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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-27 · Heft 2074 (27.11.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2074 (27.11.1924)
Date
1924-11-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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ffcfle 3 ——— EVlen. VpnnerM- ~ Sie menschliche Lebensdauer. Die Sterblichkeit der jungen Mädchen wächst. Der Leiter des New-Dorker Instituts für Lcbensverlängerung, Dr. Eugm FiSk, hielt dieser Ta>g« auf dem amerikanischen Kongreß für Erziehungswesen einen Vortrag über die Le-enSdauer der Menschen in der Gegenwart. Danach ist die durchschnittliche Länge des menschlichen Lebens in den letzten drei Jahrhunderten von 21 aus 6 8 Iahre gestiegen. Diese gewaltige Steigerung der menschlichen Lebensdauer ist nach der Ansicht des Vortragenden größtenteils den Fortschritten der medizinischen Wissenschaft zu verdanken, durch weiche die Sterblichkeit der Säuglinge und Kinder unter fünf Jahren gegen frühere Zeiten kolossal znrückgegangen ist. Die durchschnittliche Lebensdauer der Menschheit ist, wie Dr. Fisk ausftchrte, immer noch im Wachsen begriffen und erscheint nur in einem gesÄhrdet. Die Mortalität der jungen Mädchen und Frauen, meint nämlich Dr. FiSk, ist ständig im W a ch f e n begriffen. Der Vortragende führt« dieis« Erscheinung aufden leichtfertigen Lebenswandel zurück, dem sich die jungen Mädchen und Frauen unter dem Einfluß der modernen Erziehung ergaben haben. Wenn Frauen zuviel Zigaretten rauchen, ganze Nachte außer Haus Vorbringen, übermäßig viel tanzen, viel Wohol konsumieren und von Vergnügen zu Vergnügen taumeln, so empfängt der weibliche Organismus nicht genügend Schlaf und frische Lust, was unweigerlich von den nach, teivigsten Folgen für die Gesundheit und die Lebensdauer der Frau unserer Zeit begleitet ist. Sie Todesanzeige als Reklame. Daß dom Amerikaner das Geschäft über alles geht, ist allgemein bekannt, und daß er ein unübertroffener Künstler in der Reklame für seine Geschäfte ist, gilt gleichfalls als unbestrittene Tatsache. Den Rekord aus diesem Gobiet hat jedoch der „trauernde Gatte" goschlagen, der vor einigen Tagen in der „Newyovk SM" di« folgende Todesanzeige einschalten ließ: . „Ich erfülle hiermit die traurige Wicht, meinen Freun. den und Bekannten mrtzutoilen, daß moine geliebte Frau gerade in dem Augenblick aus dem Loben schied. als sie mich mit einem Sahn beschenkte, für welchen ich nunmehr eine Pflegerin suche, bis ich eine neue Lebensgefährtin finde die jung. schön, im Besitze von 20.000 Dollar fein muß. damit sie m meinem Wäschegeschäft. in dem ich gegenwärtig e-inen Ausverkauf zu Konkurrenzpreisen veranstalte, mitarbeite, bis jot der Zeit, da ich mein Geschäft in mein neues Haus aus der 18. Avenue, wo noch einige Prächtige Lokale gegen einen Mietzins von 500 Dollar zu haben find, verlegt haben werde." Erne Todesanzeige mit nicht weniger als elf Reklameonzeigen! Die Märchenerzähler meiner Evrechftunde. Von Klara Mautner. Me es gekommen ist, weiß ich nicht, aber ich habe mit einom Male eine Sprechstunde. Ich möchte nicht behauchten, daß ich mir diese Sprechstunde eingerichtet habe — das hieße der Wahrheit uns Gesicht schlagen. Um ganz genau zu sein, müßte tch sagen: die Sprechstunde ist mir eingerichtet, ja, ich bin mit ihr überrascht worden. Von wem? Das weiß ich nicht. Man hat, entweder erfahrungsgemäß öder einfach durch Hebereinkommen festgestellt, daß ich an bestimmten Wochentagen und zu bestimmten Stunden (ich werde mich hüten, sie zu nennen) zu Hause bin, auch nicht in der Lage bin, mich verleugnen zu lassen, da ich meist selbst auf das Klingeln beim Gangsenster erscheine, und hat mir auf diese Weise eine Sprechstunde beschert. Ich werde strenge zur Pünktlichkeit angehalten und wage es nicht, auszugehen. Ueber zu geringe Frequenz konnte ich mich nicht beschweren. Es gibt Tage, an denen es recht munter zugeht und mancher Rechtsanwaltansänger mit der Klientel gang zufrieden wäre, wenigstens was die Zahl der Ratsuchenden anbetviftt. Und alle meine Besucher kommen, um mich zu belügen. Ich glaube ja. nicht, daß das ihr einziger oder auch nur ihr Hauptzweck ist. Aber jedenfalls bildet es einen unumstößlichen Programmpunkt. Das heißt: die 8eute glauben,' daß sie mir etwas vovlügen. In Wirklichkeit sagen sie, in Dutzende von Lügen eingewrckslt, die bittere, die lautere, die unbezweifelbare Wahrheit: .daß es ihnen jammervoll schlecht ergeht, daß sie doppelt und dreifach, mit Unglück geschlagen sind, mit tiefster, furchtbarster Arnmt, die nicht nur Mangel an Geld bedeutet, sondern auch Mangel an seelischer Widerstandskraft. Der Gedanke an diese - ungewollte Wahrhaftigkeit stärkt immer wieder meine Geduld. Von dieser Gabe -brauche ich allerdings in meinen „Sprechstunden" eine tüchtige Portion. Meine Gäste führen sich schon mit einer Lüge ein. Man hat sie an mich empfohlen. „Wer?" „Ach!" — mit ausholender Geste — „ein Herr", auch jemand, der „von der Kulbusgemeinde" ist. Befriedigt mich diese Auskunft nicht und verlange ich zudringlich einen Namen, fo sagen die Ungeschickten, sie hätten ihn vergessen, aber es wäre etwas mit „Rosen" (d. h. ich darf nach eigenem Geschmacks feld, berg oder tat hinzufügen), während die Gewandteren mir einen innigen Gruß vom Herrn (oder auch Frau) Doktor Freund, Goldstein, Löwenberg oder Popper bestellen. Da ich MstverstäMich aus meinem Bekanntenkreis eine kleine Musterkollektion von Doktoren dieses Namens zusammenstellsn könnte, scheint somit die Schwierigkeit des Cntreeliedes beseitigt. Es ist nur manchesmal für mich etwas erstaunlich, von der Frau des durchaus und grundsätzlich unbeweibten Professor Blurminfeld durch einen Gruß ausgezeichnet zu werden öder zu erfahren, daß sich ein längst verstorbener Gatte der Frau Doktor Lööl eigens zu dem Zweck von den. Toten wieder herbemüht hatte, um mir einen seiner .Landsleute zu empfehlen. Nach der: AdvesM meiner „Frmwve", die _Wiener Myverenzeitung.__; AMERICAN TAILORS Brüder Koch Ges. tot. b. H. 6. Be;.. Mariahilserstrahe 17 Rssjsü Erstklassige Maß - Schneiderei für Herren / Reiche Auswahl in feinen englischen Stoffen / Elegante Ausführung. V Billige Preise mir Hilfsbedürftige herschicken, frage ich schon langst nicht mehr. Sie wohnen allesamt auf don Sternen oder „dort in der kleinen Gasse hinterm Platz". Den Vogel schvß allerdings kürzlich ein junges Mädchen ab, die mir.,ein Herr" zugewiesen hatte und die auf eindringliches Befragen zugcstand, sie hätte diesen Borwand nur gebraucht, \m mich zu „beruhigen", denn sie hätte wohl gesehen, wie sehr ich mich vor ihr gefürchtet hätte. Man kann sich.auMüleN, daß die Mitteilung, der große Namenlose hätte sie gesandt, mich völlig beruhigte. Auf gleicher WahvheitSstufe stünden ihre übrigen Angaben. Man hatte ihr mit vieler Mühe einen Platz in/ oinar Lungenheilstätte verschafft, aus der sie soeben entwischt war. Einfach „d'.lrckgebrannt". Das heißt — in ihrer Erzählung sch der Vorfall natürlich Mz anders <twS, Darum sie abgevcist war? Warum? (Langgedehnt, um Zeit zur Ueberlegung zu bieten.) Die Heilstätte war „doch" gesperrt worden. Es ist mir genau bekannt, daß die Heilstätte Ganzjahrbetrieb hat. Also — die Maschine für di« pneumatischen Kanmwrn war gebrochen und kann erst in zwei Monaten wiedechergestellt sein. Da ich nach dem Telephon lange, ermäßigt sich die ReParaArdaner auf «inen Monat, und ich müßte nur die Bewegung wiederholen, um sie aus zwei Wachen herabzudrücken. Aber mir scheinen ander« Fragen wichtiger.. Seit wann die Kranke wieder in Dien ist? Seit heute, sie ist soeben erst angekommen. Wo sie wohnt. Wo! — sie —sie wohnt nirgends. Absolut nirgends. Sie ist geradewegs vom Bcvbnhof zu mir gekommen, durch jenen Herrn, den sie zufällig getroffen hat, obwohl er nicht existiert. And sie hat nur noch so. diel Gold im Besitz, um „zurück" zu fahren (wahrscheinlich zum Südliahnhof) und kennt außer dem nicht Existierenden nur noch mich, die sie eigentlich nicht kennt. Man wird vielleicht begreifen, daß es einige Zeit brauchte, bis ich aus den Angaben so viel Wahres herausgeschält und hervorgekmtzt hatte, um einen einigermaßen zutreffenden Rat erteilen zu können. Di«, nächste meiner .Wentirmen wünschte mir M verheimlichen, daß ihr Sohn ein Paar Monate wegfn Beruntrermng >im Gefängnis gesessen war. Er war nur „verreist" seit dem März. Wohin und wozu.. Er war — in Deutschland. Und es ist doch ganz gut, wenn sich junge Leute die Welt an sehen. Wir Unterhalten uns eine Weile über den Bildungswert des Reifens. Da ich keine bildenden Versprechungen für.Unterbringung des Burschen geben will, rafft sich di« Mutter auf und sagte: >,Ich werd' Ihnen die Wahrheit sagen, Frau Professor (ich werde mit den schönsten Titeln ausgestattet und in meiner „Sprechstunde" rückt mein Mann jedesmal-kostenfrei zum Obermedizinal- und Hofrat vor), ich werd' Ihnen die Wahrheit sagen —"..Und lügt weiter. Die Frau, die sie Möst, lebt, wie alle meine Besucher, von der Lust. Unterstützung' vom Sohn aus Chikago? Aber keine Spur! Sie hat seit Jahr und Tag nichts von ihm gehört. Ihre Briefe gehen alle verloren. (Nach meiner Erfahrung gehen Briefe nach Amerika immer verloren.) Ob ich einmal für sie schreiben soll? „Nein, nein, .es wäre schände ums Geld." Da ich derselben Ansicht bin, unterbleibt der Versuch. Am besten trifft es aber doch der Alte, der sozusagen Stammgast bei mir ist. Er ist der reine Märchenerzähler, einer von denen, bei denen man nach einem hübschen Witzwort immer fragen muß, ob das, was er berichtet, wahr ist, und wenn es wahr ist, ob es wirtlich wahr ist. Ich bin überzeugt davon, daß er das Uebertreiben auch ein bißchen als Sport betreibt. Grundgescheit, witzig, mit. scharfem, kritischem Mick begabt, könnte er sonst nicht so weit gehen. Er blinzelt zwar von Zeit zu Zeit zu mir hinüber, ob er noch etwas mehr riskieren kann, aber er lut es, auch wenn ich grinse, so gut ich kann, doch immer wieder. Offen- , bar lockt ihn der Versuch und' unsere Unterhaltung ist meistens das rein« Katz- und Mausspiel. Es ist ein bißchen kompliziert, denn ich weiß nicht nur, daß er lügt, sondern er weiß, daß ich weiß, und ich weiß, daß er weiß, daß ich... Ganz zuletzt erscheint meistens noch meine alte Freundin, die pensioniierte Lehrerin. Wir sprechen von Tagesereignissen, Familienvorkommnissen, und sie sieht mich die ganze Zeit unruhig und fragend an. Im Fortgehen wirft sie ganz beiläufig hin: „Uöbrigens — hätten Sie nicht Verwendung für einen Hunderter? Ich weiß wirklich nicht, was ich mit allem Geld amfangen soll. Und mein Vetter hat mich himmelhoch gebeten, ob ich ihm nicht einen Winterrock abnehmen könnte, deü er nicht mehr trägt." Ich weiß genau, daß die alte Dame lügt. Daß sie zwei Stunden den Vetter mit ihrer Beredsamkeit bombardiert, daß sie sich die hunderttausend Kronen von: Mund abgespart hat. Aber ich gehe auf den frommen Betrug ein. Denn schließlich — wäre es doch ganz stilwidrig, wenn mir jemand in meiner Sprechstunde die Wahrheit sagen wollte. Wien, 27. November. * Das Wetter. Es bereitet sich eine Metterändernng vor, da auf d?u Bergen d>:r Luftdruck bereits stärker fällt. Voraussage: Zunächst noch wenig Aenderung im herrschenden Wetter. * Die Sterblichkeit in Dien. Insgesamt sind im Jahre 1923 25.480 Personen (12.756 männliche und 12.724 weiblich«) gestorben. Die Tuberkulose. hat in diesem Jahre 4630 Opfer gefordert, was 18,17 Prozentaller Todesfälle darstellt, an Krebs und sonstigen bösartigen Geschwülsten sind 2824- Per-, sonen gestorben, 11,08 Prozent der Wiener Sterblichkeit. Die chsolute Zahl der Todesfälle in Wien bat in den letzten drei Jahren angenommen. 87. MveWer IM- $t; ZM * Die Lebensmüden. Die. dm Ver.soraungsbc.im In La in itt Pflege stchmdvWhch« Anna Wols-ittasr hm sich von sust-t ch den Hof Mliyzt und ist aus der Stelle w: gcblioiicn ' de bezeichnet«.Furcht' vor Entlassung -als Ursache der Tal Die 54jahri§e Privat« Levpoldlne G. nahm qeftern aus mW kanruer Uriache Lysol. Sie wurde ins Spital gebrach, — ^|» Mihrige Geschäftsfrau Hevmine P. versuchte sich vorgksteru^iv' ihrer Wo'lMug mit Leuch WS M vergiften. - Gestern ha, ,'ich in ihrer Wohnung die 59)ährige Private Eva P. aus unba kannter Ursache zu vergiften versucht. Sie wurde ins Spital' * TodeSsvttma von der Straßenbahn. Zlm 22. d. sprang der 47mhrtze MechanikerMlse Josef Chytil auf der Lin.. Mtraße von einem fahrenden Straßembahnzug der Lirve 52ab, stürzt« Md wurde zwischen dcm Zttg und ei,ic>m knapp mben dem Geleise stvhrnden Lastenanlo eingeklemmt. Er erlittso schwere BcHeßungen, daß er starb. . * Im Gardasee ertrunken. In Salo am Gardasee ist die Prinzessin Borghese, gab. de Ferrari, verunglückt. Sie war' in den Park geMUgen. um dort Gartenarbeiten zu verrichten. Man glaubt, daß sie die 8 Meter hohe Mau-er, die die Villq' vom See trennt, himlntergeisallen und ertrunken sei. Nach deM „Giornaie d'Itakia" ist d!« Leiche ddr Prinzessin he,ite aus dent Gardasee gezogen worden. Sie weist eine Mnde an der Stirn , auf, die vielleicht dadurch.zu erklären sei. daß die Fürstin auf eitten Felsen ausgoschlaqen ist. * Die Gevitchtltisseier für Montagu. Ein- Gedächtnis. avt1eMe.nst für Eowin Moniagn, den früheren Staats-' sikretär ftir Iwdren. fand am 24. d. m -er W e it» L o n d o n- - Synagoge statt. Der König ließ sich durch Lord Cole» brov! vertreten. Aniwrscud waren: Lord Swavthling und alle Fanvilienanigchörii^n, ferner Eaptaiü Sidney Herbert, der den Premierminister vertrat, Wmston Churchill und viele ander« führendö Persönlichkeiten. Der Prediger Vivian G. Simons sagt« ln der Gvdäch'wisreide, daß der Name Montagtts für alle Zeiten'leben würde. Cr war ein leiden--: schcvftlicher Idealist, der seine, Ideale auch gelegemlich seines - igÄßen Refovmplanes in Indien in die Wirklichkeit .nmsetzte. Bor allem war er seiner Nation treu. Seine große Sympathie ' für das indische Volk rührt« daher, daß auch er einem Volke awgchörte, das ftchrhündertelang verfolgt und unterdrückt wurde. * Ein RiesenmrSwandererhetm in Triest. Dem Beschluß der kürzlich m Rom stattgoflmdenen internaiionalen Aus> wanderungskonferery, auf Sch-wsfung aller möglichen Fürsorgeemrichtungen in den Einscyiffungsstädten bat Trieft zum. größten Teil schon seit Jahren aus eigenem Antrieb .entsprochen. Das aus einer früheren kleinen Pension emstandene RiesenausWandererheim für die von Triest ausreisenden Nord- und Siidwmerikapassaaiere seht, nun dem modernen Reformwerk im EntigrünteNweseN die Krone auf. Mährend früher die mit der Bahn nach einer laugen Fahr, in Triest ankommenden Auswanderer vielfach gezwungen waren, bis zur Abfahrt des Dampfers in den nicht sehr empsehlenswerten Absteigquartieren der l>erüchtigten Altstadt Unierkunft zu suchen, können sie jetzt im Rielenauswanderevheim obsteigen, einem fünifstöckigen, peinlichst rein gehaltenen Hotel, das in der ruhigen Vorstadt Servola errlchäet worden ist. Die allgemeinen Interessen dionende Institution verdankt der Initiative der Großreederei Coiulich ihr Entstehen. * In Plombierten Waggons verhungert. Engslische Blätter berichten aus Ti.entsln: Auf einem Nebengeleise des Bahnhofes von Tientsin fand man zwei Guterwagen mit den bereits in Verwesung übergvgangenen Leichen von 68 Kulis'. Offenlbar handelt es sich um Leute, die zum Heeresdien-st gepreßt und in die dann plombierten Wagen gesperrt worden waren; man hatte sie dann vergessen, so daß di« .Unglücklichen eines qualvollen Hungertodes gestorben sind.. * Die Bank von England — im Zirkus. Aus London wird gemeldet: Die Bank von England wird umgebant. Der Umlban wird den Zeitraum von 6 bis 8 Jahren in Anspruch nennen. Währenddessen sinv die BureauS der Bank im FinsburY-Zirkus untergebracht worden. Das neue Gebäude der Bgnk soll ein stählernes Gebälk bökom-men. 100 Fuß hoch gebaut werden und 40 Fuß Kellerräum« erhalten. * Eine Jrrenhauszeitschrikt. Das Irrenhaus in Leite st er, daS Niur mit weiblichen Patienten belegt ist, gibt eine eigen« AnstwltSzeituug htwuS, die von Anfang big «, En-de von den Irren geschrieben, geidruckt und erpedievt wird. Der Anlstastsarzt des Hauses hat in. London Über daS Experiment mit diese-r Zeitschrift^ einen Vortrag gehalten Und einige Exemplare vorgölegt. Die Irrenzsstunig > in Leiceistar arbeitet ohne .Kontrolle und ohne Zensor. Sie enthält wissenschaftliche Aufsätze, einen laufenden Roman, kl-e-ine Feuilletons und eine große -Ainizahl Gedichte, von. demn die Aerzte feststellen, daß sie tiefere EmpsiMvwg zeigen als der Durchschnitt dex modernen «iGrschen Lyrik. * Jüdisch« Emigranten «ach Peru. Dieser Tage hat die Emigrationsbank in Kisch i ne w den zweiten Perntransport jüdischer Emigranten ans Beßarabien, insgesanü 46 Mann, nach Genua geschickt, von - wo sie sich nach Peru einschiffen werden. * Ein« Synagoge in Nagasaki verkauft. Aus Japan trifft die Nachricht ein. daß von dem Erlös des Verkairfes einer Synagoge in Nag<lsakr, deren Gemeiatde «sWwcmderi ist, 20 Prozent denn Keren Kajemeth für Bodenibars, 20 Prozent dam Keren Ha>)esföd für allgemSline Ko>lon>i>favio'nA.zwecke und 60 Prozent für die Errichtung einor Synagoge bestimmt wurden. ' * Wer kaust ein Herzogtum? Nach einer öffentlichen Bekanntmachung ist düs Herzogtum Sagan in Schlesien, em riesiger Besitz von hunderttausend Morgen, zu verkaufen, (j* ift nicht das erstemal. Schon in trüberen Iabrbunder^n hat das HerzvgtiM Sagan auf diese Weise wiederholt den Besitzer gewechselt. So wurde es einst von Wallenstein käuflich erworben. der zmn Schloß den Grundstein legte. Mit Mallenstein kam dama-ls Johann Kepler nach Sagan, dem ans einem inzwischen verfallenen Turme eine Sternwarte errichtet wurde. Nun hat es der gegenwärtige Beffber. ein lösäbriger Franzose, der Schn der bekannten Dollarpriruessin Anna Gou-w zum Verkaufe gestellt. Zuerst wurden 48 Milliouen Goldmark verlangt. Inzwischen ist man aber aus 35 Millionen hcrnntergegangen. * StraßenrLuber aus Zerstreutheit. Ern augeschvner Industrieller von Lyon na>hm dieser, Tuge spät abends die Sbvaßenbahn, um einen eiiigeu Brieif nach dem Bahnhof zu bringen. Als er vom Magen absteigen wollte fühl!« er ^plötzlich einen Stoß und machte zugleich die. Feststellung^ da>^ seine Lüchenuhr Vevschiw>uuden fei. Ohne einen Zweifel über die PersönlüchM des DiSbes zu haben/ setzte er einem Herrn nach, stellte ilhn m'it voogchülienenr R>eivoliver und schrie ihn an: „Gib mir die Uhr ^bder ich schieße dich nieder!" Der Unbekannte Wippte einges chüchtevt hiss er Auiffordsvung. Der Industrielle^ setzte seinen Weg fort, gab seinen Brief auf und kchrte mit. geschwellter BNnst nach Hause zurück, um seiner Frau von seiner GoisteAgsgenkivarlt zu berichten. Die rief Mr entsetzt aus: GoneSwillew, was . hast du denn getan?" mrd zsig'.e auf den Lisch, wo die Uhr foifj, bie der vergeßliche Mann liegen gelas>en hatte. Dor Inidustrielle wadd mit einem Maile sehr 'kleinlaut und begab sich mach in derselben Nacht auf die Pmizei, um dort soiin veinliches Versehen wieder gntizumachen.

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