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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-29 · Heft 2076 (29.11.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2076 (29.11.1924)
Date
1924-11-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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CMfe f: - , E Men, Saw S-tag eS an nichts fehlen lasten, diese Bestimmung zu erfüllen. Sie schrieb allgemeine Wahlen ans, wollte einen Landesrat konstraneren, der den Herzenswunsch europäischen IdealiÄnus erfüllte, indem er einen Numerus clausus festsetztr, bei dom gerade die senden schlecht abgeschnitten hatten. Die christliche Agitation.vereitelte die Wahlen und den Landesrat. Das alles weiß man heute in London ebenso gut wie in Jerusalem und — in Nom. Neben der Sorge um die heiligen Stätten drückt die Kurie auch.die Angst um den Glauben. Ein Jerusalemer Blatt hat au die s-äMge Geschichte von der Taufe Hans Herzls .auch eine, alte Anekdote erzählt, die alle stehend Getauften von dem armseligen eingefongenen Schnorrer bis. zum Domherrn und Bischof les gibt ja auch solcl)e) kennen. Sie -st sicherlich nicht harmlos. Aber du lieber Gott, waS müssen wir nicht alles in der katholischen Presse au Beleidigungen und Kränkungen des Judentums lesen, nichts bleibt uns erspart, tägistch setzt man uns den Ritualmord und die Aussaugung des christlichen Volkes vor. Hat die so empfindliche Kurie, deren NeligiottsgMude doch auf der jüdischen Grundlage steht, da gar nichts zu sagen? Nein. Aber der Monsignore Barlarssina hat ein hochnotpeinliches Verfahren gegen die jüdische Zeitung provoziert, die das Christentum schmäht, er läßt Si'chnemesten lesen und nimmt keine Entschuldigung an. Rache, Rache bis ins tausendste Glied! Weil wir gerade von Barlastiua sprechen. Er ist ein moderner Mensch, kennt die Methoden der Propaganda bis ins einzelne und weiß immer, wie's gemacht wird. Er laßt sich jetzt knapp vor der Dölkevbundtvgung (die er mit seiner Anwesenheit beehren wird) in einem arabischen Blatt einen Offenen Brief an den Papst schreiben. Es wird darin, höchst geschickt, darüber bittere Klage geführt, daß die Araber so unterdrückt werden, daß „die wahren Söhne des Landes", natürlich zumeist Christen, ausgewandert sind. Wie ist da zu helfen? Durch die Gründung einer Bank oder Gesellschaft mit einem Kapital von bloß zwei Millionen Pfund. „Kann Eure Heiligkeit," sagt der offene Brieffchreiber wörtlich, „es dMon, daß dem Christentum entrissen wird, was der Islam mehrere Zeitalter hindurch für das Christentum behütet hat?" Dieser Stoßseufzer enthüllt die Mache. Gibt es einen mohammedanischen Araber, der einen solchen Satz — nach seiner Lehre eine Blasphemie — niederschreiben würde? Der Brief ist im „Karmel" ab- Adruckt, einer in Haifa erscheinenden christlich-arabischen Zeitung, und der Briesschreiber, der den Papst anmst, sitzt am Schreibtisch des Monsignore Barlastina. Die Jn- Mge ist so' gescheit, daß sie unsäglich dumm ist. Man wird dem braven Monsignore, wenn er sich ad andiendmn Verbum in Rom meldet, einiges über das Thema Von der Klugheit der Schlangen sagen müssen. Das jüdisthe Voll aber muß cmS dieser Entwicklung die Lehre Äehen, daß ihm daS Mandat, das Wohl und Wehe seiner Zuiunst anvertraut ist und daß es Geld und Menschen tmch Erez Israel schicken muß. Der hier besprochene Offen« Bttef an dem Papst beglMt tttft der Beschwörung des Patriarchen Barlaisfina, den Wortlaut dem Papst zu übermitteln, und sagt bann: „An Seine Helligkeit, den Papst! Ohne Zweifel ist Eurer Helligkeit der Rechenschaftsbericht, den der Ober«kommissür der permanenten Mandatskommission .<mr Vö.llkevbund Wfterbreitet hat, bekannt. In diesem Bericht wird gesagt, baß die Zahl der zionistischen Einwanderer $ Palästina wahrend der vier Jahre der bürgerlichen Regierung im Lande auf 40.000 gestiegen ist. Nimmt nun Eure Heilig Seit in Betracht, daß der größte Tsll dieser Einwanderer, junge Männer und Frauen, im Alter der Reise und der dollen Krost sichen, so werden Sie sie wie 120.000 oder den sechsten Teil der .Bevölkerung Palästinas einschätzen. Dias« Zahl der Einwanderer schließt nicht jene Jud en oin,die schon von früher her im Lcryde wohnen und deren überwiegende Mehrheit Zionisten geworden sind. Die Einwanderungsbewsgung ist damit nicht zu Ende, sondern steigt von Monat zu Monat. Gleicht diese organisierte Bewegung Nicht jener Henne, die nach den Dorten Jesus ihre Küchlein unter ihren Flügeln sammelt? Tut das Christentum dasselbe? Nein. And warum nicht? Ich muß noch hmzusügen, daß in denselben verflossenen vier Jahren nicht weniger als 10.000 junge Menschen v o n d e n Vahren Söhnen des Landes, zumeist Christen, aus Palästina ausgewandert. find. Dies beweist, wie leicht die Einwanderung nach Palästina gemacht wird, um eS für die Zionisten geeignet zu machen, und ist ein Beweis für d ie Unterdrückung der Araber, damit sie Palästina verlassen uick das alles sehr entsprechend dom § 2 des Mandats. Dazu kommen noch die Schwierigkeiten, di« den Söhnen Palästinas in Amerika, Brasilien und anderen fremden Ländern bereitet werden, und Eure Heiligkeit wird erkennen, wie sehr die zionistischen Führer darauf bedacht sind, daS Judentum zu erhalten und zu stävkm, und wie sehr die Führer des Christentums dessen Söhne m allen Ländern vernachlässigen. Palästina wird in aller Eil« zum jüdischen Land umgr« wandelt, nachdem Jesus und seine Schüler sowie deren Schüler eS zu einem christlichen Lande gestaltet hatten. Auch die muselmännischen Araber wachten über daS Land als 1 über ein von ihnen für die Christen verwahrtes Gut von der Zeit Omars al Farük bis zur Zeit des Patriarchen Sapronius. Wo sind denn eigentlich die Führer des Christentums in der ganzen Welt? Werden sie denn gar nicht auisge- Mttalt rum dom GsüLroi dar S&uul&ui. hü all* SLaSJixiummaicum. Wiener Morgettzeltuitg. November 1084 ' ‘ ‘ Nr. MS Meuterei in ßlmtmn. N'Ger die Vorgänge in Aegypten und über -di« Entwicklung des Konfliktes zwischen Aegypten und Englandliegen nur sehr spärliche Nachrichten vor; die Ursache ist wohl darin zu su'chen, daß die englischen Behörden eine strenge Postzensur eingerichtet haben. Die Forderungen des Ultimatums sind zur Gänze durchgeseßt worden. Die Regierung Ziwar Pascha bann eS auf eine Hewaltsame Lösü«ng des Streites nicht ankommen lassen. Sie hat keine Machtmittel und fühlt sich Wohl auch Mcra-lisch in schwacher Position. Die Echsbungen halben tatsächlich den Bestand einer Fem'.«gesellsalft ergeben, die unter dom Namen „Bund der Weißen Fahne" . die erlvemstsn Anhänger der an-tienglischen Strömung Vereinigt. Diese Ge^eimgesellschaft ist der Nachfolger des von dom Mahdi (Scheid Mohammed) errichtete« Masri- Bundes und U'Mfaßt insbesondere die im Suida-n stationierten Offiziere. Der Führer der Ge>sellschast, Ali L a 1 i f Bei, be-sindet sich seit dem Sommer in Hast, leitet sidoch aus dem Gefängnis die Organisation» Es sind auch An» zeichen dafür vochanden, daß diese Fcmsekt« mit allen Zentren der arabischen und islamitischen Welt, insbesondere aber mit dem Generalstab der Angora-Arme« in Verbindung steht. Die von der Londoner Poesie veröffentlichten Berichte stimmen in eiüer ruhigen, zuversichtüHchen Austastung der politischen Seite der Angelegenheit Mirrein. Ihre Korrespondenten melden, daß Aegypten selbst ruhig ist, daß sich jedoch die Räumung des Sudan unter heftigen Zwischenfällen vollzieht. Don großer Bedeutung ist die Behauptung der „Daily News", daß die britische Regierung vom Bolkevbwnd, die Erteilung des Mandats über den Sudan verlangen wölbe. Dies würde bedingen, daß -sich der Völkerbund mit der Konstruktion des Verhältnisses zwiischen England, Aegypten -und dem Sudam befassen muß und daß aus -diese Weise der hauptsächlichste Zweck der Protesterklärung der ägyptischen Kammer erreicht wäre. Mit dieser Er- Märung, die die Intervention des Völkerbundes amruft, hat es eine eigenartig« Bewandtnis gehabt. \%n dem via Marseille nach Gens Herichtriwn Telegramm stylte ausfalleNidevwslstz gerade der Intervonti^nAPasius. Es hat sich inzwischen ergeben', daß ' ü die Verstümmelung der Depesche zwischen Marstille und Genf geschehen ist. DaS arabische Blatt „Al Ahram" meildet, Persien sei bereit, den enMchägyptischen Stveftfall namens Aegyptens dom Volkeämnd zu «unterbreiten. Persien ist Mitglied des Polrerbundes und kawn die VerhcxMumg des Konfliktes fordern. Sollte sich di« Wahrheit dieser Nachricht ergeben, «so würde dies eine Verschlimmerung bedeuten, da die persische Regierung ganz unter dom Einfluß der Moskauer Sowjets steht. Bei der Räumung von Chartuim ist er zu «iner Meuterei gekommen, Zwei Züge des 11. -sudanesischen Bataillons machen, die zerstreuten Juden in Palästina zu sammeln und dieses zu einem jüdischen Staat umzvigeslalten? Erregt sie auch nicht die Zerstreuung der Christen oder fühlen fi« nicht in sich auch mir einen Teil der Kraft, die die Führer der Zionisten erfüllt? Die Zionisten vertrauen aus >ihre Kraft, die Kraft von 15 Millionen Juden. Sie wollen 70 bis 80 Millionen Pfund zur Verwirklichung chrer Träum« zufainmeuibrimgen, und das Christentum hat nicht die Macht, eine Bank oder ein« Gesellschaft mit einem Fonvsvonzwei Millionen Pf und, die von 800 Millionen Christen angebracht werden sollen, ins Laben zu rufen? Vielleicht ist mit dem Eintritt in daS 20. Jahrhundert daS Christentum altersschwach geworden, und da es nicht «mehr die Macht besitzt, das ihm überantwortete Gut zu behüten, stand daS Judentum auf und verjüngte sich «nach viertausend Jahren, um dom Christsntmn sein Zentrum, daS von den Mufelmannen bewacht wird, zu entreißen. Das chvistliche Palästina ist auf dem besten Wege, jüdisch zu werden. Kann Eure Heiligkeit so etwas dulden und ertragen, daß in der Zeit, wo Sie di« bas Christentum vereinigende Kirche .'bewachen, dem Christentum entrissen werde, was der Islam mehrere Zeitalter hindurch für dar Christentum behütet hat? Darf Eure HelMeit das christliche HeMgttM vevloren «gchon -lassen, während dock dem Unglück durch die Göünduwg einer Bank oder Gesettschaft mit einem Kapital von bloß zwei Millionen Pfund vovgelbeUHt werden könnte? Was werden die kommondsn Geischlechter von uns sagen? Wer vermag «8 vocher zu sagen, welche Umwälzungen und Unruhen die Sache noch im Gefolge haben wich? Die Nesideirz des Papstes ist «in Rom, aber das Fundament und die Säulen des Christentums sind in PMstin-a. Wich diöseS Fundament zevstört, stürzt der päpstliche Thron zusammen, sollen auch die auf ihm Sitzeatden und zevsällt auch die Kirche. Gerade jetzt sind wir Zougon des großen Unglücks, daS die orthodoxe Kirche in Rußland durch Zerstörung ihres fai'jeitidjc-n. Papstes ereilt > stürmten daS Militärspital und töteten zwei englische und zwei syrische?lerzte. Die .britischen Truppen s e u e r t e n uiwt> die Sudan äsen erlitten schwere Verluste. O m d u r m a n, di« durch die Vernichtung de's M<l«I'di durch Kitchemr 'bekannte Station, ist geräumt und vom englischen Militär besetzt worden. Unmittelbar nach den am Donnerstag vorgenommenen Verhaftungen der Freunde Zaghluü Pascha's wurde «dem ägyptischen Premierminister ein Prowst der Deputierten«kam.mer überreicht. Auch .>'« ägyptische Presse veröffentlicht energische Propste. Nach einer Unterredung drS Ministerpräsidenten mit den Vertretern der Stadtverwaltung von Kairo wurden die Verhafteten gestern abends den ägyptischen Behörden auLge liefert. Die Studenten der ägyptischen Universität haben der Presse ein Communique zugchen lassen, in dem sie bekannt gaben. daß sie einen fünftägigen Proteststreik eröffnen «werden. Der Korrespondent des „Daily Dolegraph" bezeichnet diese Bewegung als das Zucken einer Schlange, die -man geköpft habe. Die Note an den Völkerbund. Genf, 28. November. (Tel.-Komp.) Hier verlMtet in informierten Kreisen, daß der Genera-lsekvetär des Völkerbundes, Sir Eric D r u mmo n d, ein Engländer, die Protestnote «der ägyptischen Abgeordneten-kammer erst unter französischem und italienischem .Druck an den Präsidenten des Vöbüerbundraites H h m a n n s «weitergsleitet habe, . Die Nationalisten. London, 28. November. (Tel.-Komp.) Me die Blätter ans Kairo «melden, ha«ben He n a t i o ü a l i st i s ch e n Mitglieder des äghptiischen Parlaiments geistern eine feierliche Sitzung abAohalten, in der sie i«m Namen der Nation gegen die durch Ziwar Pascha inangnrierte' Politck der Schwäche protestierten. Alle Erlässe der neuen ägyptischen Regierung wurden für null und nichtig erklätt, da dies« Regierung nicht vom Parlament g;wählt fei und nicht dessen Vertraue.» genieße. Die Versammlung erklärte, die ägyptische Natvon lbestche aus dem RechteAegyPtenS aufdenSnvan und erhebe gegen die Abberufung der ägyptischen Truppen aus dam Sudan den schärfsten Einspruch. Eine Berrschwvrung gegen Allenby. — Weitere- Verhaftungen. London, 28. November. (Reuter.) Nach einer Vlatter- «mekdung aus Kairo ist dort sin Stu«de.nt verhaftet worden, der beschuldigt «wird, das Haupt einer Verschwörung M Ermordung des Oberkommisiär's Lord Allenbh zu sein. Die ägyptische PoUzei hat aus Grün«den der Vorsicht die ^Verhaftung von 35 Personen angeordnet. Zwölf Personen sind bereits verhaftet worden. Weitere Berhastungen werden in der Provinz erwartet. Die PoKzei hat den Urheber des Studentenstreiks sestgenommen. Lar Geheimnis von Genf. Sin Vortrag Matajas. Unter dem unvevfönglichen Titel „AußenPolitHk und BoNSwirtschaift^ hielt gestern der neue Außenminister Dc«kwr M a t a j a im- Oesterreichilschm HandelsmnssrM einen Vortrag, der Wohl die Pvogrammrede des neuen Ministers dachellen soll. Er sagte unter anderem r ^Die eigentliche außenpolitische Mtivitat Oesterreichs begann im Jehre 1932 mit jener Aktion, die den Namen des BundeslkanzlerL Dr. Ignaz S e i p e il trägt und die in den Genfer Protokollen gipfelt. Gewiß find die großen Zusammenhänge dieser Mion heut« m wesentlichen Hat. Ich gelbe aber offen zu, daß sie mir persönlich auch heute n i ch t i n allen Pun'kten überblickbar sind. Ich würbe es sehr begrüßen, wenn einmal die Geschichte dieser Aktion gcschricbon würde und es wäre übevans dankenswert, wenn der Herr Bundeslkanzler Dr. Seipel stibst sich dieser Mühe unterziehen wollte. Eben geistern haben wir den Handelsvertrag mit der tschechoslowakischen Republik unterzeichnet. Die BcrhaMu'.'.gen mit dem S. H. S.-Staate über die Ausgestaltung unseres Vertrages vom 27. Juni 1920 sind im Zuge und ich möchte die Hoffnung auNsPrechen, daß die VechaMungen mit Ungarn nunmehr recht baD beginnen werden. Diese w i r t s ch a s tl i ch e n N o t wen d i >g k e i t en Wird... sebbsivevständlich niemand «mit politischen Unmöglichkeiten verknüpfen. Sie würden in allen drei Staaten, die im Zrrsanmrenhang genannt werden, a u f A b l e h n u n g stoßen." Der Minister beschäftigte sich schließlich auch mit der Tats'üche, daß Länder, in denen Ge>ldübxr«fluß herrscht, diesen nicht in. Oesterreich anlsgen, weil ein goivisses. M i ß t r a u e n gegen Oesterreich im Auslande unter anderem auch wegen der sozialen GesetzgebuNlg vorhanden ist. Gewiß könne man, meinte er, auch den A ch tst u n d e n t a g übertreiben, aber als Grundsatz ist er eine richtige Maßregel, an der mau n i ch t rütteln soll.. ‘ v:-

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