Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2073 (26.11.1924)
- Date
- 1924-11-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2073 Seite 3 mm, Mittwoch der gewesE Minister des Innern Gdnmnd Benicky vernommen werden, der afö Minister vor Jahren die Untersuchung geleitet hat -und im Besitz sämtlicher Daten ist. Die Affäre führt direkt in «den engsten Freundeskreis HorthhL. Dies erklärt, weShailb die Untersuchung bisher im Sand verlaufen mußte. Polnische Botschaften. Rom, 26: November. Die polnische Negierung hat beschlossen, einige ihrer Vertretungen zu B o t s ch a f t c n zu erheben, und zwar zunächst die Vertretung beim Vatikan. Der chsnmltge polnische Gesandte beim Vatikan, Skrzynski, worb« der erste polnische Dotschaftor beim Vatikan sein. Sie neue Graboli-Regienmg. Thugutt und die Minoritätenfrage. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 25. November. Der Präsident der Republik hat, wie berichtet, die Demission des Ministers des Jrrnxru Hübner, deL Justizministers WyganckvSki und des AvbeitSminsters DarowAi angenommen und gfeichzeidig den Präsidenten der Stadt Posen Ratajski zum Minister des Innern, Zhchlinski zum Justizmmisler und zum Arbettsminister den Ge-nser Delegierten Sokal ernanntt Außerdem wurde der Abgeordnete Thugutt zum Stellvertreter des Ministerpräsidenten ernannt. Die Rokonstruktion der GrabM-Regiemug hat lange gedauert. Obzwar die jetzige Regierung, da sie im Sejm keine Mehrheit bilden kann, keine parlamentarische Regierung ist, so haben doch die Parteien aus die Rekonstruktion einen entscheidenden Einfluß cmsgeiiibt. Man wollte aus dem Kabinett die Fachrsgierung bilden und blieb doch bei einer poli« tischen Regierung. Die prominenteste Persönlichkeit unter den neuen Ministern ist zweifellos Thugutt, der ehemalige Innenminister im Moraczewski-Kabinett und einer der Führer der Linksparteien' im Sejm, lieber seinen Austritt auZ der Wyzwolenie-Partei Wunde bereits berichtet. Thugutt hat zwar kein Ressordimnisteviurtt bekommen, wird jedoch in dor Re-gierung eine wichtige Rolle spielen, da er alle Fragen der Randgebiete behandeln - wird. Außerdem soll er die Fragen der Minderheiten tit Polen endgültig lösen. §lne Protestnote Jugoslawien« gegen die s Sowjettegiernng. Belgrad, 25. November. (Tel.-K>omp.) Die Belgrader Regierung bereitet, wie in gut unterrichteten Kreisen mitgeteilt wird, eine scharfe Protestnote gegen die Somjetregierung vor, in der sie gegen die Einmengung Sotvjetrußlands in die inneren' Angelegenheiten Jugoslawiens Einsprud) erhebt. Sie erblickt diese Einmischung in der Unterstützung der gegen Jugoslawien gerichteten Bandentätigkeit unter Protege row und in Albanien sowie auch in der Verbindung Moskaus mit Radio, 'dem vonder 'ruffischen Negierung moralische und materielle Hilfe versprochen wurde. Die italienWen Staatsarchive in Sesterreich. Rom, 25. November. Senator Galata ist mit de>in Auftrag nach Men gereist, die Ausführung des italienisch-österreichischen Ä b kommend über die Zurück erstatt ung der Staatsarchive an Italien zu überwachen. Die Archive von Triest, Trient, der Lombardei und Venetien 'werden dadurch eine namhafte Bereicherung durch Dokumente aus der früheren Verwaltungszeit erfahrend MM Hur Staatsopernkrise. — Philharmoniker. — Orchesterkonzerte. Hie Schalk, hie Strauß! Noch immer tobt d.r Kampf der Meinungen mit einer im sanften Phäakeu-Wien ganz ungÄvöhnl'icheu .Heftigkeit. Selbst Gustav Mahler, der. die Hosoper ein volles Jahrzehnt leitete und zeitweilige zu einem wahren Festspielhaus wandelte, besaß niemals eine so ergebene Presse wie Richard Strauß, der alljährlich nur durch wenige Monate ein Gastspiel in der Oper absolvierte und .mm plötzlich „trüber Verträge trügende Bande" zerriß. Wir hoffen, daß alles geschehen wird, um den berühmten Künstler der Staatsoper als Dirigenten in eigener Sache zu erhalten; doch wir wünschen auch, daß die Krise endlich beveiniigt werde und unpolitische Arbeit in die Staatsoper wieder einkehr-e. Es geht »Eicht um die Personen, sondern um die Sache! Ist doch das Duell Schalk—Strauß nur eine Folg« d?r Sünden der Nachkriegszeit, die sich aus die Häupter beider Direktoren gehäuft haben: Der Spielplan ist verwahrlost, die Disziplin des Hauses erschüttert, die Arbeit liegt brach, di« Kapellnrelstevkrise ist längst akut, der Kassenabgang immer größer. Es ließ sich nicht länger weiter wursteln und man verlangte das „Haupt eines Jochanaan". Darüber ist Richard Strauß gefallen! — Warum nun die sitttliche Entrüstung seines 'Anhanges? Strauß ist rin freier Tondichter, der seinem Schaffen und der ganzen Welt gehört, den es heut« dahin, morgen dorthin zieht. Ter berühmteste Tondichter der Gegenwart kann unmöglich gleichzeitig neun oder "zehn Monate im Jahre am Karren der Staatsoper ziehen und sich als beamteter Direttot mit den hundert und taufenkleinlichen Obliegenheiten eines solchen abgeben. Schalk ist gewiß nicht den geradesten Weg gegangen, um seinem Rivalen diese Erkenntnis beizubringen, er ist auch sonst durchaus keine weiße Friedenstaube. Und doch ist „ein Schalk in der Hand Wiener Morgenzeitung. Ihre Gesundheil können Sie vollstündig wieder zurück* erlangen, von allen Ihren Schmerzen werden Sie gründlich befreit, wenn Sie DIANA Franzbranntwein mit MENTHOL Ausserlich zu Einreibungen, innerlich, auf Zucker tropfenweise genommen, verwenden. Das beste Hausmittel. sN^:nr DIANA an, alles andere weisen Sie zurück. Ueberall erhältlich! Oiana-Franzliranniwein Prodnktion &es. WIEN, II., PRAG, VIII., Engerthstrallb 169 Lt.be». Drahobeljove 1073 Einstellang der Einwanderung in Brasilien. Wie uns von informierter Seite mitgcteiltt wird, hat die brasilianische Regierung bis auf weiteres jck>e Einwanderung in ihr Land verboten. Begründet wird dieses Verbot mit dem Ausbruch revolutionärer Unruhen in einzelnen Provinzen. In dem Rogierun-gserlaß wird den Emgewandevten, vor allen den d e u t s ch e n und italienischen I m m i g r a n t e n, der Vorwurf gemacht, daß sie an der Schürung der Revolution die Hauptschuld tragen. Obgleich die jüdischen Einwanderer Mit der Revolution tticht nur nichts zu tun haben, sondern selbst vielfach unter ihr schwer zu leiden haben und die Regierung dies auch zugiibt, lehnte sie doch das Ansuchen der Mischen Einwanderer- und Farmerhilssorganisation ab, den Inden die Einwanderung auch fernerhin zu gestatten. - llmtause der 3. R. 3. . Washington, 25. .November. (Del.-Komp.) Der „Z. R. 3" hat honte Lakchurst verlassen und ist nach Washington geflogen, wo, ihn Frau Coolidge heute abends in „Los Angele s" umlaufen wird. Sie Elektrifizierung der Arlbergstrecke. Die Bundesbahndirektion Innsbruck teilt mit: Momag den 24. d. wurde mit den Schnellzügen. D 309 und D 310 der' elektrische Dienst im Arlbergtnnnel aHgenommen. Es werden sonach alle Inge Mischen. St. Anton und Langen eloktrilsch durch, den Tunnel gezogen, und zwar vorläufig mit betriebsbereiten Dampflokomotiven hinter der elektrischen Lokomotive. Bon St. Anton bis Landeck sowie von Langen bis Mudenz werden die Züge vorläufig noch mit Dampf gefahren. besser als ein Strauß auf dem Dache". Denn Schalk ist bei all seinen menschlichen Schwächen ein Arbeits- und Pflicht mens ch, der die Wiener Atmosphäre kennt und mit der Tradition des Opernhauses durch ein volles Vierteljahrhundert verknüpft ist. Andere rstits verbietet gerade das Wurzeln in der Tradition dem mehr als sechzigjährigen Dirigenten, mit dem stürmischen Tempo der Gegeuwartsenttvicklung noch Schritt zu halten und darum sollte er im Interesse des Opern spiclplrmcs einen Teil der Arbeitslast einer jüngeren Dirigenten-„Pcr>sünlichfeil"' aufbürden. Geeignete Anwärter teilen wir Herrn Schalk gerne mit. * Daß das Wiener Publikum zwischen dem populären Komponisten Strauß und dem - echolgcrrmeu, höchst einseitig orientierten, unsteten' Thcaterdircktor Strauß wohl zu unterscheiden verniag, hat es nicht nur durch seine Gleichgültigke-it gegenüber der Werbetätigkeit der Strauß- Pveffe hinlänglich bewiesen, sondern auch durch sein« Kundgebungen für Schalk in der Oper und im Konzertsaal«. Kein Wunder, wenn Schalk im fetzten p h i lharmonischen Konzert zunächst äußerst erregt war und das strahlende Licht von Goldmarks Sakuntala- Oudertüre recht unruhig flackerte. In der Auswahl zweier kleiner Orchesterftücke des Franzosen Roge r- Dueasse— nicht zu.verwechseln mit Paul Dncas — bewies er keine glückliche Hand. Ein „Nocturne du printemps" bringt jenseits van Lenz und Liebe eine impressionistische Stimmungsmache, Debnssysmcn, dann wieder Naturalismen, immer wieder j-nngfranzösisches Geflimmer in Farben, Düften und Klängen ohne Ende. Auch das „Orchesterschcrzo", i.n dem „Frettchen" auf Hasenjagd geht und in seinen artigen rhythmischen Sprüngen fast in ein Brucknersches Scherzo hineiugerät, war keine ergiebige philharmonische Jagdbeute. Erst mit dem morgenfrischen Waldwebeu von Bruckners „Romantischer" stellte sich für Schalk - und die Philharmoniker Weidmannsheil ein. Bruckners Feierlichkeit fand ja in Schalks Wesen seit jeher 26. November 1924 Mar Ml Marder. Der Herausgeber der Brunner jüdischen Volks, stimme" und des „Jüdischen BoLkskafenders", Max H ickh ist Montag früh im 51. Lebens jaihre nach Kurzer Krankheit üm Wiener Allgemeinen Kranfenhaus gestorben. In weitesten jüdischen Kreisen wird die Nachricht von dem Abloben dieses Mannes, der auf der Höhe des Lebens stand und eine außerordentliche Arbeitskraft besaß, das tiefste Bedauern erwecken. Max Hickl gehörte $im Kreise jener jungen Juden, welche sich nach dem Auftreten Theodor. H e r z l s, de>m Gründer des politischen Zionismus, zur Verfügung stellten uind fortab mit unvergleichlicher Hingübe und Begeisterung dem Werfe der jüdischen Erneuerung dienten. Im Jahve 1899 gründete er in Brünn ein zionistisches Blatt, die jüdische BoMsstvmme", deren erste Mitarbeiter Bertold F e i w e l und Robert Stricker waren. Organisatorisch Iwirckte er mit unvergleichlicher Zähigkeit für die Ausbreitung der ziouiistischsn Bewegung in Mähren und Böhmen und wußte der von ihm begründeten, in der ersten Zeit unter den größten Schwierigkeiten erhaltenen Wochenschrift weite Verbreitung zu sichern. Gleichzeitig mit der jüdischen Volksstvm-tne" schuf Max Hickl ein Jahrbuch, den „Jüdischen Bolkskalender" und den jüdischen Buch- und Kunstverlag". . : ’ Auch in der Beweguing der jüdischen Händelsangestellten, die dank Hickls Wirksianäfeit in den ersten Jahren des politischen ZianiAmus große AusbreitulNg hatte, spielte der avbeitssame Mann eine große Rolle. Eine Tagung der jüdischen Handelsangestellten, die aus - allen Teilen der ehemaligen Monarchie beschickt war und in Wien fta>ttifa>nd, hatte für die Frag« der sogenannten „rnnerpoliüschen Betätigung" entscheidende Bedentuing. Theodor Herl wohnte dieser Tagung bei und berief späterhin Max Hickl nach Wien, um ihn Kr Orgauisationsavbeit zu gewinnen. Hickl Vevblieb jedoch in Brünn, da er die von ihm begründeten pMizisiischen Werke nicht im Stiche lassen woM. Dieser brave, einfache Mensch, der niemals. Aemter und Ehren a-nstvebte und mit eiisemem Weiß dom Judentum diente, war nicht mit Glücksgütevn. gesegnet und hat manchen herben Schicksalsschlag erlitten. Sein Kind starb im zartem AÄer -und seine Gattin verfiel nach dem Tode ihres Kindes in geistige UmMchtung. Die Arbeit Kr sein Volk hat ihn lüufvecht gohalten und gab ihm die Kraft, alle Prüfungen des Löbens zu bestehen. Es war ihm noch gegönnt, das fünfundzwanzigjahrig'e Jubiläum seiner „Jüdischen BMsstimnve" zu feiern. Nun ist er anläßlich eines Wiener Aufenthaltes plötzlich schwer erkrankt und im Allgemeinen Kvanfenihaufe einem Kopstumor erlegen. . Die jüdische Bewegung verliert einen ihrer bravsten, selbstlosesten und tüchtigsten Männer. * . ..,, .... ,■. Die Leiche Max Hickls wird, wie wir erfahren, nach Brünn überfuhrt. Das Leichenbegängnis wird dort am Freitag den 28. d. stattftnden. Slum aus das ZollMt in Budapest. Budapest, 25. November. Im Budap-ester Zollamt hoben sich in der letzten Zovt kolossale Postendungm gchäuft, die der Zollibchandlung mtterworsen sind. Gestern abends hat' sich .ein^. I Menge von Adressaten vor dom Zollamt emgofuuden and in \ erregter Weife die AusfolMMg der Pakete verlangt. Bei den Demonstrationen wurden auch einige Fensterscheiben/ des Zollamtsgebäiudes o'mgeschlagen. Hierauf erschien ein P ölizeiaufgebot uud zerstroute die Wfenge. ein vern>chmliches Echo, und so wußte er auch dies-ntäl die Romantik der mittelalterlichen Stadt, der ans den Toren sprengenden Ritterschaft, der taufrischen Natur Und des' Waldvögefeins ,^Zizvbe" mit seiner zwitschernden Scxt in majestätische Klangpracht zu kleiden. Die Philharmoniker wirkten auch in einem Kompositionskonzert mit, welches die Bekanntschaft neuer Werke von Paul v. Klenau verinitt-clte. Zunächst drei Orchesterphantasien über Dantes „Inferno": Schott größere Tondichter als Klenau sind an der Größe dieses Vorwurfes gescheitert und so bleibt auch Klenau an äußerlichster Tonmalerei haften. Kaum daß er für die Liebestragödie vorv „Paolo und Francesca" einige zu Herzen gehende Töne findet. Gerne stellen wir das sichere Handwerk und das solide Baumaterial neudentscher Richtnttg fest, an dem Klenau auch — trotz allerlei modernsten Verputzes — in seiner beängstigend langen oratorinmartigen Vertonung der „Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" (von Rainer -Maria Rilke) festhä'lt. Wie konnte der routinierte Kapellmeister nur eine derart mit Stimmung und Klang gesch-vängerte Wortmusik noch überdies in Töne einfangen wollen, noch -dazu ohne rechte Inspiration! Die Wüste des öden Sprechgösanges — nur durch Duhans Meisterschaft erträglich — das Gestrüpp der stachlichen Chöre und schließlich die Kiuolandschaft des „aufrausche-nden Parkes" legten einen rMsinnlichen, blutleeren Konstruktivismus bloß. Wenn ich zwischen Klenaus „Inferno" und seiner Nilke- Berto.N'Wgwählen soll, gobc ich seinem lieben Ballett „Klem Jdas Blumen" den Vorzug. Eine Niete waren auch die Orchestevvariabioncit op. 45 über ein Thema ans den Hugenotten von Cleniens v. F rancke nste in, die der ausgezeichnete Knä Ppertsbusch in einem Abonnementkonzert des Tonkünstlerorchesters dirigierte: Verbindliche, solide, virtuose . Käpellnuiit'rnnlsis. lrelcher nicht der Schalk, sorrdern ein Zopf! IN Nackon H •’ i D v. E r w i n Felder/