Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2070 (23.11.1924)
- Date
- 1924-11-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Wien, Sonntag Wiener Morgrnzeitung. 38. November 1934 Nr. 2070 Der Abbau des Zaszismus. —y. W i e «, 23. Siel m er. Das Washingtoner Staatsdepartement deMntiert kategorisch, daß es cm die Einberufung' einer Abrüstungskonferenz denke. Die englische konservative Negierung erklärt, daß sie das Genfer Schiedsgerichtssbkommen nicht ratifizieren könne und eine neue Disküssiön über die an Frankreich zu gebenden Garantien für seine Sicherheit herbeiznfi'chren wünsche. Das find die ersten sichtbaren Konsequenzen der in diesen beiden Staaten vorgenommenen Wahlen. Der Gedanke der amerikanischen Konferenz war in der Wahlkampagne »ls Konzession an die möglicherweise zu dem Progressist en La Follette neigenden Wähler ausgesprochen worden, und mit Hilft dieses'Manövers war tatsächlich ein großer Teil der Intellektuellen für die republikanische Partei gewonnen worden. Nach Äsche las man es anders, und das neue Regime, das das alte ist, beeilt sich in dem lobenswerten Streben, nicht allzu weit gesteckte Hoffnungen in der Welt ünfkommen zu lassen und ihnen rechtzeitig den Garaus zu machen. Sicherlich würde auch diese Konferenz, wenn sie nach Ueberwindung der vielen Etiketteschwierigkeiten zusammentteten könnte, keine Erleichterung schaffen. Nach allen Erfahrungen der letzten Jahre sind diese Veranstaltungen nicht als das taugliche Mittel anzusehen, das das pazifistische Ideal fordert. Sie stehen, auf der imperialistischen Basis, sind nichts anderes als schwächliche Zugeständnisse an eine letzten Endes doch mißachtete Ideologie..?lber sie dienen doch mehr unbewußt als bewußt ihrer Verbreitung und erziehen die Master zur Nachdenklichkeit über die Frage, wofür sie eigentlich die Schrecken des Weltkrieges getragen haben Das Non possumus Amerikas wird nunmehr durch England verstärkt, und man begreift den Jubel, mit, welchem die Reaktionsparteien allerorten die Ergebnisse. der Wahlen begrüßten. Das Pendel schlägt wieder nach rechts aus, heißt es in diesen. Hymnen, die Demokratie wirtschaftet ab, der Zeitgeist verstößt die auf den Schlachtfeldern geborenen neuen Ideen von einer gerechten sozialen Ordnung und vom konsequenten Pazifismus. Er kehrt reuig zu den alten, wohlbewährten .Systemen zurück. Die Lobhudler und Verdiener des Rückwärts richten sich wieder darauf ein, ihre Hoffnungen zu reckt sichtbaren Taten zu steigern. . . Wenn man es so bedenkt, kommt -man freilich zu dein Schluffe, daß nirgends neue Tatsachen geschaffen' worden sind, die diese Freude begründen'ckönntsw^'Ded große Sieg der englischen Konservativem ist nicht durch eine'konsequent entwickelte.Stimmüngsäuderüng ^herbeiaefirhrt worden. Noch, .zwei (Tage vor dem Wahltermiu stand es sehr, schlecht um die Sache Baldwinü, und erst die Affäre des Smowjew-Briefes änderte, das Bild. Diese tief angelegte-Intrige stürzte Mac-Donaldq seine Partei zeigte einen starken Stimmenzuwachs. - Wäre Mac Donald nicht in die plump aufgerichtete Falle .gegangen, so wäre er an der Macht geblieben. Freilich, sitz/n setzt seine Gegner fest im Sattel, und sie werden und können daran arbeiten, die Stimmungsänderung in ein festes System zu fassen. Die Zurückweisung-des englisch-russischen. Vertrages, des- Hauptwerkes Mac Donalds, ist der erste Streich-dem die Absage an-das Benesch-Protokoll von Genf die allgemein verständliche Folie gibt. ' Aber in anderen Staaten zeigen sich Strömungen diametral entgegengesetzter Richtung. Die italienische und spanische Spezies der faszistischen Diktatur ist von links her angegriffen. Sie. ist. auf Krieg, auf Imperialismus und reaktionärste politische Erpressung eingestellt, negiert alle Grundrechte des Bürgers urrd läßt nur die starke Hand gelten. Also so dos Jdea.l aller, die sich dein englischen Konservativismus an die Rock« schöß? hängen und ihn durch ihre Freundschaft ^kompromittieren. Die spanische Diktatur verliert die Kolonie und hat das Defizit des Staatsbudgets bis >.uny Ruin anschwellen lassen. Mussolinis System der Fausrtegierrmg ist mit dem Matteotti-Mord so sehr belastet, daß sogar der alte Giolitti, der schlaueste Fuchs, sich'der Opposition angeschloffen hat.-Die dritte Säule der mordpatriotischen Heilslehre, Mustafa Kemal Pascha,- den die Horthy-Lumpm abgöttisch feiern, sieht sein aus die Bajonette gestütztes Gebäude wanken und hat die Demission seines stärksten Kabinetts der Kammer zum Opfer bringen müssen. Der Parlamentaris^- mus, die Voraussetzung der Demokratie, die lebendige Anwendung der mißtrauischen-Kritik, ist doch nicht.so ohnmächtig, und er hat trotz seiner -Versündigungen in der Kriegszeit noch immer tausendfach stärkere aufbauende Kraft als die starke Hand, .die nur Venvirnmg und Haß erzeugt. -- - PEr 701 Schake! mit eingebautem ,,8S5KSN^»6ummi-HdSLlr Masartzks ÄneMiÄnerungen. - ' Prag, 22. November. (TfHecho-s.lo'lväkisches ' PreßbuDsau.) Dcr Hrästdent. der RopMik, M a s.a r hk, hat 'soeben di« 'endgültige RetügieMng seiner Kroigserinnerungen beendet. Diese nierden unter dem Titel „Die Melkrevolution ans und M dem K^eg 1914 bis - 191ÖW Mitte Februar 1925 in tschechischer' Sprache erscheinen. Gleich, zeitig.werden auch ein« deutsche, eine englische Meine' framzäsische UeberseMug zur Ausgabe gelangen. ' Irr Bombenprozeb in Budapest. Das erste Geständnis. . CEbgendic-ust der ^Wiener Morgen^itun-g".) Budapest, 22. November. In der heutigen Verhandlung, bei der die L'vm b e ns eck d u'n g« n an Len Abgeordneten Rassay Und den,* .Chefredakteur M i 1 l'o s sowie di« Drohbriefe des lOler-Ausschusses zur Sprache kamen, erklärten die Angeiklagten Marffy, Marosi und Szasz, dyn diesen Dingen nichts zu wissen. Der Angoklagte Bela D reu 1a gestand jedoch ein, : von den Leiden Bomb e n s e «du ng eng ew u Pt und d'.e Droh>brirfe'an die' französisch« G«sau1)'ts a, a f t, an den Präsidenten der NationalversaMmTung und an den Oberstadthauptmann selbst geschrieben zu haben; Marffy'habe diese Briefe konzipiert.' Sodann wird'di« Fron des.Abg. R a s s a y sowie dieser i ftlbst vernommen, welche über di« UedeMbe des Bombeupaleks Aufklärungen.geben. « Es wurde noch eine Reihe von Zeugen vechön, dar-- •; unter der Joirrnälist Burchan y i, der in der Wohnung Marosis einen Bericht verfaßt hat.'Nach weiteren > Zeug-neiriveriiahimn wird die Berhandlimg auf Montag vertagt.' ' Bubf-Kosfüme , reine Schafwollc, Ia QuaJiiätK 490.000 Feinste Seidenflor-Doineflstrflinpfe früher K 58.000 / Jetzt K 45.000 n %4 nur I Träftnerhof 2 (Gr&bph) Fm Prozeß Eskütt erhob gestern der AngeKagte Ludwig EMtt schwere Anschuldigungen gsgen den verstorbenen Minister Szabo. ESkütt erklärt«, daß der Mi-, niister von allen Ausfuhrbewilligung«« und Pan a mag c schästen Äe'N n tnis ^aite und daß er dem Minister inrmer die eintzefloffeuen Gelder abge-liefert habe. Ter Minister sei nicht dazu zu bekommen gewesen, eine Unterschrift unter eine Äusf.u-Hwbewilligung zu setzen, i bevor er nicht das Gold übergeben hatte. Auf die Frage des Präsidenten, welche Beweist er dafür' habe, daß das Geld in die Häude des Ministers gelangt sei, erklärt Eskütt, daß' Minister Szabo ihm Schweiggeld und volle Rehabilitierung versprach. Mau bot ihm einen Paß nach Amerika und zehn Millionen,' später 100 Millionen an. Der' als Zeuge cknvern-ommene Destder Kussler gibt an, er habe eine Unmenge von Gesuchen und Ausfuhrbewilligungen beim AckerbauminDevium eingereicht, aber nie eine Bewilligung erhallten. Da habe er es auf diesem Wege versucht und so sei es gegangen. Man »nutzte 'eben di>rse G e b ü.hr i n d i« G e s ch ä f t s ko -st« n «iure ch n e n. Auch der Zeuge Max A r u st e i n gibt an,-daß 'er -für die Bewilligung der Ausfuhr von 100 Stück Rinder -2000 Kronen für je ein Stück zahlen mußte. Die BerhaMung wird Montag sortgesetzl. Sin tschechischrr Srel. .Im V-erilaaff der BudgeDebatte . iu - der Prager. Nati-ünawerf-.i'nttn-l'.'.n.g sprach letzterr Donnerstag auch der Ischechi'fche Klerikale M a z a n e c, der in einer von versteckten Arrsisällen aus den Präsidenten M a sar y 1 gespickten Rede gegen , den Freisi-n.n hetzte. Stack die Soldaten, sagte er, über die Darwinsche Theorie mvszuiklLrerr, sollte main sie lieber über die Ju» deckuufiläven. Jhnr au-iwortete sehr scharf der tschechische. Sozialist uind Legionär Dr. P a i e i d l, dar ausssthrte, Latz der politische Kle.rckaMrim.us unter der M'chvung der Vati-, kanischen International« immer vevwegvmr sti-n .Haupt erhöbe und sich andch jetzt ci&eitfo wie. die rote Interna t.i o n a I e anmatze, sich in die inneren . Berhällniffe souveräner Staaten einzuimschen. Wir werden, sagt Redner, die Emmischllug dieser schwarten Inter- - -Mtionale ebewso wenig' dulden wie die der roten International: und werden allen Evnstes verlangen, daß der, schach: TrennungAstvich zw ische n Kirch e und S taai, der in Frankreich vorgenommen wird, auch in der. Tscheckn- Slmvcchei dnrrchgssühpt werde. Sie L«ftS«de leim Merrektzistzen Oeneral» fonfttiot in Seien. Aus Triest «wivd uns geschrieben: DaS hiesige Per* reichische Genewlkonsullat, das schon lang.« durch seine. ■. antisemitische Tendenz unrühmMch bei den hiesigen, speziell aber Lei den durchreisenden. Juden bekannt ist, hat sich . dieser Tage ein Stückchen geleistet, da'S ob des kraffen, effektiv antistmitischen Vorgehens festgenagelt zu werden verdient. Herr Hermann Stark, ein in Deutschland gobürtrger Jude, hat in Jerusalem auf Gvund eines ordnungs-. - gemäße.» Trauscheines des OLervcvbbinats Fr. Tilla Star? geehelicht und ist' auf der Durchreise «ach Men, ivo seine Frau in den nächsten Togen ihrer Niederkunft entgegen- ' sicht. Während Mn der Mann auf Grund ss'mes dmtschen Paffes reist, wurde der Frau, welche in ihrer Jugend bevecks in Palästina «ingewandsvt ist, ein palästinensischer Patz, respektive m. Laissez-passer für die eiwmMige Re,rse «ach Oesterreich via Triest ausgestellt. Nun verwe'gert das .österreichische Mnstrkat, auf dieses Dokument dar Einreise- ' Visum zu erteilen. Herr Stark legte dem SeLvetär des Konstckats die Angelegenheit <m4ei-naiN'dee, bewies ihm. durch - Bürtveisung eines Schecks aus 1000 Pfund SteEng, daß ■ er 'bemittelt fei, verwies ihn fevner auf don Zustand seiner Frau, aber alles nutzte nichts. Ja, der Herr Konsul, respektwe e'm Konsularbeamter sch sich «ach Bespvechuntz mit ersbemm veranlaßt, auf den Laiffeg-paffer folgende Anmedkung gu machen: „Einreise nach Oesterreich verweigert." Dazu war das Konsulat keinesfalls berechtigt. Auf diese Weise wirken die vsterreichifchen Konsulate. bereits int Ausland dah'm, daß die! durch den Hakenkreuzrummel im Jnnem noch nicht abgeschreckten Reifenden schon an den GrenM di« segens-! reichen Einrichtungen zur Hebung des Frem-denvevkehrS! in Oesterreich kennen lernen! «ek Fal «kusch. DqS. TaMM der. HakenkrsuKeir bestwichk gestern mH« iMS. hchl Fall . des von. den Hunden im DdMpark M- .-BMest lW-vngS HM s.ch üind eMrt, Mwteriail -u .beisitzen, ans dem sich Ergebe, ttch an Gmsch em Mord, üÄ lzwar von mindestens drei Personen »begangen ^wckden stl. .! Das Blatt tritt auch einen ziemlich umfangreichen fBetveis für feine. Mordtheorie an. Das Hauptgewicht wird' -daraus gelegt, daß die Kileider des toten Knabe.« geordnet neben der Leiche lagen, und datz die Unterhose fehlte. Das ist nicht wahr. Die Kleider, unter ihnen die Unterhose, lagen zerstreut umher und wurden erst von den Polizisten geordnet neben den Körper gelegt. Dann wird von r a t fei h a f t e n B l u 1spuren außerhalb der Planke gesprochen.. Die s e Spuren hat niemand gesehen, sie existieren nur i» der Phantasie der Hakenkreuzler. Ebenso ist der dritte Punkt des Materials, daß die Polizeibeamten im ersten Augenblick auf Mord schloffen und erst spater anderer Ansicht wurden, exlogen. Hofrat Wahl, der Meid-, linger Dezirksleiter Dr. Berner und Polizeikommissär ^Dr. Schenk erklärten sofort nach der ersten Besichtigung der Leiche, sie sei von den Hunden zerfleischt worden. Die Hakenkreuzler sind demnach mit ihrer frechen Ritnalmordkonstruktion auf den Hund gekommen. Eine amtliche Erklärung. Durch die vom Sicherheitsbureau und pom Kommrffariate Meidling geführten Erhebungen bezüglich des unglücklichen Lehrlings Othmar Grüsch, der vor einiger Zeit in dem eingeftiedeten Teil des Tivoli in Meidling nachts von den dort gehaltenen Wachthunden getötet worden ist, wurde nicht der geringste Anhaltspunkt für einen Mord gewonnen. ' Die bei oberflächlicher Betrachtung der Wunden durch den Arzt cher*Rettungsgesellschaft.geäußerte Meinung, daß auch Schnittwunden vorhanden seien, erscheint durch die gerichtliche.Obduktion widerlegt,, wonach die Wunden in einer jeden Zweifel ausschließcnden Weise, lediglich auf H u n d e b i s s e zurückzuführen sind. . Wie die Korrespondenz Wilhelm Erfährt, wird die Staatsanwaltschaft trotz der vorher geschilderten nach, gewiesenen Ü nfft i ch h äl t i g k er t all dieser Angaben. das angeblich vorhandene Beweismaterial .überprüf Ctt, 6000 Sammelbüchsen des Keren Kajemeth slncl in Oesterreich aufqesi 60.000 pidische «»ULKIDIHssr m wohnen in Oesterreich * '■ •U ü s e r e P a rote t a n t e t d e r % e i t: Verdoppelung der Zahl derin Oesterreich aufgestellten WKLWkültLk-Büclisen! \ Gesinnungsgenossen/ Werbet neue Büchseninhaber für den Keren Kajemeth!