Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2074 (27.11.1924)
- Date
- 1924-11-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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* Selke I * Men, Donnerstag ---- 1 .- ein General — Nachfolger Herbert Samuels? 'London, 26. November. Morning Post" wieföiet, daß Generalmafor Sir George Fletcher Mae Mu nn anfangs nächsten Jahres als Nachfolger van Sir Herbert Samuel Oberkommissär von Erez Israel werden soll. Generalmajor Mac Munn ist seit 1926 GenerÄlquartiermeister in Indien und hat den Krieg an den Dardanellen und in Mesopotamien mitgemacht. 1.919-20 war er Hochstkommandierender m Mesopotamien. Die ,Mtener Morgenzeituing" hat am 21. Oktober eine Aeußevung Herbert Samuels mitae teilt, wonach -seine «Amtszeit im nächsten Jahre abläuf 1. Auch Unterstaatssekretär Sir CI ah ton soll im Frühjahr seinen Posten verlassen. - Shamberlains Auslandsreise. Die Rom-Session des Völkerbundrates. — Die Berichte der Mandatskommission. — England und die AbrüstungsveschMsse. '! Mgendienst „Wiener MorgenFeitung".) London, 20. November. Es steht fest, daß Austen C h a rn fr e r I a i n am 4. Dezember nach Paris reisen wird. Er wird dort am 5. Dezember mit Herriot zustvmmentreffen. Am Abend des 8. Dezember wird er die Weiterreise nach Rom antveten, wo am 8. Dezember die Tagung des BölkevbuiNdrates beginnen wird. Aus dieser Tagung wird auch der Bericht der ständigen Mandats- Kommission über Erez Israel, Syrien und Mesopotamien zur Verhandlung kommen. In der. ersten Sitzung wird Minister Chamberlain in einer großen Rede Englands Stellungnahme zum Genfer Protokoll bekanntgsben, um auseinanderzufetzen, daß England zwar wesentliche Abänderungen de's Protokolls beantragen wird, aber entschlossen ist, daS Protokoll nicht beiseite zu schieben, sondern es nach Möglichkeit zu verbessern. Die Thronrede. . Kabinett beriet heut nachmittags Mer innerstMische Fragen und bega>nn mit der Ausarbeitung der Thronrede, die der König bei der Wiedereröffnung des Parlaments am 9. Dezember verlesen wird. Die Thronrede wird sich mit den Vorgängen in Aegypten, den englischen HandeIsve >rtragsverhandkungen, dsm Dawes-Plan undder Konferenz der alliierten Finanzministe r in Paris be- Mstigen. . Seite SchwierigkeVm in den deutsch» fnmMschrn Derhandluugen. DK Deutsch«« wollen daS Arbeitsprogramm abandern. Paris» 2S. November. (HavaS.) Bezüglich der franzöfischteutschm Hasdelßvtttragrverhandluugen melden die Blätter, daß fich von d « n t s ch e r Sette neuerlich Schwierigkeiten ergeben, indem eine A b L » d e r » « g de» einvernehmlich zwischen den beide» Parteien fesigelegten A r b e i t 2 p r otz r a m m 8 angestrebt werde. General Nathussus begnadigt. Paris, 26. November. (Havas.) Präsident Don me r- K.u « hat auf Vorschlag de8 Kriegsministers Rollet den General von NathusiuS begnadigt. Der General hat heute früh Lille verlassen, um sich über Forbach nach Deutschland zu begeben. „Seaen gnda and Rom." Reichskanzler Marx über die Hetze.! Köln, 86. November. (Tel. der „Wiener Morgen^ zeitung".) Am Sonntag hat hier Reichskanzler Marx in der Messehalle vor mehr als 5060 Zuhörern sine Rede über die politische Lage gehalten. Er sagte, eine Regierung des Bürgerblocks vo-n den Deutschnationalen bis zum Zentrum würde zwangsläufig nach der vMvschen Seite tendieren. ,^Jch kann mir aber nicht vorstellen, wie Graf Westarp zu der Ansicht kommen konnte,' das Zentrum würde mit der Partei des Herrn Lud endo rff gemeinsame Politik nrachen. Einen solchen BürgeMock, in dom wir nur den Steigbügelhalter für den völkischen Block abgeben, lehne ich unter allen Umständen ab. Mit dem Gedanken der Volksgemeinschaft verträgt sich auch nicht die Hetze, die unter dem Schlagwort: „Gegen Inda und'Rom" neuerdings wieder gegen Juden und Katholiken einfetzt". Der ReichskanFler schloß mit der Erklärung, die Weimarer Verfassung sei kein Produkt der Revolution, sie ist höchstes Recht. Die Verfassung ist und bleibt das Gvnndgesey. Di-» aufrichtigen Worte des Reichskanizlers lasten den Unterschied zwischen den deutschen und den österreichischen Christlichsozialen erkennen. Gerade gestern seht sich -bas Abendblatt dev „Reichspost" in der ekethustesten Weise für den Arierparvgvaphen ein.' Mnftmm bet Hersselder SynagoyenIchSnder. Berlin, 26. November. (I. T. , A.) Wie cvus Kassel ielegraphiert wird, wurden die Mitglieder des Jungdeutschen Ordens, die vor einigen Tagen in die Synagogc von HersMd eingebrochen waren, die B un de s-!ade besch ädig-t und beschmutzt sowie den Vorhang gestohlen und in den Fluß geworfen haben, aus der Haft-ent lassen. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Unfuges und Sachbeschädigung, a'ber nicht wegen Kirchenraubes und Schändung der heiligen Geräte, Wiener Morgenzellnnü. -rr——7—;————— 27. November 1924 Nr. 2074 ♦ 1631 Milliarden sllr Pensionen. / Die Situation i>m Parlament sieht um eine Nuance freundlicher aus, da ■ gestern der B-u'dgeba.usischuß die Gemraldeba-tte über den Bundesvorauschlag beenden und die Spezia-Hobatte beginnen kannte, lieber eine der Hauptforderungen der Sozialdemcilraten, die Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung, scheint lim Untenausschuß für soziale Verwaltung, iwenigistens was die Untevstützungsbeträge anlangt, ein Kompromiß 'bereits erzielt worden zn sein. Die zweite Hauptforderung -der Opposition, nach endlicher Gesetzwerduug der Alters- und Jyva'liditLt'svevsichexung, ^kaun natürlich nicht im Handumdrehen erfüllt werden, aiber Minister Dr. R e sch hat immerhin die Zusicherung gegeiben, baß-er das Altersversicherungsgesetz Än März nun Rationalmt einbri-ng-en wird. -Im B u d g e t a u s schuß, wo, wie - oben evwahnt, die Generaldebatte über das 'Budget beendet wurde, unterhielt man sich unter, anderem auch über den Steuerdruck in Men. Der Christlichfoziale Reiner behauptete, daß das Verhalten der Stadt Wien den Produzierenden Ständen gegenüber eine der Ursachen des großen Mißtrauens des Anstandes ist. Heute schon würden Kredite viel lieber für Unternehmungen gegeben, die nicht in Wien domizilieren. Es steigen immer Bedenken auf, ldaß der vor nichts zurückschveck>sN'de Konfis'kationsgeist wieder zur ^Geltung kommt. Abg. Dr. Bauer erwiderte, -daß die Stenern in den Ländern höher als in Wien seien. Wenn es Wtveffen sollte, daß das ausländische Kapital andere Länder gegenüber Wien bevorzugt, so sei Lies lediglich aus die Hetze zurückzuführen, die gege n die Wiener Steuerpolitik geführt werde. Schließlich eröffnete Mg. Dr. Odehnal die Spezialdobatte mit einem Referat über das Kapitel Pensionen. Der Gesamtaufwand für Pensionen beträgt 1631 Milliarden für 120.006 Pensionisten gegen« über 1299 Milliarden im Vorjahre. Der Mehraufwand erklärt sich zum Teil aus dsm fortschreitenden VeamlemMau. Im Unterausschuß für soziale Verwaltung, wo de>r Antrag Wiedenhofer betreffend die Erhöhung. - der Arbeitsliosenunterstützung zur Beratung stand,' akzeptierte Minister Dr. R e s ch die in diesem -Antragvorgeschobene zehn prozen tige E rhö h u n g der ' Arbei'tslosenunterst.ützung in der neunten Lohnkkrisse, lehnte sie aber für die achte Lohnklaste ab, weil die Spannung zwischen tatsächlichem Lohn und Unterstützung immer geringer wird. Die Altersversicherungsvorlage glaube er vielleicht bis Ende März 1925 im Hanse einbvingen zu können. Nach längerer Debatte beschloß -der Unterausschuß - mit Mehrheit, die Ansätze der Arbeitslo sennnterstützung der achten Lohnklasse im niederen Lohnsatz wie 16.00 6 Kronen, im höheren Lohnsatz bei Ledigen mit 31.0 0 0 Kronen, bei Verheirateten mit einem Kind mit 2 2.00 0 Krone n, bei Verheirateten mit zwei Kindern mit 2 3.0 0 0 Kronen und bsi Verheirateten mit drei und mehr Kindern mit 2 4.0 0 0 Kronen; in der neunten Lohnklaste im niederen Lohnsatz mit 18.0 0 0 Kronen» im höheren Lohnsatz frei Ledigen mit 23.000 Krone n, bei Verheirateten mit einem Kind mit 24.00 0 Kronen, frei Verheirateten mit zwei Kindern mit 2 5.0 0 0 Kronen und bei Verheirateten mit drei und mehr Kindern mit 2 6.000 Kronen sestzusetzen. Die Geltungsda>uer deraußerowdentlichen Unterstützung' wird 'bis 30. April 1925 verlängert. Diese' Unterstützung wird Personen, die das 21. Lebenswahr noch nicht erreicht haben, nur in dem Falle zu ^gewähren sein, als sie mit ihren nächsten A-ngehörigm im Fami-lien-verbande leben und für deren Unterhalt ausschließlich oder hauptsächlich sorgen. Bubi-Kostüme reine Schafwolle, Ia Qualität K 490.000 Feinste Selöenflor-Damenstrümpfe früher K 58.000 / Jetlt K 43.000 if <4 nur I. Trzttnerhof 2 (Graben) ras WahllMnett Pafle. Graz, Z6. November. Die „Tagespost" rnMet aus B e l» grab: Ministerpräsident Pasic hatte heute vormittags eine längere Konferenz mit den kroatischen Abgeordneten Dr. S u t» min und Dr. Drinkovic wegen deren Eintretens in die Regierung. Bei der hieraus folgenden Zusammenkuitst -waschen Pchie und PMcevje wurden alle Hinderniisse, die sich bisher der Relvnstruktion der Regierung in den Weg gestellt hatten, beseitigt. Es wrrrde versinlbart, daß Doktor Snrmin, UnivevsttätSprofessor in, Agram, das Handelsministerium übernimmt, während der bislherige HandÄsmmisder Dr. Krisogono das Ministerium für Sozia<lpol-itik echatt. kine Folge der Sinwanderungsbeschrllnlllng. Hunderttausend leerstehende Wohnungen in New-Dork. Aus New-Aork wird uns berichtet: Die herabgesetzte Einwandemngsquote und die Einl.va.ndevrmgsbeschränkung im allgemeinen haben Folgen gezeitigt, die selbst für die Freunde' einer libevaleven EinwanÄerrdngspo'Ktik überraschend gekommen sind. Abgesehen von dem Mangel an qualifizierten Arbeitern in einzelnen Industriezweigen, der sich immer mehr fühlbar macht, nimmt in den letzten Monaten in den Industriezentren,. hauptsächich aber in New-?)ork. die Zahl der leerstehenden Wohnuidg e n in erschreckendem Maße zn. Biele Tausende Häuser, die in den letzten Jahren hoiuptsächlich zur Unterbringung vonEinwandererninder allevnächsteu U-mgebnng ron New-lltork gebaut wurden, stehen zum größten Teil. leer. Man schätzt die Zichl der gegenwärtig in Groß- New-Bmk leerstehenden Wohnungen auf hundert« tausend. Die meisten der durch diese Krise betroffenen Unternehmer sind I u d e n und I t a l r e n e r. Somtzerr wieder PrMent der amerikanische« Arbeiterdmder. Der Arveiterbund gegen Handelsbeziehungen mit Rußlaich. New-Zork, 26. Noveinber. (Tel.-KomP.) Der Kongreß der amerikamfchen Arbeiteapartei in E l P a s« hat Samuel Gompars zum Präsidenten für das Jahr 1925 iwisdergowählt. Er ist nun seit dem Jahre 1889 ununierlbrochen Präsident des Arbeiterbundes. In seiner Schlußrede erklärte' Gompers, wie sich auch immer die Lage der amerikanischrü ^Industrie gestalten möge, die Lchnampfänger würden sich mit aller Kraft einer Verminderung der Löhne widersetzen. Die Föderation evklärte ferner mfs neue, daß sie gegen die Aüfnahmevon Ha ndelsfrezieHungen m i t S o w j e t r u ß l a n d s e i. Proteftftreik und Aarsverrang 1« Mailand. ' Rom, 26. November. Die Metallarbeitemewevtschaiften in Mailand haben neuerlich einen Aufruf gegien den von den fastzistis'chen Gewerkschaften abgeschlossenen Kollektivvertrag erlassen, worin sie die Wiederaufnahme deS Kaimpfts gegen den Vertrag alnkündigen und einen «in- «stünidigen, P r o t e st st x e i fr für heute nachmittags an- «rdmn. Die Metallindustriellen haben daraufhin die ' Aussperrung ibeschkosten, Über -deren Dauer noch Seine'endgültigen Beschlüsse gefaßt wurden. Die AÜLspervung der Textilarbeiter in Neapel Lauert fort. Lik Budadester Prozesse. Fortsetzung des Bombenprozesses Freitag. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 26. November. Wie bereits berichtet, hat >dis Verteidigung Marffy's und seiner Komplioen neue Velweisantvage gestellt, unter anderem die Vorladung des Ministerpräsidenten B eth l e n. Der Gerichtshof hat, um über die neuen Beweisanträge veühandeln zn können, die nächste Verhandlrvwg auf Freitag vevschdben und wird seine Entscheidung bezüglich der BewÄSanträge erst dann verkündigen. Di« Mavffy-Veute sollten gewaltsam befreit werden. Die Blatter veröffentlichen Einzelheiten über eine gisoß angelegte Geheimaktion, welche -der Verein der Erwachen-den Ungarn eingeleitet hatte, um die A nge kla gt e n i m B o m fr e n w e r f e r p r o z e ß vor vier wähvend der Hanptverhandluing aus ve,m Kerker zu .befreien. Danach waren sämtliche Angeklagte des Bombenwerfer- ProzesieS im Gefängnis in EinHelzellen untergebracht, was sie aber nicht daran hinderte, untereinander sowie mit-der Zewtoalleitu-ng des Vereines der Erwachenden Uugirn dauernd in Verbindung zu stehen. Die Vermittilnng der Korrespondenz zwischen den Häftlingen untereinauder besorgte ein Kommunist mmens Zoltvn Simon, dcr in de.m Gefängnis eine fünfjährige Kerkerftvafe verbnfzt. Die Enchüllung dieser Geheimkorrespondenz der Bomibc-mwerfer erfolgte durch den gewesenen Sekretär d.'s Vereines der Erwachenden Ungarn Dr. Julius Bardossy, drr in dem Gefängnis in der Markcaasse ei-ne vi'erizshu'läigige GefäugniAftrafie wegen Preßvergelhens absaß. Das Eskütt-Panmna. Heute gelangte die Pferdelie ferungsa ng eit e g < n h e i t des ehemaligen Abgeordneten Z a k a n h, der inzwischen nach Amerika ausgewandert ist, zur Verhandlung. Eskätt gibt an, er habe von Zakanh Geld für Pferdeausfuhr,schei-ne erhalten, doch habe hievon au-ch lder Minister gewußt. Ms die Sache ruch'bar geworden sei, habe der Ministerpräsident in einem Privatbrief dm Minister Szafro-Nagyatad-daraus aufmerksam geMl^cht, daß es gut wäre, in der Angelegenheit EsNtt eine Untersuchung einzuleiten, doch sei diese lllntersuchung ü n t e rfrliebe n. Ms dann 'die AngEagte Angellä Tömör in dieser Affäreals Zeugin einv-erttommött wird, entspiuut sich eine lebhafte Diskussion Awiscken Eskntt und dar Tömör. Eskütt sagt, auch die Tömör habe von dom Ge.de bekommen, wogegen diese -behauptet, Eskütt ha-be das Geld allein eingesteckt. <