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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-29 · Heft 2076 (29.11.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2076 (29.11.1924)
Date
1924-11-29
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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- 1 . ©elf« 4 Men. Samstag __Wiener Moraenzeliimst. Marfsh niemals gesehen, noch gekannt halbe. Dasselbe gelte anch von seinen Söhnen. Als Graf Bethlen den Saal verläßt, springt Marffy von seinem Sitze ans und ruft: „Der Herr Ministerpräsident leugnet alles!" Mapffy wird deshalb vom Gerichtshof zu a ch t t ä t] t -g c nt, versch arftem Einzekarrest verurteilt. D-a er ''ch nicht beruhigen will, wirb er mit weiteren vier Wochen Hast bestraft. Der Verteidiger des Angeklagten, Dr. Ula in, kritisiert das Vorgehen des Präsidenten, worauf er zu einer Geldbuße von einer halben Million Kronen verurteilt wird. Der Gerichtshof erklärt sodann das Beweisverfahren für geschlossen. Der Staatsanwalt begann sodann mit seinem Plaidotzer, Er hob hervor, daß die Angeklagten bei der BevbaMnng eine sichtlich eingelernte Rolle spielten. Das habe man an der Art und Weise erkennen können, wie die Angeklagten ay ihre auf freiem Fuß besinnlichen und als Zeugen erschienenen Kameraden fragen richteten und wie prompt darauf die Antwort erfolgte. Das Bewersverscchren habe ergeben, daß die Bombenattentate ttreigenst^ Machenschaften Marffvs und seiner Komplicen darstellen. die auch dem Verein der Er» wachenden Ungarn, dem sie als Mit-glieder ««gehören, Schande gebracht hätten. Der Staatsanwalt beantragt schonungslose Bestrafung aller Angeklagten. Die Verteidiger werden morgen ihre Plaidoyers halten, Lie abzebauteu Bankbeamten. Massenversammbmg in her B olkshalle. Gestern nachmittags fand in der Volkshalle des Rathauses eine Massenversammlung der ab gebauten Bankbeamten statt. Herr Brand referierte über die AAeiien des eingesetzten Aktionskomitees. Abg. A l l i n a wiederholte die Versicherungen, daß die Versprechungen betreffs Höhe und Dauer der Unterstützung unbedingt eingehalten werden, betonte aber,, daß die arbeitswillige Beamtenschaft nicht Unterstützung, sondern Arbeit wolle. Herr Kohn res-e, rierte über die verschiedenen Schritte bei offiziellen Persönlichkeiten, die aber meist nur mit leeren Versprechungen geendet hätten. Hrnervl Ssrrmi - Lberkommissör von Syrien. Paris, 28. November. (Havas.) General Sarrail ist an Stelle des abberusenen Generals W eyga nd. der im Obersten Krregsrat verbleibt, zum Oberkommissär von Syrien ernannt worden. Im Hi ab tick aus seine hervorragenden in Syrien geleisteten Dienste wird dem General Weygand demnächst das Großkrettz der Ehrenlegion verliehen werden. Setvss und Lederer. Budapest, 28. November. (Tel.-Komp.) Der Bomben« Attentäter gegen das Wiener PMis^ des SpirituBgrvßrndustriellen August Lederer, Karl Oetvös, wurde gestern aus Antrag des llntersuchungsvi chter-s des Budapester Strafgerichtes neuerlich verhaftet. Oetvös wurde schon vor drei Jahren m dom Jntermerttngslager von Zakaegherszeg rn-terniert. wE er dringend verdächtig tvar. an verschiedenen Born'benvuschilägen m Budapest als aktivesMitglied des Vereins derErwacken. de »Ungarn teilaenemmen haben. Oetvös wurde sodann in das Budapester Schubhaus gsbmcht, wo er weitere mun Monate verbrachte. Zer KaroN'Vrozch — vertagt. Budapest, 28. November. (Ung. Teik.-Karr.-Bur.) Di« königliche Kurie hat den Konfiskationsprozeß gegen den Grafen Michael Karolyr bis zuan 20. Dezember vertagt. 8iue amerikanische Anteihe silr die dentsche« Bahnen. New-Iork, 23'. November. Hier hat sich eine Gruppe New-Dorker und Londoner Banken zusammengeschlossen, um den deutschen Reichsbahnen, die unter der Kontrolle der T a w e s - K o m m i s s i o n sichen, eine Anleihe von 15 Millionen Dollar zu gewähren. Dieser Kredit soll bis 31. Jänner 1920 laufen. Lie Wiener Lhentrrtrise. Im Carl-Theater hätte gestern der Betrieb im eigener Regie des Personals wieder aufgenommen werden sollen. Diese Absicht des Personals mußte aber fallen gelassen wevden, da SrEva: B r e i t n er erklärt hat, daß er von feiner ForbevtMg s Heute Eröffnung der, Wiener ^orgenzeiiung* im HAUS DER DAME ERGON A.G. L fCHWEDENPUVTZ 1 Vorführung der Wiener Sendung heute und ttgUch von 11 bis 1 mittags und 4 bis 6 Uhr nachmittags Eintritt frei K«In KauUw«H| tuf»1 —i. n-i hill» i.i' m. wimiiBW .. kJ „.Kaum, ji3 VERKAUF erstklassiger RADIO-Apparate u. -Bestandteile kourplott gegen den Fürsten A. insgesamt fünf Personen, dar« unter der Zeuge selbst, beteiligt. Frau Rabiptsyn, dje Pelicibt« des Maharadscha, hatte mit dem ebeusalls an de? Erpressung beteiligten indischen Adjutanten des Maharadscha und mst Newton die Vereinbarung getroffen, daß der Adjutant im geeigneten Moment Newton vor das Schlafzimmer des Maharadscha in seinem Londoner Hotel führen soll«, worauf Newton in der Rolle des „Gatten" tu das Schlafzimmer dringen und das Paar in flagranti ertappen sollte. Newton wurde zu der Rolle deS Gatten aus dem Grunde er« - koren, weil Mister Robinson, der wirkliche Gatt« der Frau, nicht das Aeußere eines Gentleman der guten Gesellschaft besaß, wie er zu einer „Dame von Distinktion" als 'welche Frau Robinson vor dem Maharadscha austrat, gepaßt hatte. Die Szene, wie Newton als eifersüchtiger Gatte seine Frau in der Umarmung mit dem Maharadscha überrumpeln sollte, wurde von der Erpressevbande zwanzig- bis dreißigmal geprobt. Die-Uvbermnrpelung gelang <töer trotz alledem nicht, obwchl der Adjutant des Fürsten A. dem Newton einen Nachschlüssel zu dem Londoner Liebesnest in dir Hände gespielt hatte. Newton reifte dem Maharadscha und der Frau Rabinfon nach Paris nach und erst hier gelang es Newton, den indischen Fürsten mit seiner Geliebten in einer gänzlich unmißverständlichen Situation zu ertappen. Der Zeuge sagte weiter aus, daß der Maharadscha von der „Eifersuchtsszene" derart überwältigt war, daß «r Newton und dem Ehepaar Robinson sofort Mi Blankoschecks eirchäichigte, welche von den Erpressern aus je 150.000 Pfund a-usgoMt wurden. Der Maharadscha dachte gar nicht daran, seine Rechtsanwälte gegen die Erpresser in Äwegung M setzen und halte nur das eine Interesse, die Angelegerchest aus der Welt zu schaffen, da er befürchtete, infolge eines Skandals der Anwartschaft auf seinen indischen Fürstenthron verlustig zu werden. In geheimer Verhandlung wurden sodann von dem Vovsitzenden, Lord Darling, gewiss- Besonderheiten indischer Liebesöe weise erörtert. Üeber diese hatte schon vor ein paar Tagen Frau Robinson selbst, allerdings nur schriftlich, als Zeugin ausgesagt, Die Lektüre dieser Zeugenaussage brachte zwei weibliche Geschworne zmn Erröten. Scdann wurde Sir Richard Havelock als medizinischer Sachverständiger einvernommen. Er sagte aus, was er nach einer mehr als vierzigjährigen Praxis in Indien über die Liobesmechoden der Inder wußte. Eine weibliche medizinische Sachverständige, Dr. Mary Scharlieb, die als Stettin in- Indien praktiziert hatte, schloß sich dem Gutachten Sir Richard Havelocks an. nicht Nachlassen könne. Die organisierten Musiker, der Orchester in den Operettentheatern boabsichnigen übrigens in .den Streik zu treten. Die Direktoren sind auf den Ausbruch -des Streiks votzbereitat und werden versuchen, die Betriebe derart anfrechtzuerbatlen, daß sie 'Operette mit K l a v i e r b e g l e i t >u n fl spielen. Iln-Wr - keinen llmftänidcn wollen die Direktoren der OpevebtLN>!hea.te>r n a ch g e b e n Wie uns die Tran-Bühnen in einem Schreiben Mitteilen, ist die gestrige MAdung eines AbenÄblabtes von den Schm ieriqkei ten und der Möglichkeit einer baldigen Sperre des Stadtheaters vollkommen <mls der Lust gegriffen. " Sie Geliebte des Maharadscha. Der Londoner Erpresserprozeß. London, 28. November. In der letzten Verhandlung des Zwilprozesses, dessen Mittelpunkt die Erpressungsaffäre des gewesenen Buchmachers Robinson und seiner Frau gegen den indischen Maharadscha steht, gelangte' ein Zeuge namens Newton zur Einvernahme, der sensationelle Einzelheiten über das raffinierte Vorgehen der Erpresser gegenden indischen Fürsten vorbrachte. Danach waren an dem Erpresser- Wien, 89. November. * Das Weiter. Cs ist keine wesentliche Aendemug des Wetbercharakters zu envarten. * Die Fortsetzung unseres Romans „Die Stadt an der Moldau" muß heute aus technischen Gründen entfallen. *, Aerztliche Nachricht, Facharzt für innere Krankheiten Dr. Sieafricd P l a s ch k e s ist übevsi.'delt nrid ordiniert jetzt 9. Bez., Fvoiheitsplatz 6. Telephonnummer unverändert 20-L-78. * Die drei Jungen aus Krems. Eincr der drei pemeldeten Ausreißer, der Schüler M afchke, wuvde nächst Stockerau aufgegriffen. Die zwei anderen entiflohen. * Wohltätigkeitsschwindler. Der schon anchvfach a'bgestrast-e Ferdinand Mezulian-ik nnd seine banp sächlichsten Agenten Alfred Wollek» Karl Kosik und Karl Schmied wurden dem Landesg.'richt oingsliefert. Sie hatten zum Schein einen Wohlfahrtsverem regen die Dnberku'lose gegründet und waren zumeist in ni-rderösterreichdschen Gemeinden als offizielle Funktionäre brandschatzend aitfaetreien. Auf diese Weise haben sie ungefähr 70 bis 80 Millionen „g(sammelt". s * Auslageneinbruch in der Kärntnerstrasj«. Donnerstag nach's wurde die Auslaae des Pelchändlers Fiehl, Kärnitnerstraße 4, erbrochen. Gestohlen wuchs ein Persiamvmantäl im Werte von'13 Millionen Kronen. * Durch ein Auto getötet. Auf dem Franq-Jos-efs-Kai wurde gestern nächmittacs der 60sährige Johann Sch oller von einem Auto niedergestoßen. Er starb im Spital 20. WvenBer 1924 Nr. 2070 * Die Lebensmüden. Der Bnufbeamte Ernst Langedex, eiin chemaljger Osfl^ier. hat sich gestern, als ihn Kviminaliheamte we.aen Untersch'lMtngSperidacht abholen wollten, in seiner venschloslenen Mvhmmq evichossen. — Der ISzähriae Leholing Heinrich Groß hat sich vorgestern um tzrelviertel 8 Uhr abends in feiner Vchnnng in der Berggasie eine Kugel in die Bmst gcja>at und ist auf der Stelle tot geblieben. — Der 17jährige HandelsangMute Wastex F. wurde vorgestern gegen hal>b 12 Uhr nachts i« der ArgentMierstraße von Passanten bewußtlos Mgefu'niden. Er hat vermutlich Bcronal genommen. Die Rett'UNgHg'ffcflskbaft bracht« ihn ins Spital. — Die 38iährige Bankbeamtin Dy. B. nahnr Beronal. Die Rettnngsgesellschast -brachte sie ins S-pijal. — Die 80jährige Advokaiens« . gattin Elisabeth Wackernell wurde gestern mit Bersff« tungserscheinnngen bMußtloS in der Wohnung apsgefuMn. Hie Wche in ein Ga-nqtympm. gshrächt- Sie hat eine größer« Menge Beronal genommen. Sre ist die Gattin des bekannten chrisilichsoziglen Anwalts Dr, Pms Wackernesi. — Der 21 jährige Ka-unnann Leo Schaf sh an pt hal sich gestern durch «inen Schuß schwer verletzt. Die RettuMSgesellschaift bracht« '' in di« UnsgllstgtM' lDie nachsteherrdeu Ankündigungen sind entgeltlich.) * Tansinstityt Hermann Braun, IS, Bez., Reindorfgasie 42. Tel. 88-1-01. * Königlich gekleidet sind Sie, wenn Sie Ihre Anzüge, Mäntel usw. beim „Kleiderkönig", 2. Bez., Ta'borstvgße W, emkawstn. Größte Auswahl zu sehr evmäßi>gt«.n Preisen. Schwarz« Kleider für Hochzeiten und Feste werden gegen sebr Minge GsMNN Leihweise überlassen Vereine. Vortriige und Versammlungen. Zsy nt st ssch « Kn l t«? fl p e Brigittenau, 20. Bez., Karl-Meißl-Straße k. Heute, 4 Uhr. Vorträg eine» Palästinensers Über Palästinaprobleme. Morgen. 9 Uhr früh, OtationalfondSbüchfenleerung, ab w,.Q Ubr abends Schachsektion. 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Bez., Martah Uferstraße 88 a, Vortrag de» Herrn Dr. B r o n n e r, KustöS des iüdifchen MuieumS: »Das jüdische Museum". Morgen Fübrung durch daS Museum durch Herrn Dr, Bronne r. Gemeinsgme Absabrt mit Synderwagen der elektrischen Straßen« babn ab Stubgeleise beim Hotel Wimberger um' '/,1Q Uhr vormittyps. Rückfahrt 12 Uhr mittags- Anmeldungen beim Obmann, BsbnaMenten Leo.S ch u e i d e r, 7. Bez., Haibgaste 16.21. — Zionistische JugendgrwpveLeopyld stabt. Die Ordner für den Parteitag haben sich heute, bi» spätestens 5 Ubr nachmittags vor dem großen Saal des Ingenieur- und Architekteuvereins, 1. Bez., Eschenbachgast» S, im 2. Stock eivzufindr». L e a v o l h st L d t e r P - l k»b e t 2. vez., Zirkusgaffe 48. 7 Ubr: Ferdinand E ck a r b 11 „Die österreichische Kunst de» 10. Jahrhunderts". Mit späterer Führung in das neue Museum Im oberen Belvedere. Sonntag Exkursion in M medizinisch-historische Museum. 9 Bez., Wäbriugerstraße 25, unter Führung von Prost Dr. Neuburger. Treffpunkt 10 Uhr vor dem Institut. Ferner Exkursion zu W a g e n m a n n, S e y b e l & C o.. Fabrik chemischer Produkte in Liesing. Treffpunkt Bahnsteig Meidling, Südbabnbof. Abfahch 8.27 stütz. Teilnshmerkgrten zu 2000 Hf zu jeder Exdlrston, Nadiopvoftramm für Heuler 11 bis i Uf)T t Matinee Silving. — 1 llhr 7 Min., Uraniazeit. - 1 Uhr 20 Min. r Wetter. 4 bi- 6 Uhrr Ernst* heiterer Nachmittag rSilving). -- 8 Ubr x Eulenspiegel-Streiche. — 8 Uhr r Bruckner-Feier. — Ab 10 Uhr r Tanzmusik. Bühne und Kunst. jitwr Wiener Komödienhaus. — Exl-Bühne. Wenn man den Gebirgstälern der herrlichen Welt Fabriken errichtet, ito-mmt gleichzeitig mit den schrnen nnd Schloten der s-eeknmvrdende Schachergefft, sonstige Verderbnis, kurz die Sündslut. Die Dauern werden F^brkkSstlaven, fcme Liebe gnnnt eigenen Grund tntb B^den weicht der Gewinnsucht, biedere Landwirte von gestern sind heute lächerliche Pwtzen. und lbesseve Ncaluren leiden unter solchem Wandel gar sehr. Zweifellos. Die Industrialisierung der EiHbirgswelt ist s-ne Tragödie. Daß sie aber auch Stoff zu Dheatertragüdien gibt, ist wirklich mitunter ein bodanernswi'rter Beglettn'mstand. Die „traglkomifche Skizze" vom Haus Herrdegen fft vortrefflich gemeint und wird gestatte ums sofort diesen Uebergang auf die Darstellung — vorfresfll'ich gespielt. Neben den bewährten Kräften der „Exler" überraschte unS dleSrM Iostf H a u s e r. Er spielt einen eihomaligen Holzknecht und gegenwärtigen Schisber ganz außerordentlich. Auch Herr Fritz F,riedr^ch. der einem reich gewordenen Bauern humorvolle Konturen gibt, ist ein wertvolles Mitglied des Ensembles. Anna Exlß reist Kunst macht die Gestalt einer aus Empörung über die Fabrrks'herren zur Dirne gewordenen Bäuerin (dre Figur ist wirklich kiischig geraten) immerhin erträglich. Ter Au'tor, der die Uraufführung seines Werkes mit viel Geschick le'tete. wurde mit einem Lorbeevkranz und veichev' BeM bedacht. _ A. Am den Theater«. Burgtheater. .Heute...?.U!ir ahenb», wegen Erkrankung der Frau Wohlgemut b statt „D er junge M e d a r d it <5" „A u n a Kareniu a". Morgen, 3 Uhr

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