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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-26 · Heft 2073 (26.11.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2073 (26.11.1924)
Date
1924-11-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IPolen tOoromI Wiens Zum Abholen in 6er Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleiastelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien tjui'ch die Kolporteure der' Firma Goldschmied, 1» Bei., Wollzeilb 11 Mil Post Versand für Wien 6 Oeeterr. monatl. K 40.001 Tsehee H o-S 1 owa k ei Mon. K20. Jugoslawien; Mon. DinaröO. P o 1 e n: Mon, S1/» Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Fr an kr., Belgien: Mon. Frcs. 15 UV" N«etmatil u a? *W hei Prelferhöhunren ' «orbehaHae Rr. 2673 Wiemr . ♦ Men. Mittwoch. 26. November 1624 : J Preis R 14001 l^pnglandt Mon,4 Schilling, a I i e n t Monatl. 15 Lire, ■^R aminies Mon. 150 Lei, Bulgarien Mon. 80Lews, Schweix and das übrige Ausland monatlich Fros. 4. Redaktion u. Administration Wien, II* Taborstr. 1—8 feiophone: 44-0-3^,43-3-19. Ah6Uhr abds. 21-102,25-282 ’X. Universitätsstrasse 6— (Druckerei^Steinmann) Oesterreichischea Postsparkassen -Konto Nr. 150.693 6. iiahroon» Am den Sudav. ' —y. Wie«, 26. Noierubtr. -Ter englisch-ägyptische Konflikt' scheint trotz oder infolge des scharfen Vorgehens der konservativen Regierung in ein ruhigeres Fahrwasser zu -kommen. Zaghlul Pascha, der sich zwar als Ministerpräsident von dom überhitzten Nationalismus seiner Partei entsernt hatte, aber doch der Idee der vollen Unabhängigkeit des Landes und der Bereinigung mit dem Sudan zu neigte, ist von seinem Posten geschieden und hat dem gemäßigteren Senatspräsidenten Ziwar Platz gemacht. Der Abzug der ägyptischen Truppen aus dem Sudan ist einigei'leitet worden, englische Kriegsschiffe sind unterwegs, die englischen Garnisonen halten demonstrative Paraden ab. Die ulümative Fassung der ersten Note'hat inzwischen viel von ihrem bedrohlichen Charakter verloren. Die Frist ist aE>- gelausen und die Forderungen, die England stellte,' sind im großen und ganzen erfüllt, worden. Strittig scheint nur die Frage der Bewässerung der Ebene von Gezireh zu sein. Dieses riesige Baumwollgebiet durfte bisher gemäß einer alten Konvention nur zu einem Dreißigstel unter Wasser gesetzt werden, wodurch die Ertvagsfähigkeit nicht voll ausgeuützt wurde.- Die englische Baumivollindustrie führte sehr erregte Klage über diesen Zustand, dessen Beseitigung keinem Interesse der Aegypter entsprach. Diese Angelegenheit ist wohl die wichtigste in der Liste AustenChamberbains und ihre RegMng ist, - wie die Dinge liegen, das Haupthindernis für, eine brüske Aktion.^ Es ist eiye/ rein wirtschaMche. Frage, die, nur dmchgchulldiges Verhandeln M-lösen ist. Daß das seit Ä Jahren' bestehende Kondominium irn Sudan, vom mittleren Nil bis zur Ügandaigrenze, nunmehr sein Ende findet, ist sicher. Rein praktisch hat es me existiert» Die' ägyptischen ' Garnisonen vertraten . lediglich.dieFlaggenehre, unterstanden übrigens insgesamt .dem. englischen MMtärwsidente'n in Ghartum. Die kontrollierende und ordnende Funktion mußte das englische' Diilitär besorgen, das /die nicht zu unterschätzende Tat der Ausrottung des SNlavenhandels. vollbracht hat, ein Werk, an das man bei der Beurteilung der Äreitsrage nicht vergessen darf. Die ägyptischen Truppen, die im Handel mit'Negern und Negerfrauen nichts Anstößiges erblicken.und sich in ihrem Desinteressement'auch nicht' durch' die vielfach vorhandene mohammedanische Glaubensgemeinschaft beeinflussen ließen, kamen für die Abstellung der M-enschenjagd nicht in Betracht und konnten nur. für untergeordnete Polizeizivecke Verwendung finden. ' Eine politische Orientierung im europäischen Sinne des Wortes .ist bei ihnen nicht vorhanden. Doch stehen diese ahnungslosen Kinder naturgemäß unter. dem vollen Einfluß ihrer an den englischen MNtarschulen ausgebildeten OMziere, die hon der großägyptischen, antienglischen, und antieuropäischen Strömung ersaßt sind und ihr mit fanatischem Eifer dienen. Diese großägyptische Adee wich fiir gewöhnlich als Panarabismus angösprochen. Sehr zu Unrecht, denn einen solchen in der geschlossenen Form einer einheiUch auftretenden und zentral geleiteten Organisation gibt es nicht. Die arabische Welt ist noch nicht über die ersten Anfänge politischer Arbeit hinausgekommen und die Kämpfe um Mekka und den Hedischas zeigen klar, daß die alte Zersplitterung und der Stanrmesseparatismus weiter bestehen.. Das genreinfame Band aber, das alle' Araber wie die Orientvölker überhaupt -vereinigt und vielleicht einmal in fester politischer Form erstarren wird, ist der tiefe, leidenschaftliche Haß gegen die Kolonialmächte, die sich, wie die Geischichte lehrt, diese Todfeindschaft ehrlich verdient haben. Dieser Haß ist jetzt in Kairo in dem Attentat aus den persönlich sehr beliebten und humanen General Lee Stack explodiert. Er zeigt sich aber auch in Marokko, in Tripolis, iy Massaua, überall dort, wo die Bajonette der europäischen Soldaten glänzen. Aber diese orientalischen Hasser find in ihrer Umrfahrenheit und Naivität weiches Wachs in den Händen ihrer vom europäischen Geldgist angeftessenen Führer, die sich von den einzelnen europäischen Zwingjherren gegen ihre momentane Konkurrenz mißbrauche lassen. Der Genfer Kurs bleibt. Jas Fümnmvose Jr. Ahms. — Keine Aendemng des" - zielten Stzstems. — JlvanssfufionierNng der notleidenden Bmrlen. — Für den Frieden mit den Ländern. Der mm FinauMNtister Dr. Ahrer benutzte die gestrige Sitzung des FiivanG- und BudgetauSschusies, in der die Ge-uevalde-batte über dem Bundesvorainischlag aus der Tagrsochuumg stand, wtM um sein s inan'zu ir d w i r tschastpolitisches Expose zu evsilaMen. Er steht, Wie er sagte, aus dem Boden des vorliiegenden Budgets, - beruht doch der Voranschlag in seinen Ziffergrenzen auf dem vom Nationalwt zur Kenntnis genommenen Genfer BereinbiL'rungen, deren strikte Einhaltung sich auch die gegenwärtige Regierung zur Aufgabe Mellt hat. Ohne auf Einzelheiten des Voranschlages e'imzugehen, brachte der Minister einige Details zur Sprache, so unter anderem die Tatsache, daß von den 10,5 Billionen' Bundesausgaben fast sechs Billionen die Beamten- und Pensionistenbezüge anismiachen. In diesem Zusammenihainge betonte er die in Genf Über-Mmimem Verpflichtung, den Pe.rfonala bb an zu b e sch l e U n r g en„ wie Wohl ..bereits 81.000 Beamte abgsbcvuit sind. Da wesentliche BÄKim-kmingen der lAMmgäsetzullweH mit JHresende «Her Krafti tvetem,. die ) MtiWWWn'we- NW MÄMchien) find' n eue . gefetzl iche Maß nahmen nottvendig. , Zum Mreit übär'die AbgMnteilnng hemeEe DWor' Ah r e r, er beabsichtige vorläufig das MgalbentsNmdgsgösetz in der 'jetzt in OeAuing stehenden Fassung durch^uführen. Für die Begleichung der Rückstände des Bundes lan die Lander» machte er zwei Vorschläge. Den ganzien Fragenkomplex iivolle er nur im Einv ernehmen mit den Ländern lösen. ' In Besprechung der S t a a t s s ch u l d e n verlangte er, daß der Nailionnlvat den Staatsvertvag mit der Dschecho- Slowlaikei über die Regelung der AltkronoUschuLdLn rnlschestens verabschiede. Er NlUgierte auch die Erledigung der Vorlagen über die Ermäßigung der Körperscha>stsste>ll>er, der allgemeinen Erwerbsteüer und der ilan'senden Boreinzahl'wngen, und wandte sich daun der Erörterung der Lage der Bundesbahnen zu. Der Miüister konnte die Berisicherüng geben, dnß die Gebarung der Buludesbahuon sich im Rahmen der VoranschlagsgrenMN beluege und daß auch die zuletzt zngestv'ndenen BezugSsrhölhungen aus den eigenen Mitteln der Bundesbahnen wevden bestritten werden. Mit großer Besriodigung konstatierte Dr. Ahrer daß der Gsbarumgsersolg der neuen ersten Monate des Jahres, durchaus günst'ig war. Der Abgang bei der Hoheits- Vevivalltung war um 545 M il>liarde.n günst iger als der Voranschlag, die Nettoabfuhr der Monopole um 1 48,3 Milliarden großer. Ungünstiger als Mch dem BorauschlD war der Erfolg 'der BundeKbetrisbe um rund 236 MMiardm und der Eisenibahnen um 145 Milliarden, so daß der G e s a m t a b g a n g im Erfolg per.292 Milliarden gegenüber der Bovainschlagsquote um 213 Milliarden geringer ist. Der Minister unterstrich die Erklärung des. neuan Bundeskanizlevs, daß neben der Herstellung des Gleichgewichtes im Stvi.ntslMshälte das unbedigte Festhalten an der Stabilität unserer Währung für die Au'frrchtuirlg unisercr Wirtschast Borallssetzung ist. Die Krise dieses Jahres habe den Bachchatz. der Notenblink zwar 90 Millionen Goldikvonen gekostet, hiervon sind aber derzeit bereits 85 Millionen lau die Notenbank zurückgeflossen. Die Bardeckung unseres Notenumlaufes beträgt Mitte November 51 Prozent, gegenüber einem satzüngsnnißigon EvfovdeMls von 20 Prozent. Bon der Freizügigkeit des Verkehres mit Msssändischert 'chb^^nigLucilteln er», wartet. sich der Minister e>ine wellere . Z u n a hin e d. e s Zustromes von auslä ndische m Ka Pi tal mnd eine Kräftigung des Wtener Platzes >its.Ver- MitWungszentrum' für den Aneiticlnsch der ost-' üinid i westländischen Devisen. Das Zuströmen laustärdiscl-ien Kapitals werde vielfach die Form des Erwerbes österreichischer. Papiere annvhmen. ■ . . , Dr. Ahrer kündigte weiters die EmbvMMlNg'von Borogon über die E i n s ü h r u n g der S ch i l l r n g r'e ch« nüng und über ' . fakultative Goldsinanzen an. Er betrachtet diese zwei Fragen als aktuell, nei.de aller den nraßgelbenden Interessenten vor Einbringung speziell der Borlage über die Goldbilanzen noch Gelegenheit geLew - hiezu Stellung zu nehmen. Der Termin für die Einbringung evg-sbe sich aus den unerläßlichen Rücksichien äus die Tevmiue der Bilanzierungen. Der Minister konstatierte,' daß sich erfven'licherweisL in der letzten Zeit ,d\\ . ' ‘ Fortschritt der äuslSndischev Kapitalshetetsignstg ' . , i-m Inland zeige. Seit Wochen -feiein a n b alte n d e r Zufluß fremder Ka.pi4a.lsiem müh'^Oest^rresch>7 wahrznnshmen, der im Wiederan-wachsen des.-Dgrschatzetz der Nationalbank seinen sichtbaren Äusdruck Il'de und in der Erleichterung der VerlMtnifse aus^ dem Eeidmavkt und in einer V e r mi.it derung der lähmend e n'Kr editnot im' Geschäftsbevkehr fühlbar werde. Als besmdeves Moment sei zu erwähnen, daß sich unter den / e'nfließenden ausländischen Krediten zum «rstenmäl. auch langfristige befinden. Die' Befürchtungen-'wegen eines Wiederauflebens ungezügelter SPeMatiönen.'teile ernicht. Der Markt sei infolge der letzten' Krise tzr n n d l i,chg'ereinigst. Die Oesterveichische Nätionalbank Me die ' Herrschaft über den Geldmarkt zwm großen Teil wiedergewonnen. Die Regierung werde, soweit kreditpolit'.sche Mittel-zu Hölsen vermögen, auch in ihrem Machtbereiche alles tun, um möglichst bald den normalen -G e l d« verhältnissen näher zu kommem Im Interesse der Zahlungsbilanz werde er auch dem. Ansbäu der Wasserkräfte alle nrügliche Förderung angedeihen lassen und dem Nationalrat Vorschlägen, das Wasserkrastsördernngsgesetz zu erneuern. Er werde sich LeMhen, das Hypothekarkreditgeschäft sowohl für die La-ndwivtschast <cks auch für 'den städtischen Besitz wieder zu beleben, wofür allerdings die erste - Boraussetzung die Schaffung eines AnlaMmarktes ' im- Jn- und Ausland ist. Bezüglich seiner Bankenpolitik hob der Minister hervor, die Liquidierung der eben über-- sta-ndenen Krise .werde daMr führen, Haß wir in Hinkunst we--niger, aber dafür möglichst gutfundi'ertt Banken haben. Mit dem.Fusionsbegüustigunqsgesetz sei es nicht gelungen, schwache Banken zu Fusionen zu veranlassen, er habe daher die Absicht, die Wirksamkeit-sdaner des FusionsbegünstiHUngsgesttzes, das »mit iJahresende ab-' läuft, zu verlängern. Wenn aber lebensunfähige.Institute, die überdies während, der Krise starke Verlusteerbitten -haben, -nicht' aus eigenem Antrieb den angedeuteten Weg einschlagen, so würde er von dem Recht der . Auslösung ch Gebrauch machen, toenn das Haus ihm die dieshezützl.iche Gesetzesvorlage, welche im Finanzausschuß in Vcvhandkiug . steht, verabschiede. In absehbarer Zeit -werde, dem Hause auch Per Entwurf eines Bankendepotgesetzes und eines Geldrinlagegesetze's. vor- Ein Krieg in Aegypten wäre gerade aus dieser letzteren Erwägung heraus ein furchtbares Unglück. Er könnte, wenn ihn nicht die Maßnahmen, zu denen '^<8« lcmd greift, von Vorneherein unmöglich machen, kaum lokalisiert werden und jede Kolonialmacht würde iü * ihrem Annexionsgediet die Segnungen der Waffenzu verspüren kommen, die sie selbst geliefert hat. Der ' Krieg mn den Sudan wäre ein Krieg um Europa.' «otki-srts K 18.800 «?l.Bez„LlDlre i Wleizeils 44 2870

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