Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2070 (23.11.1924)
- Date
- 1924-11-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2981153--21161-3008443- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
IPoibb 20groazyI Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1*3, oder in einerVerschleisstelle § Trafik) monatl. K 40.000 trassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Finna Goldschmied, 1. Bez., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien u, Oesterr. monatl. K 40.000 Tcehe eh o-81 owa k ei, Mon. K20. Jugoslawien: Mon.Dinar60.Po len:Mon SV, Zloty, Deutschland Mon. Goldmark 4, F ran kr,, Belgien: Mon. Frcs. 15 .MT Naabxahiunj'en "«BtJ jbd PreixerhölioBfea Vorbehalten «r. 2870 SiCHERN SIE SICH DIE GRAETZ; PRÄMIES- WERDEN SIE JAHRES ABONNENT tener Prel«! R 1800 Wien. Sonntag, 23. November 1924 England: Mon.4 Schilling, Italien; Monatl. 15 i iret Rumänien Mon. 1501 ei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstr. 1—8 Teiepnone: 44-0-38,43-3-19, ASßUhrabd«. 21-102,25-282 IX. Universitätsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreiehisches Postspar« kassen «Konto Nr. 150.691 K.Aabrgang Ultimatum Englands an Aegypten. Re Krmoidung des Sirdars Lee Stad. London, 22. November. Der englische Mi- KLsterrat Hat, wie schon in der gestrigen Ausgabe der „Diener Morgenzeitung" berichtet wurde, die Absendmrg einer scharfen Nöte an die ägyptische Regierung beschlossen. Die Note, die ultimativen Charakter ttSjjt, ist durch den Oberkornmissäl A l l e n v h dem Ministerpräsidenten Zaghlul Pascha überreicht worden. Sie stellt die folgenden Forderungen: Angemessene Entschuldigung, eine Entschädigungs'umme von einer halbe« Million Pfund Sterling, Verbot politischer Kundgebungen und Zurückziehung der ägyptischen Offiziere sowie der Ägyptischen militärischen Einheiten aus dem Sudan. Die Note v.steht weiters auf der Beibehaltung der iuristischen und finanziellen Berater in Aegypten. Die Antwort ans die Note ist m i t 2 4 S t u n d e u befristet. Die Note macht demnach das Kabinett Zag hl ul Pascha für das am letzten Dienstag, erfolgte Attentat aiwf den MMtavromnMidwnten "des ’ Sudan, General Le e S t a ck, verantwortlich und fordert mit 24stüMger Beifvlstung die Epgreifung der.strervgistLn Maßnahmen geg«m die MtieuigZschö. -Propäga'nL>a. Gin. Gingriff in Ms st ü ck Ls3 rechtl i che B e r hältn i s Aegyptens zu England' wird' riicht vorgenommen, Wohl deshalb, weil dies zur'AUfr0lliu-ng der gesamten afvkkanischen Fragen.führen -würde,wasr>ie^ Situation im gegenwärtigen Zeitpunkt unheilvoll komplizieren würde. Doch wivd, was w>ohl!de.r wichtigste Punkt in diesem Ultimatum ist, die vollständige Muimung des Sudan, das ist des Gebie-e's am OberlM'f des Nil, gefs», dert. Die englische Regierung nimmt also die Gelegenheit' wahr, diesen Punkt ihrer Rechnung mit Aegypten voll- Kommen zu liquidieren. Für die ägyptischen Hoffnungen aus ld'e Befreiung des Sudan ist dieses Attentat, wie die Note zeigt, ein schwerer Schlag. Der Ministevpväsrdent SaidZaghlul war v-r einigen Monaten nach London ge'komniLn und Hatte hier Lange 'Unterredungen mit Mae Donald, in denen er vergeblich versuchte, den Anschluß des Sudan zu. erreichen. Seine ^Bemühungen ^wurden zum Teil auch durch die in Chartum ausgebrochene Militarrevolte iecetteTt, bet der ägHP11 f che Kadetlen Vre englischen Offiziere ermordeten. Sie wurden verhaftet und achtzehn von ihnen zu langjahrlgem Kerker verurteilt. Das Scheitern der Mission ZagWuls war der unmittelbare Anlaß einer Reg.ieru.ngskvise, die Zaghlul selbst aus Intrigen | -belim König Fuad zurücksührbe. Es gab Straßendemonstrationen in Kairo, die von der UnabhängiMit'sPartei ausgingen; Zaghlul demissio.nler.te, zog aber schon nach wenigen Stunden se-inen Entschluß wieder zurück. Das neue Mentat' ist wie alle Handlungen dieser Art «in Akt der Schwäche und politischen Unfähigkeit. * Das Attentat traf den General auf der Fahrt Ins Kriegsminisberimn, wo er an einem von der Lady Allenby zu Ehren Asquiths gegebenen Empfang teilnehmen sollte. Das Automobil war von den Verschwörern umstellt worden, die erst eine Bombe schleuderten. Ms diese nicht explodierte,, wurden etwa dreißig Schüsse aus den Wagen abgegeben. Der Chauffeur wurde verwundet, führte jedoch das Auto noch bis zur Residenz und wollte dann flüchten, wurde jedoch verhaftet. Der Täte? vevhastrt. Unter dem Verdacht der Mitwisserschaft an dem Morde ist ein«'Gruppe von zwanzig Personen, zumeist ehemalige Ägyptische Beamte im Sudan, verhaftet worden. Diese Maßnahme erfolgte mf Grund des Geständnisses des Chauffeurs des Ermordeten, der von der Tat viel gewußt zu haben scheint und die Personen der Attentäter bezeichnen konnte. Der Täter selbst soll ein junger Mann sein, angeblich ebenfalls ein entlassener Sudanbeamter. Im Körper des ermordeten Generals wurde ein Dumdumgeschoß konstatiert, das durch die Lever ins Herz gedrungen ist. Im Automobil des Ermordeten lag eine zweite Durn-urrrpdtrone. Nach einer Meldung des Matin" haboit sudanesische Soldaten gemeutert und ihre englischen Offiziere getötet. Angeblich drohen die englischen Soldaten in Kairo mit Repressalien. Diese Meldung scheint jedoch den Tatsachen nicht ganz zu entsprechen, da der Berichterstatter hinzufügt, daß die Bevölkerung zwar bestürzt sei, aber sich ruhigverhalLe. Es wäre auch unverständlich, an wem Repressalien zu üben waren, da englische Soldaten niemals unter dem Befehl nichtenglischer Offiziere stehen. * Ja den Londoner politische« Kreisen herrscht große Erregung. , D ie C He ss de r Mar i n e, der Ar Me e und d er f? Hlvsg engkr Ls La" - / sind zu einer ^onfertztitz brrttstzn worden. Außenminister .Austen C Hamver l ai n hat ein Memorandum über die ans dem Attentat sich ergebenden Fragen ausgearveitet. Seine Borschlage wurden, dem ekglischen Oberkommissar in Kairo, General A l s e n v y, übermittelt, der sie in der Form einer befristeten Note an die Regierung Zaghlul leitete. Der britische Kabinettsrat. 8 o n d o n, 22. November. Seit längerer Zeit ist der Kabinettsrat heute zum erstenmal an einem Samstagnachmittag zusammengetrete». Die Sitzung dauerte eineinhalb Stunden. An Lord Allenby wurde eine energische Rote gerichtet, die von dem Oberkommissar heute dem Ministerpräsidenten Zaghlul Pascha überreicht wurde. Lord Allenby wurde, als er sich zu Zaghlul Pascha begab, von einer Kavallerieeskadron begleitet. Unruhen in Alexandrien. London, 22. November. Heute am Tage der Beisetzung des ermordeten Generals Sir Lee Stack, kam es in Alexandrien zu großen Unruhen. Nationalistische Studenten durchzogen die Straßen mit den Rufen: „Nieder mit England", „Nieder mit der britischen Flagge" und „Hoch die Freiheit. Ein Flotten ge sch w ader von britische« Zerstörern ist nach Alexandrien unterwegs. Auch , die englische F l o t t e, die in -er Adria kreuzt, soll Order erhalten haben, sich nach Alexandrien zu begeben. Snglaad und Rußland. Eine scharfe britische Note. London, 21. November. (Havas.) In der zweite n an Rußland' gerichteten Note wird erklärt, die Refterung halte den Brief Sinvwjews für authentisch und 'werde Wer diese Frage nicht dNutieren. Die englische Regierung betrachte den Brief als einen Beweis der revolutionären Propaganda der Dritten Internationale. Dieses System sei mit dem von den Sowjets eingeaanenen V erstlich ln n g e n u n v e r >e i n ba r. In der Note wird die Sow'jetregierung schließlich aufmerksam gemacht, die Folgen, die sich aus der Absicht, die Vorstellungen Eugkttids außer acht zu ilassen, entwickeln -tönnten, mit allem Ernst zu erwägen. In einer -dritten Note lehnt die -britische Regierung die b>3<n der. Sowsttregierung geforderte Ents chuldigu ng ach. \ : ,;v? Frmet Pascha mülkgetteten. Fethi Bei mit der Kabinettsbildung betraut. (Eigendienist der „Wiener MorgenzvitiMz".) London, 22. November. Die Demission der Angora. Regierung (die die „Mener Morgenzeitung" bereits gestern angekündigt hat) ist gestern erfolgt. Ministerpräsident Jsmet Pascha ist zurückgetreten, und zwar, wie Havas mitteilt, aus den in solchen Fällen üblichen Gesundheitsrücksichten. Die Gründe seines Schrittes liegen in dem Verhaften der oppositionellen Volkspartei, die zumeist aus Abgeordneten des europäischen R e st e s d e r T ü r k e,i besteht und gegen die von Mustafa Kemal befolgten Tmdenzen erbitlert ankämpst, das europäische Gebiet mit der Hauptstadt Konstantinopel, die er wegen ihrer monarchistischen Stimmung haßt, zu bagatellisieren. Nach längeren Beratungen mit der Mehrheits-, Partei hat Mustafa Kemal Pascha die De-' Mission Jsmet Paschas a ngenommen und Fethi Bei mit der Kabinettsbildung betraut. Fethi Bei hat. die Miffion übernommen. Es ist wahrscheinlich, daß das Kabinett noch heute gebildet werden wird. Fethi Bei war der Vertreter der Angora-Regierung bei den Lausanner Friedensverhandluügeu. Md el Krim dittiert die BchingMgeu. verloren. Paris, 22. November. - . Nach ei-ner Meldung der „DaÄH Mall" Mt der WsMutz emes Waffenstillstandes in Marokko bevor. Die UnckMandlungen zwischen den Vertretern Spaniens und Abdel Krim -hätten zu omem GlnvernchMen geführt, wonach der BaffenstAsta-nd UMNitteWar nach dem R-ückzug der spanischen Truppen hinter die lÄm den Unterhändlern sestge'legte Linie cibg'öschlossen werden soll. Nach einer Melduing des Kovrespondentem dös „Demps" in Tanger seien die Bediu-guiniAen Abd e-I Kv'.>ms follgende: 1. Kriegsentschädiguing van 20 Milssvonen. 2. Üebergabe van 12 Flugzeugs«, einer Batterie und einer Anzahl VM Maschinengewiehrsn Mt MuMou. Ferner sollen sich die spanischen Truppen aus den bis jetzt besetzten Gebieten.nach Centa und Melill-» zurückzieh en. Salaudra gegeü die Muffolivkr. Rom, 22. Noveniber. (Walff.) In der heutigen Sitzung, der Kammer sprach der chemalige Ministerpräsident Salon d r a. Er eErte, für die R-sgievung zu stimmen, da er vmr ihren guten Absichten überzeugt sei, und hasse, daß diese endlich zur Tat werden würden. Nach dieser Erklärung übte aber Swlcmdra s ch « r s e K r i t i k an den bisherigen Zuständen. Er sprach sich gegen die Gewalttaten aus und sagte, Italien sei hocherfreut, einen Mussolini in Rom zu haben, weigere sich aber, unzählige Muss oll inis-m den Provinzen anzuevkennen. Die Regierung solle alle Italiener warnen, es zu Prügeleien kommen zu lassen und in Häuser einzudringen. Bezüglich der Pressedekrete erklärte es Salandra für wünschenswert, daß diese LMmöczl-ichst durch ein technisch vollkommenes Preß-gesetz Mgellöst würdm. Die obligatorische Sonntagsruhe in Alanen. Kowno, 21. November. (I. T. A.) In der Sitzung des litauischen Sejm vom 18. November wu-vde das Gesetz über die SEutagsruche in dritter Lesung anqen o-m M'e n, so daß da's Gesetz nunmchr in Kraft ist. Laut -diesem Gesetz' ist an den Sonnbagen-und'- chvMichen Foiertagen jede Art Handel und Gewevbe, streng verboten. Nur in bezug awf den Unterricht rn jüdischen Schulen an >den Sonntagen wurde eine Erleichterung gewährt. in m-iäsrnen 5wffsn, Lslclsn- und Leinenwaren bleibt nur VI. Linke Wienzelle 40 (im Hof«) /