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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-26 · Heft 2073 (26.11.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2073 (26.11.1924)
Date
1924-11-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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>^hra^^;^Tuaw>vhto ■ / mtt Wen, Mittwoch 25fettet? Moraettzettunk. 26. November 192# $£,2078 Der Minister schloß mit der Versicherung, daß er sm Zustandekommen des endlichen Friedens zwischen Bund und Ländern kräftigst Mitarbeiten wolle. Abg. Dr. Bauer verlangte vom neuen Finanzminister, er möge endlich den Willen zeigen, das österreichische Interesse gegenüber den illegitimen ausländischen Einflüssen stärker zu wahren, als das in den letzten Monaten geschehen ist. Wenn der Minister sein umfangreiches AGeitSprogramm durchführen wolle, so müsse er daran evmnert werden, daß diese Durchführung auch Politische Voraussetzungen hat. Feder ruhige Fortgang der Wirtschaft habe gewisse soziale Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen. MS solche erwähnte der Redner die Er-, HLHung der Arbeitslosenunterstützung und die Beseitigung! bei Parteiregimes im HcereSwesen. Seine Partei sei zu fachlicher Mitarbeit bereit, aber sie habe ihre Bedingungen, und-diese zu schaffen, sei in erster Lime Ausgabe der gegenwärtigen Regierung. Dr. Gürtler betonte gegenüber dem Abgeordneten Dr. Bauer, daß es nicht bloq soziale Voraussetzungen der Wirtschaft, sondern auch wirtschaftliche Voraussetzungen der Sozialpolitik gebe und daß das Wirtschaften a-ufbört, wenn bi« Sozialpolitik die Wirtschaft erschlagt. Redner schlug vor, mn om richtiges Bild von dem Verhältnis zwischen Bund und Ländern zu schaffen, die im Budget enthaltenen Leistungen 'des Bundes an Länder und Gemeinden zu st r «i ch e« und die Einnahmen des Bunde- «m den Zeichen Betrag zu vermindern. Abg. Dr. D a n n e b e r g bezeichnet« es ÄlS notwendig, die Jntereflen von Bund. Ländem und Gemeinden in Einklang zu bringen. Diese Ausgabe könne nur gelost werden, wenn in der Verfassung die Kompetenzen aller dieser Körperschaften Aavgestellt werden. Nächste Sitzung haute um 10 Uhr vormittags. Mn Demonstrertionszug Arbeitsloser. In der Voilkshalle des Rathauses wurde gestern mittageine Arbeitslosenversakmmilung abgeholten, in der von mehreren Referenten über die Lage der Arbeitslosen und über ihre Forderungen gesprochen wurde. Die wichtigsten Wünsche der Arbeitslosen sind: Erhöhung der Arbeitskosennntenstützung um 20 Prozent, Einsetzung eine- AvbeitÄlosemates und Schaffung von Arbeitsgelegenheit. Die Zahl der Teilnehmer betrug etwa 2000. Die Arbeitslosen entsandten Abordnungen «ins Parlament, in das Rathaus und in die Arbeite vkammer. Bor der Ardeiterkammer und vor dem Parlament wurde mit Pfuirufen demonstriert. Den Rednern gelang eS, die Ruhe wieder herzustellen. 'SääüsizJ&l \fi- Lnrch Reinheit zur Einheit. Der häusliche Krieg bei den Hakenkreuzlern. In der nationalsozialistischen Partei ist er neuerdings Kr einer Spaltung gekommen. Wie die „Arbeiterpresse" mitteilt, wurde die Gruppe „Roßbach" des vaterländischen Schutzbundes aufgeläft. Ihre MMieder werden nicht mehr als Angehörige dieses Bundes botrochtet. Die nationalsozialistische Parteileitung teilt mit, daß sie und auch die Leitung des vaterlaMschon Schutzbundes ftde Verantwortung für die Handlungen der Roßbach-Lmte ablehnen. Die Mache dieser Ausschließung ist darin zu suchen, daß die Roßbach-Leute in der letzten Zeit wiederholt Differenzen mit der nationalsozialistischen Parteileitung hatten mW daß sie kürzlich in eine geschloffene nationalsozialistische Versammlung eindrangen und die Teilnehmer attackierten. Ebenso teilt die „Arbeiterpresse" mit, daß die Stuvmabteklung Köblinger deS vaterländischen Schutzbundes ebenfalls aufgelöst wurde. Sie Grazer Hakenkreuztechnil. Verhandlungen des UnterrlchtSministerS mit den Profefforen. Der RÄtvr der Grv^er Technischen Hochschu-e hat im Bsrssm Mehrerer Mitglieder des Prosessorenkollegmms amt dom UnterrichiSmiMistLr Dr. Schneider und fodamu mit Landeslhauptmann Dr. Rvntellen Verhandlungen geführt, die eine euwernohnÄliche Lösung der auf den Konflikt amt Professor Laon bezüglichen Fragen erwarben lasten, so daß-der Rektor voraussichtlich schon in den nächsten Tagen die WioderSffmmg der Technischen Hochschule anordnen wird. Wir erfahren hierzu, daß am dissem VechaiMu'ngen drei Grazer Professoren u>nd der von den HMnikvou^E verfolgte Professor Leon teilna'hme.n. Der Konflikt wird so geilöst, daß für die LehvkanM für Festigte i Mehre, wechamvsche Technologie (1) und HclizbÄrrbsitinng, die bisher Doktor Leon allein versorgt hatte, drei suppliernde Kräfte bestellt werden, welche für die arisch-satisfaktionssahige Mamrschast Vorträgen, während bei Dr. Leon, der sein« Vorlesungen fortifetzt, die ernsten- Höver belegen werden. Die Kosten dieses Parallelünierrichte's werden aus den für die U-nterrichtserforderniffe ausgeworsenen Mitteln gedeckt, fo daß dem nach der Sonberunterr'.cht der Hakenkreuzker aus öffentlichen Geldern bezahlt werden maß. Mau nennt das Ausbau der Wissenschaft. In einer von den als Professoren auftretenden Organen der,Mmmer" gegen Dr. Leon neuerlich dorgebrachten Beschuldigung, er habe das Ehrenwort eines deutschen Studenten angezweifelt -und dadurch die Studentenschaft beleidigt, gab das Ministerium den Herren den -dringenden R ä t, die Sache n ich t weiter zu verfolgen. rv. J A H RE S A B O N N E N T der »Wiener Morgenzeitung», der die Bezugsgebühr für ein Jahr im vorhinein bezahlt, ERHÄLT GRATIS . in 3 eleganten Halbleinenbänden GRAETZ’ / GESCHICHTE DER JUDEN Anastr der Jahrasjabflhr sind Ifir Versandsitesen »och 5. K 26.000 zu bezahlen! ' Jh/ ■ Ruße in AeMten und im Sudan. Bor einer friedlichen Beilegung der Krise. London, 25. November. Nach den Berichten auS Kairo haben sich im Aegypten keine beunruhigenden Momente ergeben. Die Räumung deS Sudan durch die ägyptischem Truppen ist rm Gange. Ruhestörungen in Port-Said wurden durch da'S Erscheinen britischer Flugzeuge verhindert. Die dom ägyptischen Parlament beschlossen« Prote st kundgeb ung ruft die Intervention des Völkerbundes an. Die Kammer betont neuerlich die vollständige Unabhängigkeit Aegyptens und des Sudans, welche Länder untrennbar miteinander verbunden seien. Die PavlamentSsestion 'wurde durch königlicher Dekret um einen Monat verlängert. Me verlautet, soll die Auslösung des Parlaments bevorstehe-n. Kairo und Alexandria wurden gestern von englischen Truppen in geschlossenen Formationen durchzogen. Die englische Garnison von Kairo hat eine Par ade veranstaltet; solche Paraden sollen in den. wichtigsten Garnisonsstädten Aegyptens stattfinden. Die ägyptischen Eisenbahnlinien werden durch Luftgeschwader und einen englischen Panzerzug. kontrolliert. Zum Pol'izeid'.enst in Kairo, Alexandria und Port-Said wurden SchMbefatzungen herangezogen. Die Proklamierung des angekündigten Belagerungszustand«- kommt gegenwärtig nicht in Frage. Zur.Verstärkung per Kritischen Flotte vor Alexandria sind, wie aus Malta genieldet wird, die englischen Panzerschiffe ,^8alian" und „Benbow" mit 2400 Mann in Aegypten eingetvofsen. Uebrigeus sind drei Kreuzer von Malta nach Alexandria abgegangen. Die Panzerschifft ,Malaha" und ,/Jrom Duke" sind aus Malta mit unbestimmtem Ziel ausgelaufen. Wahrscheinlich werden sie sich ebenfalls nach Aegypten begeben. Gin Komplott gegen MlenVy? Wie aus Kairo gemeldet wird, Hai die Polizei heute morgens wer Männer verhaftet, unter der Beschuldigung, ein Komplott gegen LordAllcnby vorbereitet zu haben. Steine neuen Maßnahmen. Außenminister Austen Chamberlain brner. heute wit Kriegsminister Evans, Generalstabschef Cava« und Admiral Lord Beatth über die Aegypten gegenüber za ergreifenden Maßnahmen. Wie verlautet, beabsichtigt die Regierung nicht, neue Verstarkunjgen nach Aegypten zu entsenden, doch werden die Truppensendungen, die noch vor der Demission Zaghlul Paschas beschlossen worden waren, durchgeführt. Die englische Negierung will, wie verlautet, zuwarten, bis das neue ägyptische Kabinett zur Lage Stellung genommen hat, da man hofft, daß durch die Ernennung Ziwar Paschas zum Ministerpräsidenten die Krise in friedliche Bahnen gelenkt worden ski. Die Mitglieder des Kabinetts wurden ersucht, London bis auf weiteres nicht zu verlassen. Auch Muffolinl macht seinen Krieg. Tripolis, 25. November. (Havas.) Am 23. November ist eine italienische Kolonne .in das Gebiet der Syrt« eingedvungen und hat das Lager Ibrahims; des Sohnes Ramadan Suehlis, der im -Jahve 1915 durch Verrat den Rückzug der Italiener verschuldet hatte, a ngegriffen. Ibrahim flüchtete. Fünfzig Aufstau, disch« (?) wurden getötet. Set Regierungswechsel in China. Peking, 25. November. (Reuter.) Durch ein Dekret toirto ^das Kabinett mit Tuantschij ui als Mnvffterpräsident und ^^zeitweiliges Staatsoberhaupt ernannt. Das neue Kabinett erhält dadurch sein charakteristisches Gepräge, daß es zahlreiche Anhänger Tuantschijui- und keinen Fengyühfiangs enthält. khamberlains Besuch bei Hmist. London, 25. November. (Reuter.) Amtlich wird bekanntgegeben: Auße-nminister Chamberlain wird am 4. Dezember von London ab reisen und am .5. in Paris beim Mirnstevpräsidenten Herriot das Frühstück nchmen. Vertrauen der Kammer für Herriot. Paris, 26. November. (Havas.) Im Anschluß an eine Interpellation deS nation-a-lsoziallftischen Deputierten Tairhenger, woher die ForvdS, aus denen die Uebevführung der Leiche Jan re S' in das Pantheon bestritten wurde, stammen, stellte Herriot di« Vertrauensfrage. Die Kammer votierte Herviot mtt 313 gegen 20S Stimmen das Vertrauen. Ser verlorene Marokko-Krieg. Primo de Rivera verläßt Marokko. (Eigendisust >der „Wiener Morgen-zsitung".) Paris, 25. November. Nachdem der Rückzug der spanischen Truppen auf Suk el Arba sich zu einer furchtbaren Katastrophe gestaltet hat (ganze Truppenteile wurden von den Marcittanern umzingelt und die Verluste sind ungeheuer), findel nun, wie „Matin" erfährt, der Rückzug der spanischen Truppen feine F o r t s e tzn n g; er wird gegenwärtig durch das .schlecht« Wetter sehr behindert. Auch in der Zone von Larrasch sind die spa-mschen Truppen genau so wie in der Tetuanstellung in vollem Rückzug. Nach >den letzten Meldungen, beabsichtigt-der Diktator Pri-mo de Ribera, Marokko zu verlassen und nach M a d r i d zurückzukehren. Ob -unter den gegenwärtigen Umständen es für Rivera rötlich ist, nach Madrid zu kommen, erscheint sehr fraglich. General Nattzufins wird begnadink. Paris, 25. November. Dem „TempS" zufolge, hat dm französische Regierung beschlossen, General d. Na thus i u 's zu b e g n a d i g e n. Der Präsident der Republik soll den Begnadigungsakt ^bereits unterzeichne^ haben. Ser Ausmarsch der deutschen Parteien. Berlin, 25. November. (Tel.--Kcmp.) Die Prüfung der beim Reich^'wcchlleiter eingereichten Wahlvorfchläge Hai ergeben, daß in Deutschland nicht weniger als 2 5 Parte i e n in den Wahlkampf eintreten wollen. . Unter ihnen sind nur 8, denen irgend eine politische Bedeutung zukommt. Bei den übrigen 17 Parteien handelt'es sich mau alle möglichen Interessenbengruppen, Mieterschutzverbände und dergleichen und drei AufwertuugSPavteien. Sie Vudavefter Prozesse. Die Marffy-Bande. - (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 25. November. Das gestrige ^Verhör des .Polizeihauptmannes Dr. Schweinitzer hat entscheidende Bedeutung für den AuSgang >der Verhandlung gegen die Doimbenwerftr der Erwachen-den Ungarn. Der, Stcvdthauptmann hat authentisch festgeleat, daß sämtliche Be.schuil- 'dvgte, ohne daß irgend welche Zwangsmittel gegen sie angewendet wären, und ohne von ihnen ein Geständnis zu erpressen, freiwillig und offen die Wahrheit gestanden und eine detaillierte Beschreibung des A tt e n t a t S gegeben haben. Die Angeklagten nahmen die Enthüllungen des StadthaüptmanneS -bestürzt auf und hielten, wie während «bet ganzen Verhandlung, unverändert an den Lügen fest. In «der heutigen Ve'chandlung wurde das Verhör der gerichtsärztlichen Gu-tachter vorgenonrmen, die sämtliche erklärten, daß sie seinerzeit die Angeklagten bei der Polizei einer Untersuchung unterzogen und hiebei festgestellt -haben, daß «bei kemem einzigen irgend eine Verwundung oder Beinlbrüche vorzufmden waren. Hierauf verlangten die-Verteidiger die Vorladung von achtzig neuen Zeugen, darunter den Ministerpräsi-deirten Grafen Stephan B e thle n und den Mnister des Innern Rakowsky. Der Senat wird seinen EntMuß erst Freitag ftillear. Die Panama-Geschäfte. Budapest, 25. Novsmber. Der Angeklagte Eskütt sprach heute wieder tu längerer Rede über die Form, in der verschiedene Panama-Geschäfte führt.worden sind. Hiebei griff er wieder den verstorbenen Ackevbaiuministsr Szabo-Nagyatad a«n. Usber Auftrag des Ministers hätten die Offerenten, die ihm zuvor gewisse Beträge gegeben haben, ihre Gesuche überreich^ in denen der Preis weggelassen war. Der Minister, der Präsident der Ko-mm-ission war, die die Gesuche zu öffnen und über sie zu entscheiden «hatte, .ha-be mit ihm verabredet, daß er ihn nach Eröffnung der Offerten durch ein Glo cke n srg nal in den Sa«nl ruftn werde. Er müsse dann sagen, daß Minister Haller den AckevbaumiNlster dringend zu sprechen «wüN«s che. Wahrend der Minister sich nun für kurze Zeit mit den Gesuchen entfernt habe, sei m die Offerten soiner Klienten eine das h ö ch st e A n g e b o t der übrigen Konkurrenten um einige Heller übersteigende Summe eingetragen woriden. Dieser Vorgangsei bei H a fe r l i e f e r >n n g c r beoba chtet worden. Die eentptbeteri „NePszava"-NedakLeure.; Budapest, 25. November. Wie tit politischen -Krsisen verlautet, hat die Staatsanwaltschaft die Wiederaufnahme der Untersuchung in der Angelegenlheit der Ermordung der Redakteur« der „NePszava", S o m o g y i und B a c s c o, angeordnet. In dieser Angelegenheit soll als Halkptzruge

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