Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2067 (20.11.1924)
- Date
- 1924-11-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Baalbek 1× ep/1044063
- Haifa 1× ep/1047930
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- Safed 1× ep/1046078
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Nr. 2067_Men, Donnerstag_ Sie werden er nie bereuen wenn Sie den Rat befolgen: * Ihren Körper widerstandsfähig u. widerstandskräftig zu machen. Im Kampf ums Dasein spielt es eine grosse Rolle, dass Sie keinen Tag ferneren, dass Sre durch keine Erkältung gezwungen werden, tagelang Ihrem Geschäft, Ihrem Buieau fernzubleibeit. Gebrauchen Sie ständig jeden Tag DIANA Franzbranntwein mit MENTHOL «md Sie schützen sich am besten gegen alle Unbill des Winters und des Alters. Uaberall erhältlich! iüiana-Franzliraimtwein-ProcInktioii-Ees. Wien, n., praq, viii., Bngarthstrall« 169 Lieben, Drahobeijova 1073 Tagesbericht Zeitweise Ermäßigung der Lustbarkeitrabgade. Stadtrat B r e i t n e r Hot sich entschlossen, eine E rmäßigung der Lustbarkeitsabgabe zunächst für die Monate November und Dezember dieses Jahres zuzugestelhen, und zwar in dem gleichen Ausmaße, in welchem eine solche Herabsetzung dieser Abgabe bereits früher einmal während der Sommermonate bewilligt wurde. Es sollen in bevücksichtigimgSwürdigen Fällen der Satz von 10 Prozent um höchstens die Hälfte und der Satz von 30 Prozent um höchstens ein Drittel herabgesetzt werden. die zweite PalSftina-AegMen-Reise der Sportklubs Hakoah. Der Sportklub Hakoah (Wien) hat, ermutigt durch den großen Erfolg feiner ersten Polästina-Aegypten-Reilfe, die an ihn ergangene Einladung aus beiden Ländern angenommen. Am 25. Dezember nvmmt^ie diesjährige Reise ihren Anfang. Zahlreiche Anmeldungen aus verschiedenen Ländern zeigen das große Interesse für diese Fahrt. Nach dem Ansen Halt in Aegypten findet eine Fahrt per Auto durch Palästina statt, welche den Teilnehmern Gelegenheit gibt, die Städte und Kolonien sowie die historischen Orte und Ausgrabungen genau kennen zu lernen. Nur einige der Progr.aurmpnnkte seien hervorgchoben: Nach zwei Tagen Alexandrien, acht Tagen Kairo, HeliopoliS, Memphis und Mastaba gcht es über den Suezkanal durch die Dmsi-Wüste nach Haifa, Mo, über dm Karmel, Nahalal, Nazareth nach Liberias, Migdal, Safed, bis Roschpina, durch den Emvk Jesresl nach Jerusalem. Von hier Ausflüge nach Bethlehem, Hebron, nach Jericho und zum Toten Meer, dann durch die Kolonien Dilb, Rifchon le Zion nach Del-Awiw (Jaffa) und von hier zurück nach Alexandrien. Am 80. JLnmr früh trifft die Reisegesellschaft in Wien ein. Das Management der Reise hat Herr Dr. Paul D i amant übernommen. Anfragen sowie Anmeldungen sind bis spätestens. 30. d. zu richten an das Bureau der Reiseleitung, Klulbheim Hakoah, Wim, 2. Bez., Schiftamtsgasse 16, Tel. Nr. 42-2-61. Bon Knrpfnschern zu Lode gemartert. Aus Gleichenberg wird gemeldet: In Gossendors ist die Besitzersgattin Anna Spork, die seit längerer Zeit an Zcheumalismus und Gicht litt, als Opfer von Kurpfuschern qualvoll gestorben. Die Mutter der Spörk suchte zuerst beim „Höllerha nsl" (einem Bauerndoktor m Stainz) Linderungsmittel für ihre Tochter, doch wurdm Herrn Spörk die Auslagen zu hoch. Als das Ehepaar Alois und Theresia Schwei, ger bei Spörk um Aribeit ansuchten und erklärten, sie verstünden sich auch aufs Heilen, nahm Herr Spörk sie in Dienst. Die Kur begann damit, daß der Krankm Zementsäcke, die zuvor in heißes Wasser getaucht wurden, auf den Körper gelegt wurden. Da Frau Spörk diese Roßkur nicht vertragen konnte und sich dagegen wehrte, legten sich die Schweigers über sie, um das Abwerfen der heißen Säcke auf diese Weise zu verhindern. Später wurde Frau Spörk Aloe eingeflößt und die Kur trotz des Widerstrebens der Patientin, der das Fleisch vom Rücken und von den Fersen abging, fortgesetzt, so daß Frau Spörk starb. Das Ehepaar Schweiger ist flüchtig. Ei» neuer englische» Riesenlustschiff. In zweieinhalb Tagen nach New-Jork. London, 19. November. Das LusifahrtMM'istvrium veröffentlicht nähere Angaben über das neue britische Riesenluftschiff „R. 101" das in Cardington gebaut wird. Seine Verdrängung wird ungefähr fünf Millionen Wiener Morstemektrmg. 20. November 1924 Seit« 8 Gn österreichisches Todesurteil. Der verurteilte Apotheker Linsker verübt Selbstmord. — Ein Iustizpogrom zugunsten de« „arischen" Apothekergewerbes. Wie wir gestern berichteten, wurde der 43jährige Apotheker Raphael Linsker, welcher die Apotheke „Zum heiligen Johannes" am Bürgerplal; führt (er ist Besitzer der halben Apotheke, die andere Hälfte hat er bei dem früheren Besitzer Dr. Bunzl gepachtet), wegen Betruges, begangen durch V erkauf nt inderwertiger Heilmittel und Gefährdung der öffentlichen Sicherheit zu sechs Monaten Kerker und dem Verlust seines Magisterdiploms verurteilt. Das Urteil hat auf Linsker einen so niederschmetternden Eindruck gemacht, -aß er gleich nach der Verkündigung zu seinem Verteidiger Dr. P l a s ch k e s äußerte, er werde Selbstmord 'begehen. Es gelang Dr. Plaschkes anscheinend, Linsker zu beruhigen imb dieser begab sich in den Wohnraum bei der Apotheke, den er mit seiner Frau und drei Kindern teilt. Bon dort entfernte er sich jedoch noch am selben Nachmittag mit der Angabe, er müsse seinen Verteidiger aufsncheu, und war seither abgängig. Wie uns in später Abendstunde nntgeteilt wurde, ist Linsker im Hotel Bayrischer Hos tot ansgesunden worden. Er hat sich vergiftet. Wir haben bei Standesgenossen des toten Apothekers über den „Kriminalfall Linsker", der mit außerordentlichem Applomb in Szene g setzt wurde, Erkundigungen eingezogen und dabei ergaben sich geradezu fürchterliche Dinge: Der „Kriminalfall Linsker" ist aus der raffinierten Hetze eines entlassenen Angestellten namens Keitsch entstanden. dem es gelang, den Inspektor H o y e r des Volksgesundheitsamtes zum Bun-desaenoffen zu . erha'ten. Zu ihnen gesellten sich der berüchtigte Staatsanwalt Nahrhaft und Zwei Sachverständige, die „zufällig" Mitschüler, beziehungsweise Mitarbeiter des erwähnten Inspektors Hoher sind, nämlich der Prozessor für Pharmakologie Wassitzky und Hofrat Weiß vom Volksgesundh-eitsamt. Die Ernennung der Sachverständigen erfolgte derart, daß Professor Wassitzky aus Vorschlag H o h e r s und Hofrat Weiß aus Vorschlag des Professors Wassitzky ernannt wurden. So etwas ist in Oesterreich möglich, wenn der Beschuldigte ein Jude aus Moserska ist, der rm Jahre 1922 aus Solotwina nach Wien gekommen ist und hier gerade im Apothekergewerke, in welchem die Herrschaften vom Hakenkreuz das gr.'ße Wort führen, für sich und seine Familie den Lebensunterhalt finden wollte. Me Bemühungen des Linsker, die Angriffe und die auf Vernichtung seiner Existenz abzielenden Umtriebe abzuwchren, scheiterten und es kam zu einer Verhandlung, die auf einen Justizpogrom hinauslief. Linsker wurden Dinge znnr Vorwurf gemacht, die wahrend der letzten 15 Jahre in etwa Hunde rt- Kubikfuß betragen. Das neue Luftschiff wird dreimal so groß sein wie das das größte bisher gebaute und das erste aus Stahl hergestellte Luftschiff sein, auch die Propeller werden aus Stahl bestehen. Es wird sieben Motoren von je *500 Pstrdekräften besitzen Das Schiff wird eine Höchstgeschwindigkeit von 70 Meilen stündlich entwickeln können und über 100 Passagiere mit sich führen. Die Länge beträgt 720, die Höhe 140 und der größte Durchmesser 130 Fuß. Mau hofft, daß das Luftschiff die ersten Urbunassahrten Ende 1926 werde beginnen können. Die erste Fahrt werde im Jahre 1927 nach Indien ausgeführt werden. Man schätzt, daß die Fahrt nach Mw-Aor! in zweieinhalb nach Kapstadt in sieben, nach Indien in fünf bis sechs und nach Australien in zehm Tagen zurückgelegt werden kann. Irr salomonische Turm aufgedeüt. Ein« bedeutsame Ausgrabung in Palästina. Der Mitarbeiter Professor Ataoalisters bei den Ausgrabungen in Palästina, Rabbiner I. Garrow Duncan, hat, als er die Ausgrabungen bei der David-Stadt am Berge Ophel fortsetzte, einen „salomonischen Tu;in" von 40 Fuß Höhe entdeckt. Ter Turm, der zwei Bastionen hat, gewährt «inen überraschend schöneil Anblick. Er ist mit P l astiken im davidschen Stil mit salomonischem Einschlag verziert. Die Entdeckung hat in ganz Palästina großes Aussehen erregt. Touristen ans allen Teilen Palästinas eilen herbei, um den Turm zu betrachten. Die Negierung hat sofort Maßnahmen ergriffen, den Turm als nationales D e n I in a l zu erhalten. Der Morv an einem Wischen KrirgsmvMve». Der Mörder verhaftet. Wie mi'geteilt, wurde vor kurzem der Briefmarken Händler B. nno H a m b u r g e r, ein Sch wevkriegsbeschädigtex, in seiner Wohnung, Hauckurgerstraße 76, ermordet ansgefunden. Nunmehr wurde ein gewisser Otto L e e st alias Harrv Merkel, der einmal der Reissbegleiter des kriagsih schädigten Hamburger war, verhaftet. Lccst leugnet, mit dom Mord etwas zu tun zu haben, doch wird er trotzdem als überführt angesehen. Lausend Fälle n bei Apothekern vorgekommen utrt teils nachgesehen, teils mit kleinen Geldstrafen durch die politischen Behörden geahndet wurden. Dieselben Verfehlungen aber mußte Linsker durch ein Gerichtsurteil aus Kerker mit» Verlust seines Diploms büßen, ein Urteil, das in diesem Falle einem Todesurteil gleichkomntt. Der Verteidiger Linskers, Gemeinderat Tr. Plaschkes, teilt uns über unsere Anfrage folgendes mit: „Linsker ist zunächst das Opfer einer planmäßigen politischen Verfolgung, wie sie im Apothekerberufe gegen Juden seit mehreren Jahren gang und gäbe ist, und nach meiner Persönlichen Kenntnis besonders von dem Anzeiger Linskers, dem Dr. Otto Hoher, Inspektor der pharmazeutischen Untersuchungs- 'instalt, geübt wird. Dann aber wurde an dom Manne auch eine schwere Verfehlung seitens des Gerichtes bei Auswahl des Sachverständigen begangen, auf deren Bestellung der Urheber der ganzen Verfolgung, Doktor Hoher, wie aktenmäßig festsieht, Einfluß nabm. Deshalb wurden seine besten Freunde, Partei- und Amtsgenossen als Sachverständige bestellt und man muß wissen, was das in einem Prozeß bedeutet, in dem es bloß auf Sack-verständige ankommt. Es ist den Herren gelungen, seit Abschaffung der Todesstrafe in Oesterreich das erste Todesurteil zu fällen. Aber nun wird den Herren Tietze, Nahrhaft, Wassitzky, Weiß und Hoher ein Lied gesungen werden, das ihnen und der ganzen Oeffentlichkeit in den Obre" gellen wird." Linskers Tod. Ueber den Selbstmord Linskers erfahren wir: Dienstag abends hat sich im Hotel ein Passagier eingemietet, der ganz ohne Gepäck kam. Er nannte sich „Rudolf Gutwirth", Kaufmann <m& Lemberg. Nachdem er sein Zimmer bezogen, ließ er sich noch einen Kaffee geben. Seither hat man von dem Gast im Hotel nichts mehr gehört. Ta oftmals Gäste, die von der Reise müde sind, spät aufzuistchen pflegen, hegte man keine Besorgnis um den vermeintlichen Lembevger Kaufmann. Erft um 3 Uhr nachmittags fiel es doch auf, daß er sich nicht zeigte. Man Köpfte an der Tür seines Zimmers, und als es drinnen still blieb, sah man nach, und fand den Mann tot im Bette auf. Unter seinem Kopfpolster lagen eine Million Kronen, dann Uhr und Kette und das Portefeuille sowie drei Abschiedsbriefe, einer an Frau Linsker, einer an D.'ktor Plaschkes, der dritte an den amtsführenden Stadtrat Professor Dr. Tandler. Der Tote wurde als der abgängige Linsker agnosziert. Er hat aus seinem Laboratorium 50 Gramm Morphium mitgenommen und davon etwa zwei Dezigramm genommen. Der Tod muß entweder in den späten Nacht- oder in den ersten Morgenstunden eingetreten sein. M neuer Bubenstreich der Hakenkreuzler Sie demolieren die Siatue der Rachel. Wie I. T. A. aus Berlin meldet, halben amtrsoiimische Ju:gendbündler das berühmte Denk -mal der französischen Schauspielerin Rachel, das ne'ben dem Schlößchen auf der Pfauemnscl bei Potsdam stand, demoliert. Während ernlvge DüMer di.e Mvfm-vrksMnkeit des Schloßpersonales Menkten, führte e!in anderer einen wuchtigen Hiob gegen den Kopf der Staitiue. Der Hiob zerrrümmevte das Diadem, doch blieb das Gesicht unversehrt. Die Statue wurde sodann vom Sockel emtsernt und in den Keller des Schlößchens gebracht. Dieses Denkmal war nicht mir eint hervorragendes Kunstwerk, sondern auch ein historisches Wahrzeichen, welches an den im Juli 1852 abgeschilossawen Prvußrsch-vn>siischen Bündnisvertrag, der mehr als ein Menschenalter dauern sollte, erinnerte. Als im Juli 1852 Zar Nikolaus Gast des Königs Friedrich Wilhelm des Vierten war, lud der König die in Berlin aasticrrr.de berühmte Tragödin Rachel auf das Jtkselschlößchen, bainiit sie der Hofgesellschaft Vorspiele. Die Rachel bezauberte dte betd.'n Herrscher durch ihr unvergleichliches Spiel; der Zar lud ne persönlich nach PeterIburig ein. Friedrich Wilhelm der Vierte schrieb ihrem Spiel die Wirkung za, daß Zar Nikolaus den Bündnisvertrag nnrerzeichnete. Als Zeichen der Dankbarkeit für die Künstlerin ließ er am 15. Juli 1852 vor dom Pfaueninsalschlößchen, genau am der derselben Stelle, au -er die Rachel so e-rsolgwich tragierte, die Alabasterstotue der Künstlerin a ns - stellen, die nun dem antisoimtischen Vandalismus zum Opfer siel. Die verführte hcokenkreuzlerrsche Jugend setzt die Serie ihrer lbavbarischrn Bubenstücke tnit Grazie 'fort, Nachrichten von der VerwüstMg jüdischer Friedhöfe, Schättdnng und Beraubung einer Synagoge waren die vorletzten. von der Vernichtung eines Kunstwerkes von historischem Werte das vorlärtsig letzte Siegesbullet'iu von der hakenkranzlerischen Front. Die Totengräber deutscher Kultur und Würde sind sletßig und erfolgreich. t WerbetAbonnenLensürdie 6 1 .Diener Morgenzeituvg" I