Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2066 (19.11.1924)
- Date
- 1924-11-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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'WT' WWWWWWW Gell« 9 Wien, Mittwoch Ae Nudavefter Bombenwerfer. Der erll« Verhan-lungstag gegen Marfsy und Genossen. (Vi^enidkinst Vor ^Wiener Morqenzeit^mg".) Budapests 18. November.' Dzr dem Hiesigen Straf? , gerichtshof wurde heute die Verhandlung gegen die , Bombenattentäter Marfsy un- Genessen eröffnet. Die ■ -er. Bechmchlung vc ra usgeg-MgewenPorfW,, .2)rMr.'D : umd'söirstWn terroristischen Auftritts welche Von' den'Be- ' schützern Marfsys in. Szene gesetzt wurden und über die i Ihr Korrespondent bereits ausführlich berichtet hat, führt ieN zu üw'sassen'den Sicherheit s'.naßnahMen iw i und Mt daS 'Geri'chtkgM'Ur«, damit Störungen der Ber-! hcvMung verhindert werden. Sämtliche Zeugen — es sind i etwa 159 vvvgladm —, die Funktionäre des Gerichlrh ses' - 'sowie die Derteidi^r müssen sich a u s w e i s o n, mm iü -ckS ^GerichtsaebäuL« Cinkaß zu ethÄXen, es ist nur'eine des chr änkt e An za HL von Eintritt'Llkarten ausgegeben, Frauen iist der Eintritt nicht gestattet, die Angeklagten werden auf Umwegen unter starker PÄi-zü- Ledeckung idnrch NcLeneingänge' 'iitBerhaudlchtIgebäude gebracht. .Nach der Eröffnung, der VevhandlungveLlanZtder Staatsanwalt die sofortige Inhaftnahme des auf freien Fuß befindlichen Angeklagten Bola Treu k a, der gestern einige Zs''-en auf der Straße bedroht hatte, wenn sw . belastend ' aus sagen. D e.r Ge r i ch t s Hof lehnt dem Antrag ab. Sodann wird die Anklageschrift verlesen. Die emzelnrn Attentate sollen in Verschiedenen Gruppen verhandelt werden-; zunächst gelaugt das Attentat gegen das El Lsabelhstadter Kasino und der Attentatsversuch gegen die orthodoxe' Sy n ago g e von Neupest zur Verhandlung. Ter Hauptangeklagte ' Hofes M a r f s'h len g n'e t die - chm Kur Last gelegten 'Taten und erklärt den Widerspruch zwischen feiner hsutigen'Aussage und.seinen vor der P-clizei abgegebenen EEarungen.damit, daß er der der pciizeilichrn Untersuchung g e prügelt' worden sei. Marfsy und die unter 'fernem Kommando flehenden übrigen Angeklagten wiedrrholen hier die bereits M S z o l n o k e r Bcmbenproz-cß be-. wWtte Mechode, rh!r 'Msb8mmH:zü>widsrrufen uuh^ die polizeiliche Untersuchüygfür drssvühsr abgegebene Geständnis, verantwortlich zu machen. Marfsy. gibt dann -an, daß die nationaIe Abw «H rach t-e i l.U n g des Vereins der Er wo che nd e.w Ä yga xn eine o f f:i zi e U « m i I i t ä r i s ch e Orggni-saction war, von deren BÄdung der Mi- «it;f r.des^Jniutrn und der Honvedmi-n4ster Kenntnis.hatten. Als er dannüberMitteilungeuspricht, welche rm -Jahre-. 1919 .-der W i euer 'Gesandte d?r uu-'. gaxischen Regierung gemacht hat,, wirder vom Vorfi' enden Mtechroche». . Sein Verteidiger UXain (her - samt -einen Genysien von de, Anklage, -zusammen mitba-y^rl- - f ch.H a.k« n.k re u.z ler u.einen - P u ts ch Men, dje'i nngariM Regieruvsgeplamtzu haben,-, freigespro-i chen worden -war,, welches Urteil gerade heute die oberste Wtanz d.esta.tXgL hat^-nermp. döe^Ä-rckpfvechung. -des- AngeLagfen durch den Vorsitzerü-ry ein terrorist-lsche's Vorgehen und wird deshalb vom VerhandlnngÄeiter gerügt. Hierauf verlassen Ulain und die übrigen Verteidig e.x .d.e-n-.S a a l- . - - Da sich ein m Saale anwesender Rechtsanwalt bereit erklärt, die Verteidigung zu übernehmen, wird die BerhaMung fortgesetzt und der -weite Angeklagte I,sef S^g.S. z. txchövt,' der nach der glichen - Methode wie Marffy lpugnet. WLhwnd des Verhörs des' Szasz k ehren s a m t l i ch e- Verte! d i.g e r m X t. A u s n a h m e des Algin wieder, in.den Saal zurück. .Auch der. Ar^lagttz Maros.y.behauptet-.die.PcLizei -habe jtm sei« Geständnis erpreßt. Sodann wird die Verhandlung auf. morgen.vertagt. -er Merger-Mrd« SchvljlnMnoslawkenr Berlin, 18,.November. Die ,>B. Z. am Mittag" meldet aus Belgrad, daß der Erzberger-Mörder Schulz nach seiner Abreise a>us Buda-pest.die südslawische Grenze überschritten und sich bis gestern in S u bo t i ca verborgen gbhälten «hak. Von der dortigen Polizü entdeckt, Mcht'ete er mach Belgrads Das jügosiawi'che Hünen- Ministerium hat einen Steckbrief gegm ihn erlassen «nd braibsichtigt, ihn an Deutschland auszuli eifern.' rie vudgetberatllng im tschecho-sloyiMchen Parlamerit. Exodus der Oppositionsparteien. (Ebgendisnst der „Wiener Morgenzeitung".) Prag, 18. November. Das Abgeordneterlihaus bcgauu houte die Deratunig des Budgets für das Jahr 1925. Der Perichterftatter, A-bgeavdneter Sr bin ko, wies u. a. darauf, hin, daß eine. Gessevjielluuq der StaaMeanrlen an die Bedingung geknüpft sei, iu>nevha>^brven>'.ger Jahre etwa- 120,000 Staat s a n geftellte a b z u da u e n; für das Jahr 1926 betrage die Mbauqur-te etwa 40.000 bis 50.000.- Sodann gnlien die Vertreter -der ei,nzeluen deutsche n- Parieren entsprechend einer untereinander getrefseNen' Vereinlbavnng die ErMvrmg ab. daß sie sich an den Budgetberatungen im P-lenum nicht beteiligen werden. Die gleiche Erklärung folgte voll den' Vertretevn'-dvr M a g y a r e. n und der s l o)v a k i s ch e n Bv'lkSpar-t-ei, -wo-vaüf die Mitglieder'' der Opposition ge.He i«sa m d le S ihn wg -v■$rl ieße-n/ Wiener Morgenrettung. 19. November 1924 Nr. 20SS WAelsbachem «nd Sie LfterrrichWen Uonarchlste« schwenken ab. Bar wenigen Tagen wurde in den ZeiNmigen über e'mg. XXmdiXdung ^ber -Herreichiischen. Mona.vchifteupgvtei be» richtet.'^Der Mftre^uitschmdlka-antnfemtch Teufel, vom Men Aterreischen Parlamente her/ü'bel be« kawN!t/->.velcher wegen"' ÄllldoiltHer Umtriebe ch-K feiner H-eima'Ästadt Znaim in der Tfchecho-^'Dlotvaker nach?n. stüchtete,;,si in die Pa.rt«i «NMnommLN und sofort m i'' '-Exekutive gewÄHt-wdvden. Hinter -Ton-sel stcheu seine -Irsundeund alten deutschnationalen KaurpsUno-ssen Hummer und KaÄ Hermann W oXf. Gla'ächlMrg wurde beschlossen^ den einzigen mott>.rrchiisiWen Atgeordneten i»n' jetzigen' österr-e-ichischen ParXammt, Wense, welcher -mit Hilfe der Ehristli-chfoziailen ge-w irs-Lt worden war und dom christlichso^ialen Parla-rmntsklub angahörte. ,z,nr Maudatsnicdevlegung <um-V zur Lösung soines Berhältnissos Zur : chvistlrchsazialen Partei Zu zwin^rn. ' Dtese Schtbeicknug ' von der koniserva-t.iv-^.tholrschen PlchXMg tzür deu^chmiAionalen bracht« es auch mÄsich, daß /dtr-ahsolntcha^sHu-rgtreue, unter Fühmny Hohi n.ig:g.s stvhende IrÄgel der Partei jede» Einfluß verloren hat. Di« Wcmdlumg fft emersertS dem Verhalten der im 'Au§-lam!de lebenden MiMeder der habsburgifchen F a nc i «l i e, <vnderersei.ts herbei. Die Partei erhält von ihn: keiinen Heller. Der Bvu» der des verstorbenen Exkaisers, Max, auf welchen diie oster, reichifchul Monarchisten manche Hoffnungen gründeten, lebt in Bayern uud ist reiner Genußmensch. Enge.» tvohut in der Schweiz u.nd hat sich gänzlich zurückgezogen. Der rbelige Gr-oßg-rnudbÄsitz -in Oesterreich, Ungarn rmd de^ NachsiLgostoaten gibt kein Geld. In dieser Situation senden es die roichrdoultschen Monarchisten der Münchner «nd Potsdamer Couleur siir gut, sich an die Herren« mnd mittellose Wiener Man-' avchistenpärtei hswi^unwchen. Sie erkannten/ daß hier für. billiges Getld eim Stützpunkt für ihre Bostreibnugen zu gewinnen sei. EM« Monarchiftenipartei w Wien, welche sich von den Habsburgern abw-endet und «unter dem.Esnslnsie der reichL'deuiüschen Rei^t!>onäre für enren poilitifchnr Ansamlnenfchluß mit Deutschland arbeitet, sichei-nt ihnen < ein wertvolles Glied in der Kette der Parteien, welche für die Wiederausrichtung der deutschen Monarchie arbeiten. Die Wiener Partei kann, so glauben die Herren in Deutschland, der totederainfgerichteten deutschen Monarchie Oesterrvich als Morgengi:he mitbrmgen. Nachdem die -deutis-chen Dtr>narchif1en übar große Geldmittel verfügen, iwar zf -chmn ein leichtes, . >; der Passivität des monarchisch gesinnten österreichischen und ungarischen Adels züzus'Hreiiben. Die in Spanien lebende Exk.i.iserm Zita ist luohl energisch, aber, sie entbehrt aller Mittel für Pvapaganda und.ihr Verhältnis Zu den Verwandten ßst ein. Wies und loses. Der milliardspreiche Ehets.der Familie, F r I e d r i ch, -hat xilgeknöpfte Taschen u»wd nur, wown die Geldverlegenheiten der Familie des Exkaiisers katastvophnle Dimensionen a-nmehmen, läßt er, sich zu Un.tevstützningen bei der schwachen, mittellvs<" 'absburgerparte! festen Fuß zu fassen. Vorläufig ist Teufel dariu, K. H Wolf und seine Frsun.de tverden bald folgen. Die .Habsburger und ihre Auhmiger, soforn« bei ihnen irberlM.pt noch Hoffnungen bostehen. werden sich oin anderes Hauptquartier suchen müssen. Ue-ber der Wiener Moni-irchiften- Partei schwebt bereits das preußisch-bajuvarische Hakenkreuz. Bald wird das Losungswort nicht mehr Otto, sondern Wilhelm und RuPPrecht heißen. Bamm Sie SpaM verlieren Marokko. Madrid,. 17. Novemiber. (Havas.) Wie. amtlich gemeldet wirtz, haben sich die spanischen Truppen unter großen Schwierigkeiten dm Sches.chauen .nach Darkobba zuriü.Sgezogen, Offizielles Zugeständnis. "Nach.offiziellen, an die Prager span ische G e^s a n d t s ch a f t gelangten TUgrämmen gewr.Xt die spanische Regierung, ohne auf chve alten, durch inter- Na-tio-We Verträge anevkay-lten Rechte zu -verzichte«,' in Maro kko di e Opsier'an Me n.sche n und a n Geld auf ein Mindestmaß zu beschränken und wird dec'halib entbehrliche Positionen räumen, um die so ersparten Geldmittel für die volkswirtschaftliche Wiederbelebung des Landes verwenden zu können. Die Soldaten tun nicht mehr mit. Paris, 18. November. Nach einer MeXduirg der Information" aus San Sebastian sei «s m Madrid -wegen der.Zuvückha^tung der Mters'Äasse 1921 unter drn Fahnen zu.. Zw i s ch e.n.s allen gekr-mmen. Eine Änza'hl sunger Soldaten, deren Dienstzeit um einige Tage verlänsert tvorden sei,. ha'be gemeutert und jede Dien stlei.stung verweigert. Re Lage im Hedschar. (Eigentzienst der „Wiener Morgenzeitung".^ London, 18. Novomber.- Die BMter melden aus Kairo, daß' die Lage im H e d f ch a s immer noch fahr verworren ist/ Während kürzlich von eitet Niederlage -der WahHiten berichwt wurde, meldet eine heutige Depesche, daß die W ach a b i t e n in zwei Kolonnen wieder gsgen Dfch'idda-h vorrücken. Die eine Kolonne aus -dom Süden sei bis auf 200 Kilometer gegen die Stadt vovmorschiert, die nördliche'Kolonne ha.t Babe sch am Roten Mevr, 16V KiXometor vcn Dschiddah entfernt, erreicht. W«a gegen die MSchte. Schanghai, 17. Nrvomber. (Reuter.) Dr. Snnsaisen ift heute, aus Kanton .hier eingetv"s-fen. Er wird sich nach T i.e n i s i n begeben,. um mit T sch a n g t -s e l im und Fengyühsiang über hie künftige Fcvm der Regierung in China zu berateni Sunjatsen hat sich -in einam Manifest für die Abschaffung aller Dorre ch te auf Grund der Exterritorialität ansgefprc'chen. In. einem Interview erklärte er, daß die japanischen Konzessionen in China in naher Zeit aufgehoben werden.-miüßien. Tin Tawes-Plan für China. ' London, 18. November. Wie das Reutevsche Bureau ans 9!ew-Zorker Fi.nan<kre'.>'en meldet, werde in der von Ch'in'a einberufenen internationalen Konferenz die'Frage der Errichtung eines Dawes-PlaneS für China zur Erörterung stehen. Nach ans Peking stammerrden Informationen über dieses Projekt soll der Außenminister die verschiedenen interessierten Mächte einladen, an dieser Konferenz teilzunehmen und über Maßnahmen zu diskjttieren^ die giceignet wären, China aus seinen finanziellen Schwierigkeiten h.rauszu>helsen. zwei Fuden in der neuen Regier««- Aaldwi«. London, 17. .November. (I. T. A.) Unter den neuernannten Mitgliedern der Negierung befinden sich zwei Juden: Major Sir Philip Albert Gustave David S a s s o o n, der das Unterstaatssekretariat für das Lus 1- Wesen leiten wird. Und Herr Artur Michael S a m u e l, der das Amt des parlamentarischen Sekretärs für das A eb e r f e e - H a n d e l s d e p a r t e m e n t übernimmt. Sir Philip Safso o n, der im Jcihre 1888 geboren wurde, ist der Sohn des verstorbenen Parlaments- ' Mitgliedes Sir Edward Sassoon und ein Enkel des Barons Gustave de Rothschild. Während des Kriegeswar er Pri-' vatsekretär des Oberbefehlshabers der britischen Armeen in Frankreich, des Feldmarschalls Sir Douglas Haig, nach dem Kriege parlamentarischer Sekretär, beim Premierminister Lloyd G e o r g e. Seinen ersten Ministerposten bekleidete er im Jahre 1919 als Parlamentssekretär für das Transportwesen. j Herr A. M.Samuel hät sich als Handelssachverständiger sehr hervorgetan. Er ist der Autor des Programms der britischen Handelspolitik, das von den Handelskammern des Vereinigten Königreiches angenommen wurde und das der alliierten Wirtschaftskonferenz zu Paris im Jahre 1916 als Basis gedient hat. Er ist Mitglied des Rates der Vereinigung der britischen Handelskammern. Herr Samuel ist Bev» fasser einer Anzahl vielbeachteter Werke über das Bankwesen, den internationalen Handel, das Wechsclwesen, Handelsschiffahrt, Schiffahrtsgesetze usw. Er hat sich auch als Verfasser literarischer mW künstlerischer Abhandlungen einen Namen gemacht., Er hat der Stadt Nor wich, wo er im Jahre 1872 geboren wurde, und wo er Oberbürgermeister gewesen ist, das George - Borrow- Museum geschenkt. Matteottl« Mandate. Rom, 18. November. In der Kammer wurde heute nach hä-ngerer Geschä'ftsovdniun'gsdeba-t'ie über das Doppelmandat Matteottis bsschlossen, fot Anbetracht des beson-deren Falles ön b e i d e n Maihlkreisen Sozialdemokraten als gewählt zu erklären. Hierauf wurde die Debatte über das Budget des Innern begonnen. Bei der XMt'iaen Wiedereröffnung des Senates hielt Senatspräsident T i t t o n i eine Rede, in der er auf die Notwerd'gkeit hinwies, daß die G e w a l t t a t e -n i» I ta lieu aufhören. Tittoni pries denM'igen Mann, dem es gelinge« werde, dem >bvüdevmör!d'er''.schLn Kampf» ein Ende M bereiten. 0ie sagen einander die Wahrheit. München, 18. Novenvber. (Tel.-Konip.) Der Verfall unter den völkischen Organisationen zeigt weitere Fortschritte. Di« radikale Gruppe der Völkischen unter 'der Führung Essers und Streichers läßt nu-mnehr em eigenes Blatt der Nattonalsozialisten erscheinen, das di« übrigen -deutschvölkischen Gruppen in der schärfsten Weis« angr.ist und sie „abgefeimte Politisch« Gauner v^« schäbigstem E-H r,g e i z" nennt.