte eifrig nachzudenken. Was ihn nach BcrkehrSminister Karl. Sur Ultimatum ausgeWrt. Der englisch-ägyptische Konflikt beendet. K a k r o, 1. Dezember. (Reuter.) Die ägyptische Regierung hat alle restlichen br\tischen Bedingungen angenommen. Das^Zollamt in Alexa » drien wird daher.wahrscheinlich sofort g e ranmt tperde^ ,st'. ..." . 2S&et^tembbet In offiziellen. britischen. Kreisen.' wird .die A-mrahme der engliische-n Forderungen als- Niederlage der na ti on alistische n.Pa r te i'äusgesaßt. Die nationa- Wschr Vereinigung „Wasd" hat sofort nach dem Bokanntwevdey/deS' BeschA-fses. Zffvars, sich,den Bedingungen Englands zu .unterwerfen,' eine Versammlung der Zaghlul- Pavtei einberufen. Der Minister ftir össen tli ch e Arbeite er uind der U nterri ch ts minist e r im Kabinett Zvivar Pascha haben heute -nachmittags ihre Demission überreicht, um ihrer Mißbilligung gegen die Politik ZiMar'Paschas Ausdruck zu geben. Der Werke hrSminister dürfte dem Beispiel seiner. Kollegen^ folgen. Diese Widerstände mnerhaG des Kabinetts Ziwar lassen darauf schließen, daß die Ratifizierung der Beschlüsse, der Regievnmg durch die Nationalversammlung nicht glatt erfolgen dürfte. Sollten sich /da irgend welche Schwiievigkoiten ergebsn-, so «wird mit der Auflösung des Parlaments gerechnet. Die Lage im Sudan befriedigend. Nach den letzten Telegrammen ist ine Lage in Khartum allgemein befriedigend. Man hofft, daß die ägyptischen Truppen Md ohne, große Schwierigkeiten evaluiert worden können. , ■ : Cattarn Pascha — Frnanzurinistcr. Kairo, 1. Dezember. (I. T. A.) Me schon berichtet^ gehört dem Kabinett Ziwar Pascha auch ein jü,disch e r Politiker als Minister an. Es ist dies Senaitor Jdsef Pascha AAlau C a t t a n i, Bizoprüstdent der Wi-. schon Gömeinde in Kairo, der zumr F i n a n z m t n i st e r ernanrnt wurde. . . Senator- Cattani ist der Sohn '-des- MosesCattani Pascha, der feit 41 Jahren Präsident der jüdischen Gemeinde in Kairo -war und im vergangenen März starb. Er M als ein -hervorragender FiMnzfachmann. Er ist Direktor einiger großer Bankkonzerne und auch der A e g h p t i° schen Natronalbank. R Konferenz der alliierte« Nnanzminifter verschoben. . Paris, 1. Dezember. Gavas.) AmWich wird gönreldet: Die Kon f e r e n z der " alliie rt e n Fi na n z« ministevist auf anfangsJämner" vert'dgt worden, um England die Möglichkeit, zn geben;, mit Amerika über die unter dm Alliierten vorzun-chmende Aufteilung des Erträgnisses der Ruhr-; besetz nng und - -der von Deutschland in, Durchführu>ng des Dawes-Plane's aus dem Titel der' Reparatirnen W leistenden ersten Jcchreszahlung zu' v « r h a n!d e l %. Wk vm AMMMMch. London, 1. Dezember. Das Reukerfche. Bureau ert, daß nur noch' ein Puuki in den deutf ch-engk i s ch e n H a n -d e l s v e r t r a g s v e r h and l u n g e n Nicht geregelt ist. Man hofft, daß eine'Bereinbarmrg darüber zustamdekomM und das Dokument an-fa>nas dieser Wo che u nterzeichnet werden kann. Ein Kompromiß über die 26prozentige Abgabe werde jetzt erwogen. ' ' ,Mmes" schreiben.M den Handelsvertwgsderhand-. Angen, in der Frage der 26iprozentige-n Abgabe sei das Kompromiß in der Weist beabsichtig^ Laß der Vertrag unterzeichnet werde, während die' A'bgabenftage eimr späteren Regelu n g überlassen blei'ben soll. Die Ausnahme der rnffischen Rote» in England. London, 1. Dezember^ Wie das Reutersche Bureau meldet, scheine der allgemeine T o n d e r letzten russischen Noten bedauert.zu'werden, der angetan sei, die f r e u.n d s ch a f t l. i ch' e n Beziehungen der beiden Regierungen schwierig zu gestalten. Schweres MfenbahnnagM bei Kascha«. 3 Tote, S8 Verletzte. . Wie „Magyarorszag" aus Miskolcz meldet, hat sich in der Nacht von Freitag ans Samstag bei Kasch au ein s ch w e r e s. Ei s.e n b a h n u n g l ü ck ereignet, indem ein P e rsonenzug infolge falscher Weichenstellung entgleiste und vom Eisenb'ahndamm in einen Graben stürzte. Hiebei würden drei Personen getötet, 14 schwer und 44 leicht verletzt. - . : Jas Urteil gegen gaivorek. Dreieinhalb Jahre schweren Kerker. Der Arbeiter Karl Ja wo rek, der am 1. Juni d. I. ein Revolverattentat auf Dr. Seipel verübt hat, wurde gestern wegen des Verbrechens des versuchten Mordes z« d r eiet u h alb Jahr e n sch w e ren, - v e r schär ften Kerkers verurteilt. viel ersparen; 8!e beim.flinkauk von Ljokken kürüerbst und Winter», Vameii- und bierrenvSscbe, l.sinen^vsren, Ltrlck- und Wirk-' waren, Teppichen, Vorhängen usw. im Warenhaus II. TaborstraSe 48 Teienhon 47-1-79 In gros En detail wauiftw

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