Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2074 (27.11.1924)
- Date
- 1924-11-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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iPolen 20pro8zy| Wien: Zum Abholen in der E*peAtion,ll. Tabor»trj,l-S, oder in einerVerachleisatelle (Trafik) monatl. K 40.000 StraisenvSrkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bet.. Wollseile 11 . Mit Postversand für Wien u, öfcstorr. monatl. K 40.00; Tf eheeho-SIowakei: Mon. K 20. Jugoslawien: Mon. Dinar60. Po Ien:Mon. SVi Zloty, Deutschland: Mon. Goramark4, Fr an kr, Belgien: Mon. Frei. 15 lener fr*- f(a«b«ah I a n a H M PntaerbShnataa vortaWtes Sir. 2074 Wien, Lonnerrtag 27. November 1924 | Preis K 14001 England: Mon.4Schilling, 11 a 1 ien: Monatl. 15 l Jrf, Rumänien Mon . 150L«C BulgarienMon. 80 Lewa, Schweiz nnd das ubrife Ausland monatlich Fi*u 4L Redaktion n. Administration, Wien, H, T»bor«tr.l*-8i .’eiephon«: 44-9-38,43-8-10,; Ab6Uhr abds. 21-102,25-282] IX. Univorsitatsstrasse 6—8; (Druckerei Steramann) Oeeterrekhisches Poetspar»- hassen «Konto Nr. 150.69$ 0. SoOrsons khamberlüins Reife. \ -^y. Wien, 27. November. ♦ Ne SMtWe Kammer vertagt. - Ruhe im Lande Ttusten Ehamberllvim, der rteate britische Außenminister, wird am 4. Dezember London verlassen, um sich zu wichtigen Aussprachen mit Herriotund Mussolini zu begeben und dann als Vertreter Englands an den Beratungen des VMerbundrotes in Rom teilzunehmen. Die Bekanntgabe des Zeitpunktes seiner Abreise kann als Zeichen dafür angesehen werden, daß die Regierung ihre in Aegypten getroffenen Maßnahmen für ausreichend ansieht, mx einer schroffen Verschlimmerung der Situation vorzubeugen, daß sie aber trotzdem eine volle Uebereinstimmung mit Frankreich und Italien in den orientalischen Fragen Herstellen will unlb mit dieser Ausgabe den Leiter des Außenressorts betraut hat. In diesem Fragenkomplex lausendie Lebensinteressen des Reiches zusammen. Die Schlagadern des Imperiums, seiner Weltstellung und seiner Macht gehen dtrrch den Orient und die Ereignisse, die sich in den letzten Tagen abgespielt haben, machen es notwendig, daß sich die britische Regierung um einen Mord mit den Mächten bemüht, die ihre nächsten Nachbam in Afrika und Asien sind. Die Aussprache darüber , hat die höchste Aktualität. Tie leichte Entzündlichkeit des.Orients kann in jedem Augenblick auch die französischen und italienischen Politiker vor schwere Situationen und noch'schwerere'Ent-, Müsse stellen. ' ' ^.! Das ägyptische.Parlament,,-das'.-auf -einen Monat vertagt worden ist, hat noch knapp, vorher-die^ Anrufung des B ö lkerbundes zur' Schlichtung des Streites: und zum Schutzeder. 'Unabhängigkeit i 'hej^ch^f-^,,.Dieser .'ÄptzeL hat einsümilen-nur. platonischenHGHarakter/ Aegypten, gehört dem BWerburrd nicht äst und da seine auswärti-oen Angelegenheiten koNventionsgenläß unter her Kontrolle Eriglands stehen, -kann der.. Völkerbund aus eigenem keine Intervention nnternehuren. Es besteht aber die Bestimmung, daß er sich mit einem Gesuch befchäfugm muß, welches ein. ihm nicht angehörender- Staat durch einen Mitgliedsstaat vorlegt. Die theoretische MöcMMt hierfür besteht und für diesen Fäll alle Vorkehrungen zu treffen, ist der Zweck der Mssion Chambevlains. Sie muß beendet sein, noch ehe der Rat des Völkerbundes znsannnentritt. Jedes Symptom einer Unellcigkeit der Kolonialmächte würde unweigerlich zu den schwersten Konsequenzen für alle führen. Sie sind in diesen AugenAick mehr denn je gezwungen, sich als Schicksallsgemeiuschaft zu fühlen und in ihrer Front keine Lücke des Egoismus offen zu lassen. Alle Probleme des Orients sind cmtoniLtisch auf die Tagesordnung der Völkevbunldsjtzung gelangt. Es gibt sicher in Paris und in Rom einflußreiche Kreise, die die ägyptischen Schwierigkeiten Englands sehr gerne sehen und sich davon allerlei Vorteile für sich oder gewisse. Schützlinge versprechen. Es ist. ein weiter Raum für allerlei Wünsche gsschafftn. Englands Position ist, angesichts der absoluten Beherrschung des Sudans, so stark, daß es Aegypten vom Süden her absperren kann; trotz-? dem aber wird es seinen Ententefreunden begreiflich machen müssen, daß cs die gemeinsame-Sache aller ist, die es jetzt in Afrika zu führen hat. Die englische Politik ist noch nie vor einem /Einschüchterungsverifuch. - zurückgewichen und es ist seit eh'und je englisches System gewesen, keine Verpflichtung zu gunsten eiines augenblicklichen Erfolges zurückzustellen oder einschränken zu lassen. Dies mutz gerade jetzt klar werden, wo her Rat des Völkerbundes sich mit we-ffgreifenden Orientfragen - zu befassen hat,, die ihm Zeine ständige Miandatskommission auf den Tisch legt. London, 26. November. (Reuter.) Wie s,Daily Mrouicile" meldet, sind zwei britische Flieger, von hier ÄWgangrn,. «n den K ö n i g Ali bei der W i e d e r e i n « a h m t von Mekka auf eigene Faust zu unterstützen. Genf, 26. November. (Schweiz. Dep.-Ag.). Beim Völker« bundsokretariat ist folgendes Telegramm aus .Kairo eingetvoffen: ' „Herr Präsident! Ich habe die Ehre, nachstehenden Protest zu Ihrer Kenntnis zu bringen^ den die ägyptische Abgeordnetenkammer in ihrer Sitzung vom 24. d. an den vötterbiwd und alle Parlamente der Erde zu richten «instimmig beschlossen -hat. Im Hinblick auf die von der britischen Regierung gegen die Rechte, die Souveränität und die Verfassung des ägyptischen Volkes jüngst unternommenen Angriffe erklärt die ägyptische Abgeordnetenkammer erstens, daß sie für die v ol!l ständige Unabhängigkeit Aegyptens und des Sridans, die ein unteilbares Vaterland bilden, eintvrtt. Zweitens gibt die ägyptische Kammer ihrem lebhaften Bedauern Ausdruck, daß, obwohl die Nation, deren Souverän, die Regierung und das Parlament in klarer Weise das fluchwüäige Verbrechen gegen den S i vda r der ägyptischen Armee und Generalgouverneur des Sudans, Sir Lee-Stack, verurteilt haben, und obwohl die Regierung Genugtuung. gegeben urÄ> wirksame Maßnahmen ergriffen hat, um die Schuldigen zu verfolgen und zur Berautiwortuniz zu ziehen, die britische Äogierung Mchwchl geglaubt hat> den bMgerWvertyr Z^ost.f ch ans a I l ihren iimperiÄlst'lschen Zielen nutzbar am,chm und mit brutaler Gewalt Rache nehmen zu sollen an einer- Muildlosen Nation, die einzig auf die Kraft ihres Rechtes und die Gerechtigkeit ihrer Sache rechnen kann. Die britische RMerung hat nicht allein übertriebene Forderungen gesKllt, die in keinem Verhältnis zu dem Verbrechen stehen und jedes Maß übersteigen, sie ist so weit gegangen, den Rückzug der ägyptischen Truppen, aus dem Sudan zu verlangen, die sudanesischen Einheiten pnt Huldigungseid vor -dem Generalgouverneur -des Sudans zu Mngein, die Erweiterung des von den britischen Kolon-ialgesellschasten im Sudan angebautM Kulturlandes zu gestatten -und die Zahl von 300.000 Feddcms in nnbegvenztem Maße zu erhöhen. Sie hat ferner an die ägyptische Regierung das Ansinnen gestellt, jeglichen Widerstand gegen die von der britischen Regierung in bezug auf den Schutz -der auMndischen .Interessen in Aegypten geäußerten Wünsche aufzugebeu und hat überdies noch weitere Forderungen gestellt, die in den englischen Noten namhaft gemacht sind. Den' Worten hat die britische Regierung, die Taten folgen lassen und unter andenem das Z o l kamt von Alexandrien besetzt, wobei sie erklärt, daß dies nur die erste fce* von ihr geplanten Maßnahmen sei. Diese Eingriffe stehen in absolutem Widerspruch mit den Rechten Aegyptens. Sie stellen einen Angriff auf seine Unabhängigkeit und die Ein-mischuing in seine Angelegenheiten dar. Sie bedeuten eine Verletzung der. ägyptischen Verfassung und eine Bedrohung des lllandwird-' schastlichen -und des Wirtschaftslebens. Sie stehen in keinem. Zusammenhang mit dem Verbrechen und -sind in der ganzen Geschichte ohne Beispiel. ' Ans diesen Gründen legt die ägyptische Abgeordneten- -kaimm-er vor der ganzen Welt entschiedenste Verwahrung ein gegen ein derartiges -Vorgehendas an sich unbillig und in keiner Weise berechtigt 'ist. Sie nimmt. alle zivilisierten Völker zu Zeugen für die maßlosen imPevialisÄschen -Forderungen, die mit dem Geiste des Iahrhuinderts und den heiligen Rechten der Nation -nicht vereinbar find. Sie Neuerliche Erhöhung der Wohnbausteuer? - In einer, christlichsozialen Versammlung teilte Gemeinderat Erb an mit, Sta.dtrat Br ei t n er plane, die Wohnbausteueram 1. Februar wieder, zn erhöhen. Im Rathaus spreche, man davon bereits ganz offen.. protestiert bei Men Paivlamenten der WE gegen diese Willkür, begangen an einer schuldlosen Nationdie an ihren heiligen und unverjährbaren Rechten auf LMn und Freiheit festhält und auf nichts anderes Anspruch erhobt als auf ihre iUniabhängiAeit. Gez.: Der Präsident Achmed MäM." Der Protest wird nicht weitevgeteitet. Genf, 8g. Novembor. Nach Informatvonen, - die der Schweizerischen Depescheniagontur zugegangen sind, wird der Geueraffekretär -des Völberbundes Sir Erilk.D r u mmond den vom ägyptischen Parlamenit gleichzeitig an das Geneva'lsebrMiriat des VöKerbundes urid au. die..Parlamente der verschiedenen Staaten gerichteten Protest den Mtgliedstaaton -des DMenbundes nicht zur Kenntnis bring e n, da es sich, wie bereits heovorgehäben, «m . «in Dokument eines Parlaments und nicht einer Regierung handle, wie 'dies die bisher befolgte Prozedur vorsieht. Der Gsnevalsekretär würde sich demnach darauf 'beischränken, dem Präsidenten des älgpptischen Parlaments den Gmp-. sang seiner Mtteilung zur 5dM-ntniS zu bringen. - -• - Günstige Auffassung der Lage in Lonbon? London- 26. November. Nach den MeiWuinigen ÄuS .Kairo dauert die Besserung der ' Lxlge in Aegypten an. In Kairo herrscht VoWMwene -Ruhe. Die^brMWn-TWPPen MtenHeM'Medep -P-»r'ade ob. Der neue Miinisterprastdent Ziwa^Pascha hat die Unterhandlungen -Ä Lord Allenby-bereits äuffge'- no-mmen. Man rechnet hier in -RegierungskrWn mib eintscr sttedlichen Beilegung des ganM Konfliktes. ■ Die Gerüchte, daß bw militärische Besetzung der ägyptischen Zollager aufgehoben wunde, werden ’ dementiert und hinzugefügt, die Fveigabe der Zolllager werde erst dann erfolgen, wenn sich die Geneigtheit ZS.nar Pascht, die von Gngland aufgastellten Forderungen zur Sicherung der Ausländer in Aegypten anzunehrnen, erwiesen habe. In der gestrigen Sitzung, des Parlaments veÄlas der Präsident das königliche Dekret, wodurch' beide Häuser fiir einen Monat vertagt .werden. Die Abgeordneten gingen m Riche auSeinonder. Sollte -das Parlament «ach seinem Wiederzufvmmentvitt der Regierung Ziw ar, die aus Mohammedanern, Christen undIudeubesteht, das Berirauien verweigern, sowerden N e u w a h l e « aus- - geschrieben werden. Der frühere M-inifterpriäsident Zag hlul Pascha -hak seine Anhänger aufgefordevt, Demonstrationen zu unterlassen mrd -der neuen Re-gi^ rüttg die Läsiküg der Schwievigkoiten zu überlasten. Die Sitnation im Sndn-n. . Die britische Regierung hat den ehemaligen OberkEmaudieveudenin Konisbant'MopÄ H e nd erso n (wicht zu verwechsslin mit dem LMour-Abgsordmten gleichen Nomens) Atan bevollmächtigten Min ift« r in, Kairo ernannt. Er wird als solcher den Oberlommrssär Allenby minteristützen. In Allerchys Ha'nd laufen olle Fäden zusammen. Er handhabt auch den BelagerungszustaudimSudan. Dort befinden sich um- . gefähr zwei Ba-tailloue britischen Militärs vuß-er den sudanesischen AbtMmgen, welche die.fudanesische Landesverteidigung bilden. In Aegypten befindet sich ungefähr elime eiMche Division. Daö ägyptische Heer zählt ungefähr 7000 Mann.- t, Der interimistische Sidar hat den ägyptischen Gin« heilen Befehl erteilt, den Sud a nsofortzur äumeu. Das vierte Bataillon ist bereits abgegamgen; das dritte Bataillon und die Artillerie werden chm unverzüglich - folgem Die Räumung des Sudan vollzieht sich in v o l l e r -Ordnung ohne Zwischenfall. An neuen britischen Truppen sind Konbingente Ms Suez, Malta und Gibral- > ta.r nach Aegypten und dem Sudan unterwegs. ersparen,Sie.beim Einkauf von Stoffen für Herbst und Winter, Damen,- und Herrenwäsche, Leinenware», Strick- und Wirkwaren, Teppichen, Vorhängen usw. jjpgr Im Wfarenhtus II. TaborstraBe 48 Telenhon 47-1-7® En gvos ln dnlnil