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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-29 · Heft 2076 (29.11.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2076 (29.11.1924)
Date
1924-11-29
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2070 Wen, GmriStay Wiener Morperr-eitmig. 89. November 1984 Geile S nackimtttaaS. e t Zerrissene",? Uhr ahrud», M% s 5 Wintermärchen". Akademtetheater. Morgen. 8 Wr, „SD a S Glas Wasser", 7*8 Uhr abends, .,Mama Nicol e". Volk » oper. Morgen, 7,8 Uhr nachmtttäqs. „D e r fliegende HollLnd er", 7,8' Uhr abends. „D e r B a i a z z o", hierauf „Cavalleria r » st i e a \\ a". Montag. 7 Uhr abends, „L - h e n g % i n". Jnr Deutschen Bolkstheater beginnt die heutige Erstaufführung von Ludwig Fnlha? LuMlel «P i e Z w i l l i n g S s ch w e st e r" pünktlich um V,8 Uhr Heute, 7,3 Uhr nachmittcigS. „Des Meeres und oerLiebe Wellen". Morgen, 7,8 Ubr nachmittags. „Maria S t u a r t" mit Leovoldine Konstantin, 7 Uhr a-end-, Shaws „Die heilige Johanna". N a i m n n d - T h e a t e r. Die Matinee „D i e j u n a e Welt" von Frank W e h e k i n d wird auf Sonntag den 7. d. verschoben. KombdienhauS (Exl-Bühne). Heute zum ersten Male /s N u l l e r l* von Karl M o r r e. Morgen, 8 Uhr nachmittags. „D e r W e i h S t - u f e l". Neues Wiener Sta-ttheater. Morgen, 9 Uhr nachmittags. «Der H ü t t e n S e s t - e Montag 25. Wiederholung deS Schwankes „Myritz derGute*. Jobann-Strauß-Tbeater. Morgen Nach, mittagsvorftestuna „Rund um d i » h i eb v". 7 8 M abends, wie täglich ..Dolly". . Kammerlptele. Täglich. 7,8 Uhr. „Küsse um Mitternacht". Sonntag, 9 Uhr nachmittags, „D s t Hsthnerhof", Moderne» Theater. Täglich, 7,3 Uhr abend?. „Der Mann ohne Moral", Neue Wiener Bühne. Täglich, 7,8 Uhr abend», »M a i f 9 n G r ünwal b". Sonntag, 8 Uhr nachmittag-, „Die M arv". Vorlefuna Hildg Wegner, Im UrmMaak -o- Fr. HM Wagner, eine ganz hervorragende VortrsgSkünstlertn. das noch unaiulpgsführte Dpama p f e r" von Oskar B e n- «lener, de>m Verfasser des preisgekrönten Eisenbahnboainas „Die Sl nf «" sogpktz der Mib'Ischen Komödie §D e r R e n « g a t". Das Dra>ma bsym-elt das leider immer noch bremnend-aktmolle Prdblvm des uncheäichen Kinides^ iindom eS am ebnem marka-wten Fall den typischen Schick« Msivcg eines solchen Dtiofbmdcs der Gesellschaft von BemachläMnng, Not, Leidenschaft zu Verbrechen und ÜMevaang amif* EIn der Nclbenhandlmng wird die Frage der sermllen ndcrzi ehima kühn >nnd chrlich erörtert Dank der am menten t der Vortragenden, d-be. warmherzig und vielaestaiMa, die Bichnendarstelliu'ng Lcmm vermissen ließ, übte das Drama tief« Wvvkumg. »Die heilige Johanna" in Köln verboten. Shaws Wngste BühnendichMng. „Die heiliige Johanna", die gegenwärtig »mit mlsterordentlichem Gr>fÄl>g auch tut Wien am DeMch-n Volks- Ih-eater gespielt wird, darfiu Köln nicht au fgefithvt werden. Dos Work stand bereits mWintevspielplan des Mmor Stadt-- chatvrs, mußte aber über Beschluß der zum größeren TeA am» Zentru'mSle,ulen «bestehenden DhoaterkymmWon wieder aibgasetzt wevden. EerWssaal. Ler Morö an einer Greifin. . Gestern wurde zuerst die HauSbesorgerrn des Hause» in der Kvliblgasie 86 verhört. Am 4. März gegen halb 4 Uhr kam, wve ste sagt, der Meiche zu ihr. Köpfte heftig an ,md schrie: „Frau Eberl ist tat." Sie gingen dann beide hinauf und warteten den ganzen Vormittag auf die Pruscha, die ober erst nachmattagr mit der Frau Dilnst daherkam. Die Pruscha soll gesagt ^»ben: „Na, ich geh' nicht hinauf. Ich kann kein Blut sehen." Gegen 5 Uhr bte Pruscha war wieder waggeigangen -*•> ist ste wreder gekommen, und da ist schon der Strick am Halse gesehen worden. Aus die Frage der Hausbesorgerin: „Frau Pruscha. um GotteS willen, was ist denn geschähen?" soll ste nur Mitteilungen aus dem Publikum. DETAILVEJRKAUF der Fertige Herrenkleider aller Art Stoffe für Herren und Damen Knaben-und Kinderktofder vom elN" fachsten bis zum feinsten Qenre spottbillig! RIEMER u. ORNSTEIN I. 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Die Angeklagte bcstpeittzs mm aller Entschiedenhoit, daß sie m-it der Frau gesprochen hat. Sie will sie Mechaupt gar nicht kennen. Der Verteidiger stellt den Antraig auf llaberprüslMg der Angaben der Kallmger, die ja von großer Bedeutung seien. Sie habe schon vor dem Untersuchungsrichter ihre Aussagen gewechselt. Di« Bevlcsung aus dom Protokoll wird durchgosührt. Hm Anschluß daran sag! der Vorstände der Zeugin Kallinger: „Die Vruscha soll Ihnen auch gesagt haben, wann sie das letzte Mal bei der Eberl war und daß sie um halb 8 Uhr weggegcmgen sei." — Zeugin: „Ha, mir und her Kleibl hat ste es gesagt, daß sie um halb 8 Uhr hemgogangen ist-" Die Zeugin Robrbachex wohnt in demseliben Haufe wie die Pruscha und hat bei ihr in der kritischen Nacht das Licht bis zum friihen Morgen brennen gesehen. Die Angeklagte b!eM dabei, daß sie seit halb 12 Uhr nachts kein Licht gebrannt habe. Nun wird die Aussage der Frau Kolbe verlesen: „Die Pruscha sagte, die Eberl habe der Schlag getroffen aestym am Abend. Ich bin froh, daß ich nicht dort geschlafen habe, sonst wurde es vielleicht heißen, ich habe ihr etwas getan. Sie sagte dann noch, der Bettgeher sei um draivic-rtel 7 Uhr und sie um 7 Uhr wegaegangen." Es wird nun der Schlosser Karl Iirku, der außereiheliche Sahn der Anaeßlagten, einvernommen. Er sttbt an, seine Mutier sei eine sehr sparsame Frau. Wie groß Ähre Ersparniffe gewesen seien, habe er niemals gewußt. Dann erstattete Dozent Dr. Wieg das Gutachten über den Geisteszustand der Angeklagten. Eiue geistige Sibrinng bestehe bei der Angeklagten nicht. Trotzdem konnte e>tne Abnormität in der Gefühls- und Willen.fphäre entdeckt werden. — Staatsanwalt: „Ist die Aua Tagt« geistig gesund?" --- P s p ch i a t e r: „Sie ist nicht geisteskrank und hat sich auch im Augenblick der Da-t nicht in einem krankha^n fff# befunden." — Es werden dann Anssagen van Wghrsageriuurn verlesen. Der Pvuscha wurde oinige Wochen vor dem Monde angMndlgt. daß die Eberl nur noch zwei bis drei Wocben zu loben haben würde. Die.Proph^eiung lauleie: Im Haufe stivbt eine Frau. Ein juuner, arbeitsloser Bursche LehirmstSndsr RL» LS EM Ak TUM, I. Wipp>lingmtras5e Nr. 18 und Sie bekommen damit zu tun- Sie erhallen einen größeren Betrag, der ihnen wvggenommen wird. Die Angeklagte bcstreitet diese AuSsaHe und gibt an, es sei ihr.ge w e i s sa g t worden: Todesfall im Hause. Lvichenbegäingnis, «in Brief, bei Gericht zu tun» guter Ausgang der Dache. Als der Vorsitzende die Mittagspause ointreten ließ und die Pruscha abgesührt wurde, ist sie auf dem Gange zusammengesallen und mußte in den Arrest getragen werden. In der Nachmittagsvechandliung wurde Oberlandesßerichtsrat Dr. Osio als Zeuge verhört. Die Angeklagte war Lei ihm Uns Jahre als Bedienerin tätiy. Dr. Lfio stellt ihr daß beste Zeugnis aus. Sie war rein und ehrlich. Hierauf schließt der Vorsitzende das eigeMche Verhör und beginnt mir den Verlesungen. Man ev'ährt, daß der Schneider Walle n- Iberger, der mit der Schwester der Angeklagte« in gemeinsamem HauSbalt lsbt. heim llntersuchungsvichler angegeben hat, daß vis Pruscha ihm einmal erzählte, ste besitze drei Mil- MyMn Kronen. Die Angeklagte steht nun aus und ruft aus: «Alle im Saale Anwesenden sollen mich aase he«. Ich bkn nicht die Täterin." Bon den Eltern Meiches gelangt ein Brief zur Verlesung, in dem sie ihvsM Sohne Bovwüvfe machen, haß er sich mckt wogen Geld an sie gewandt habe. Sw schreiben auch, daß sie bereit wären, für Äh« eine Kaution zu erlegen. Hieraus wurden die im Larrfe der drei DerhaMungstags vom Verteidiger Dr. Sperber gestellten BeweiSonträge abstewivsen. Die DevhaMunig wird ab- Dsr heutig« Tag Urteirsfällung. die Plaidoyers und die Die Anforderung der Wohnung der Kadivee aufgehoben. Gestern fand vor der Mietkommission des Bezirksgerichtes Inimre Ptodt die Verhandlung siber die Anfordc-rupg der Wohnung der Frm Edith Kadivee im Haufe, 1. Pez., Bibevstraße 9, statt. Das Wohnungsamt berief sich auf den Ansorvemngsgmnd, der Verwendungder Wohnung zu unerlaichten Zwecken, weil in der Wohnung die seither durch die DtrawerhcmÄluM bekannt gewordenen Straftaten verüibt worden seien. Gegen die Anforderung hatte Frau Kadivee Einspruch erhoben. Die Mietkommistion anerkannte die Emspvuchsbegründung als vichtig und hob die Anforderung als gesetztlich nicht begründet aus. Begnadiauna deS zum Tode verurteilten Platzmeisters Löwinsohn. Aus Berlin berichtet H. T. A.-. Hm Juni dieses Jahves tourbe der Platzmeister Lötoinsohn wegen Mordes zum Trde verurteilt. Er hatte während der Abtoefenhcit seines Chess LrihnhWreweit mit der den Chef vertretenden Ehefrau, die ihn zu entlassen drohte. In st'mer Exregung und aus Furcht, brotlyS zu werden, ließ er sich zu der furchtbaren Moi-dtat an der Frau detz ChsfS hmreißen. Der Fall erregte um so mehr München alS eS in Deutschland seit Men^che-ngcdenken zum ersten Male vorkam, daß ein I ude wegen Mordes sich vor dem Schwurgericht zu verantworten hatte. Am ein an den pve-llßischeu Iustpm'inister gerichtetes Gnadengesuch des Verteidigers Löwinsohus, Rechtsanwalts Dr, Klee, ist nunmehr die Todesstrafe im Glradenwoge m lebenslängliche Zuchthausstrafe umgetoandclt worden. Bolkswirt. Var Vankenkonzrfflonsgesrtz in Raten. Um di? kgislative Uusühi^sit her österrefchiischen Finanz. verwall'unH neueOch M demoOrieron, wEn an jedsm Mow» - Dg und Don>ntzrSt-a,g neue Ergänzungen zum Baukeil-kv-ngestioinsgefetz gegeben, die Me Bevschächmg dieser WtimmMMw mb halten. So ist wiederum van hem Abgeordneten Reiner, genscheinlich mrf Musch des FiMNSMinisteviums. in der gestrigen SjtzMg d?s BuidstytaMchusses ein neue Vrgä'ilWNg zur ErgänzMg des KonzesstMAgesetzeg vingvbracht wo>riden In dieser Vorlage ist vorgesehen, daß die NegieyM« Baust« i.nuevhavb vier Wochen Auflösen kann, wenn ihre TätigLeit den öffentlichen Jrrtevessep widerspricht. Außerdem kann sie auch sonst mit der Auflösung yorgchen, wmn sie vsrmutst, daß Me Hälfte deS Akt>ienkapit.»18 verloren ist. Allem Anscheine nach wich man D plesen Ergänzungen «och so viel Ergänzungen weiter ein» bringen, fif Ws Bennfen, deren Auflösung notwendig »ist, schon chngst nicht mchr existieren. „«er Sfsft» f« firlie Wirtschaft da." Gestern veraustaMe der Mmuizmiuister Dr. A h r e r einen PresiWnpf'Wg, l>n dem W sÄm der OMeutWfeft heg'Ms bekannten Gehwnken wuHWHMch hehauheite. Mhrend semor Rede W er auch den Mjsspru-ch, Fishus ist für die Wutschaft da". Bisher hat lvim-x der Werreichischen Fmanzmsui-ster und, keine der Stouerbshörden dies in der Praxis auch zu bemerken Gelogstcheir gehatbt. Ob Finauzminlster Dr. SHrer hier wird Wandel schaffen körmm, ist svagkich. In fomer Rede behamidelte der F'manHminifter die Fro,gs der Go.l>dbÄakrzen, Sch'lliwKväHvuu!« und der nemn Bsam'.>tenfordevU!wMN Er brtcmte da'bei, daß schon jetzt die Pensou»Äa>uAgalben 60 Prozent des Budgets ousmachen und daß die neuen Forderungen wieder 445 Milliarden betroigen. Allerdings hat Dr. Ahr er nicht eMäirt, wie die Mrtschoft eines Staues so etwas auAhalten kann. Vielleicht hat auch noch die Erklärung des Finauzministers Bede.lM.ng, wo er slagte, daß für ihn die Zahlen der Zahlungs-und Ho ndelsbilanz dieselbe Bedeutung haben wie die de? Budgets. Mn sicht, der FinaMMMstsr ist aus seiner stM-, schon Bsrgheimut mit einer richtigen Dosis OpnimliHMs in fens» AM getreten. _ Sie ungesllnden SeldverhSltniffe in Selterreich. Der hohe Zinsfuß lastet weiter schwer «ms dem osterveichischen Wirtschastsieben. Er verhindert die Regenerierung der Privatwirtschaft. Aus immer weiteren Kreisen dxmgt der Ruf nach erblicher Ermäßigung der unerträglichen Zinsenlasten. In diese Hinsicht ist ein Artikel bemerkenswert, welchen die „Häute- und Ledevberichte" ackäßlich dm Besprechung der allgemeinen finanziellen Lage bringen. Es heißt dort unter anderem: . „Ließ eS der Staat gescheihen. daß das Vertrauen der Bevölkerung zu dem Worte ,^8 a n k" in unechörrer Weife mißbraucht wurde, folgten daraufhin sich überstürzende Juso wen-- zen derartiger LnftgMude von Banken, ließ der Staat weirers. ohne sich allzu sehr hineinzumischen. ganze Effsktengebauide im Werte devalvieren, so WN Md ist Me Vertrauenskrise in der Volkswittschast die natüBche Fo-Lge. Hierzu kam die enorme Geldkrise, der wucherische Zinsfuß, die Ueberbesteuerung von Industrie und Handel. In all diesen Punkten hat der Staat versagt, und wen« wir auch Hei diesar Betrachtung von jedem pol-i tischen Gesichtspunkt abschen, das eine laßt sich apodiktisch sagen: ES wird uns doch wenig nützen, wenn sich der Staat schneller oder weniger schnell als zahlungssächige? Ganzstz vor den Augen der Außenwelt rehabilitiert, die Volkswirtschaft aber nicht weiter kann. Ganz sreisprechen kann man freilich auch die Leiter unserer Industrie nicht davon, an dieser Entwicklung mit schuldtragend zu sein. Schon vor Jahresfrist fand auf sotziald^nwkratisches Betteihen eine Enguete wegen ZlnsfußermäßMM«g statt, die vefultatlos verlies, weil die Leitung der Inidustrie vorgab, sich direkt mit den Danken einigen zu wollen. Was unsere VollSwrrtschast heute braucht und wofür man Himmel nrvd Hölle m Bewegung setzen sollte, ist folgendes: Herabsetzung -es Zinsfußes nicht allein hei den Großbanken, sondern vor allem bei den kleinen W u ch e r b a n k i e r s. Mau streitet sich jetzig mit Recht um drn Brotprois herum, aber mehr als durch Bäcker, gewinn und Mchlsteigevnnig wird uns jeder Bisien im Munddurch die blutsaugerischen Zinse« verteuert. Die im Gesetz zur Kennzeichnung des Wuchers vorgesehene „Ausnützung der Zwangslage" ist heute viel weiter verbreitet, als man glauben will. Eines der w ich t i g st e n Mittel zur Mschafsung dieser Zustände ist: «eine großzügige Aktion zur billigen Kredivbeschaffnug für da? Gewerbe und den kleineren Handel. Solche Darlehenskassen wurden früher einmal in gefährlichen Momenten der Volkswirtschaft MArLudet und Würde:: sich setzt sicher lohnen. Vor allem Wunde es lonsun' föchornd wirken urrd hie Nel-zirkulaLio»t in außerordentlicher Weise heben, wenn der kstme Nt-ann wenigsten.s oimn Teil seiner Außenstände gegen billiges Geld schnell in Bargeld um wandeln könnte. — Wieso kommt es übrigens, daß die Wiener Zeiden-ArolatK. W%(k Ü.LAOUNA '<** % Mr 2^

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