Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-11-21 · Heft 2068 (21.11.1924) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2068 (21.11.1924)
Date
1924-11-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2981151--21145-3008425
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Bei Regen Wind Kitte wird man leicht von Erkältung befallen. Man muss daher rechtzeitig dafür Sorge tragen, dass im Hause nie fehle der'in seiner schmerzlindernden Wirkung einzige echte DIANA Franzbranntwein mit Menthol welcher für Massage. Einreibung, Umschläge und als Qurgelwasser gleich unentbehrlich ist Ueberall erhältlich Diana - FrnnzUranntueln - Protfukllon - Ges. WIEN, II. PRAG, VIII. Engarthitraße 169 Lieben, Drahobelfova 1073 --r- 1 1 1 Um das Genfer Protokoll. Auch Frankreich für die Vertagung der Beratung. Paris, 20. Novemiber. (Havas.) Der „Matin" meldet: Die französische Regierung hat sich beut Verlangen her britischen Regierung-betreffs Vertagung der Erörterung des Genfer Protokolls, wovon sie in freundschaftlicher Weife benachrichtigt worden war, altgeschlossen, Nullen ßhamberlain — britischer Vertreter beim Völkerbund. London, 20. November. ,Manchester Guardian" erfährt, daß das Kabinett die Ernennung Austen C H a nrberlainS zum britischen Vertreter im Völkerbund bestätigt habe. In maßgebenden Kreisen wird betont, diese Er>n>sn-- n'ung sei ein Beweis für. die Wichtigkeit, die die Regierung dem Völkerbund beimefse. Eine Note des Reuterschen Bureaus, die die Havasmelduing bestätigt, fügt hinyzn, es sei u n g e w i ß, ob Chamberkiivn den verschiedenen Vevsanvmlliungen beniwohuen werde, wie dies Lord Purmoor getan halbe. Chcmrberlam 5oll a,m 5. Dezember abreisen. Der Sinowjew-Brief. Bezüglich des Smowjew-Briefes Mt es das Reu^evsche Bureau für möglich, daß die Antwort auf die Protestnote RMlvskhs im Form eines Weißbuches veröffentlicht und auf den Tisch des U-nterhanises niedergelegt werde. Las Attentat auf den englischen Sberlommandierenden in Aegtzvten. General Stack gestorben. London, 20. November. (Havas.) Der bei dem gestrigen Attentat durch Revolverschüsse schwer verwundete General Lee Stack ist, wie aus Kairo berichtet wird, heute gestorben. Der Chauffeur des Automobils, dessen sich die Teilnehmer an dem Attentat gegen General Stack bedient hatten, ist verhaftet worden. Von den Tätern fehlt noch jede Spur. Nach einigen Angaben sollen sie europäisch gekleidet gewesen sein. All« Londoner Blätter geben der E n t r ü st u n g über das iw Kairo verübte Verbrechen Ausdruck, fordern sofortige Bestrafung der Schuldigen und betonen die schweren Folgen, die für Aegypten infolge dieses Vorfalles entstehen können. „T i m e s" erklären, weder Zaglul Pascha noch das ägyptische Parl a m e n t könnten von der moralischen V e r a n twortung für bas Verbrechen freigesprachen werden. , «souitfi reist nach PMstina. London, 20. November. Äsquitl) ist, wie aus Kairo gemeldet wird/gestern vom König Fuad in Audienz empfangen worden. Er hat auch eine Einladung zum Besuche Palästinas erhalten. Bekanntlich gehörte der jetzige Oberkommandant von Palästina, Sir Herbert Samuel, seinerzeit dem Kabinett Asquith an. Asquith wird binnen kurzem in Jerusalem erwartet. Der Präsident der Zionistischen Organisation Prof. Weizmann hat an Asquith eine Einladung gerichtet, die jüdischen Kolonien in Palästina und das zionistische Werk zu besichtigen. «V.V»il,^C »’luvv l.lvVl <Ä 3n den Tod gehetzt. Ser Selbstmord der Apothekers Linsker. Der Apotheker Raphael Linsker hat gegen das Urteil des Wiener Schöffengerichtes einen inappellablen Protest gerichtet. Das Urteil bedeutete für ihn den büroerlichen Tod, und er zog es vor, aus dem Leben überhaupt zu scheiden. Er hat Briefe an seinen Rechtsfreund und an den Leiter des Sanitätswesens der Stadt Wien gerichtet, in denen er seine Unschuld beteuert. Diese Briefe hat er knapp vor seinem Tode geschrieben, in einem Augenblick also, in dem man die volle Wahrheit zu sagen pflegt. Auch vor Gericht hat Linsker in seiner Verantwortung durchaus den Eindruck des ehrenhaften Mannes gemacht. Sein Verteidiger, Gemeinderat Dr. Plaschkes, wird alle Schritte unternehmen, um den Toten zu rehabilitieren. Wie wir erfahren, beabsichtigt Dr. Plaschkes, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die Wiederaufnahme des Verfahrens durchzusetzen. Es sind bestimmte Anzeichen daNr vorbanden, daß Linsker ein Opfer der a n t i se m i t i s che n P e st ist, die in Österreich schon f* arassir^t dos R"ch^- empfinden i>n unheimlicher Wei'e zerstört. D.ie Verfehlungen, deren sich Linsker schuldig gewacht hat, sind in anderen Fällen, wie wir schon im gestrigen Frühblatt hervorgehoben haben, weitaus milder beurteilt worden als bei diesem Angeklagten. Die Erschwerung lag darin, daß er Jude, ja sogar Ostjude war und dafür noch besonders geistraft werden mußte. Ebenso wie das Hauptverfahren ist auch die Untersuchung gegen ihn mit auffallender Schärfe geführt worden. Linsker bezeichnet den Inspektor Hoher .des Bolksgefundheitsamtes, der als staatlicher Visitator die Gebarung der Apotheke zu untersuchen hatte, als seinen Hauiptfeind, und wirft ihm vor, er habe die Fettproben, welche die Schuld des Apothekers erweisen sollten, unterschoben. Diese Anklaae wird genau zu Prüfen sein, und dies um so. mehr, als sie von einem Toten erhoben wird. Insbesondere aber wird festzustellen sein, ob es wahr ist, daß Hoher bei der Beschlagnahme der verdächtigen Medikamente die gesetzlich vorgeschriebene Gegenprobe nicht in der Apotheke zurückließ. Die von Linsker hinterlassenen Briefe lauten: An Gemeinderat Dr. Plaschkes: „Ich beteure Ihnen vor Gott als Sterbender, daß ich unschuldig bin. Hoher bat die Proben gefälscht und mich ermordet. Bitte, bezüglich der Apotheke sich meiner Frau anzunehmen." An Stadtrat Tandler: „Im November 1923 hatte ich Ihnen erhärt, daß ich unschuldig bin. Sie haben mir nicht geglaubt. Vielleicht glauben Sie mir jetzt, einem Sterbenden, daß Hoher die Proben gefälscht hat, um eine Anklage zu erfinden und pm dann dem Gericht.zwei Sachverständige zu nominieren, die seine Henkershelfer sind." Der Abschiedsbrief des Apothekers an seine Frau enthalt unter anderem folgende Satze: „Verzeiht einem Unglücklichen diesen Schritt, ich tonnte nicht anders. Glaubt einem Sterbenden, daß ich unschuldig bin. Hoher hat mich ruinieren wollen und hat die Beilis- Geschichte zusammengebracht. Ich konnte mich nicht verantworten, daß er die Proben gefälscht hat, aber er hat Gelegenheit gehabt und hat es getan. Er hat dem Gerichte die Sachverständigen vorgeschlagen, deren Freund ist." Die Affäre des Angestellten Keitfch. Wir haben in unserem gestrigen Bericht auf Grund von Informationen aus Apothekerkreisen der Vermutung Ausdruck gegeben, daß der Fall Linsker aus der Hetze eines entlassenen Angestellten, des Magisters K e i t s ch. entstanden fei. Magister Keitsch. welcher in unserer Redaktion erschien, ersucht uns nur die Feststellung, daß er woh! aus Anlaß seiner Entlassung aus dem Dienste Linskers gegen diesen Prozesse wegen seiner Abfertigung als auch einen Eh re nbeleidiguna sproze ß zu führen hatte, in welchen Linsker sachfällig wurde, daß ex jedoch d'e von Inspektor Hoher vovgenommene Revision in der Apotheke Linskers weder veranlaßt habe noch mit ihr in irgendeinem Zusammenhang stand. Frühere Wische Minister in England. Wir berichteten bereits, daß dem Kabinett Baldwin zwei Juden, und zwar Sir Philipp Sassoon als Unterstaatssekretär für Luftschiffahrt und Mr. Artur M. Samuel als solcher für auswärtigen Handel angehören. Ist es auch jetzt das erste.Mal, daß Juden in einem konservativen Ministerium Platz gefunden haben, so hat es auch schon früher Kabinette in England gegeben, die Juden (nicht Judenstammlinge) zu ihren Mitgliedern zählten. Der erste jüdische Minister in England war der gegenwärtige Oberkommissär von Palästina, Sir Herbert Samuel, welcher Staatssekretär im Kabinett Asquith war. Mr. Edwin Montagu war Staatssekretär für Indien, während zu selben Zeit Sir Rufus I s a a c s (jetzt Lord Reading) als Generalstaatsanwalt des Reiches dem Kabinett angehörte. Zum Ableven Edwin S. Montagus. Wie schon kurz berichtet, ist am 16. d. der frühere Minister für Indien, Edwin Samuel Montagn, in London im Alter von 45 Jahren gestorben. Er war ein Bruder des gegeitwärtigen Lord S w a y t h l i n g und der zweite Sohn des ersten Lord Swaychlmg, der unter der Judeniheit -der ganzen Webt als Sir Samuel Montagu bekannt ist und >der der Gründer und Präsident der Synagogenvereinlgnng in London war. Edwin Samuel Montagu betätigte sich in der liberalen Politik seit 1906, da er bei seinem Eintritt ins Parlament, Parlamentssekretär Asquilhs wurde. 1910 wurde er zum Unt'erstaatssekvetär für Indien ernannt. 1914 wurde er Staatssekretär der Finanzen und 1916 Mitglied des Kabinetts als Kanzler von Lancaster. Später wurde er der Nachfolger Llohd Georges als Mumtionsminister. 1917 wurde er Staatssekretär für Indien. Er inanguvierte in, Indien eine stark reformierte Politik, die darauf zielte, das indische Volk in engeren Kontakt mit der 'indischen Regierung zu bringen. Sem damaliger Bericht über eine inidische Verfasiungsveform erregte starkes Anssehen, die in dem Bericht vorgeMagene Politik erhielt den Namen „Montagu-Chelmsforb-Nesormpolitik". Sein Rücktritt im Jahve 1922 erfolgte, als er auf eigene Verantwortung ein Telegramm des Lord Reading (Sir Rufus Jsaacs), Vizekönigs von Indien, veröffentlichte, in welchem eine die Türkei begünstigende Revision des Vertrages von Sevres befürwortet wurde, um die indischen Mohammedaner für Großbritannien günstig zu stimmen. 1915 heiratete Montagu eine Tochter Lord Sheffields, die während des Krieges energisch gegen die Rekrutieru-rg russischer Juden in England auftrat. Montagu war ein Vetter Sir Herbert Samuels, des Oberkommissars von Palästina, sowie von Sir Stuart Samuels. Bischof Fraknoi gestorben. wie aus Budapest berichtet wird, ist der bekannte Historiker Bischof Wilhelm Fraknoi i>m Aller von 82 Jahri;? gestorben. (Bischof Fraknoi entstammte einer jüdischen Familie in Uermeny in der Slowakei und hieß ursprünglich Frankl. Er schrieb zahlreiche historische Werke und erhielt im Jahre 1892 den Bischofstttel. Er ist auch politisch hervorgetreUn.) - - jj{| @tflJ Aus Graz wird gemeldet: Der um 15 Uhr 42 Min. vom Grazer Hauptbahnhof abgegangene Personenzug ist in der Nähe des Schlachthauses Karlau infolge falscher Weichenstellung auf ein Nebengeleise geraten und tit eine Gruppe von Güterwagen gefahren. Zwei Dienstwagen des Personenzuges sowie ein Güterwagen wurden z e rtrümmert. Zwei Fahrgäste und ein Eisenbahnangestellter wurden schwer, zwei Eisenbahnbedienstete und ein Fahrgast leicht verletzt. Der. Personenzug wurde auf den Hauptbahnhof zurückgezogen, von wo nach Beistellung einer neuen Lokomotive um 17 Uhr 45 Min. die Abfahrt erfolgte. Brand im Triester Hase». Mailand, 20. November. (Del.-Komp.)' Jan Freihafen von Triest hat in der vorigen Nacht eine heftige Feuersbrunst gewütet. Der Brand war in einer Lagerhalle des Aoyd Triestino ausgebrochen und hatte in kurzer Zeit einen großen Umfang angenommen, zumal gleichzeitig auch ein südslawischer Dampfer in Brand geriet. Da an eine Rettung der Lagerhalle nicht zu denken war, beschränkte sich die Feuerwehr auf die Eindämmung des Brandes. Alle in der Nähe liegenden Dampfer mußten di« Anker lichten und abgeschleppt werden. Wieder rin Schmuggler an der ungarischen Grenze erschossen. Ans Sauerbrunn wird uns berichtet: Der ungarische SchmuggkL Johann Leib in gor aus Ratot in Ungern wurde bei Reinersdorf, 17 Schritte südwestlich des Grenzsteines C 84, einen Schritt diesseits der Grenze anf öfterreüchisch-em Boden durch einen ungarischen Soldaten namens B a k o n y i aus BaGzen-tmihaly durch einen Bauchschuß getötet -und dann über die Grenze nach Ungarn verschleppt. 'Noch in der Nacht waren zwei ungarische Kommissionen am Tatorte erschienen nnd hierbei hörte man, wie ein ans St. Gotthardt gekommener Offizier den Bakonyi in <mi geregtem Ton tadelte, weil er die Leiche nicht an Ort und Stelle liegen gelassen >hat. Der Gelötete wurde nock am selben Abend von seinem Vater agnosziert. Gegen den Unsng der Preisansschreibnugen- Das Bundesministerinm für Inneres hat auf Grund des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb eine Verordnung erlassen, in welcher verboten wird, Waren oder Leistungen in der Form zu betreiben, daß die Lieferung der Ware oder die Verrichtung der Leistung oder eine nebst der Ware oder Leistung zu gewährende Zuwendung (Prämie) von dem Ergebnis einer Verlosung oder einem anderen Zufalle abhängig gemacht wird. Ausgenommen davon sind Verlosungen, die eine geistige Arbeit erfordern oder von einer Kommission entschieden werden. Diese Verordnung tritt bereits heute in Kraft und wird der Polizeibehörde die Handhabe geben, gegen die in der letzten Zeit überhand nehmenden Preisausschreibungen einzuwirken. Bei den Behörden sind besonders in der letzten Zeit auS der reellen Geschäftswelt zahlreiche Beschwerden emgelaufen, in denen gegen diesen Unfug Stellung genommen wird. «*5sr ^4194534

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.