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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-25 · Heft 2072 (25.11.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2072 (25.11.1924)
Date
1924-11-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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INi«b 2önrotnr[ Wien: Zum Ahholen In dar Expedition,!!. Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K. 40.000 Strauenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1.8er., , Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien c. Oesterr. monatl. K 40.000 Tscheeho-Slowake i Mon. K 20. Jugoslawien. Mon. Dinar60. Polen: Mon. 31/» Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n V rn Belgien: Mon. Frei. 15 N«ohs«klnB("Vg W PrelMrliiniqaetB nrlxliimi lener «..in: Wien. Dienstag, 25. November 1824 I Preis K ijool England: Mon. 4 Schilling, Italien: Monatl. 15 Lire, Rumänien Mon .150 Lei, Bulgarien Mon,80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frei. 4. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstr.l—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19. AH6Uhrabds. 21-102,25-282 IX. Universitätsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreiehischea Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 6. Jahrgang äaMul Pascha zuröckgetteten. — Günstige Ausnahme der Kabinetts 3iwar Pascha. — Aegdvten erlegt die Geldbuße und räumt den Sudan. London, 24. November. Eine Reuter-Meldung ans K a l r o besagt: Das Kabinett ist zurLSgetreten. Der König hat die Demission angenommen und den Prafidenten des Senats Ziwar Pascha mit der Kabinettsbildung betraut. Ziwar Pascha, von Geburt ei« TSr ke, ist 60 Jahre alt. Vor dem Kriege war er Gouverneur von Alexandrien. Nach der Unabhangigkeitserllarung Aegyptens vertrat er Aegypten in London, von wo er zur Präsidentschaft des ägyptischen Senats berüse« wurde. In der Umgebung Lord Allenbys ist man der Ansicht, daß die Ernennung Ziwar Paschas, der ein KoalitionSkabinett bilden soll/ den Beifall der englischen Regierung finden werde. Dies wird dnrch eine halvoffizielle Renter-Meldung bestätigt, die bo'agt: Der Rücktritt Zaghlul Paschas .und die inzwischen erfolgte Uehernahme des Amtes des Premierministers durch Ziwar Pafchg scheint die Krise in Aegypten zu einem zettlveiligen S t i l l st atz d/achrächt zu haben. Man Mt eS lür^MrsOMWMM sich neu gestalten wird und wetterd britische Maßnahmen nicht . notwendig sein werden. Abzug der ägyptischen Truppen ans dem Sudan. Slus Port Sudan kommt die Nachricht, daß der Abzug der ägyptischen Truppen bereits begonnen hat. Die englische Aktion. K a i r o, 24. November. (Reuter.) Die verlangte Geldbuße von einer halben Million Pfund wurde erlegt. In Anbetracht der Nichterfüllung aller britischen Forderungen haben die britische« Truppen den Befehl erhalten, das Zollamt von Alexandrien zu besetzen. Die ägyptische Regierung hat zugleich mit der Erlegung der geforderten Entschädigungssumme eine Prote st n o.t e überreicht, die sich gegen die Zurückziehung der ägyptischen Truppen aus dem Sudangebiet sowie gegen die Forderung des Anfgebens jeglichen Widerstandes hinsichtlich der Wünsche der englischen Regierung in der Frage des Schutzes der ausländischen Interessen in Aegypten wendet. Diese Forderungen werden als nn gerecht fertigt bezeichnet. Generalvollmacht für Allenvy. London, 24. November. Das Reutersche Bureau meldet aus Kairo: Aegypten und der Sudan befinde« sich im B e l a g e r u n g s z« st a n d und Lord A l l e n b y besitzt die Vollmacht, nach seinem Gutdünken zu handeln. Im Kriegsinimsterium wird erklärt, daß ungefähr 15.000 englische Soldaten in Aegypten stehen, im Sudan jedoch nur zwei englische Bataillone. Die Admiralität gibt bekannt, daß die zwei Gro ß k am p s sch i f f e „Iran Duke" und „Malaya" nach Alexandrien und Port Said beordert wurden, während ei« l e i ch t e r K r e n z e r und z w e r Z e rst o r e r, die augenblicklich an der griechischen Küste kreuzen, iudenSuezkaual äbgegangen sind, Frankreich bleibt außerhalb &£ Subarrkonflikts. . , Paris, 24. NodEer.. Wvss,) Jn'fmWsifHenHplpmatischen Kreisen 'wird die. erHsffch^yptisch^KMse -mit größer Aüfmerksamkeit verfölgt uüd der Hoffnung Ausdruck pevkiehen, daß der' Konflikt dem Volkerbunh wsrde unterbreitet werden. Die fr a nz ö s is che MgievUNg, durch dais Äbkömmen betreffend die Aufvechterhältung des. englischen Protektorats in Aegypten gebunden, wird v o l lständig außerhalb des Konflikts bleiben. Der englische Außenminister Chamberlain wird sich auf seiner Reise nach Rom <vm 7. Dezember in P a ri s awHabten nn-d mit H e r r i o t eine Besprechung haben. Der Völkerbund nicht kompetent. Paris, 24. November. Der nach Gens zurückgekehrte Generalsekretär des Völkerbundes Sir Erik Drum m o n d erklärte, Aegypten könne einen Appell an den Völkerbund nicht richten, denn es sei . weder Mitglied des Völkerbundes noch habe es um fcitn'C 'Aufnahme angesucht. Der Völkerbundpakt sehe vor, daß eine dritte Macht im Namen eines dem Völkerbund nicht angehörenden Landes an diesen appellieren könne, wenn der Weltfriede bedroht sei. Da indessen England erklärte, die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten Aegyptens nicht anfgegöben zu haben, handle es sich im gegenwärtigen Falle um eine innere Angelegenheit zwischen England und Aegypten. Sir Drummond glaubt nicht, daß eine andere Macht den Fall dem Völkerbund Vorlagen könne. Weizmann vor dem Wlkerbmdrat. Die römische Tagung. '■ London, 24. November. (I. T. A.) Bei der Tagung des DöMevbuinidrates in Rom am 8. Dezember soll u. a. auch der Bericht der permanenten Mandats-kom- -mission des BölkeMwdes über. das .Palastinama ndat zur Behandlung kommen. Dr. Weizmann wird sich als Oberhaupt der Jewifh Agency nach Rom begeben, um bei der Behandlluaig des Berichtes zugegen zu Hein. Dom BAkerbundvat soll bei dieser Gelegenheit auch ein Memorandum der Italienisch-Katholischen Umon dorgelegt werden, in welchem gefordert wird/ daß die zionistische Bewegung gehindert und die Rechte der katholischen Kirche rn Palästina geschützt werden. Kreise, die der Italienisch- Katholischen Union für die heÄi-gen Städten' nahestehen, haben bereits in diesem Sinne intervsmert. Wie es heißt, üben dom Vatikan nahestehende Kreise auf die i t a l i e-. Nische Regierung einen Druck aus, daß sie in dieser Sitzung dos Völkerbund rates die Rechte der Christenheit in PaWstina ivahriiehmen soll. M u s s o l i n i soll angebli ch der Union eine diesbezügliche Zusage gemacht haben. Eine Vertretung der Jewrsh Agency beim Völkerbund. London, 24. November. (I. T. A.) Die Jewish Agency beschlossen, in Genf eine ständige Vertretung zu unterhalten, um in dauerndem Kontakt mit dean Völkerbund, der die Ausübung des britischen Ma,ndats zu iibertvachen >hat, zu bleiben. Asguith in Jerusalem. Jerusalem, 24. November. (Wolfs.) Äsquith ist hier eingetroffen.' Die Wiener Pogromjustiz. —y. Wien, 25. November. Der Apotheker Rafael Linsker war in der Vorwoche von einem Wiener Schöffengericht wegen des Verkaufes minderwertiger Heilmittel zu sechs Monaten Kerker und Verlust seines Magisterdiploms verurteilt worden. Die Verfehlungen, die diese schwere Sühne fanden, waren in einer Menge anderer Fälle mit geringer Strafe vom Magistrat im eigenen Wirkungskreis geahndet worden. Bei dem aus Solotwina in Galizien eingewanderten Juden/ mußte das höchste Strafausmaß angewendet werden. Seine besondere Böswilligkeit liegt in seinem jüdischen Bekenntnis. Maßgebend war dieses jüdische, allzujüdische Element: es fand seinen Ausdruck in der Auswahl der für das fürchterliche Verbrechen bestimmten Sachverständigen, die auf Vorschlag des Inspektors Hoher bestellt worden waren. Dieser Hoher hat im Vorjahre bei der amtlichen Bisitierung einer Apotheke, weil sie einem Juden gehörte, von „jüdischer Wirtschaft" gesprochen. Der Besitzer der Anstalt nahm ihn beim Kragen und setzte ihn vor die Türe. Es gab eine Verhandlung wegen tätlicher Amtsehrenbeleidigung und der Apotheker wurde freigesprochen. Besagter Hoher hatte nun bei Linsker amtsgehandelt, seine Fettvorräte beanständet und ihn vor den Kadi geschleppt. Urteil siehe oben. Linsker ging aus dem Gerichtssaal in den Tod. Er nahm Morphium in einer Dosis, die ihn für alle Ewigkeit den Künsten der Sachverständigen entzieht. - Der inappellable Protest dieses armen Maules hat für den Augenblick viel Aufsehen erregt, so viel, daß sich Wien einen Tag lang mit der Sache beschäftigte. Es wurde des langen und breiten über die Schuldfrage diskutiert. Alle gutdeutschen Bekenner der österreichischen Ordnung und. Gesetzlichkeit rückten aus, sagten ihr Sprüchlein her uNd zogen sich dann, stolz in der beneidenswerten Ruhe ihres Rechtsgefühles und Gewissens, wieder in ihre Schlupfwinkel zurück, bereit, jederzeit gegen eine Verletzung der Vorschriften auf der Wacht zu stehen. Insbesondere setzten sich die Sachverständigen, die in den höchsten Falsettönen gegen die Verwendung minderwertigen Paraffins aufgetreten waren, wieder befriedigt zur Ruhe und nahinen die Glückwünsche ihres vor schwerem Schaden bewahrten Volkes entgegen. Wieder a Jud' weniger. Aber dieser Jude hatte sich vor einen anderen Richter gestellt. Er hatte dieses Dasein von sich geworfen und in seinen letzten Briefen noch die Gesellschaft, die ihn diffamieren hatte wollen, angeklagt. Es mag sein, daß er sein Recht hätte weiter verfolgen können. Aber der durch die Kriegsnot aus seinem Heim gescheuchte, verbitterte Mann hatte nicht die Kraft, als Kohlhaas-Figur durch die Korridore der Justiz zu wandeln. Es blühten ihm ja weiter diese von Hoher vorgeschlagenen Sachverständigen. Er hätte seine Zeit und sein Geld vertan. Er schützte seine Ehre selbst und verkroch sich wie ein wundes Tier in ein Hotelzimmer, um zu sterben. Hat er Verfehlungen begangen — und ein Selbstmord ist ja an sich kein Beweis dafür oder dagegen —, so hat er sie weiß Gott schwer gebüßt. Durch die Experten, durch die Strenge des Urteils und durch seinen Tod. Der denen aufs Konto zu schreiben ist, die diese gar so wunderliche Welt auch noch durch ihre germanische Sittenreinbeit, durch ihr profundes Moralempfinden, kurz, durch ihre Hakenkreuzlerei verzieren. Es ist kein Einzelschicksal, das Leben und Sterben des Apothekers Rafael Linsker. Cs ist das typische Symptom der Heuchelei, der satten Tugend und der boshaften Judenverketzerung, ein Fall aus der Judenjustiz, die sich hier gebildet hat und darin besteht, daß Gesetz und Recht bei allem und jedem die Gretchenfrage nach der Religion stellen. Nicht daß gestraft wird, sondern wie gestraft wird, ist das Kriterium dieser niederträchtigen Tartüfferie, die sich nicht genug freuen kann, wenn ein jüdischer Sünder sich in das Spinnennetz ihrer Paragraphen verfängt. An dieser Judenjustiz und an ihrer von Woche zu Woche sich steigernden Tobsucht kann man am besten die vom antisemitischen Bazillus verursachte Fäulnis der so gerechten und VIEL GELD ersparen Sie beim Einkauf von Stoffen für Herbst und Winter, Damen- und Herrenwäsche, Leinen waren, Strick- und Wirkwaren, Teppichen, Vorhängen usw. MG" Im Warenhaus [Schiff mann il. Taborstraße 48 Telenhon 47-1-79 En gros En detail

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