Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2072 (25.11.1924)
- Date
- 1924-11-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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7 MAß f Dkm, Divnckag sittlichen Gesellschaft erkennen, die eben erst die Aufsicht über die Uebung des Gesetzes in die Hände des Op-- tionS-Waber, des Werkzeuges der waffenklirrenden Hitlerianer, gelegt hat. Die Sanierung der Seelen ist in vollstem Gang und der Grabstein für Rafael ^insker ihr Meilenzeiger. Leutschlands HmdelsvertrSge. Die Verhandlungen mit Frankreich wieder ausgenommen. Paris, 24. November. (Wolff.) Die deutschfranzösischen Handelsvertragsverhandjungen sind heute um 3 Uhr nachmittags im Handelsministerium wieder ausgenommen worden. Beginn der englisch-deutschen Verhandlungen. London, 24. November. (Wolff.) Die Verhandlungen über den deutsch-englischen Handelsvertrag Wen heutte vornrittags im Handelsamt begannen. Mchaffnng der Listenwahl ln Frankreich. Paris, 24. November. (Havas.) Der Ausschuß der Kammer, der sich mit der Prüfung der Wahlreformfrage beschäftigt, hat das geltende Listenskrutinium verworfen und das Mehrheilsprinzip in der Form der Eirrzelwahl angenommen. Sa« Rumpsparlament notiert Mussolini Das Vertraue Rom, 22. November. Die Kammer hat mit 337 gegen 17 Stimmen eine Tagesordnung angenommen, worin der Regierung das Vertrauen ausgesprochen wird. 18 Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung. Ler Krrbergrr-Mrder Schuir in Konstantinovel. Belgrad, 24. November. (Tel.-Komp.) Die Polizeidirektion, die einen Steckbrief gegen den vor einiger Zeit auf jugoslawisches Gebiet geflüchteten E r zberger-Mörder, Heinrich Schulz, erlassen hat, erhielt heute die telegraphische Mitteilung der Konstantinopler Polizeidirektion, daß Heinrich Schulz in der Türkei eingetroffen ist und sich unter falschem Namen in Konstantinopel aufhält. Fnedhosschstadange« der tzakenkrenzler. , Berlin, 24. November. (I. T. A.) ,Jn der Pfalz nehmen die Uebersälle auf Mische Friedhöfe den Charakter einer Seuche am. Ter Lehrer Bernhard Grünbaum in Osthofen (Rheinhessen). schreibt dem Hamburger ,^Israelitischen Familienblatt": „Nach dem Muster Bis Wangen bei Augsburg übten die bayrischen Teutonen, zweimal nacheinander ihre Schandtaten aus dem israelitischen Friedhof in Lambsheim aus, Wo sie vor einigen Wochen mehrere Gräber schändeten und die Grabsteine zerstörten. Noch ist die Empörung über diese Schandtat nicht gestillt, als wir die traurige Kunde von einem muen Schauspiel niedrigster Art vernehmen, das sich auf dem zwischen Boben'heim und Roxheim in der Pfalz liegenden israelitischen Friedhof in der Nacht vom 7. zum 8. d. zugetragen hat. Nicht weniger als 16 Grabsteine sind dort den Rohlingen zum Opfer gefallen. Die israelitische Kultusgemeinde Roxheim setzte eine hohe Belohnung zur Ergreifung der Uebettäter aus. Trotz energischen Eingreifens der Frankenthaler Polizei sind die Täter bis setzt noch nicht ermittelt worden." Die Westfälische Völkszeitung" (Bochum) berichtet aus Husten: „Schmutzfingerhände besudelten fast alle -Grabsteine des jüdischen Friedhof'S. Allem Anschein nach, wie nach den Hakenkreuzen auf Len Steinen zu urteilen ist, scheinen es junge unerfahrene Bürschchen gewesen zu sein. Ter Vahkottausrnf des Ku-Klnx-Klan. Gegen Katholiken, Inden und Ausländer. New-Iork, 24. November. (Tel. der „Wiener Movgenz.uung".) Ter „New-Dovk World" veröffentlicht jetzt ein Ge h eim z i r l ula r der Klan lei tung an die Mitglieder der Geheintoraanifatirn mit dem Appell, der nen-en gegen Katholiken, Juden und Aus-, lau der gerichtten Bcykettorganisation beizutreien. Jedem Geschäftsmann, der in feine Schaufenster das Zeichen 'ber Organisation „T. w. K." (Trade with Klans — Handel nur mit Klan-Leuten) ausstellt, soll« von den Klaus protegiert, alle anderen' hingegen mit allen Mitteln verfolgt werden. Eine der größten Firmen bom Ehikago, Robock u. Com p., an deren Spitze bis vor kurzem der bekannte jüdische Vorkämpfer für die Rechte der Neger, -Julius Rosen Wald, stand, mußte bereits der Boykottaktion der Klans das Opfer bringen, daß die jüdischen Präsidenten der Gesellschaft, Rosen Wald und Albert Loe b, sich mußten. (Von der „Wiener Morgenzeitung" bereits hek a n n t e n M i t g l i e d e r n des Ku-Klux-Klan überlassen mußt n. (Von der „Wiener Morgenz-eitnng" bereits berichtet. Die Red.) Julius Rosenwald hat hauptsächlich wegen seiner großzügigen Aktionen zur Verbesserung der Lag« der Neger, für welche er im Lause der Jahre viele Millionen Dollar opferte, den Zorn der Klan- Leute aus sich gelenkt. In vielen von Negern stark bevölkerten Städten ließ Rosenwald auf eigene Kosten Schulen und sonstige W-Hlsahrtsanstallen für Neger errichten. In hW^BoMWMar vHd LHgWet, haK WM Ktz Mener Morgenzeltung. L8. Novenrber 16S1 , ' Rv. RM liken als auch die Juden im gehe-tmen nur für ilhve l Glaubens- und Stanimesgenosien tätig und dem echten Amevilbauertum schädlich und' gefährlich seien. Gegen diese „doppelte Verschwörung" soll nun die Boykottaktion des Kn-KlnxMain als verläßlichstes Mittel einsetzen. Ein neuer Attentatgdersuch der Erwachenden. Budapest, 24. November. Die Erweichenden ha>ben gestern dem PolizeÄMptwann Dr. Schweinitz er ein Paket mit einer Ekrasitbombe ins Haus zustellen lassen. Der mit der Uebermittlung betraute Junge, ein Selchergehilfe, schöpfte Verdacht und tmg das Paket zur Polizei. Die Recherchen ergaben sofort ein Resultat. Drei junge Leute!wurden verhaftet. Sie sollen der Franzstädter Erwachendenfiliale angehören, deren Leiter Marffy war. Dr. Schweinitzer führte seinerzeit die Untersuchung in den Attentatsaffären, vies- 'halb er sich den besonderen Haß der Mordgesellschaft zrrgezogen hat. Der Bombenanschlag, der chm am Sonntag zugedacht war, sollte ferm für heute angesetzte Aussage M dem MarffY-Prozeß vereiteln. In der heutigen Verhandlung wurden vorerst hie Protokolle nrit Marffy und Varga verlesen», Beide leugnen natürlich, die in diesen Protokollen niedergelegten Geständnisse gemacht zu haben und 'behaupten, sie seien ihnen erpreßt worden. Sodaimr wurde Polizeiihauptmamr Dr. Schweinitzer unter großem Aufsehen vernommen. Gr gibt zunächst Einzelheiten über das gegen ihn versuchte Attentat bekannt. Er gibt sodann, übet di« Untersuchung befragt, welche er gegen die Angeklagten Rado und Marosi geführt hatte, an, daß es ausgeschlossen fei, daß die Angeklagten in der Untersuchung geprügelt wurden. Angeklagter Rado, der die Angaben des Polizeihauptmannes als unwahr bezeichnet, ruft erregt Schweinitzer zu: Sie sind ein. Schurke und ein Mörder! lieber Rado wurden wegen dieser Aeußevung fünf Wochen verschärfter Einzelarrest verhängt.; Ueber den Verteidiger Dr. Bartender die Beschlagnahm« des KassabucheS der Schutzabteilung der Erwachenden Ungarn mit der Begründung verlangt, daß es, jvemr man es spater brauchen sollte, verschwinden könnte, wurde eine Geldstrafe von einer Million Kronen verhängt. Während einer VerhandlungsPaNs-e erschienen Polizisten rm Saal und nahmen den Angeklagten Marffy in die Mitte, während die Gefängniswärter von ferner Seite weggeschickt wurden. Nach Wedereroffnuing der Bechcvndlung richtet der Verteidiger Kiszely töe Frage an den Vorsitzenden, was die Ursache dieser Maßregel sei. Der Vorsitzende erwidert, daß die Gefängniswärter abgelöst werden müßten, weil Grund zum Verdacht bestand, haß Marffy durch seinen Gefängniswärter einen Brief aus ^dsm Verhandlungssaal schmuggeln lass«» wollß. stskötts BeüeMger ttw znrSck. (Ei-gendrenst der ,-Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 24. November. Ein heute früh erschienenes amtliches Commmiique weist energisch die von Esik ü t t gegen den toten Mnifter S z a b o erhobenen Beschuldigungen zurück. Eskütts Verteidiger Dr. Edmund' Weiß hat hemte vormittags bei Eröffnung der Verhandltung die ErWrung abgegeb-n, daß er die Verteidigung EsküttS zu rück.legen muffe, weil dieser nicht das nötige Vertrauen zu ihm «Hab« und ohne Harmonie zwischen RschtSanwa.lt und Klienten eine Verteidigung -wicht möglich fei. Der Vorsitzende hat diese Erklärung zur Kenutinis gsnommen. Eine Unterbrechung in -der VerihanAung tritt jedoch -nicht ein, da für Eskütt auf dem Amtswege ein -neuer Verteidiger bestellt wurde. Die .heute einvernommewen Zeugen stellen -nicht in Abrede, Eskütt für die Besorgung jeder Ausfuhrbewilligung Geld gegeben zu haben. Eskütt habe erklärt, daß dieses Geld für patriotische Zwecke bestimmt fei. Di« Angekagten B e n >o f o und Frau T ö m 5 r belasten Eskütt. Die Verhandlung wird morgen fortgesetzt. Sie Konferenz der Nachfolgestaaten in Rom. Am 13. d. haben sich, wie die Politische Korrespondenz m-eildet, die Experten der Nachfolgestaaten in Angelegewheitenvon St-i ftungen,F-o-nds -undKörperschaften versammelt, um das ziu-r V-evfüigjU'ng stechende Matsviail für die Arbeiten der am 1. De.'/mber dieses Jahres nach Rom ei-nbevufenen zwischenstaatlichen Konferenz voMbereiten. Die Arbeiten dieser ExpertewikoNferenz werden in der nächsten Woche beendet werden. kin kroattscher Baaeradepatierter im Kabinett Pafir. ' Belgrad, 24. November. (De-l.-Komp.) Der shemaKgie Abgoord-uete der Radiic-Pi^ürtei, D r i n k o v i c, Hot vom König die Berufung erhalten, in die R e g i« r u n g eiwziutreten. Drinkovic hat die Berufung angenommen. Er wird dem Wahlkalbineit P a f i c - P r i b i c e v i c als. M- -nister ohue P-ortefeuille angehöven. Drinkovü wurde wegen der Annahme des Sitzes rm Kabinett von seiner Partei, der „Kroatischen Vereinigung", ausgeschlossen. Die Kroatische Vereinigung, die sich bisher nicht ausdrücklich zur republikanischen Staatsform bekannte, teilt bei diesem Anlaß mir, daß sie sich auf die Grundlage eines republikanischen Vrpgramms gestellt hat Jugoslawien verlangt ekae Freizone in Saloniki Di« Vorschläge für di« Erneuerung des BttndMes mit Griechenland. Belgrad, 24. Wve-rMr. (Tel.-Kvmp.) Die Rs(sierung hat Me Note nach Athen abgesawdt, in welcher sie die WiVdera-ufnahme . der Verhandlmlgen wogen Abschlusses vmeS griechisch-jutzvflaw>v>sche.!n FreundschaftSvertrageS von folgenden Bchingungen ab«, hängig macht: 1. AnerVeninmlg -der -in den Bezirken Saloniki, Dodena und Mögen ansässigen Slawen als Serben. 2. Besvomng der jugoslawischen Waren von den^Hafeni gebühren in Saloniki. 3. Rtickstellung der in"dem ser> bischen WtzvnnvmtenNofter auf dem Berge Athos requirierten und zur Unterstützung der . griechischen Filüchtlinge verwendeten Güter an das Kloster. 'Die griechische R-egieMNg' hat in BekgraL wissen lassen, daß ihr an «in-em baldigen Wschkch hex Bechandlungen gekegen sei. Iie Besprechungen Ar Samuels mit General Wetzsand. Jerusalem, 22. November. Am 16. d. fanden hier die Beratungen der Oberkommissäre von Erez Jsrae-l und Syrien^ Sir Samuel und General Weygand, statt. (Siehe ,^Diener Morgenzeitung" vom 15. d.) Die Besprechungen hatten den Zweck, alle Schwdevigkoiten, die noch zwischen den Verwaltmmgen der beiden Mandatarmächte Heftchen, -u lbefeitigen und ein System der Zusam-. menarbeit zu fixieren. Insbesondere sollen die PlänkeLeien an den Grenzen mit allen Mitteln unterdrückt und «S st>ll o'me bessere VerkehrSmöglichkert zwischen den beiden Landern gefchafsen werden. In den Beratungen nahm die arabische Frage im Zusa-nnmnhamg mit den Kämpfen tot HedschaS, dom Sturz des Exkönigs Hussein und der Stellung, die jetzt der Wa'häbitensiihver Jbv Sand, der Sultan des Nejd, emnimm^ einen besonderen Platz ein. Eine wichtige Roll« in den ratungen spielte auch die Frage des Baues eimr Ei s e n-!b a h n zwischen H a if a und Beirut. Tluch wurde dav« über beraten, daß die Grenze am Kinerechsee in Galiläa so gezogen wirddaß der ganze See dem palästinensisch e n G e b i e 1 vinverlecht wird. Aus Anlaß der Anwesenhott General WeygcnM fand im Regierungsgebäiude «in offizielles Diner statt. Herbert Samuel.wie auch General Weygand hielten bei dieser Gelegenheit Ansprachen^ im welchen sie auf die politische Lage rn PalüftWa Wd Syrien hmwießen. Samuel sagte UWesähr: Wir verwalten keine Kolonien, Men keine Protektorat« aus, sondern wir verwalten Maudat8land e r. Das ist etwas Neues Är der 'Gcfchrchtej das Haupt- 'chavakberKstiknm ' dieser Form 'von Verwaltung ist die Deranttvorllichkott, die wir gegenüber dem Völkerbund sn bezug aus unsere Verwaltung haben. Bei meiner Aw wesenhest in Genf im vorigen Monat merkte ich . welch' großes Jnteresie die ständige MaudatSkommif. sion deS Völkerbundes allen Angolegenhoiten unserer Verwaltung «ntgsgentbringt. Unsere Pflicht ist es, in fairer Weise die Zusammenarbeit der beiden Mandatsverwaltungen, der sranzüsischen wie der bvttifchen, zu fördern. General Weygand empfing die Dertvetor der Pveff« Palästinas und erklärte Hnen, er wolle in Gemeinschaft und Freundschaft mit Herbert Samuel zusammenarbetten. Er sei mit den Ergebnissen seines Besuches zufrieden. Gr betonte seine Ueberzeiugüng, daß für Palästina und Syrien die Möglichkett einer gute« Zusammenarbett bestehe. Der.Fortschritt, der in Palästina gemach t w o r d « n s ei, freue ihn sehr. General Weygand erklärte, dem . Laude baQ wieder einen längeren Besuch abstatten zu wollen. Girre Seklweations-otschaft. New-Vork, 24. November. Anläßlich der siebenten Wiederkehr der Baffour-Deklaration übermittelte der IhMsche Botschafter in Washington, Sir Esme He wa rd, an das zianistrsche Meeting in Now-Bork folgende Botschaft: „Es freut mich sehr, der ziowistifchien Versammlung in New-Dork gelegentlich des siebenten Jahrestages der Balfour-Deklarativn eine Botschaft zu übersenden, in welcher ich das stetige und tiefe Interesse. meims Vaterlandes für die Anstrengungen, «fot jüdisches Nationalheim in Palästina zu errichten, zum Ausdruck bringe sowie auch meine zuversichtliche Hoffnung auf das' künftige Gedeihen dieses Landes unter dem vom Völkerbund Großbritannien übertragenen Mandat und mit der Hilfe und Un-terstützima der zionistischen Vereinigungen der ganzen Welt." PaMina leine Dnrchrvgsftatton. Berlin, 24. November. Wie die «I. T. A. erfährt, hat sich das^ Bereinigte Komitee für jüdische AuAwanderung (Ewig) direkt an die Zionistische Exekutive, in Jerusalem mit der Anfrage gewendet, wie viele der infolge des amerikanischen iJmMligratrons-ernschränkungsgesetzes in den europäischen Häfen ge>strandeten Emigranten in PaWstim untergelbracht werden -Sonnen und umter welchen Bedingungen dies geschehen fern«. Die Exekutive erwiderte, daß in Palästina nur solche Immigranten Platz sindm lönuten, die da'8 Land zum st ä n d i g e n A u s e n t h a l t und nicht als Etappe für eine weitere Wanderung wählen. Jedenfalls könne — was die Erteilung von Einreisevifa betrifft — eine Bevorzugung dieser Emigranten gegenüber anderen nicht Platz greisen. Einige der Emigranten sind bereits in Palästina ein- MM