Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-11-30 · Heft 2077 (30.11.1924) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2077 (30.11.1924)
Date
1924-11-30
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
82% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2981160--21236-3008525
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Rt. Mett, Gontckttz Metter Morgenzeltrtris. 30. Abovemjber IW Gerte 11' . '■•■n 0 P f B f R I ( fl T Modr-Idern. Das StlMeid. Das schlicht« StiWld hat sich neben der großen, pru-nkvollen Abendtoilette behauptet. Demi es hat den Bovtovl, den ganzen Reöz feinster Weiblichkeit m seine« weichen und fließenden Linienführung zu betonen. Es handelt sich nur darum, ob jede Dame es trügen kann. Stil ist eli.vas harmanisch AbgeschlosianeS, Vollendetes, da gibt es. feine Konzessiv an die Figur Md das Wesen der Trägerin. Die Mondäne darf es sich nicht erlauben, in einem einfachen Biedermeiern«,- zu erscheinen; /zu ihr gehört di« grell« Sensation m exquisiter Aufmachung. Hingegen darf die Frau, dc*e'n Wesen in Gang und Hutung, in Miene und Gebärde den zarten Zauber jener bürgerlichen Epoche cvufwovst, das StMleid ohne jede Hemmung träger:. Und sie kann auch hier ihr letztes modisches Raffinement entwickol-n, ohne die Grazie des SM durch verblüffende Faybeneffekte zu verschandeln. Das amerikanische Stilkleid ist von Einfachheit weit entfernt: Seide mit au-fgenähten Silber- Md GoldMotiven in Verbindung mit reichem Schloievstoff wair bei den Modeschmlen der große Trnrnpf. Auch das französische Stilkleid hält, sich nicht an den einfachen TM der vor allem durch die Linie zum Ausdruck koMnen fall, Der vornehmste Schmuck Vlaiht nach wie vor eine Nein«, unauffällige echte Spitze, die der üppigen Straußenfeder auf dem Pvmckvvllen Lämakleid entspricht. ... . Otto Gronlianin Ko Wien, I, Kobimarkt Nr. 2 Weihnachts- Wintermäntel. WlnterkostOme mit Pelzgarnituren 3 Preise: 1.000.000,1,500.000.2,000.000 ** - Jr rCINSTI Herrengarderoben nieh Maas und konfektioniert sowie aämtlfclie HERREN M O DBARTIKEL (Herrenwäsche, Krawatten etc.) su massigen Prellen! HS0DIMOBHO eCHT OPOSSUM in jeder Gröise und Ausführung . zu besonders billigen Einlöhrungspreisen! 'Mg «MMhüAvr A. Borenstein, Win, II. Dgllandstr.lO Copyright teil br , KoAbcutf «cti'Ottn, Okiltsch« loerla-tanslalt, Stuttgart. <3. L-rilrtzung, Die Stadt an der Moldau. Roman. Bon Auguste Hauschuer. Sie gesellte sich den Freundinnen; er schickte sich keine andere an, ihre Stelle einzunehmen. Da Jakob sich nach ihnen drehte, sah er die zuweilen Uneinigen ineinander eingehakt, wie verankert in den Boden ihrer Weiblichkeit. Zwischen ihm und ihnen schien eine Scheidewand errichtet, dem Gitter gleich, das in strenggläubigen Bethäusern die Frauenschule von den Männersitzen trennt. Ohne den Versuch, in ihre Abgeschlossenheit zu dringen, ging er einsam. „Gittel," dachte er. Drohend erhob sich vor ihm die Fratze der Dcrticrtbeit. Erschauernd' ahnte er die Gewalt bestitlischer Instinkte an einem unschuldigen, wchvloien Geschöpf. . 7 33. . _ EstreS der wenigen Gebäude int früheren Judenviertel/ verschont von der Hacke de« Zerstörung, Greisenhaft, verwittert, gealtert ohne Würde, Zeugnis von Vergangenheit ohne B^denständigkrit. Der rechte Rohmen, dachte Jakob, für die Entheimateten, denen es vorübergehend als Zuflucht angewiesen worden war. Die Schülerinnen hatten ihn verlassen, aufs Gerätewohl wendete er sich zu einer Tür, hinter der er lauten Wortwechsel vernahm. Wiederholtes Anklopfen blieb unbeachtet von den Insassen des Zimmers, die auf zerbrochenen Stühlen faßen, auf. Matratzen hockten, als Nachtlager auf die. ungestrichene Diele hingeworfen. Und es war kein Zank, Der vornehme Damenpeh. ihlichkvten dvr Wegans und) fielt, dessen erst« Modelle soeben. Ms Paris ei ind Ttbvt, rN' die kostbaren che PÄarbmen und harten BlanvfitchS Modell ans dem PrlzhmtS Gebrüder Vrainin in der GloSen- Me.8. ' i Mmr .sich auch dir Mode' etEvickM matz, dar B e Hewt Tnnmp^ Detm vr hat nicht nur den praktische Zweck Äs KältöschutznAtel, der -EffÄdnngsgeis^tM der Gäschmad des MvjchnerS^ hat-aus chm. all« Perfu nnidFeh ohne an ElsMttz zutzück-nstchen,' wird die kurze und lange Fohlenjacke vertmndet, suße-vdem Nerzmw ZckbelinmrmÄ für Paletots, Mäntel tvrw Jacken, selbstvvrstäiMch der immer beliovt«, populäre und billige SvÄ-Gleot-ric. Bon besonderer Wichtigkeit ist der Pelz M VevbrLnvun« für das «llsgMte Abend? PE JEDER ART IN, PEIN‘ / ABFÜHRUNG BIUIGST BEI . - , " GEBRÜDER BRAININ WIEN. II. GLOCKENGASSE S / TEL 45,4-34dessen erst« Modelle soeben Ms Paris einKntreffen Bft* grivmn. uvbercmö pcMgbar ahnilikhe Felle wie und htitfte Polarfüchse. Der 0td des (togonten Damenpelzes schließt sich dem DiÄ der Kleidevmodelle an, wobei m erster State berücksicht tgt wird, daß sich der Polz nach unten verjünge und Mzer sei als b'isber. Das bekannte PÄchamS der Gebrüder Vrainin in der Glockengafs« 8 halt den ÄorteA, in «Minen Werkstätten zu arbeiten. wodurch die Regte verringert und die besonder« Prsl-- werttffkett erzielt wird. Den ScHmw dieses UrrternchmrnS kommt mohr mof Gediegenhe>it in STn&cft und als aus lvxurrSfe Äuif-nrachuna an. Malen Porigen hat die Firma ibr Rvnonvme« zu verdanken. Ufa der oben stehenden AbbÄd-mm bvin^rn wir e'm einfaches, aber apartes Modell: «men laugen PÄM-antÄ aus Nutria mit großem hohen Kr<Wn, aul einen Knopf schließbm. bangen Revers, den RückenteÄ entil-vrachuw der Kleider« modr «na Mivgettd.wovnrch ein« reh-etvd schlutcke Linie der G»;. samierschemiun-g erztO wird. sGntjpltlich.) Schafwolliumprr S. 12».00« S ch a f t» S l l!v e st e n K. 120.000. Kkndersweater K. vb.voo. Melee-Strntnpfr Wolle-Seide - Strümps« M. Holzer, V,.. MmikhMttftraße 89 ft» rl» e n ff l 111 e n l i « >) -tzGDENVUL iaufen ne sBILLIC/T ,M « mimrn TABOR/Tft H» 18 <NOTEl NATIONAL) reunwn «S4-t» AN Montag ä*u 1, Dommltw luindirs Mm Okkasionsverkauf in JAofceaft&tte? netteste Mosterinden schönsten Farben MASSBESTELLÜNq IN FEINSTER AUSFÜHRUNa in Minteln, Kostüme», SbfRssea-, und Abendkleidern, auch Pelse und sehicke Hüte in rivtfen Preisen itn MODESALON CACILIE KUDISCH L BEZIRK, KÄRNTNERSTRASSE NR. 5/2. 8»70 den Jakob überraschte, nur ein eifervoller Meinungsaustausch in den gequetschten Lauten jiddischen Idioms, begleitet von Gebärden, in deren Heftigkeit die Glieder sich vom Leib zu lösen schienen. Soweit Jakob vermochte, den Stimmenwirrwarr zu vereinzeln, verstand er: die allgemeine Aufmerksamkeit richtete sich auf Kisten und Pakete, die sich in einer Ecke häuften. Ihren Inhalt zu untersuchen, verbot die Achtung vor hem Feiertag. Doch hing die Frauenneugier an dem Riß, der in einem großett Bündel klaffte. Bunt quost es aus ihm hervor. Vergraute Wasche, Tanzschuhe, Seidenstrümpfe, verschoflene Kleider, anscheinend Geschenke aus dem Bodensatz bürgerlicher Truhen und Schränke. Die Männer beredeten den Preis der Eier, -es Geflügels und der Jette, die sie in der Umgegend aufgesammelt hatten, und schätzten den Gewinn ab, der ihnen aus dem Verkauf erwachsen würde. Als Jakob, nach Chase» Bater fragte, erboten sich zwei der Verhandelnden, ihn in das obere Stockwerk zu geleiten. Zögernd stand er an der Schwelle, betroffen von dem Bild, das sich ihm bot. ES mahnte ihn an einen alten Stich, den er bewahrte, eine Darstellung des Abendmahls. Nur daß die Männer, die sich um die Tafel reihten, Kaftane trugen und Mützen auf den langen Haaren, die sich seitlich der Schläfen lockten. Aermlich war der Tisch gedeckt. Inmitten schadhaften Geschirrs fiel auf dem groben Linnen der Silberglanz einer Gewürzbüchse aus Filigran und die edle Form eines Silberkelches auf. Noch var der Nennung seine» Namens erriet Jakob in.der lageren Gestalt eines Weißhaarigen, im Mittelpunkt der Runde, den zugereisten Rabbi Bär. Eben reichte man ihm. Tuch und Wasser, die Hände zu reinigen vor der Heiligung des Brotes, der .^erinae und der damvsende» Kartoffeln, die man in Schüsseln vor ihn stellte. Er sprach den Dank an Gott dariiber, der die Aecker befruchtete und tränkte, Leben in die Flüsse setzte zur Erhaltung seines anserwählten Volkes. „Sein Name sei gepriesen." Den gleichen Segen ließ er der Flasche Branntwein angedeihen, die entkorkt und deren Inhalt in kleine Gläser grgossen wtvrde. Hinter Jakob war noch ein Spätling eingetreten. Ungewaschen, ungekämmt, verwirrten Bartes, befleckter Kleidung, Schlamm an den schief getretenen Sticfelit. „Darf ich 'leilnehm.en beim Sabbatmahl?" fragte er ganz unbefattgen. , Jakobs Begleiter stießen einander an: „Der Abraham Nachmanke natürlich, immer weiß ex, wo es etwas gibt zu schnorren." Gin Platz wurde dem Bettelhaften angewiesen. Jakob beobachtete» daß man.ihm den Teller reichlich füllte. Er selbst war an de§. Fremden Seite genötigt worden, der ihn freundlich begrüßte, ohne eine Unterhaltung anzrtknüpfen. Schweigend verzehrte er die Nahrung» wie es auch die anderen taten. Selbst die Schacherer au8 dein gemeinschaftlichen Schlafraum waren still geworden. Jakob empfand den sonderbaren Widerspruch, u dem dir Kärglichkeit der Speisen zu der weihevollere Freude stand, in der sie eingenommen wurden. Wohl tu der Absicht, ihm eine Aufmerksamkeit zu erweisen, pries ChajeS Vater Jakobs Leistungen als Lehrer. Der Belobt« hatte da» seltsame Gefühl einer Mißbilligung zu begegnen. Er fragte:; „Sie sind mitmeinen Literoturvorträgen nicht einverstanden. Rabbi?"!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.