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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-26 · Heft 2073 (26.11.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2073 (26.11.1924)
Date
1924-11-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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■ «etle « Mm, MIM-'ch Neu_eröffnet| Damen- und Herrenwäsche Modeartikel Strumpf- und Wifkwaren in sensationell billigen Einführungsprelsen ij Reichste Auswahl Freie Besichtigung W Praktische Weihnachtsgeschenke | Karl kQimnn V!sv, I. Seitzerg. 6 i J\.Ui I iuOlliailil (Eck* Steladlg.-Tuchlsubenhof) 3 [üunmumnn^^ MedererSsssssg eiset .Woia"-Küche. Wie wir Vom Vorstand der „Wostr" echchvm, wnd zulfölge Aenderung in de« Leitung eine Reorganisation ldkoses WoWahrMunternehmonS dnrchgefühvt. Im Auge dieser Aktion wird die Küche der ,Moj>a", 1- Dez., Griechengasse 1, Sommtiag den 30. d. wieder eröffnet. Die Küche in der Sperlgasse Öteii&t vorläufig geschlossen. Einyahdmgen können Donnerstag den 27., Freitag dem 38. und Sonntag den 80. d. m der Zstzt zwischen 12 Uhr und 8 Uhr bar« ymnwten werden. Um den Stand genau zu erfassen, werden die DvLnchmer von der Leitung de>r ,Mvja" echucht, tunlichst vor Sonmdag die Abormamentz zu Nfen. All« Bsgüusttgungen für die Küche Stzechgas^ haben für die Küche Griechengasse GÄVurng. Sine Htzgiese-Assstellunn in Wien. I« Nordwestbahnhos. DoS BundeSmiuiftermm für soziale Fürsorge und da- ^GefnndhvitSamt der Stadt Wien veranstalten gemeinsam mit dem Deutschen HygieueMuseum in Dresden in den Monaten ApvL kW Mai 1838 im G-edänÄ« des außer Bewirb gösehten Rordwestbahnhof«S eine Hygieneausstellung, dir alleumfassen, soll, waS die Gesundheitspflege des einzelnen und der Gesellschaft betrifft. ES sollen all« Krankheiten und ihre Heilmethoden gegeigt werden, aber auch Miüück, um die noch ungestört« Gesundheit zu erhalten. Auf diesem Gebiete ist dem Sport und der «odevnien Wrperpftege breider Raum gewidmet und zn dvesam Hweche soll bm benachbarten Augavteu ein eigener .Sportplatz errichte worden. Die LuSstevung soll die Entwicklung des Menschen von der Geburt bis zum Tode veranschaulichen. Auch der Verhütung von Geschlechtskrankheiten wird eine eigene Abteilung gewidmet. Das deutsche Hygienemufenm hat sich verpflichtet, seine weAberühmte Samaulung „Der Menf^, die bisher noch nirgends gezeigt wurde, zur Verfügung zu stellen. Reben dem reichhaltigen AuSstellungsmateriÄ soll auch für die Belustigung des Publikums durch alkoholfreie Gaststätten mit Musikpavillons gesorgt sein. Der Eintrittspreis ist fchr medvig gehalten (5000—6000 Kronen), uim jeber« twrat den Besuch dieser Ausstellung zu ermöglichen. Kowno durch eise MiseseMofios verschüttet. Aowno, 35. Novombsr. (Lvl.-Komp.) In dom berK owno, hm Haulpstvdt Litauens, gelegenen Munitionslager Fr ei da hat sich gestern fuüh eine furchtbare Explosion einer riesigen Meng« unb-r-auchbarsr Minen evsigneit. Bis fetzt ist belkannt, daß 15 P e r s o n e n, darunter fünf Zivilisten, im Stücke gerissen worden sind. Mwn vermutet, daß sich «unter den Trümme-vn noch -mehr Tote befinden. Die Explosion war sv gewaMg, daß in Kowno fast sämtliche Fensterscheiben zertrümmert und die gamqe Stadt wie durch ein Erdbeben vorschüttet wurde. Zahllose Dächer wurden äbgedeckt, dicke Mauern sind Ängestünzt. Sine Ssquete über des .Numerus clausus". Die Reakttvonarsn aller Wslittetile scheinen sich darin ge" «migt zu haben, den Numerus clausus in «den Schuhen M Hebck für die Erreichung ihrer Ztele zu benützen. I« Europa richtet sich der Numorns ckaufus ousWießllch g^gen di« Juden, wahrend er von den Ku-Klux- Klan auch gegen die Katholiken FssMIdent wird und zmn Teilte auch (chon evMu>ng«n wurde und, mn^Ovienit gegen die Christen überhaupt verlangt wird. Ungarn ist auf diesem Gebiete am wöitesten gegangen, -m»dem es d«n gegen die Juden geriichteten Numevus ol-ausus zum Gesetze echold. Den Gognew dte'es Gesetzes gegenüber berach sich di« ungarische Regierung m\ W? ähnlichen Besine^bunicM im Auslande und die Arvtiisorniiien alle« Länder hinwider weisen auf dar mMcksch« Bois-pick. hin, da? nachgeahmt worden müsse. Wie lautet aber in Wirklichkeit das WÄluvt-eil, d. h. das Urteil Wsenesk _ SS. NMmVer 1993_flit. 2078 Die jüdische Rora. Besuch bei Mer Rachel Kaminika. Den Wiener Lesern sagt der Name Esther Rachel Kaminska wenig. Denn Esther Rachel Ka-minska 'st auf ihren Reisen durch Europa und Amerika nie nach Wien gekommen und weilt (außer einem flüchtigen Besuch, den sie im Sommer dieser Stadt machte) jetzt zum erstenmal hier. Eine Operation hat ihren Aufenthalt in einem Wiener Sanatorium nötig gemacht. Sie ist glückllK übecstanden und Frau Kaminska empfängt ihren Besucher in einem jener typischen vornehmen Saratormmszimmer, in denen man. wie di« Bewohnerin dieses Raumes lächelnd bemerkt, dick zu 'häufig daran erinnert wird, daß man krank ist. Nur wenig Besuch unterbricht die SamtormmSstill« ihres Zimmers. Dies ist bezeichnend, so unverständlich es auch sein mag, wen man weiß, daß Frau Kaminska eine der berühmtesten Schauspielerinnen des jüdischen Theaters ist und daß sie für das jüdische Theater als Kunstgattung Großes geleistet hat. Mer Esther Rachel Kaminska, deren dreißigjähriges Bühnenjubiläum im Jahr« 1923 nicht nur in Warschau, fordern in der gesamten jüdischen Theaterwelt mit ungeheurer Begeisterung und wahrhaft echter Liebe gefeiert wurde, ist zu sehr Künstlerin, um auf Reklame Wert zu legen. Charakteristisch dafür A eine Bemerkung, welche sie im Laufe des Gespräches über ihre Eindrücke auf der eristen aimrrkariischen Tournee im Fahre 1910 machte, auf welcher sie in New»Aovk und den Übrigen großen Städten Amerikas ungeheure Triumphe feierte. In Amerika Wird Reklame auch in der Weise getrieben, daß die Straßen mit kleinen Bildchen der gastierenden Stars überschüttet wrden. Wer ein solches Bildchen aufhebt und es an der Theaterkasse vorweist, erhält eine Ermäßigung. ,Kls ich in New-Nowk", erzählt Frau Kaminska. welche am wenigsten von ihren, aber sehr gern und mit echter Herzlichkeit von den Triumphen berühmter Kollegen und Kolleginnen spricht, „über die Straße ging und auf dem Bilde Schildkrauts herumtreten mußte, tat iwr das Herz weh, und ich staunte darüber, welcher Barbarei die amerikanische Reklame fähig ist " Esther Rachel Kaminska ist nicht bloß di« hervorragende Darstellerin Gord nscher^ § r o u e n* gestalten, der Mirele. der Etti« (Kreutzer- Sonate), nicht bloß die erste Nora «ttb Frau Alwing der jüdische» Bühne, sondern sie hat vor allem ihren ganzen künstlerischen Ehrgeiz darein gesetzt, das jüdische Theater aus der Schäre niedriger Volksbelustigung zum wirklichen Instrument der Kunst umzubilden. Ihra künstlerische Laufbahn begann selbstverständlich beim jüdischen Singfpiel; sie betrat die Bretter zu einer Zeit, da G o l *• faden und Lateiner das jüdsche Repertoire beherrschten. Aber damals war dem jüdischen Theater durch Gordin und PinSki der Weg gewiesen worden, den eS einfchlagen konnte, um zu wertvoller künstlerischer Entwicklung zu gelangen. Und Esther Rachel Kaminska hat sofort mit aller Hingebung daran gearbeitet, gerade in Rußland, wo damals daS jüdische Theater durch Hunderte von drückenden Verordnungen des Zarismus niedergehalten war, gutes jüdisches Theater zu geben. Sie begründete zusammen mit ihrem Gatten ein Theater ln Warschau und dort wurde zum erstenmal das Wagnis unternommen, ernstes tragisches Theater zu spielen. Dort errang Frau Kaminska ihren ersten Triumph in David PinSki8 ganz ausgezeichnetem und infolge fein'.: subtilen Psychologie leider zu wenig bekanntem Schauspi< „Die Muttes; dort brachte di« Künstlerin zum erstenmal Gordins Mirele Efros" zur Aufführung, und er ist bezeichnend für ihre Selbstlosigkeit in künstlerischen Dingen, daß sie, die 'beste Darstellerin der Titelrolle, st« anfangs nicht spielte. Erst die Dichter Perez, Dinesohn und Schalom Asch, welche d«r ersten Aufführung des Govdin-Stückes in Warschau beiwohnten, bestimmten Frau Kaminska, die Rolle der Mivele Efros zu übernehmen. Mit dieser und mit den wei-blichen Hauptrollen in GordinS „Chasche, das Waisenkind" und „Die Schchite" errang Frau Kaminska ihr« großen darstellerischen Erfolge. Das T'heater der Frau Kaminska durchreiste ganz Rußland (hervorgehoben sei, daß die große Künstlerin niemals in Rumänien und nie ln Galizien gastierte), kam nach L o ndon und Paris und verbereitete übemll den Gedanken einer jüdlschrn Kunstbllhne, der allmählich immer fcfterc Wurzeln faßte. Nun sitz« ich Frau Kaminska in einem nüchternen Sa-natoriumsziminer gegenüber, das sie bald mit dem weichen Klang ihrer Stimme erfüllt. Wir sprechen voll der Entwicklug des jüdischen Theaters und die dunklen großen Augen der Künstlerin blicken resigniert und ein wenig müde: „Die Entwicklung des jüdischen Theaters wird sehr gehemmt durch unsere Armut. Zum Teil auch durch eine gewisie künstlerische Flügellahmbeit; in den letzten Jahren ist unser Repertoire, daS nie allzu reich war, durch Stücke aus AmerAa bereichert worden, wie „Schmates", „Der <$Ottern", wertvolle Pinski-Stücke u. a. .Jetzt wüsten wir Amerika mit Stücken beliefern vmb wir hahen wenige. Dam jüdischen Theater hat Amerika eigentlich nur die technische Fertigkeit gegeben, die theatralische Fixigkeit, der Geist, das Leben des jüdischen Theaters ist nur in Europa zu finden. Aber wir im Osten sind jetzt sehr arm und wir führen einen schweren Kampf um die Erhaltung des jüdischen Theaters; mir müssen es geradezu mit Zangen fsftthalten." Dann kommt das Gespräch auf die letzten Novitäten deS jüdischen Theaters, und dabei berührt es die jüngste givße Roll«, welche Frau Kaminska kreiert hat, die Titelrolle in Ettingers Komödie ,-Derkele", einem Stück, welches erst hundert Jahre nach seinem Entstehen seine erste Aufführung im Warschauer Zentwlcheater erlebt hat; und die war ein sensaliomlle'r Erfolg, so frisch und lebendig ist diese vor hundert Jahren entstandene Vhamkterkomöd'ie des Arztes und AuMärers Dr. Ettin^er, der ausprachlicher Scham sein im jiddischen Idiom a<hgefaßte's Werk niemals veröffentlicht 'Hot. Dann gleitet d^s Gespräch ^wieder in die früheren Jahre nutz haltet bei den großen Triumphen, welche Frau Kaminska während ibrer zwei Gastspiele in Amerika und früher noch, in: Jahre 1908, m Petersburg feierte. Ihre Darste^u>?^ der Gordin scheu Frauengestalten auf der jüdischen Bühn« erregte in der russischen Hauptstadt, welche Mtst «risch tonangebend war, so gwßes Aufsehen, daß die 'Gordin--Dra'rnen eiligst ins Rustifche übersetzt und Repertoirestücke der vussischen Bühnen wurden. „Und Sie selbst, gnädig« Frau, Sie haben nie in russrscker Sprache gespielt?" „Fünf Monate lang, aber nur, weil ich mußte. Bei KriegsbegMn befand ich mich mit meiner Truppe in Odessa. Da kam ein Beribot des jüdischen Tb-aters. Das Lustige an diesem traurigen Fall war nur die Begrüi'dnng dieses Verbote-. Denn während' vorher das jüdi'che Theater nur in der -Form de's deutschen Theaters Spielerlaudnis gehabt hatte, wurde Plötzlich entdeckt, das jüdische Theater fei eben ein deutsches Theater und als feindliche Institution zu vevbreten. Damails zwang mich die Not. ein russische Ensemble zusammenzustellen und mein Repertoire in russischer Sprache aufzuführen. Dieses Experiment brachte mir großen Erfolg, denn ich bereifte mit meinem Rustischen Theater die ganze Ulkraine, wo wir unbeschreiblich gefeiert wurden. Aber als sich die erste GelegnMt bot, ging ich nach Warschau zurück, wo ich Heim und Familie hatte, und dort konnte ich wieder jüdisches Theater spielen." Ich stelle, noch die Mvgate Frage nach den Plänen der Künstlerin und wann sie gedenke, in Wien zu gastieren. „Jetzt habe ich gar keine anderen Pläne, als ganz gesund zu werden. Und wenn es im Frühling des nächsten Jahres möglich ist, so will ich in Wien gastieren; aber nur mit meinem Theater. Die Stargastspiele sind nicht mein Fall." DaS lang«. Gespräch versickert allmählich und ich vev avschiede mich von der .Künstlerin, die seit.mehr als dreißig Jahren um die künstlerische Entwicklung des jüdischen Theaters ringt. Ihre Memoiren, die demnächst in einem amerikanischen Blatt und zugleich in der „Wiener Morgenzeitung" erscheinen sollen, werden ein wertvolle Stuck jüdischer Theatergeschichte tem. Siegfried Schmitz. der wirvlichsn RapraseilMmitlSn der Kuillur und Zivi>Hsat>ten > unserer Mt über den Numerus olausas? Der Mgavische SchvWeller Nanckor KorcsmavoS, dsr einer der wenigen christlichen Schrdftsiellvr Ungarns ist, die auch m der Hochflut des weiße-n Terrors den Mut faindsn, in Wvvt und Schrlsit gegm wiiie Undsidrückuiug der Juden Sicklung zu wchmen, veranstaltet jetzt ein« Enganste unten den bedeutandsden Pemsdntichkeiiten — PoMtern, Gelchrten. Professoren, Mnsilevn, göisilichon Mirdeinitrögsrn usw. — der Welk, um aus den «vulougendan Moi>mmgsäuß'sr.un.ge.n das Welturteil über den Mmerus ola.Hufestzustellen. Das Ergebnis der Enquete wird Here Korcsanaros ijt einer Sammlung der Oesstint'li.Hteiit bekainnidgeben. Da Herr KorcSinaros sich vovwtegond, wenn auch nicht ausschlieMich an nichtjübische Persöntichkeiten wendet, kam: man dom Epgchüis seiner Espendise mit Jutev» esse «nt-gegr-ns-ebrn. Me zensurierte Mel. Hörthy und der Zug der Juden durch das Role Meer. „Az Ujsag" meldet, daß die BudaPester Filinzensur ans dem dort anfg-vführten Wiener Kmostück „D:e Sklavenk ö n i g i n", Hessen Mijtelprmkt der A u s z u-g der Juden ans Aegypten bildet, die, Juden gestrichen hat. E? darf nicht er-lyähnt werden, daß es hia Juden waren, die oucck das Rote Meer zogen, sie werden erwach als Sklaven bezeichnet. Ebenso wurde ein jüdisch>er Tempel entfernt und de^ Pharao urngetauft. Der „Pester Lloyd" bemerkt hiezu: „Es eröffn»» sich fiir die Zukunft malerische Durchblicke und Mgemessette Pevspektiven. So lasen wir jünast, paß das Natioualtheater demnächst den Males von Madach. eines der letzten und reifsten Werke des Dichlcxs. auf* führen will. Moses? Scheint auch so ein jüdischer Name m sein. Könnte man da nicht durch die Eämwierung des Namens ckn>? starke Viklderuna der Sachlage veranlassen? i Etwa ein Porichlaa'zur indem man anstatt . Mösts Ein Prophet setzte? DaS liegt ganz in der Linie deS ZvnlsurdontenS. Die Juden waren Sklaven, Moses em

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