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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-24 · Heft 2071 (24.11.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2071 (24.11.1924)
Date
1924-11-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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tSffle» "7k~ Me«, Montag Wiener Morgen-flknns. 84. November 1924 M. 8n unserer Handelsbilanz. Bon Dr. Viktor Grünwald (Petach Tikwah). 2. ES bestehen in Palästina noch große industrielle Möglichkeiten, zunächst zurDeckung des einheimischen Bedarfs, wie die Handelsbilanz zeigt, von der Ausfuhr ganz zu schweigen. Wir führen zum Beispiel die Knochen aus dem Laude aus und gleichzeitig importieren wir Kunstdünger, statt sie im Lande zu diesem Produkt zu verarbeiten. Ebenso exportieren wir unsere vorzügliche Gerste und importieren Bier für zirka 69.000 Pfund im Jahr. Ebenso importieren wir überflüssigerweise Möbel für mehr als 20.000 Pfund im Jahr, Fußbodenplalten usw. Seife ist unser zweitstärkster Exportartikel mit zirka 822.000 Pfund, dennoch importiert die jüdische Bevölkerung Toiletteseife aus Frankreich. Auch die Einfuhr von Parfüms ist ziemlich stärk, ein Artikel, der nnt Leichtigkeit im Lande erzeugt werden könnte. Zündhölzchen werden für mehr als 12.000 Pfund jährlich importiert, nunmehr denkt man daran, sie im Lande zu erzeugen Die im Bau befindliche Zementfabrik hat natürlich glänzende Aussichten, denn die Einfuhr von Zement ist enorm. Der Tabakanbau und die Tabakindustrie haben in den letzten Jahren wohl große Fortschritte gemacht, dennoch betrug der Wert der Einfuhr von Rohtabak, Zigaretten usw. im letzten Jahr fast 100.000 Pfund. Den Schlüssel zur Situation hält .unbedingt die Textilindustrie. Sie hat einen sehr großen inneren Markt und fast unbeschränkte Absatzgebiete in den Nachbarländern Palästinas, könnte daher große Mengen von Arbeitern beschäftigen. Alle bisherigen Unternehmungen waren klein und kapitalsarm und kommen kaum in Betracht. Nnnmehr wird von Wien aus eine Seidenfabrik hier errichtet, die eines der wichtigsten industriellen Unternehmungen tm Lande werden dürfte, dasselbe gilt von der Textilfabrik der Lodzer Industriellen. An Seidenwaren importiert Palästina jährlich für mehr als 60.000 Pfund. Textilien aller Art werden jährlich im Werte von fast einer M i l* lion Pfund importiert. Hieher gehören auch Teppiche, di« in ziemlich bedeutenden Mengen vor allem aus Persien kommen und ebensogut im Lande selbst hergestellt werden Knuten. Der Anfang hiezu ist schon gemacht, allerdings in bescheidenem Umfange. Was die Frage der Rohstoffe für die Textilien betrifft, so müßte in der ersten Zeit alles importiert werden mit Ausnahme von Schafwolle. Jedoch bestehen hier alle Voraussetzungen für den Anbau von Baumwolle «rd Flachs wie für die Seidenraupenzucht. Pie Regierung, die zugunsten einzelner Industrien Schutzzölle eingeführj hat, Hilst der Textilindustrie in keiner Weise. Der Grund htefür liegt wahrscheinlich darin, daß her größte Teil der Textilien gegenwärtig aus England kommt nnd die Regierung diese- Geschäft nicht schädigen will. lieber- Haupt ist England unser größter Lieferant und exportierte Nach Palästina im Jahre 1923 Waren im Werte von 1,122.240 Pfund. Dazu kommen britische Kolonien und Dominions mit 853.349 Pfund. An zweiter Stelle steht Syrien mit mehr als 800,000 Pfund, dann Deutschland mit fast einer halben Million Pfund, dann die Bereinigten Staaten mit 411.000 Pfund, Aegypten mit 359.9$7 Pfund, dann folgen Frankreich, Italien, die Türkei, Rumänien (Holz!), Belgien usw. Bor dem Kriege nahmen die westösterreichischen Länder im palästinensischen Export eine führende Rolle ein, heute sind sie ganz unwichtig, O e st e r« reich importierte in Palästinan im letzten Jahr Fabrikate »nd Holz für zirka 60.000 Pfund, die Tschecho-Slowakei sogar noch weniger. Deutschland hingegen nimmt seine früheren Platz wieder ein. Der palästinensische Export wird dadurch bestimmt, daß das Land eine sehr hohe Valuta hat (die ägyptische, ein ägyptisches Pfund ist um 2,5 Prozent höher als ein englisches), und daher nur in Ländern mit guter Valuta konkurrieren kann. Ueberdies ist unser Export zum Teil durch Hindernisse anderer Art lahmgelegt. So zum Beispiel war vor dem Krieg Rußland unser Hauptabnehmer für Zitronen, heute müssen die Plontagenbesitzer die Zitronen am Baum verfaulen lassen. Ferner hat das Verbot des Importes alkoholischer Getraust in Amerika unsere Weinbauern schwer geschädigt, und im letzten Jahr wurde Wein für bloß 65.000 Pfund ansgeführt. Mt der Stabilisierung der Verhältnisse und Valuten in Ost- und Mitteleuropa werden auch die Aussichten des pasästinenstschen Exports günstiger werden. Unser Hauptabnehmer ist Aegypten mit mehr als einer halben Million jährlich, dann kommen England, Syrien, Frankreich usw. Der Export nach Amerika betrug im Jahre 1923 über 800.000 Pfund, und zwar fast nur Edelmetalle, Wir haben überhaupt einen enormen Export von gemünzten und ungemnnzten Edelmetallen, die meistens aus Transjordanien, Syrien usw. kommen dürsten. Außer der Handelsbilanz mit dem Auslande wäre noch eine innere Handelsbilanz der jüdischen Wirtschaft im Verhältnis zur arabischen aufzustellen, die mit einem ungeheuren Passiv um für uns abschließen müßte. Nicht nur werden die meisten großen Kapitalien für Bodenkauf an Araber ausgegeben, sondern wir kaufen auch den größten Teil unserer Lebenbedürfnisse bei den Arabern ein, die ihrerseits fast kein Geld an Juden abgeben. Aber auch diese Verhältnisse beginnen sich zu bessern. Die jüdische Landwirtschaft.»besinnt sich zu entwickeln, ebenso die Milchwirtschaft und Geflügelzucht, die früher bei uns unbekannt waren, der jüdische Arbeiter Kne Mi»n zur Verstärkung der Knwondetnng. — Han» Llpsy über die nächsten Mionen der zionistische« krekutive. Jerusalem, 21. Ncvnnhcr. (I. T. «.) Da-S Mitglied der Zionistischen W«lt«MM've Herr Louis Lipskh äußerte sich in einer Überredung M Vertretern der palästmensisä-e-tt. und der auLwäriigen Presse dahin, daß die Zio.nistls>che Exokutiv« eine Aktion vorbereitet, die es ermöglichen soll, 10.000 biL 11.000 jüdische Wanderer/die Mst'l^e deS amerikanischen JmmigrationS- Ginschränkungsge setzes in den europäischen Häfen det sind, in Palästina aNzuswdeln. ■ Herr LipSky so^te weiter, er habe in diesem Sinne an Louis Marshall nach New-Iork telegraphiert, Marfhall ist der Präsident des Eniigranten-Rettungskomitees, das rm Juni vorigen Jahres gegründet wurde mit dem Zieh Geld auszub ringen, wm jene Flüchtlinge, die nicht mehr nach Amerika kommen können, in anderen Ländern anznstedeln. Das?Flüchtlings-RettungSkomitee hatte im S«ipt«mber dieses .Jahres beschlossen, eine Summ« von einer halben Million Dollar z-ur Erleichterung der Lage .der gestrandeten jüdischen Flüchtlinge auszu bringen. Vs wurde auch besprochen, die Ansiedl-ung im heiligen Lande, soweit die landwirtschaftliche, industrielle und kommerzielle Lage dies zuiläßi, in legaler Weise zu fördern.'Aber, heißt es in dem Beschluß weiter, es Mt zweifellos eine beträchtliche Anzahl von Leuten, die nickt nach Palästina gehen wollen oder können; für diese muß ein anderer Ausweg gefunden werden. Herr Lipsky teilte in der Unterredung weiter mit, dir Zionistische Exellu-tiv« beaibsiHti'"'«. eine besondere Organisation in Palästina zu begründen, der die Einwanderung von Angehörigen des jüdischen Mittelstandes nach Palästina obliegen soll. Verlegung der Monistischen Zentral" Institutionen. Jerusalem, 21. November. (I. T. A.) Nach Mitteilungen dvS He-rrn Lipsiy soll das Hauiptbwreau des fraget Schuhe! mit eingebautem „Berson^Gummi-Absatz verdrängt in den Kolonien allmählich den Araber, und cs ist zu hoffen, daß wir mit der Zeit dahin kommen werden, wenigstens den größten Teil unserer Bedürfnisse selbst zu decken. Es gebe keinen gefährlicheren Trugschluß, als ein „jüdst sches" Palästina auf arabischer Lohnarbeit aufbauen zu wollen. Wir muffen in der inneren Wirtschaft wie in der äußeren noch Produktivität und Selbstversorgung streben. Cook hat Angelernt. Die Tmvvis-enagenitWc Thomas Toof u. Sohn macht darauf mrsmaNksam, daß sie tot chpe-m Reisebuch über Aegypten -und Pailästiina Ar da- Jahr 1L24-Ä5 die jüdischen Kolonien besonders harvorhebt. Die Agentur schpeitht:. Mir werden irvusseivL ToMieuMmk instruieren, hen Reisenden, die ein Billd von dom Fortis chriidt .des Mischen RationsLheiims in Palästina halben wollen, die Wischen Koi-on-ien zu zeigen; mufo Mar sticht allein die Än Kolonien, sondern auch die seit der -briiiisschen RagiepuW M Jahre 1917 von der Zionistischen Exekutive errichteten Sivdüvngen. Anis Manisch können jüdisch« Reisende eiin>en Gl-aiuIbenS- Mwssen Au,m Führer -und Doilmotsscher erhalten." WekannUch hat bisher Cooks Burma geflissentlich die Touristen an alllem Jüdischen in Palästina nchtioS vorbei ge Han lassen, was den leikWfi'en Unwillen aller Wischen Kreise errcigte und zu einer Propaganda geigen Cook Ährte. Es scheint, daß Cook jetzt seine Praxis zu ändern beabsichiiigs, doch ist «noch die Durchführung des PestlpuychenS abzuwärten.) Keine Arbeitslosigkeit. Trotz der zunehmenden Einwanderung gibt es in PaWtiva lei na nennenswert» Arbeitslosigkeit. In Tel-Awiw bestehen gute Aussichten für die kommenden Monate, da man erwarbt, daß der Aufschwung in der Bauindustrie, kräftig unterstützt durch die Investierungen des Keren Hajessod bei 'der Allgemeinen Hypoiyekenbank, während des Jahres Weller an'halten wird- In Jerusalem ist UUM den Setzhardim eine geringe Ar>beitslofi,.'lkeit zu bemerken, aber die Lage wird durch .Pen Keren Hajessod fchr erleichtert, der sich an einigen öffentlichen Arbeiten, wie Wegebau u-fw., beteiligt. Das gleiche gilt für Haifa, wo di« Achusah Sir Herbert Sanmel auf dem Karmel aus Keren-Hajeffod-Geldexn «m Dar» lehen von 2000 Pfund Stevling. Ar Weg-übau erhalten hat. .11.800 Chqluzim reisefertiA, Laut einem Bericht dSr Hechaluz-Weltorganffation, Berlm, an die palästinensische Zionistische Exekutive befinden sich in Europa etwa 18.000 CH aluz im, die in verschiedenen, für Palästina erorganisationen, besonders in Rützlano, die ans die eryängöm Umfrage zu antworten keine Gelegenheit hatten, sind rn diysö Zahl.nicht, einbegriffen. Pei dyr letzten Sitzung des Aktionskonntees wurde beschlossen, 2000 Pfund aus den Mit? teln des Keren Hajessod für die Ausbildung von Chalnziw zu bewilligen. Keren Hajessod noch, vor >dem nächsten Z-i-onistsn-» kangpeß von London nach Jerusalem verlegt werden. Das Finanznnd Wirtschaftskomitee .ist 'beveit« ü>bersie.delt. Die amerikanische FinaazaMon. Neiv-Uork, 21. November. (I. T. A.) In der am 17. Novencher in New-V^k «WhaH-men Sitzung des Amerikanisch-jüdischen Komitees teilte deffen Vorsitzender Herr Louis Marsball mit, daß auf der Konfevenz der amerikanischen N i ch t z i o n i st e n, die am 17. Februar getagt und über die .Aufba-umöglichkeiten in Palästina beraten hat, die Summe von drei Millionen Dollar für die Palästina-Jnveftieruugsgesellfchaft aufgebracht worden sind. Zu dieser Summe hat 'das Amerikanisch-füdische Jolnt Distribution Committee 460.000 Dollar beigesteuert. In Delaware befindet sich 'dev' .HanHtsitz einer ans Berttetern der Joint und der Palästina-Amerika- Allianoe zusammengesetzten Körperschaft, die die' besonder« Ausgabe hat, die Fonds aller jener Ovgairisationen, die an dem Ausbauwerk für Palästina tvilnechmen, zu vereinigen und den AusbauKwecken ^UizlU'fiihvsn. Die Eft« der Suimne von drei Millionen Dollar soll 'bereits tot Palästina untevgebvacht [eitu Eine Exkursion polnischer Parlamentarier nach Palästina. Warschau, 21. November. (I. T. A.) Eine Anzahl Mitglieder des polnischen SejmS und Senats, Juden und Nichtjuden, wird im kommenden Frühjahr eine Reise nach Palästina Mternehmen, um die Entwicklung der jüdischen Kolonisation zu studieren un>d die Möglichkeiten einer Einwanderung ans Polen nach Palästina zu prüfen. «n Lexikon des Mischen Palöstina. Das „Erez-Jsrael-Mcrkbuch" von Dr. H. H. Schachtel. Bor dem Krieg ein kleines Heftchen, ist dieses treffliche Mrk, ohzwar noch immer in sehr handlichem Format, omf 144 ft!hr engbedruckte Seiten angewachsen. Trotz des boscheidenen Titelgib-t «s eine vollkommen« Uobovsicht. Über alles Wissenswert« in Palästlna in kurzem, gedrängtem Text mit Mßerordentlich vsichE.Ziff«Mmat«rial, Man könnte das Buch ein Lexikon des jüdischen Palästina nennen. Von d.'m reichen Inhalt kann man in wenigen Zeilen nicht einmal «ine annähernide Bovsttllung geben. In nicht weniger als 36 schr klar Hvgttederstn Kapiteln wird über Berwastnng, Volkswirtschaft, SisdlnngSarbeit,' Institutionen, Organisatwnen, Kulturarbeit usw, eine lückenlose Uobersicht gegeben. Wir können darEs «benso erfahren, wie es zum Beispiel mit der Besetzung der Gerichte in Palästina bestellt ist, wie den Bestand der Srationakbibliothsk oder di« Budgets aller Palästina institutionen; di« Gpundbesitzvevhällniff«, wie di« Bau'tätigkeit, den Stand der Arbeitslöhne, wir di« Arbeit des Keren Hajessod ustv. Es fehlt nichts, was wissenswert' ist. Wer die großen Schwierigkeiten kennt,«die es verursacht, «in solches Material zufammetMtragen, der muß staunen, daß diedem Verfasser mit solcher Vyllständigkeit gelmgen konnte, und die nnAehvuve Ariboit schätzen, die er dazu aufwenden mußte. Seine bekannt« Sachlichkeit, Gründlichkeit und Unermüdlichkeit, seine Liebe zu dor ihm am Herzen liegenden Sache haben ihm ermöglicht, die fast unüberwindlichen Schwierigkeiten, die eine solche Arbeit zu überwinden hat, zu besiegen. DaS Büchlein, das, wie vor dem Krieg, fortan hoffen, ltch jedes Jahr ne-u aufgelegt werden wird, ist un«N'i>behrliä) für. jeden, der sich mit dem Aufbau Palästinas befaßt, das heißt also für stden ZiyPösten. ES ist aber auch als vollkommen« Information für Außenstehende nutzbar und «ine solch streng sachliche Zusammenstellung deffen, waS in Palästina vorhanden ist, mit einem knappen Hinweis daraus, wie es geworden ist, wirkt überdies M Weckung des JMvesses viel stärker als ein Dutzend Propogandabroschüren, Zweifellos wird das „Erez- Jsrael-MeMuch" ein« staöke Verbreitung finden. Seine liebersetzung zumindest in di« hebräische nnd englische Sprache war« sehr zn empfehlen. _ , ad. 6 nt. Weitere Arbeiter für die TaMindussrie erfprderlich, M der ZiönistWeu Exekutive für die Mlntermona^e zugestandenen EinreisezertiMate sollen in der Hauptsache dazu verwendet wevden, um für die Tabakindustrie Gstgialarbeitwnach Palästina zu bringen. Die Perpacknn a, des Tabaks umß in A-nmiff anrymmen werden. An di« Paläst!mäml«r sind tele- Miphtsche Instruktionen ergangen, damit sie für pünktliches Eintreffen 'der erforderlichen Anzahl von Ehalnzim Sorge kragen. 87? Millionen Palästinensischer Orangen vetschisft. 87? Millionen palästinensischer Orangen, die erste diesjährig« exportierte^ Sendung, wurde am 10. h. Pon Jaffa PerschD. Ä'tts diesem Anlaß fand eine offizielle. Ieier statt, an dep >ytr Ronald Stores, der Gouverneur des Jerusalem - Distrikts, teilnahnr.

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