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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-27 · Heft 2074 (27.11.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2074 (27.11.1924)
Date
1924-11-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. S074 Wien, DonnsMag Wlener Morgenzeilung. 87. Nobember 'K84 Seite 3 Wie die Maschine den Dampf so braucht der Körper ständige rationelle Pflege* Aber ständig, denn sonst kann die erwünschte Wirkung nicht erzielt werden „DIANA“ Franzbranntwein mit Menthol ist das geeignetste Mittel zur rationellen Körperpflege und deshalb soll jeder „DIANA“ Franzbranntwein ständig benützen Ueberall erhältlich Wien, II. Prag, VIII. EngerthstrasseiGb * lieben, Drahobeljora 1078 Erdbeben in Südafrika. Johannesburg, SS.., November. (Havas.) Erdstöße haben im Gebiet -von Waterberg beträchtliche Schäden angerichtet_ Inland. Wiedereröffnung der Srazer Technik. Graz, 26. November. Das Rektorat der Technischen HochschnLe veröffentlicht folgende MttMmg: Die Verhandlungen, die Rektor Tovrquist <nuf Grmch derWiener V ereinbarungein und de« Abmachungen mit Landeshauptmann Dr. Rintelen -mit der Studentenschaft geführt hat, sind zu einem gedeihlichen Ergobwis gelaugt. Die Technische Hochschule wird morgen Donnerstag über Verfügung des Rektors wieder geöffnet. Die Novellierung der Advokatenordnung. Unter dem Vorsitz des Obmannes des Justizausschusses Dr. Waiß fand gestern eine Enqueie über Antrag Dr. Eisler betreffend die Novellierung der Rechtsanwaltsordnung statt. An der Enquete nahmen anher den Mtglii-e.de rn des Untevau'Aschusses auch Vertrete« der Vereinigung der öfters, reichischen Richter und der Rechtsanwaltska-mmern teil. In den Beratungen sprachen sich sämtliche Vertreter de« Rechtsanwälte g e g e n den E n t w n r f aus, mid zwar sowohl hinsichtlich der darin vorgesehenen Abkürzung der Vorbereitungszeit, als auch dagegen, daß den Anwaltsaniwärtern ein Vertretu-ugsrecht in den Kammern eingeräumt -werde. Nach der Meinung der Anwaltsvertreter würde tnÄbesotldere die Hevabs-etzmg der Vorbereiinngszevt von sieben aus fünf Jahre ein neues Zuströmen zum Re chtsan waltsberus und damit eine weitere bedeutende Verschlechterung der materiellen Lage -des A-nwaltsstandes zur Folge haben; außerdem kann die Vorbereitung in der bisherigen ungekürzten Dauer die allgemeine QuaWkation zum Rechtsanwalt und die VovWdung nu« günstig beeinflussen. Die Vertreter des Vereines de« Wiener Rechtsanwaltsanwärter bezeichneten es dagegen als eine wirtschaftliche und soziale Notwendigkeit, de-m Anwärter früher eine selbständige Existenz zu ermöglichen. Die Verkürzung der Borbereitungszeit um zweii Jahre hätte nur eine einmalige Verschiebung in der Zahl der Anwärter zu« Folge. Eine -Gefährdung der für den selbständigen Rechtsanwalt notwendigen Vorbildung könne darin keineswegs gelegen sein, >da auch setzt schon die Anwärter nach vierjährige« Praxis die Substitutionsberechtigung erlangen konnten und ihnen in dieser Eigenschaft die volle O-nalisikation des R-echtsa-nwalte's znkomme. Mit allem Nachdruck müßten die Rcchts-an-wvltsanwärter auch verlangen, daß ihnen ein Vertretungsrecht in den Kammern eiingeräumt werde. Die in der Enquete gewonnenen Ergebnisse werden den Beratungen des JustizauSschusfes zugrunde gelegt werden. Das österreichische Kontrollkomitee des Bölkerbnnber. Der neue italiruische Vertreter. Rom, 26. November. A - c. des verstorbenen Senators Pantaleone wurde der '-f ere italienische Botschafter in Tokio, Marchese Cnsano C o n s a l o n i e r i, als Vertreter Italiens in das Kontrollkomitee der Garantiestaaten für die österreichische Anleihe entsendet, dessen V o r s i tz er übernimmt. Tagesbericht. Die Wlener PaMinavioniere. Die erste Kwuzah abreisevereit. Wir halben wiederholt von dem Aufschwung der Chaluzbeweguug unter der Wiener jüdischen Jugend berichtet und mitgeteilt, daß die Wiener Chaluzvereinigung säst an die zweihundert Mitglieder zählt, die bereits für die Pionierarbeit in Eraz Israel aus-gebildet sind. Die,erste Kwuzah, bestehend ans 11 Jünglingen und vier Mädchen, ist a b r e i s e b e r e i 1. Aller Voraussicht nach wird diese Gruppe gleichzeitig mit der Hakoah die Fahrt nach Palästina antrieten. Diese Gruppe wurde in Speising für intensive Gartenkultur aus-gebildet. Außerdem hat jedes MMied der Kwuzah grüMich ein Handwerk erlernt. Die Gruppe zählt: einen Buchdrucker (ehemaliger Hochschüler), einen Maschinenschlosser, einen Schuhmacher, drei perfekte Gärtner, einen Automechaniker, einen Bautischler, eine Schneiderin, zwei Köchinnen und ein für Säuglingssürsovge und Kindeverzrehung auSgMldeieS Mädchen. Die Wofa und die Wiener Kuttnrsemeinde. Die Woja, welche zur zeitwsisen Schließung ihrer Küchen für den jüdischen Mit-t-efftalnd gsnöti-gt war, hait sich cm den -KultuSvorsiand um Subven-tiomevung gewendet. De« Vorstand hat sich, wie wi« erfahren, zur Hi'lfelieistimg entschlossen. Zufolge der vom Prälsidenten dar Woja, Horm Rabbiner Doktor R o s e n m a n n, duvchgsführten SanieM-ngsaktion uind der von de-- Gomeivnde bewilligten Beträge ist es möglich' geworden, -die Küche in der Griechengasst alb Sonntag den 30. d. wieder gu eröffnen. Die Einzahlungen müssen bereits Donnerstag den 27. und Freitag den 38. d. in der Zeit von 12 bis 3 Uhr in der Griechengasse geleistet werden. Mensa academira Indaiea. Die wegen materieller Schwierigkeiten bis nun gesperrte Mensa avademioa judaiea wird Montag dm 1. Dezember wieder eröffnet. Der Markenverkauf beginnt Tonnersrag den 27. d. und findet täglich von 12 bis 2 Uhr im WirrichLstsamt des Jüdischen Hochschulausschusses, 9. Dez., Zimmermannplatz 8, statt. Der Selbstmord des Thomas Schwarz. Das Disziplinarverfahren gegen Direktor Wilhelm. Gestern früh hat unter dem Vorsitz des Präsidenten Glöckel im Stadtschulrat die Disziplinarverihandlnng gegen den- Direktor des Akademischen Gvm-tmsimns, Dr. Wilhelm und die Professoren Dr. Gläser und Hausner -begonnen. Es wird untersucht, ob sich der Direktor in der Angelegenheit des Selbstmordes des Oktavaners Thomas Schwarz einen Mißgriff hat zuschulden kommen lassen und ob die Lehrer durch ihre übergroße Strenge an dem Vorfall Schuld «tragen. Es sind 4*1 Zeugen Vorgvladen, darunter die Eltern -und die Aeuzte. Meller« MStritt. Wie der „Abend" meldet, ist vorgestern nachmittags das Rücktrittsgesuch Professor Melkers an di» zuständige Stelle im Unterrichtsministerium geleitet worden. Eine Stelbmbgnahme des Unterrichtsministeriums wird erst nach der im Laufe dieser Woche stattfimdenden Sitzung des Professorenkolleg'mms erfolgen. Der Assistent des Hofrates Melle«, Dozent Dr. B a chstetz, der, wie bekannt, in dm Kadivec-Skandal verwickelt war, ist an der Augenklinik nicht mehr tätig. An seine Stelle ist Dr. Fuchs, der Sohn des pensionierten Ophtalmolozeu Professors Ernst Juchs, getreten. ‘ ein Riesenannoncenschwindc?. Auf Grund. zahlreicher Anzeigen hat die Wirtschasispol-izei den Inhaber der Kalbe-Gesellschaft m. b. H.. Klemens Büchner, verhaftet. Das Unternehmen beschäftigte sich damit, Firmen zu akquirieren, um von ihnen Annoncen zu erlangen, die dann in einem eigenen Kabe-Werbobrief veröffentlicht werden sollten. Büchner gebrauchte weiter ein .,Znweifungssysiein", das darin bestand, daß Kunden der Kabe an .Kaufleute gewiesen wurden, die dort Waren auf Kredit erhielten, worauf die Kaufteute das Geld bei der Kabe einkassieren sollten. Die Domussetzung für die Kundenzumelsung war ein Inserat bei der Kabe, für welches pro Zeile jährlich 480.000 K. zu zahlen waren. 600 Kaufleute sind mit der Ko^ in Verbindung gestanden. ein Rationalvark im Böhmemald. Aus Budweis wird uns geschrieben: Ein großer Teil de 8 um den Schwarzen See herum gekegenen Teiles und die Teufel8mauer am Arber wurde als staatliche Neservation erklärt. Zum Verwalter dieser Reservation wurde der Professor de« Botanik in Prag, Dr. Kavina, bestellt. Die als Reservation geschützte Partie ist de« Schauplatz einiger der schönsten Dichtungen Adalbert Stifters und durfte auch unter der „Herrschaft" der Schwarzenberg-Dynastie nicht berührt werden. Dort hat sich mitten in Europa der Urwald unangetastet schälten. Hebräische SchriMeller in ßrez Israel. Das Zentrum der hebräischen Literatur. In einer jüngst in Jerusalem abgehaltcnen Konferenz hebräischer Literaten gab der Schriftsteller S. T s ch e r n o w i tz ‘ interessantes statistisches Material über die gegeuwärti-ks im Lande lebenden hebräischen Schriftsteller bekannt. Laut der vor vier Jahren vom Verband der Berufsschriftsteller zusammengestellten Statistik befanden sich damals in Palästina insgesamt 167 hebräische. Schriftsteller, und zloar 67 in Jerusalem, 82 in Tel-Awiw und 18 in de« übrigen Ortschaften. Etwa 20 befinden sich gegenwärtig im Ausland, einige sind gestorben. Im Lause der letzten vier Jahre kam wieder eine Anzahl hebräischer Schriftsteller ins Land und die jüngste, nicht vollkommene Statistik weist 190 hebräisch« Schriftstel-ler^ aus. Es sind 98 Publizisten, 40 Dichter und Belletristen, 20 Journalisten. und 32 Wissenschaft-liche Schriftsteller. Von den Wissenschaiftleru leben die meisten in Jerusalem und «in kleiner Teil in Dell--Mviw. 27 von allen hebräischen Schriftstellern loben von der Feder, der Rest ist als Lehrer, Beamte ufw. tätig. Tschernowitz stellte am Schlüsse seines Referates fest, daß gegenwärtig in Erez Israel allein ungefähr so viele hebräische Schriftsteller leben, als in allen Galnthländern zusaMnengenommen. Die mitgeteilten Ziffern zeigen, daß die Entwicklung Erez Israels znm Zentrum des Schrifttums in stetigem Anstieg ist. ßin amerikanischer Richter Wer Freiheit und Rassenhaß. Fünf Jahr« Zuchthaus für einen Ku-Klux-Klan-Genera Aus Nöw-Aork wird uns berichtet: Der P a st o r. E. O. I o n e s, ein hoher Funktionär (,-General Kleagle") des Ku-Klux-Klan's in Westvirginia, wurde ivegen der g-esährlichen Handlungen der von ihm geleiteten „Provinz" des Klans zu fünf Jahren Zuchthaus vernrtM, die er im Staatsgefäng-nis zu Monndsville aibz-ubüßen 'hat. Der Richter E. M. Showwalter fügte dem Urteil die folgend Begründung hinzu, die auch für Oesterreich von großem Werk ist: „Die durch das Gesetz geordnete -Freiheit ist das Endziel eines V-olkes, da's sich seilst regiert. Freiheit ohne die Regelung durch das Gesetz artet in s ch l i m -m st e Tyrannei aus. Jede Organisation^ deren Grundsätze oder Lehren -darauf berechnet sind, V o rurteile gegen bestimmte Religionen, Klassen oder Rassen zu erzeugen o-der zu unterstützen, stehen im Gegensatz zu den su.ndamentalen Grundsätzen unserer Regierung und sind weder amerikanisch noch christlich. Ein Mann wie der Angeklagte ist eine Gefahr für die Gesellschaft und >mutz so lange von ihr strnHeibaltewerden, als dies das Gesetz an-ordnet." ' „Die Hitler-Garde ist da!" Der Ueberfall ans das Knabenheim der Agndah. Wie noch erinnevlich, hatten in der Nacht vom 19. auf den 20. September drei Hakenkreuzlerb nbrn, die von einer nationalsozialistischen Versammlung laimon, die Baracke der ,/Agndah" am fogeuannten Flohberg in der Südbahn--Schrebevgarte'n^osyn>ie in Meidling überfallen. In dieser Bc>.racke sind jüdische Waisenknaben Ms Rußland untergebracht, deren Eltern im Kr'ieg-e oder bei Pogromen das Leben verloren hatten. Die Knaben werden dort zu Handwerkern ausgebild-et. Gegear diese Institution wird fest langer Zeit in den Ritualmordblättern eine wütende Hetze geführt und «8 ist a-n;-u.u-ehinen, >daß auch i-n der erwähnten Versammlung, die i-m Gasthaus Au ft ftattfan-d, von dieser Baracke die Rede war. Die drei Buben, Willibald A k a m p h u b e r, Wilhelm Jnfeld und Karl Ja kl. erschienen nach 11 Uhr nachts in besoffenem Z n sta n d vor dem Zann der Baracke und schrien: „Die Hitler-Garde ist da! Außar mit di Juden!" Sie warfen mitgebrachte Steine in die Fenster -der Baracke, in der die armen Knaben schliefetk. Air? die Hilferufe der Ueberfallenen kanten P-assanten und Wache herbei. Die Sturmtruppler flüchteten, wurden jedoch eingeholt u-nd zur Wachstube gebmcht. wo ihre Person sestgeftellt wurde. In der vorigen Woche standen sie vor einem Senat des Laaldesgerichtes 1 ' (Vorsitzender Hofrat Dr. Ka rnert). Sie naaren tc'.lweist geständig rmd--wurden mit dreijähriger Bewährungsfrist bedingt verurteilt, und zwar Äkamphnbct und Jnfeld zu je zwei Monaten, Ja kl zu vier Mona-ten Arrest. Der Ueberfall -hatte i-n dein Bezirk größtes Aufsehen erregt. Ilm dieses aibzulenken, wurde von den Hakenkreuzlern die freche Ritualmordhetze zu dem Fall des in Meidling von H u n d e n z e r r i st f e u e n Lehrlings Grüsch begonnen. Ingenieur Karger gestorben. Vorgestern ist in einem Spital an einem Magenleiden Ing. Karger, der Vater des von N o v o s a d im vorigen Jahre ermordeten 16jährigen Studenten Karger, gestorben. Er ivar seit der Ennordung feines Sohnes tvübsinu-ig.

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