Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2071 (24.11.1924)
- Date
- 1924-11-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborajhr. 1-3, oder in einerVerschleiaatelle (Trafik) monatl K 40,000 Strasaenverkauf in Wien durch1*'die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1.6er.. Wollzeile 11 Mit Poatveraand für Wien u. Oeaterr, monatl. K 40.000 Tacheeho-Slowa k ei Mon. K 20. Jugoslawien Mon. Dinar60, PolenrMon. 3*/* Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Fr an kr., Belgien: Mon. Frea. 15 icncr Qi•* N»«h»«hl uBf «b 'MW bei PrelterhShuDfeo vorlietialtM 1——BBBB—BiMBU—a——BW Nr. 2071 Wien, Montag. 24. November 1924 E»^n I ..• . Preis K 14QO] England: Mon. 4Schilling, Italien: Monatl. 15 Lire, Rumänien Mon. 150Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlieh Frei. 4. Redaktion u. Administration: Wien, II., Taborstr. 1—81 Telephone: 44-0-38,43-M9.' Ab6Uhr abda. 21-102,25-282 IX. Universitätsstrasae 6—8 (Druckerei Steinmann) OesterreiehiieheS Postspar* kaasen-Konto Nr. 150.691 6. kiahrgang Jas Ultimatum abgele England und Aegdvten. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Der englisch-ägyptische Konflikt hat seit der Ueberreichung des Ultimatums keine weitere Verschärfung erfahren. Zwar hat der Oberkommissär Doch Allenby den Auftrag erhalten, die Ablehnung der Politischen und Militärischen Förderungen als Ablehnung der Note überhaupt zu betrachten, doch scheint man sich beiderseits -den Weg z-u w eite r e n V e r h a u d l u n g e.n frerhalten zu wollen, was schon daraus hervorgeht, daß die Garnison von Gibraltar erst für den 29. d. Marschbefehl erhalten hat. Die englische Regierung hat sich jedoch entschlossen, die ägyptischen Mllitärkräste im Sudan im eigenen Wirkungskreis aufzuheben, um hierdurch eine vollendete Tatsache zu schassen und für die weiteren Auseinandersetzungen über ein wichtiges Pfand zu verfügen. Diese Verhandlungen sind dem Oberkommissär übertragen worden, der unbeschränkte B 0 l l m a ch t erhalten hat. Die ägyptische Regierung ist beglich der Behandlung der Angelegenheit geteilter Meinung. Eine Anzahl von .Minister will demissionieren, wurde aber bisher überstimmt. Zaghlul Pascha hat'die Kammer hinter sich und ist ei-nstweilen -nur zur Zahlung der von England gesonderten Buße bereit. Diese Summe von einer halllben Million Pfund Sterling muß bis heuteMittag.erlegt sein. Sie' WM «her nicht^bloH 'Kr /die-Familie des Evntordeten verwendet, sondern auch für die anderen Opfer des Attentat. - Die Malta-Flotte ist nach Alexandrien abgegangen, wo . die Demonstrationen andauevn. Auch in Mansavah kam es zu antiengjlffchen Kundgebungen. Eine Anzahl 'von Demonftvanten wurde verhaftet: und ausgepe itscht/Daraufhin trat Rulhe sin, London, 24. November (Per Radio). Die ägyptische Kammer hat gemäß den Vorschlägen der Regierung alle auf den Mord an .General Lee Stack bezüglichen Forderungen der englischen Note angenommen, das Politischmilitärische Verlangen nach sofortiger Räumung des Sudan jedoch ab gelehnt. Die Kammer sprach dem Kabinett mit allen gegen eine Stimme das Vertrauen aus. Der Oberkommissär A l l e n b y hat telegraphisch Jnstruktioü erhalten, die Ablehnung des Sudan-Punktes als Ablehnung der gesamten Rote aufzufassen. Die britische Regierung wird selbst die Räumung des Sudans durch den Abtransport der ägyptischen Kräfte bewerkstelligen. Das ägyptische, autonome Militärkommando im Sudan wird aufgehoben. Aegypten ruft de» Völkerbund an. Paris, 24. November. (Havas.) Wie der „Mat in" erfährt, werde Aegypten die Vermittlung des Völkerbundes anrusen. England habe General Allenbh unbeschränkte Vollmachten erteilt. Die ägyptische Regierung hat die Armee zur Verfügung des Kommandanten der Polizei gestellt. . Der Gouverneur von Mansurah hat die Au spei ts ch u n g einer Anzahl Manifestanten angeovdnet. Die Kundgebungen haben aufgehört. Zaahluls Antwort. Kairo, 23. November. (Reuter.) In der Antwort auf die britische Note wird erklärt, das Verlangen Großbritanniens betreffend den Sudan stelle eine Verletzung des Status quo dar und widerspreche der Verfassung, die den König Fuad zmn Oberbefehlshaber der ägyptischen Armee mache. Es wird der Ansicht Ausdruck gegeben, dass die Forderung betreffend die Bewässerung von Gezireh verfrüht sei. Ferner wird erklärt, daß die Stellung der auswärtigen Beamten durch ein dipl 0 m a ti sch es A bk 0 mmen geregelt werden werde, das nicht ohne Ermächtigung seitens' des Parlaments abgeändert werden könne. ' Die Antwortnote spricht sich, für die Aufrechterhaliung einer mit dem Grundsatz der Unabhängigkeit zu vereinbarenden liberalen Politik aus, die gegenüber den Fremden stets beobachtet worden sei, und bemerkt, daß niemals eine Macht diesbezüglich Beschwerde erhoben habe. Zwei Noten Englands. London, 23. November. (Wolfs.) Das Foreign Office veröffentlicht die zwei Mitteilungen, die Lord Allenby der ägyptischen Regierung gemacht hatte. In der ersten fordert die englische Regierung anläßlich der Ermordung des Sirdar von der ägyptischen Regierung eine weitgehende Entschuldigung für das Verbrechen, nachdrücklichste Durchführung der Ausforschung der Urheber des Verbrechens, gebührende Bestrafung der Verbrecher, Verbot von politischenDem0 ustrationen und energische Unterdrückung - derselben, sofortige -Zahlung einer Buße von einer halben Million Pfund Sterling, ferner binnen 24 Stunden die Anordnung die Zurückziehung der ägyptischen Offiziere und der rein ägyptischen Einheiten der ägyptischen Armee aus dem Sudan,, sowie die Erweiterung des zu bewässernden Gebietes von Gezir eh von 800 Feddans, dem Bedarf entsprechend, bis. zu unbegrenztem Umfang. ... Jede Opposition gegen die Wünsche .der englischen Regierüng betreffend Mit Sch utz de raus wärt j g e n Interessen in Aegypten habe zu unterbleiben. Wenn den Forderungen nicht unverzüglich stattgegeben würde, werde die englische Regierung sofort eine angemessene Aktion zum Schutze ihrer Interessen in Aegypten und im Sudan unternehmen. Die zweite Mitteilung kündigt die Zusammenfassung der. sudanesischen Einheiten der ägyptischen Armee zu einer sudanesischen Desensivtrüppe unter dem Oberbefehl des Generalgouverneurs des Sudans an. Ferner solle die ägyptische Regierung die juristischen Ratgeber ausrechterhalten, ihre Machtbefugnisse und Privilegien schützen, sowie die Stellung und den auswärtigen Charakter des europäischen. Departements des Ministeriums des Innern respektieren. Zaghlul verlangt Verlängerung der Frist. — Demonstrationen in Alerandrien. Kairo, 23. November. (Havas.) Man glaubt, daß Zaghl-u -I P as cha, dessen Haltung freilich unverändert -sei, die Aufgabe habe, um eine Verlängerung der für die Bmn'iworitung der englischen Note gewährten Fvift zu ersuchen. Eine neuerliche Verhaftung ist voirgenommen worden. In Alexandrien haben die Studenten die a n t rbritischen Kundgebungen wiederholt. Truppen durchziehen die StM. Flugzeuge überflogen Ta-ntah. Marschbereitschaft in Gibraltar. Gibraltar, 23. November. (Reuter.) Ein Bataillon erteilt die Weisung, sich bereit ^halten, am 29. d. nach Aegypten abzugehen. Nach der Ablehnung. Kairo, 23. November. (Reuter.) Der britische Oberkommisfär Allenby hat Z-'ighlul Paf.cha -unverzüglich die Ant- , wort erteilt, daß im Hinblick auf die erfolgte Ablehnung der Punkte' sünfund sechs des britischen lUtmiatums Instruktionen an die Sudanre-gierung gesendet würden, mn die Zurückziehung der ägyptischen Offiziere und Truppen azls dem Sudan zu bewerkstelligen. Er fügt hinzu, daß der Sudaur-egierung dieVergrö ß erung der Bewasse rung sflä che v on Gezireh bis zu einem unbegrenzten Ausmaße sreiftehe. Zaghlul Pa-scha werde später bezüglich der Aktien benachrichtigt werden, die Großbritannien msolge der Ablehnmvg des siebenten Punktes 'betreffendde n S chu tz dev s r e m d e n I n t e r esse n unternehmen werde. Allenby fordert, daß die Zählung der halben Million Pfund Sterling bis morgen mittags erfolge. Ae Regierung Ramel und der Nationalrat. Die Plane der Mehrheitsparteien. Anzugs dieser Woche findet ein M i n i st e r r a t, der erste der neuen Reg>rung, statt, in welchem ülur die Aufteilung der beiden Refforts, Inneres und Justiz, entschieden werden w'vd. Wie verlautet, soll das Miittft?- rmm für Inneres Bundeskanzler Dr. Ra-mek übernehmen, während -da's Vttnisterinm für Justiz dem Wabe r übeAaffe-n werden soll. In politischen und finanziellen Kreisen sieht man amt großem Interesse dem Expose, das der Finanzminifter morgen in der Sitzung des Finanz- und Budgetausfchuffes halten wird, entg-egen. Da dem Finanz-minister: Doktor Ahrer durch die Genfer Vereinbarungen gewisse Grenzen gezogen sind, so erwartet man selbstv-e^ständlich von ihm keine -umwälzenden Pläne. -Immerhin -wird es aber interessant sein, was er über diese Grenzen hinaus zu tun gedenkt, und inwieweit er die finanziellen Bedürfnifle des Bundes mit jenen der Länder in Einklang bringen will. In insorun-erten Kreisen gilt es als sichet, daß der Finanzminifter sich in ma-nchen Punkten von der Politik seines Vorsängers abkehren und ganz andere Wege ei nschlagen -wird. Als ein günstiges Zeichen wird die Tatsache gewertet, daß die Parteifreunde des ' neuen FinanM'misters der Idee einer Verständig u n g mit der Gemeinde, beziehungsweise dem• Laude'Wi'en nicht abhold sind, dabei allerdings me'inen, daß derBöden hiefür schrittweise vorbereitet werden muß. daß -vorallem da's Terrain für eine V e r ft a n d i g ü n g s- Möglichkeit sondiert wevden muffe. Weitere Aufklärungen erwartet man sich vom neuen Finanzminister' in der-nächsten Zeit, über-den- Gesetzentwürf betreffend -den U e b e r g ä n a z u r S ch ill -i n g s w ah r ndiemit 1. Jänner 1926 eingeMbrt werde-n solle. Ob. dies inögfi'ch'- sein wird, steht sehr in Frage.;;;.; . .' : Das Plenum des Natio-NÄlvates tritt vorauösichttich epst am Dienstag den 2. Dezember wieder zusammen. In den zweieinhalb Wochen, die benr Nationalrat noch . in dves>em Jahre zur Vevfüguin-g stehm, dürfte es nicht möglich sein, das Schillinasgefetz, den ordeEchm Bundesv-oränschlvg und noch, einige a-ndere wichtige GesetzDvorlagen zu erledigen. Es wird daher mit einer B e r s.ch i e b.u ü 9 der Einführung der Schillingswährung gerechnet, und man glaubt, daß die Regierung Ramel. ein B ud ge tproviso r i u m bis dur voraukstchHichen Erledigung -des ordenÄchen BuudesvoranMages' anspricht. Zu diesem Zwecke sind Verhändlu ngen m it der Opposition notwendig., die zweiMos/ die Ermögl-ichung' eines Birdgetprovisoriums von' der Echöst'ng der A r b e i t 8 lv se n u n t e r st ü tz u n g abhängig machen wird. Die G 0 l d a b g a b e an der Börse soll int Monat Dezember eine beträchtliche Reduzierung erfahren. Da diese Maßna-Hme in den Wirknugtkreis des Finanzministeriums selbst fällt, sv ist hiefür ein Gesetz nicht notwendig.. Was die Forderung nach gänzlicher Aufhebung der Goldabeabe anlangi, so will man sich im Finanzministerrum vorläu'sig. hierüber nicht äußern. ' Ser FinanMinister und die Börse. Wie die Korrespondenz Herwei erfährt, -hat Finanz mmiister Dr. Ahrer das Präsidium der Wiener. Börse verständigt, -daß er in der kommenden Woche bereit sei, zu empfangen. - Barbereitung eine« nllindischen Kongreffe«. Bombay, 23. November. (Wolfs.) Astf der Konferenz allerindisch enParteien wurde eine Entschfießn-ng angenommen, in der die a-na rchi stis chen Organis a t i 0 n e n, gleichzeitig aber auch die Maßnahme n der Regierung veru-rteilt werden. Ferner wird erklärt, die Lage, in Indien sei da-vanf zurückzulfi'chven, .daß dem Volke fein gutes Recht verweigei-t werde. Es wü>rde ein Ausschuß eingesetzt, um die besten Mittel ausfindig zu machen, um aIIe p0 l itisch e n Elemente zu.einen- Kongveß zu vereinigen. La« neue türkische Kabinett. Konstantinopel, 22. November. (Havas.) Das neue Kabinett ist bereits gebildet. Den Vorsitz und-das Ministerium fürnationale Verteidigung übernimmt Fe thi Bei, das Portefeuille des Aeußern S'chükrt Kaja Bei. General' K i a z i m Pascha wird wahrschemlich; zum Präsidenten der Kammer gewählt werden.