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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-29 · Heft 2076 (29.11.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2076 (29.11.1924)
Date
1924-11-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IPalen Mnroml Wien: Zum Abholen in der Expedition, II, Tnborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez., Wollzeile 11 Mit Postveraand für Wien o. Oesterr. monatl. K 40,0<X Tsehecho'Slowakei: Mbn. K20. Jugoslawien Mon. DinaröO. Polen: Mon 31/, Zloty, Dentaehlanc Mon. Goldmark 4, F ran kr., Bedien: Mon. Frei. 15 WU" N»eh * ■ b »u n )r«B IW bei PrriierhShnn«» vorbohiilta* Rk. 2076 ■ .. ii mjumjm———— Wien, Samstag 20. November 1824 j pnvi-, ir S40«) Enxiand» Mon.4Schilling, Italien: Monatl, 15 Lhre, Rumänien Mon. 150bet, Bulgarien Mon.80 Lewa, Schweiz und das übrige Ansland monatlich Fros. 4. Redaktion u. Administration Wien, II., Tabofstr.l—8 Telephone: 44-0-58,43-3-19, AhßUhr abds. 21 -102,25-282 IX. Universitatsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oeeterreiehiaehes Poatapar'* kassen - Konto Nr. 150.698 am 6. TEattflonn ötmmfzene« tm ungarischen Abgeordnetenhaus. — Sie — Sie Svvosition durch die Wache aus dem Hans entfernt. 1 Budapest, 28. November. J>n der hmtigen Sitzung der Aa 1 ionalversauritrl'uug ereigneten sich ungeheure S t u r m s z e n e n, die zargeit — 8 Uhr — noch andauern. Die Skaudals'^nen hatten sülzende. Vorgeschichte: . In den Couloirs der Naitimm>lvevff.!m>mluing teMe heute Abgeordneter Friedrich Iouionaliften mit, der nach Amerika >rusgewan.derte Abgoolid'ne!t>e Zakany h-abe -hm vor stiuer A-breise das gauze aus die Eskiitt-Affare be,'Lg.li.che Ma-teviÄ, zur Verfügung gestellt. -Erbesitze Dokumente Wer 2300 Au sfuhrerlaubnissch etue. Aus soinen Akten gehe hervor, daß es sich hierbei nichftum Mißbräuche eines kleinen Pfiva-tsekxetärS, foindevn uw ein g r oße s.Pa namasystem haMe. Unter anderem haHeauch der S ch w a g e r. d e s gegenwärtigenAcke.vb a u m i n i st e r s AuKsn'brerlaiu'bni^cheiM für hundert Pferde erhalten. Friedrich lui-eFs. ferner d>ie eines vertrautichen Schreibens, . - paSI MslnfftertzräDe^' Bethlen im Juni 1W1 au den AckerbaniMMsjer SzaUö.^ Nag vatad gerichtet habe, vpr. AlsMiEterpmsident Traf Peftbl e n von den AenßevlMftLN Frvedrichs erfuhr, -bpgH 'Ly sich in den Sitzunigsstval und beantragte; 1 : die Abhaltung einer geheWn Wtzrmg. Auf der Linken-brach e'm n ng eheu re r SÜtnt' aus. Man schrie denrMmffterPräsi-enten Zn: Wenn Ihr -offen pcmanüsiert habt, dann gesteht es offen ein. - Der Präsident läutet Mnmterbxocheu und ruft in hem Lärm die Abgeordneten Zur Ordnung. InrAvischen werden d'c Valerien g e r ä u m t, doch hört mau noch in den Couloirs, dass im Saal der Lärm ununterbrochen andauert. Die geheime Sitnmg dauerte Vis 4 sihr, woraus sie wieder für ÜffeMich erklärt wurde.' Der Präsident beantragte, die Sitzung aut Wemtcig mit der Tagesordnung: V e r h a n d l n n g derGeschästsordn n n g. M vertagen. ' Abgeordneter G v ö r k i (Sor'ialdemokrat') erklärt, in der geheimen Silmng hätten der Mi rüsteriprä-sident und der Ackeubauuri'tt-i.ster Erklärungen abgegeben, die auch die Defienttichkett interessieren. Der Ttckerbaumliniister habe sich auf den von der Opposition schon-länatt geforderten Standpunkt .gestellt, daß a l l e Akten d e r P a u a m a a f f ä r e e 'n le rn parlam-entar ffchen lerfnchu'ngeaiuKschuß vorgolegt Inerden. ' Der Ministerpräsident bade gestern vor Gericht, eine falsche Zeugenaussage abgegeben. Hier entsteht auf der Rech te n ein mrgohourer Lärm. Der. Präsident läutet ununterbrochen und entsieiht den: Abgeordneten Ghörlh das Wort. Die So>'>ia't!deinokraten schlügen. mit den Pultdeckeln auf die Bänke und schreien: Daß ist Terror.' Der Präsident erteilt dvtn nächsten Redner, Mgeordneten Urban, das Wort, doch kann dieser sich in dem allgerm'inen Lärm nicht verständlich,machen, und auch .Ghvrky setzt trotz des ihn: entzogenen Wortes stime Rede fort. Der Lärm dauert uMmierbrochen au. Die Abgeordneten schreien von rechts uuid links aufeinander los. SWcßVich suspettdirrt der' Präsident die Sitzung, doch dauert der Lärm fort. Nach einer Panse von zehn Minuten eröffnet er wieder die Sitzung »md fordert den Ab-. geordneten Urbanics zum Sprechen ans. Hierauf entsteht auf der Anken eiin riesiger T-umutlt und auch Abgeordneter Gh ö rky fetzt feiine Rede fort, ebne daß'man ltveder von ihm noch von Abgeordneten Urbanics ein Wort versteht. , In dem allgemeinen Lärm verfügt der Präsident die Abiha-ltung ‘ ' ' , ■' '. . ' „ einer neuerlichen geheimen Sitzung, worauf die Galerien geräumt werden. In der darauffolgenden Pause teilt der Präsidentden IourMlisian mit,"daß er verfüigt habe, den Abgeordneten Gvorky iMgen ve-niterwen Benehmens aus dom Parlament entfernen zu lassen. Bald darauf erschienen ein Offizier' vnd fünf Mann der Parlamentswache im Sitzungssaal. Die Journalisten« war um diese Zeit bereits geräumt. Wie mitgeteitt wird, wurde der Abgeordnete Gh'örky, trotzdem er von sozialdemokratischen Abgeordneten umringt war, aus dem Saale entfernt, wobei der sozialdemokratffche Abgeordnete Kabok von Mitgliedern der Parlamentswache einen Schlag erhalten haben soll. Die Sozialdemokraten drängten der Eskorte nach und riefen: Wir lgssen uns alle hinausführen! Die Parlamentswache führte Györky bis zum Ausgang des Parlamentsgebäudes. Inzzvlschen Vevkündcit sein Glockenzüichrn den Beginn der geheimen Sitzung, doch erklärt die Opposition, daß sie daran nicht teilnchmen werde. Die geheime Sitzung währte etwa 26 Minuten. Als die VechaMu-ng wieder für öffentlich erNävt wurde, fetzten sich die Tnmultszenen fort. Unter ohrenbetäulbendem Lärm erklärte ein Redner der ^HegievungsPartei, den. TagesordnunigZantrag a-NFUn«hmelr. Flitzt von Schmähungen richtete sich gegen den sfHWtzelrden, der die, .Sitzung wieder suspendiert e. Kach WiodereGffnüngsernMte sich -der iNfevnÄffche Lavm. Der. Präsident ließ wieder vier Mi-tere T^vrdMte durch die Parlüinnntswache entfernen, und ^var'die' Abgeordneten K'aho k, E-sztergalhom, Propp.er mch Reifi n- .g er. Als die A^ordnetey. von der ^aWwniSwache' durch die.'WaWWr^/'KWA^ÄW 'ÄHffsiHWr Redcckteü^ des „Wag", Palfy i, dazwischen und wisi - Ke Abführung verhindern. - Darauf wird auch er aus dem Haufe enffevn't. Gegen ihn wird' ein Verfahren wegen Gew'alttätigkeit gegen d i e B e h ö r d e n ein gele itet. Im Saale dauern die TuirnMszenen fort. Es werden woiteve fünf Abgeordnete, nutz zwar Payer, Sütö, Bahtian und Peidl von den Schialdemokraten Und Szilaghi von der büvgerlichen Opposition durch die Parlamentswache aus dem Saale geschafft. In der -Sitzung ergriff dann Ministerpräsident Graf Bethle n das Wort und erklärte den von Friedrich verbwitoien.Brios für gefälfcht.' . ' Um 11 Uhr nachts wurde di-e Sitzung geschlossen-. . Der Brief Bethlens. Budapest, 28. November. (Tel.-Komp.) Albgeord-mier Stephan Friedrich erklärte heute, daß er dm Besitz emes Dokumentes sei. welches anf die gestrige Zeugenauslsage des Mluistevpräsidouton Grasen- Bethlen im Eskütt- Prozeß ein eigentümliches Licht wirst. Friedrich Mergalb das streng vefervate Schriftstück dem „Az Est" zur Veröffentlichung. Es hat solge-nden Worklaut: . . . ' „Ich erfahre von dem Minister für Volksernährung Mayer, daß bei der Erteilung von AussuhvbÄvilligungen b estimmte Betrage f.ür Propaganda- und Parkeizwecke abgezogen werden. Ich ersuche, in Hinkunft bei Ausstellung von fölchen Bewilligungen die An-gelegeniheil vorher m i t m i r zu besprechen. Gezeichnet: Graf Stephan Bethlen." Ser englisch-deutsche Handelsvertrag. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 28. November. Der Handelsvertrag mit Deutschland steht vor dem Abschluß. Es wurde in allen wesentlichen Punkten eine E i n i g u n g erzielt. Der Vertrag irmfaßt folgende Hauptpunkte: 1. Das Prinzip der Meistbegünstigung für beide Länder. 2. Garantien gegen eine Beschränkung des britische« Exports nach Deutschland. 3. Erleichterungen für die Einfuhr von englischen Motorfahrzeugen, Textilwaren, Werkzeuge», Maschinen und dergleichen, nach Deutschland. Dagegen sollen die englischen Gesetze gegen die deutsche E i n w a n d e r u n g sallen gelassen; und deutsche Einwanderer wie die Angehörigen anderer Lander behandelt werden. 4. Erleichterung für die Errichtung deutscher B a n k s i l i a l e n in England. Man glaubt, daß die.Ratifizierung dieses Handelsvertrages durch die beiden Parlamente keinen Schwierigkeiten begegnen wird. Vatikan und Sion. —V. Wien, 29. November. Dein Rat des Bökkerbundes, der am 8. Dezember in Rom Zusammentritt, liegen unter anderem die Berichte der staMgen Mandatskommission über die Entwicklung der Mandatsgebiete in der Berichtsperiode, das ist im abgelaufenen Jahre, vor. An dieser Frage sind vor allem Frankreich und England interessiert. Die Mandatskommission hat, wie die „Wiener Morgenzeitung" ausführlich berichtete, zunächst die Verwaltung Erez Israels geprüft und ein eingehendes Referat des Qberkommissärs Sir Samuel angehort. Sie ist zu dem Entschlüsse gekommen, 'chm ihre Anerkennung auszusprechen, und hat-dem Plenum einen Bericht erstattet, der sich -voMommen auf den Boden der Volkerbundbeschlüsse stellt und die Balfour-Deklavation als Richtschnur jeder Tätigkeit der Mandatsverwaltung nimmt. Diese Erklärung spricht, wie bekannt, aus, daß der Aufbau der jüdischen Heimstätte kein Recht dermchtjüdifchen Bevölkerung verletzen dürfe. Eine solche.Formulierung findet zwar offene Türen, da kein Jude jemals eine Politik der Unterdrückung und Ungerechtigkeit akzeptieren würde, vor allem aus ethischen, wie nicht minder aus wohl verstandenen polUschen Gründen. Die Ziomstlsche Organisation hat sich seinerzeit mit dieser Fassung einverstanden erklärt, die, wie gesagt, nur eine Selbstverständlichkeit enthält. Die Leitung der.Verwaltung in Erez Israel liegt nicht in zionistischen Händen, sondern wird von englischen Funktionären besorgt, und demgemäß könnten Beschwerden, wenn sie erhöben werden, sich nicht gegen die Zionisten richten, deren .EMütivd' nach dem Maridatsvert'rätz 'nur -iw AttMeMnMW^des^. jüdischen Heims der Verwaltung mit Rüt Md' Tat'.M ". Seite zu stehen hat. Aber merüoürdigerwejse ' sprechen^ alle in die Oeffentlichkeit gelangenden BeschwerdM von der zionistischen Unterdrückung. Dadurch entsteht, ein falsches Bild von der Sachlage und es ist jedchn Kar, daß derartige, von einer unrichtigen Voraussetzring ausgehende Anklagen einen bestimmten Zweck verfolgen und die Oeffentlichkeit in die Irre führen wollen. Die Geschichte des jüdffchen Siedlungswerkes in ' Erez Israel zeigt, daß in der eingeborenen Bevölkemng die jüdischen Bestrebungen von Anfang an mit Wohlwollen und ohne jedwede Animosität betrachtet wurden. Insbesondere die Araber erkannten sehr bald die große , wirtschaftliche Bedeutung der Mischen Arbeit, die in die verna-chlässigte Wirtschaft neue Anpulse und neue rationelle Methoden brachte und durch ein modern ausgestaltetes Kreditsystem das Land oufschilotz. Das Land, das bis dahin nur. in der religiösen Tourrstenromantik eine Rolle gespielt hat, wurde durch die jüdische Tätigkeit an das Leben der Welt angeschlossen und die Amber, denen Europa nur mit der Waffe entgegengetreten war, lernten in den Juden ein ganz neues Element kennen und schätzen. Es fft auch historische Tatsache, daß keine ambische Gruppe, gegen den Politischen Inhalt der Balfour-Deklamtion unmittelbar nach deren Bekanntwerden Stellung na-hm. Die Proteste begannen erst, als durch die San-Remo-Beschlüsse des Obersten Rates die Rezeption der Heimstättenforderung in die aktive PolM erfolgte, und sie nahmen an Heftigkeit in dem gleichen Maße zu, als das jüdische Ziel an Klarheit gewann. Mit einem Schlage erschienen die christlichen Amber. Der römische Vatikan, der sie bis dahin politisch kaum gekannt hatte und der gegen ihre Botmäßigkeit unter der mohammedanischen Herrschaft niemals etwas einzuwenden hatte, bmchte ihnen zum ersten Mal ein Geschenk: den Haß gegen die Juden.' Der Vatikan fand, daß die heiligen Stätten von der^ jüdischen Herrschsucht bedroht seien, und er umfaßte die christlichen und . die islamischen Altertümer mit gleicher Liebe. Das Gmb Christi war freilich bis zmn Kriege von türkischen Infanteristen bewacht, die es gegen die Rausereien detz Sekten zu verteidigen hatten. Das focht die religiöse Empfindlichkeit der Kurie wenig an. Daß diese Stätten ^nunmehr unter dem Schutze des DAkerbundes als Garanten des Ma-ndatsvertrages gesichert sind, auch das tut nichts. Der Jude wird verbrannt, sagt der Patriarch. Und außerdem werden die Araber unterdrückt. Dort, wo keine Hetze betrieben wird, leben sie mit den. jüdischen Bauern und Arbeitern im besten Einvernehmen, was an sich schon das schärfste Dementi der Lügen ist. Zudem garantiert das Mandat ausdrücklich die gerechte Behandlung der Nichtjuden, und die englische Administration hat

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